Seniorenuniversität

Abstracts 2019/20

Die Abstracts und weitere Informationen, die uns von Referenten / Referentinnen zur Verfügung gestellt werden, sind jeweils unter den Titeln der Vorträge gesammelt. Die Folien sind ausschliesslich zur persönlichen Einsicht bestimmt.

Dienstag, 17. September 2019, 16.15 ExWi

Die Alpen - eine Entdeckungsgeschichte von der Renaissance bis zum 19. Jahrhundert.

Prof. Dr. Simona Boscani Leoni, Historische Institut, Universität Bern

In meinem Vortrag werde ich die «Entdeckung» der Alpen in einer Langzeitperspektive (longue durée) analysieren. Wir werden sehen, wie zwei unterschiedlichen Phänomene, der Humanismus und die Entdeckung Amerikas, die Grundlagen geschaffen haben, um ein neues Interesse für diese wilden Territorien mitten in Europa zu wecken.  Zur Zeit der Renaissance fanden nämlich die ersten Bergbesteigungen statt, die oft von naturgeschichtlichem Interesse der Gelehrten motiviert waren. Seit dieser ersten Entdeckungsphase ist die Verflechtung der Alpen mit der «sich globalisierenden» Welt eine Konstante geblieben, die wir bis zum 19. Jahrhundert verfolgen werden. Denn wissenshistorisch gesehen, gehören auch die Alpen zu den «neuentdeckten, exotischen» Weltteilen, die durch die europäische Expansion der Frühen Neuzeit «kolonisiert» werden.

Freitag, 20. September 2019, 14.15h, Aula HG

Was Stalin und Churchill gemeinsam hatten:
über Hirnblutung und Hirnschlag

Dr. Julian Seiffge, Universitätsklinik für Neurologie, Inselspital, Bern

Stalin und Churchill haben als Politiker das 20. Jahrhundert geprägt. So unterschiedlich ihre politischen Absichten und Orientierungen auch waren: beiden gemeinsam war, dass sie zeit ihres Lebens an zerebrovaskulären Erkrankungen litten.
Hirnschlag und Hirnblutung sind heute Volkskrankheiten. Die Symptome können von der leichten «Streifung» bis zum schweren «Hirnschlag» führen. Der ischämische Hirnschlag («zu wenig Blut») und die Hirnblutung (Hämorrhagie - «zu viel Blut») sind oft eng miteinander verknüpft.
Die Diagnostik und Therapie hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Es stehen neue und hocheffektive Methoden der Vorbeugung und Akutbehandlung zur Verfügung.
Der Vortrag umfasst eine Einführung in die zerebrovaskulären Erkrankungen, die gesellschaftliche und historische Bedeutung bis hin zu den neuesten Forschungsergebnissen und Behandlungsmöglichkeiten für Patienten.

Dienstag, 24. September 2019, 16.15 h, ExWi

Prähistorische Menschen und ihre Umwelt: Fallbeispiele der letzten 45'000 Jahre aus Afrika und Südamerika.

Prof. Dr. Heinz Veit, Geografisches Institut, Universität Bern

In den vergangenen 10 Jahren sind die Verbindungen zwischen Archäologie und Geographie bzw. den Geowissenschaften insgesamt enger geworden. Die Reste prähistorischer Menschen und ihrer Werkzeuge liegen nun mal meist im Boden begraben, und es bedarf der Kenntnisse aus verschiedenen Fachrichtungen, um neben den archäologischen Funden auch mit Hilfe der Böden und Sedimente die Umweltverhältnisse und den Lebensraum der Menschen zu rekonstruieren. Diese neue Studien- und Forschungsrichtung ist die Geoarchäologie.

Meine Arbeitsgruppe am Geographischen Institut arbeitet seit ca. 10 Jahren in diesem Bereich. In Zusammenarbeit mit Archäologen versuchen wir die Mensch-Umweltbeziehungen aus lange zurückliegenden Zeiträumen zu rekonstruieren. Im Vortrag werde ich Beispiele aus Afrika und Südamerika zeigen.

