Seminare Winter 2026 - Anmeldungen offen

Hier sind die Angaben der kommenden Seminare im Februar und März 2026. Für die Teilnahme ist eine Mitgliedschaft bei der Seniorenuniversität Bern erforderlich.

Online-Anmeldungen für die neuen Seminare vom Winter (Februar und März 2026) sind ab 12. Januar 2026 ab 9 Uhr vormittags über diese Website möglich.

Bitte beachten Sie die Regel: Am 12. Januar sind pro Person maximal 3 Anmeldungen für Gruppenveranstaltungen gestattet. Ab dem 13. Januar. sind dann weitere Anmeldungen möglich solange es freie Plätze hat.

Bitte melden Sie sich aus Rücksicht auf den Platz für andere Mitglieder nur dann an, wenn Sie definitiv eine Teilnahme planen. Bei einer späteren Abmeldung können wir aus administrativen Gründen den Platz nicht mehr neu vergeben.

Die detaillierten Anleitungen für Online-Anmeldungen finden Sie hier:

Donnerstag, 5. Februar 2026 S10 - Anmeldungen offen

Die Evolution der Arbeitsteilung

Prof. em. Dr. Michael Taborsky, Institut für Ökologie und Evolution, Universität Bern

Der Vortrag von Prof. Taborsky bei uns am 1. Oktober gab Einblick in die Erkenntnisse der Verhaltensforschung: Was sind die biologischen Wurzeln von Kooperation und Altruismus? Im Seminar geht es nun um einen anderen Aspekt mit neuen Erkenntnissen aus der Verhaltensforschung. Die Evolution der Arbeitsteilung.

Die soziale Arbeitsteilung gilt seit Langem als ein zentraler Treiber des wirtschaftlichen Erfolgs menschlicher Gesellschaften – eine Auffassung, die bereits bei antiken Philosophen wie Platon (in Die Republik, ca. 380 v. Chr.), Xenophon (in Cyropaedia, ca. 370 v. Chr.) und Aristoteles (in Politik, ca. 350 v. Chr., sowie Nikomachische Ethik, ca. 340 v. Chr.) zu finden ist. Im Laufe der Zeit entwickelte sich dieses Konzept zu einem Grundpfeiler des politökonomischen Denkens, am prominentesten formuliert von Adam Smith in Der Wohlstand der Nationen (1776). In seinem Hauptwerk stellte Adam Smith die These auf, dass die Arbeitsteilung zu einem größeren Produktionszuwachs geführt habe als jeder andere Faktor in der Menschheitsgeschichte.

Es besteht wenig Zweifel daran, dass die Arbeitsteilung die Produktivität sowohl bei Menschen als auch bei anderen Organismen erheblich steigert; weniger klar ist jedoch, wie sie entsteht, wie sie organisiert ist und welche biologischen Wurzeln dieser menschliche „Turboverstärker“ hat. Wir gehen diesen Fragen im Seminar nach und werden besonderes Augenmerk auf die Funktionsweise und die biologischen Wurzeln sozialer Arbeitsteilung legen.

 

Donnerstag, 12. Februar 2026 S11 - Ausgebucht

Koloniale Spuren in Berner Sammlungen: ein Fallbeispiel zu Namibia

Samuel Bachmann, MA, Kurator Ethnografie, Bernisches Historisches Museum und Doktorand, Universität Basel

Welche Rolle spielten Schweizer Privatpersonen und Institutionen bei der Aneignung von Kulturerbe aus Afrika während der Kolonialzeit? Und welche Herausforderungen ergeben sich für Schweizer Museen heute bei der Aufarbeitung dieses kolonialen Erbes? Diesen Leitfragen widmet sich das Seminar. Ausgehend von einer spezifisch bernischen Perspektive beleuchten wir die Geschichte des ethnografischen Sammelns in Afrika und diskutieren, welche Konsequenzen diese Vergangenheit für den heutigen Umgang mit den entsprechenden Sammlungen hat.

Das Seminar bietet Einblicke in aktuelle Projekte des Bernischen Historischen Museums zum Umgang mit dem kolonialen Erbe Berns. Im Mittelpunkt steht dabei ein Projekt zu einer Sammlung aus einem gewaltgeprägten Sammlungskontext in Namibia sowie die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Akteurinnen und Akteuren aus dem Herkunftskontext, unter anderem mit den Nachkommen der ursprünglichen Besitzerinnen und Besitzer. Die Teilnehmenden setzen sich mit der aktuellen Debatte um die Provenienzforschung zu Sammlungen aus kolonialen Kontexten auseinander. Sie werden mit gegenwärtigen Forschungsmethoden vertraut gemacht und lernen die praktischen Herausforderungen kennen, die mit der Restitution afrikanischen Kulturerbes verbunden sind.