Eine alte Diskussion ist die Frage, seit wann der Mensch die Hochgebirge der Erde besiedelt hat. Gemeinhin gelten diese unwirtlichen Lebensräume (Klima, Höhenkrankheit, verminderte Reproduktion etc.) als eher jung bewohnt. In letzter Zeit häufen sich aber Hinweise, dass dies nicht stimmt. Ich werde aus den Bale Mountains in Äthiopien unser jüngstes Projekt vorstellen, in dem wir Besiedlungsspuren seit mindestens 45.000 Jahren haben. In den südamerikanischen Anden erfolgte die Besiedlung nahezu zeitgleich mit dem Tiefland im Spätglazial vor ca. 12.000-13.000 Jahren. Im Tiefland konnten wir damit einen weiteren Mythos widerlegen der besagt, dass der tropische Regenwald ebenfalls erst spät vom Menschen erobert wurde und sich dort keine Hochkulturen bildeten. Der Homo sapiens gilt klassischerweise als Savannenbewohner, wegen der besseren Übersicht (Jagd) und des grösseren Nahrungsangebotes.

Als einfaches Fazit zeit sich damit, dass der Homo sapiens schon früh in alle möglichen Lebensräume vorgedrungen ist und sich den teils unwirtlichen Klima- und Umweltverhältnissen angepasst hat, sofern genügend Ressourcen (Nahrung, Wasser, Rohmaterial für Werkzeuge etc.) vorhanden waren. 

Freitag, 27. September 2019, 14.15 h, Aula HG

Hat Mehrsprachigkeit Auswirkungen auf die geistige Fitness? Und wie ist das mit den Dialekten?

PD Dr. Constanze Vorwerg, Institut für Germanistik, Universität Bern

Eine wachsende Zahl von Studien zeigt, dass verschiedene Erfahrungen die kognitive (geistige) Leistungsfähigkeit signifikant beeinflussen. Der Vortrag befasst sich mit der Frage, ob Mehrsprachigkeit eine der Lebenserfahrungen ist, die allgemeine kognitive Auswirkungen haben. Im Zentrum steht dabei die bemerkenswerte Fähigkeit, die Sprachen willentlich zu wechseln und ihren Gebrauch zu kontrollieren. Die Notwendigkeit, die Aufmerksamkeit auf nur ein Sprachsystem zu richten und ein gleichzeitig ebenfalls aktiviertes zu unterdrücken, wird für die positiven kognitiven Effekte verantwortlich gemacht, welche im Bereich der kognitiven Flexibilität (Fähigkeit zum Aufgabenwechsel, Umgang mit Konfliktaufgaben) bestehen. Es werden Forschungsergebnisse vorgestellt, welche zeigen, dass Bilingualismus solche zentralexekutiven Fähigkeiten steigern und gegen ihren Rückgang im Alter schützen kann und damit zur „kognitiven Reserve“ beiträgt. Ausserdem beschäftigen wir uns mit der Frage, ob die Sprachkontrollsituation tatsächlich so einzigartig für Bilingualismus ist, wie von der Forschungsliteratur nahegelegt, oder ob nicht beim Wechseln zwischen Varietäten einer Sprache – wie z.B. Mundart und Standardsprache – dieselben Kontrollprozesse und mithin Effekte auf zentralexekutive Fähigkeiten anzutreffen sind.

Dienstag, 1. Oktober 2019, 16.15 h, ExWi

Carl Spitteler - 100 Jahre Literaturnobelpreis

PD Dr. Stefanie Leuenberger, Literatur und Kulturwissenschaft, ETH Zürich

Der Nobelpreis für Literatur ist heute der international bekannteste Literaturpreis. Die Verleihung dieses Preises an den Schweizer Autor Carl Spitteler jährt sich 2019 zum 100. Mal. Daher finden in diesem Jahr in der gesamten Schweiz Veranstaltungen in den Bereichen Literatur, Theater, Musik, Kunst und Wissenschaft statt, die sich mit dem vielfältigen, im In- und Ausland zeitweise intensiv rezipierten Werk Spittelers auseinandersetzen. Sie stellen seine zentralen Fragen zur Diskussion und machen so das Werk generationenübergreifend neu zugänglich.

Wiederzuentdecken ist mit Spitteler ein höchst aktueller Autor. Seine Texte verhandeln Themen, die im Zentrum auch der gegenwärtigen Debatten stehen: Den Umgang mit dem ›Fremden‹, die Sprachenfrage (etwa das Verhältnis zwischen Deutsch und Französisch, zwischen Hochdeutsch und Dialekt) und den Zusammenhalt zwischen den verschiedenen Schweizer Landesteilen, die Bedeutung des Minderheitenschutzes und der Vorstellung von der »Willensnation«.

Freitag, 4. Oktober 2019, 14.15 h, Aula HG

Was Sie schon immer über Wirtschaftsskandale (und Wirtschaftsrecht) wissen wollten

Prof. Dr. Peter V. Kunz, Institut für Wirtschaftsrecht, Universität Bern

Wer Fernsehen schaut oder Radio hört oder Zeitungen liest, findet sie, denn sie scheinen allgegenwärtig zu sein und überall zu lauern: die Wirtschaftsskandale. Von „Swissair“ über „UBS Rettung“ zu „Abzockern“ und „Vincenz versus Raiffeisen“ – Skandale über Skandale über Skandale… doch ist dies wirklich so? Ist jeder „Skandal“ ein Skandal oder allenfalls eher ein „Skandälchen“? Wie wird ein Skandal zum Skandal? Welche Rolle spielen insbesondere die Medien sowie die Behörden (und schliesslich die Politik)? Ist diese „Skandalitis“ real oder wird sie einfach, aus niederen Neidtrieben, herbeigeredet? Anhand von aktuellen Beispielen aus der Schweiz versucht der Referent Prof. Peter V. Kunz, der als Experte zahlreiche „Skandale“ begleitet hat, einige Fragen zu beantworten – und im Anschluss zu diskutieren.

Dienstag, 8. Oktober, 16:15 h, ExWi

Tugenden – was verstehen unterschiedliche Menschen darunter und wozu sind sie gut?

Prof. em. Dr. Wolfgang Lienemann, Institut für systematische Theologie, Universität Bern

Wann und warum ist das Handeln von Menschen „gut“ zu nennen? Die Motive sind vielfältig, die Zwecke denkbar verschieden, die individuellen Einstellungen und Wünsche unübersichtlich. Ist nicht jede Moral abhängig von der Epoche, der Gesellschaft, der Kultur, in die Menschen hineingeboren sind?

Tugenden scheinen etwas damit zu tun zu haben, warum wir ein Handeln „gut“ oder „gerecht“ nennen. Gibt es Tugenden, die – bei allen Unterschieden – von sehr vielen Menschen in gleicher Weise verstanden, beurteilt und anerkannt werden können? Gibt es dafür Kriterien? Es kommt vor, dass die einen einen bestimmten Menschen einen Freiheitskämpfer, die anderen einen Verbrecher nennen. Im Blick auf dieses und andere Beispiele wird gefragt, inwiefern und wozu die Besinnung auf Tugenden unerlässlich ist.  

Freitag, 11. Oktober 2019, 14.15 h, Aula, HG

Paul Gauguin: Woher kommen wir ? Was sind wir ? Wohin gehen wir ?
D’où Venons Nous // Que Sommes Nous // Où Allons Nous, 1897/1898

Prof. em. Dr. Oskar Bätschmann, Institut für Kunstgeschichte, Universität Bern

Paul Gauguin (1848 Paris – 1903 Hivaoa) erzählte, er habe am Jahresende 1897 den Plan gefasst, ein grosses Gemälde auszuführen und danach seinem Leben ein Ende zu setzen. Er hatte die Absicht, wie er einem Freund nach Paris schrieb, sich mit einem Meisterwerk im Format von 139 x 375 cm zu verabschieden, das sich mit der grossen Menschheitsfrage beschäftigte. Tatsächlich schrieb er den Titel seinem Gemälde ein: „D’où Venons Nous // Que Sommes Nous // Où Allons-NousWoher kommen wir, was sind wir, wohin gehen wir. Wir werden uns mit den Lebensumständen des kranken und elenden Gauguin in der Südsee befassen, mit der Entstehung des Gemäldes, mit der Herkunft des Bildtitels aus den naturwissenschaftlichen Antworten auf die Welträtsel und mit weiteren gezeichneten und gemalten Darstellungen solcher existentieller Fragen, die für so unterschiedliche Künstler wie Gauguin, Giovanni Segantini und Pablo Picasso um 1900 wichtig waren.

Dienstag, 15. Oktober 2019, 16.15 h, ExWi

Antibiotikaresistenz: Gibt es einen Weg zurück?

Prof. Dr. med. Andreas Kronenberg, Schweizerisches Zentrum für Antibiotikaresistenzen,  Institut für Infektionskrankheiten, Universität Bern

Die Einführung der ersten Antibiotika während des 2. Weltkrieges war eine der grössten und wichtigsten Errungenschaften der modernen Medizin.  Im Gegensatz zu den meisten anderen Medikamenten entfalten sie ihre Wirkung nicht primär auf den Menschen, sondern auf die Bakterien. Diese versuchen mit verschiedenen Resistenz-Mechanismen der tödlichen Wirkung der Antibiotika zu entgehen.