Donnerstag, 19. Februar 2026 S12 - Ausgebucht

Nonverbale Kommunikation und das Interpretieren von emotionalen Signalen (Wiederholung)

Dr. Nils Sommer, Institut für Psychologie, Universität Bern

In diesem Seminar erfahren Sie, wie wir Menschen ohne Worte miteinander kommunizieren – durch Gesten, Blickkontakt, Stimmlage und mehr. Es ist eine Wiederholung des Seminars vom Frühling 2025. Zunächst werden die Grundlagen der nonverbalen Kommunikation anhand von Forschungsergebnissen und alltäglichen Beispielen erklärt. Danach werden Sie in Kleingruppen verschiedene Bereiche des nonverbalen Verhaltens näher kennenlernen: Sie werden nonverbale Verhaltensweisen ausprobieren und deren Wirkung diskutieren, verschiedene Verzerrungen in der Wahrnehmung von nonverbalem Ausdruck kennenlernen, und mit einem psychologischen Testverfahren am Computer herausfinden, wie gut Sie den emotionalen Ausdruck anderer Menschen interpretieren können. Zum Abschluss erhalten Sie einen kurzen Einblick in moderne Methoden der Erforschung nonverbaler Kommunikation und aktuelle Forschungsprojekte.

Hinweis. Bitte wenn möglich den eigenen Laptop (mit Kopfhörer) ins Seminar mitbringen. Falls Sie keinen Laptop haben: am Kurs werden einige Laptops zur Verfügung gestellt. Der Laptop wird benötigt, damit Sie die Gelegenheit haben, selbst einen Emotions-Erkennungstest durchzuführen.

Donnerstag, 26. Februar 2026 S13 - Anmeldungen offen

Bertolt Brecht: «Die heilige Johanna der Schlachthöfe.» Diskussion der aktuellen Inszenierung an den Bühnen Bern (Vidmar 1)

Prof. Dr. Beate Hochholdinger-Reiterer, Institut für Theaterwissenschaft, Universität Bern

An den Bühnen Bern wird in dieser Saison eine Neuinszenierung von Bertolt Brechts Stück «Die heilige Johanna der Schlachthöfe» gezeigt.

Im Seminar wird Prof. Hochholdinger nach einer kurzen Einführung in Brechts Theorie des epischen Theaters und in die Entstehungsgeschichte des Stücks vor allem über die gesehene Aufführung sprechen. Dazu ist es hilfreich, wenn möglichst viele Teilnehmende das Stück in Bern gesehen haben und mit Hilfe eines Erinnerungsprotokolls beschreiben, was sie gesehen haben. Eine Teilnahme am Seminar ist jedoch auch für Personen möglich, die die Aufführung in Bern nicht gesehen haben.

Im Seminar wird Frau Prof. Hochholdinger versuchen, mit den Teilnehmenden das Gesehene zu deuten. Wurde das Stück aktualisiert? Wenn ja, auf welche Art und Weise? Welche Deutung des Stücks nimmt die Neuinszenierung vor?

Donnerstag, 5. März 2026 S14 - Anmeldungen offen

Unangepasste Autorinnen: Vertiefung des Vortrags vom 17. September

Dr. Pia Reinacher, Literaturkritikerin Frankfurter Allgemeine Zeitung und Autorin; ehemalige Lehrbeauftragte u.a. der Universität Bern

Schriftstellerinnen erkunden in ihren Romanen oft das eigene Ich. Dies auch dann, wenn es sich nicht um autobiographische oder autofiktionale Werke handelt. Ziel ist es, schreibend und oft auf verschlungenen Wegen zu erfahren, wie man zu dem geworden ist, der man ist. Die Akteure im Zentrum umkreisen die Kindheit, das Familientableau, die Beziehungen, die Desillusionen, die Lebens-Katastrophen. Nicht selten führen die Romane vor, wie sich die Frauen aus den Abgründen des eigenen Lebens wieder hochgerappelt haben. Es geht um die Suche nach der Identität, - auf der Folie der gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse. Diese Recherche ist oft schmerzhaft, manchmal amüsant, nicht selten entlarvend, aber sie ist für Leserinnen und Leser fast immer von grossem Erkenntniswert, auch für das eigene Leben.

Im diesen Seminar befassen wir mit den Lebensabenteuern von drei glitzernden Schriftstellerinnen:  mit jenen der französischen Autorinnen Colette, («Vom Glück des Umziehens», dt. neu 2025) und Yasmina Reza, («Babylon», 2017) sowie mit jenen der schweizerisch-italienischen Autorin Zora del Buono, («Seinetwegen», 2024). Wir verfolgen die Spuren ihrer weiblichen Figuren im Mittelpunkt, werfen einen Blick auf die Höhenflüge und Niederlagen ihres Lebens, schauen interessiert zu, wie sie sich am Zeitgeist und an der Gesellschaft reiben und erfahren, wie sie am Ende zu sich selbst gefunden haben.