Aktuell sterben in Europa jährlich ca. 30‘000 Personen an den Folgen einer Infektionen mit antibiotikaresistenten Erregern, und die Resistenzentwicklung nimmt weiter zu. Die WHO beurteilt die Antibiotikaresistenz als einer der drei grössten Bedrohungen der menschlichen Gesundheit. 

Anhand aktueller Daten werden exemplarisch einige Mechanismen zur Entstehung und v.a. der Verbreitung von Antibiotikaresistenzen aufgezeigt und daraus mögliche Angriffspunkte zur Eindämmung der Resistenzverbreitung abgeleitet. Denn die Eindämmung der Resistenzentwicklung ist im Moment unsere wichtigste Waffe, da die Industrie in den letzten Jahren kaum in die Entwicklung neuer Antibiotika investiert hat.  

Freitag, 18. Oktober 2019, 14.15 h  Aula HG

Lebensqualität und Lebensfreude im Alter. Bedingungen und Handlungsfelder.

Alt Bundesrätin Dr. jur. Eveline Widmer-Schlumpf; Stiftungsratspräsidentin Pro Senectute Schweiz, Felsberg

Das Alter wird oft nur mit Verlust, nicht aber mit Gewinn in Verbindung gebracht. Der Fokus auf die Defizite verstellt jedoch den Blick auf die Kompetenzen, die Potenziale und die Entwicklungsmöglichkeiten, die das Alter in petto hat.

Welche Einflüsse sind entscheidend für eine gute Lebensqualität im Alter?           

Was ist der Schlüssel für Lebensfreude?

Sozialwissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass die Zufriedenheit mit dem eigenen Leben im Alter zunimmt – und dies vor allem dann, wenn man rückblickend auf das eigene Leben einen Sinn erkennen kann.

Aus einer Studie neueren Datums[1] geht hervor, dass die Mehrheit der älteren Generation in der Schweiz ihre Lebensqualität als gut oder sogar ausgezeichnet bezeichnet. Diese wie auch frühere Studien zeigen zudem: Der tatsächliche Gesundheitszustand entscheidet mit über die Lebensqualität im Alter. Von Einfluss sind aber auch die finanziellen Ressourcen und die Umweltbedingungen. Und ganz zentral sind die sozialen Beziehungen. Soziale Integration ist einer der wichtigsten Angelpunkte für Lebensqualität. Grundvoraussetzung der sozialen Integration ist die Teilhabe, also das Gefühl eingebunden zu sein, dazu zu gehören und gebraucht zu werden.

Ein Blick zurück macht deutlich: Für viele ältere Menschen blieb das, was wir heute unter Lebensqualität verstehen, ein Traum, etwas Unerreichbares. Mit der Einführung der AHV (ab 1948) verbesserte sich die wirtschaftliche Lage etwas. Aber erst mit der Einführung der Ergänzungsleistungen 1965 konnte der Verfassungsauftrag, nämlich die Existenzsicherung durch die Altersvorsorge, erfüllt werden. 1985 wurde schliesslich die obligatorische berufliche Vorsorge eingeführt. Diese sollte zusammen mit der AHV die Weiterführung des gewohnten Lebensstandards im Alter ermöglichen.

Ein Grossteil der heutigen Seniorinnen und Senioren ist denn auch in einer wirtschaftlichen Situation, die es ermöglicht, die 3. und 4. Lebensphase ohne grosse finanzielle Sorgen zu erleben. Und die Seniorinnen und Senioren von heute sind länger gesund als ihre Grosseltern und Eltern dies waren.

Die Seniorinnen und Senioren in 20, 30 Jahren werden dank des technologischen und medizinischen Fortschritts nicht nur länger leben als die heutigen, sondern sie werden, mindestens zahlreiche von ihnen, auch länger gesund sein. Die Weichen dafür, dass dannzumal auch die finanziellen und sozialen Bedingungen gegeben sind, welche eine hohe Lebensqualität auch im Alter gewährleisten, müssen indessen erst noch gestellt werden.