Donnerstag, 12. März 2026 S15 - Ausgebucht

Viele Arten, ein Buch zu lesen

Prof. Dr. Oliver Lubrich, Institut für Germanistik, Universität Bern

Literarische Texte zeichnen sich dadurch aus, dass sie auf unterschiedliche Weisen lesbar sind. Die Literaturwissenschaft bietet eine Vielfalt von Methoden, mit denen wir sie verstehen und genießen können: von der antiken Rhetorik und Poetik über formale, historische, psychologische und postkoloniale Ansätze bis zu Digitalphilologie und empirischen Experimenten der Neuroästhetik. Mit ihren Verfahren lassen sich aber auch andere Arten von Texten kritisch analysieren, zum Beispiel Produktwerbung, politische Reden oder Verschwörungserzählungen.

Das Seminar bezieht sich auf ein neu erschienenes Einführungswerk, das Oliver Lubrich und Thomas Nehrlich an der Universität Bern entwickelt und mit Studierenden erprobt haben: »Lesen lernen«. (Die Einleitung und das Inhaltsverzeichnis werden vorab zur Verfügung gestellt.) Ebenso wie dieses Einführungswerk richtet sich das Seminar nicht nur an professionelle Leser’innen, sondern an alle, die literarische und andere Texte mit fachlichem Werkzeug und mit Vergnügen ›lesen lernen‹ möchten. Vorgestellt werden (mindestens) »zwölf Arten, ein Buch zu lesen«, die wir an ausgewählten Beispielen diskutieren wollen.

Donnerstag, 19. März 2026 S16 - Anmeldungen offen

Mehr als Helden? Zur Geschichte der Superhelden

Dr. Thomas Nehrlich, Institut für Germanistik, Universität Bern

Was genau ist eigentlich ein Superheld? Was unterscheidet ihn vom Helden? Welche Rolle spielten antike Mythen, biblische Geschichten oder Nietzsches Philosophie für die Schöpfer von Superman, Wonder Woman, Captain America und Co.? Wie erklärt sich der grosse Erfolg der Superhelden-Filme im Kino der letzten zwei Jahrzehnte? Und erleben wir gegenwärtig ihren Niedergang in die Bedeutungslosigkeit? Was ist die politische Dimension der Superhelden? Befördert die Beschäftigung mit ihnen eher faschistische oder demokratische Einstellungen? Sind Superheldinnen feministisch?

Antworten auf diese und weitere Fragen wollen wir in diesem Seminar gemeinsam diskutieren. Wir werden dabei auf Beispiele aus der über 80 Jahre langen Geschichte des Superhelden-Genres eingehen, die neben Comics auch Filme, TV-Serien, Radio und weitere Medien umfasst. Wir werden Archetypen der Superhelden kennen lernen (z. B. Superman als Beschützer des Guten, Batman als Kämpfer gegen das Böse). Und wir werden uns mit der besonderen Ästhetik und Bildlichkeit der Figuren beschäftigen, die sie vielleicht am meisten von anderen Heldenvorstellungen unterscheidet.

Donnerstag, 26. März 2026 S17 - Anmeldungen offen

Islamische Textilien in europäischen Kirchenschätzen – Nutzung, Bedeutung und Handelswege

Prof. Dr. Corinne Mühlemann, Institut für Kunstgeschichte, Abteilung Geschichte der textilen Künste, Universität Bern

In zahlreichen europäischen Kirchenschätzen – etwa in Braunschweig, Danzig/Lübeck, Halberstadt, Regensburg oder Stralsund – haben sich mittelalterliche Paramente erhalten, die aus kostbaren Seidenstoffen gefertigt wurden, deren Herkunft in die islamische Welt verweist. Ein grosser Teil dieser Gewebe stammt aus Regionen des heutigen Iran, die im 13. und 14. Jahrhundert Teil des ilchanidischen Reiches waren.

Das Seminar widmet sich der Frage, auf welchen Wegen diese Stoffe in nordeuropäische Kirchenschätze gelangten und welche Akteurs- und Handelsnetzwerke daran beteiligt waren. Zudem wird untersucht, wie diese Gewebe in ihrem neuen, christlichen Kontext verwendet, wahrgenommen und umgedeutet wurden: Erkannten die Zeitgenossen ihre islamische Herkunft, oder standen primär Kostbarkeit, Fremdheit und technische Raffinesse im Vordergrund? Anhand ausgewählter Fallbeispiele analysieren wir Zirkulationsprozesse, Transfermechanismen und Rezeptionsformen und diskutieren methodische Zugänge, um textile Objekte zwischen Produktion, Weiterverarbeitung und liturgischer Nutzung historisch einzuordnen. Die Teilnehmenden erhalten einen vertieften Einblick in transkulturelle Objektbiografien und die vielfältigen Bedeutungszuschreibungen, die islamischen Seiden in mitteleuropäischen Kirchenräumen zukamen.