Wie wir das Altwerden und das Altsein erleben, hängt zu einem guten Teil auch von unserer Haltung, unserer Lebenseinstellung ab. Fakt ist: Der Takt des Lebens hat sich liberalisiert. «Das kalendarische Alter ist eine Kategorie mit schwindender Eindeutigkeit. Es schränkt nicht mehr ein – alles ist jederzeit möglich. Und das ist gut so; es darf keine Sonderbehandlung älterer Menschen allein aufgrund ihres Alters geben. » (Pasqualina Perrig-Chiello in Psinfo 2/2017)

Vieles liegt an uns selbst. Dies gilt für jede Lebensphase.

Zufriedenheit mit dem eigenen Leben, Zufriedenheit ganz generell ist eine Grundvoraussetzung für Lebensfreude, in jeder Phase des Lebens, aber ganz besonders auch im Alter.

[1] UNIL, FORS, zhaw, «Gesundheit der älteren Bevölkerung in der Schweiz», Studie im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit, 2019

Dienstag, 22. Oktober 2019, 16.15 h, ExWi

Persönlichkeitsveränderungen im Alter

Prof. Dr. med. Stefan Klöppel, Universitätsklinik für Alterspsychiatrie und Psychotherapie, UPD Bern

„Aber das Alter ist mürrisch, ängstlich, jähzornig, ungefällig…“ So beschreibt Cicero in der Antike das Alter.

Werden wir wirklich so?

In meinem Vortrag möchte ich zunächst auf die Konzepte der Persönlichkeit eingehen, welche Bedeutung die Persönlichkeit für den Alltag hat und wie sie sich mit den Jahren und vor dem Hintergrund geistiger und körperlicher Alterserscheinungen verändert. Im zweiten Teil geht es dann um Störungen der Persönlichkeit, wie diese sich im Alter verändern und wir man sie behandeln kann.

Die heutige Datenlage zeigt ein deutlich positiveres Bild als Cicero es noch beschrieb: Im Durchschnitt werden wir im Alter umgänglicher und weniger neurotisch.

Für Unterlagen zum Referat von Prof. S. Klöppel möge man sich bitte per mail an sein Sekretariat wenden, Frau Sandra Habegger.  sandra.habegger@upd.ch

Freitag, 25. Oktober 2019, 14.15 h, Aula HG

Hoher Blutdruck - und jetzt?

Prof. Dr. med. Bruno Vogt, Universitätsklinik Nephrologie und Hypertonie, Inselspital Bern

Hoher Blutdruck ist die häufigste in der Arztpraxis gestellte Diagnose. Patienten mit hohem Blutdruck fühlen sich nicht krank und klagen nicht über Beschwerden wegen hohem Blutdruck. Trotzdem, es ist eine ernst zu nehmende Diagnose. Ist der Blutdruck über längere Zeit zu hoch, dann erhöht sich das Risiko für einen Hirnschlag, einen Herzinfarkt oder einer Herzinsuffizienz (Herzschwäche). Die Folgen solcher Krankheiten können bis zu schwerer Behinderung und Tod führen. Deshalb sollte erhöhter Blutdrück abgeklärt und Behandelt werden. Die Behandlung basiert auf zwei Säulen:  Änderungen des Lebensstiles und/oder blutdrucksenkende Medikamente. Bei den meisten Patienten ist es notwendig, beides zu machen. Da der Blutdruck nicht verschwindet – in seltenen Fällen kann dies der Falls ein -  ist die Diagnose präzise zu stellen. Die Konsequenz eines zu hohen Blutdrucks ist eine lebenslange Behandlung.

Gute Online Referenzen finden Sie unter:

Schweizerische Herzstiftung: www.swissheart.ch/

Schweizerische Hypertonie Gesellschaft: http://www.swisshypertension.ch/

European Society of Hypertension: https://www.eshonline.org/

Dienstag, 29. Oktober 2019, 16.15 h, ExWi

Sicher gehen im Alltag

PD Dr. Tim Vanbellingen, ARTORG, Universität Bern / Kantonsspital Luzern

Mobilität heisst unter anderem die Möglichkeit und Fähigkeit, Alltagswege (z.B. Einkaufen gehen, Freizeitaktivitäten gestalten können) zu Fuss zurücklegen zu können und ist somit eine der Grundvoraussetzungen für ein selbstbestimmtes und eigenständiges Leben im Alter. Zu Erhalt einer guten Lebensqualität spielt die Mobilität, mehr spezifisch die Sicherheit beim Gehen, bis ins hohe Alter, eine wichtige Rolle. «Mobil, zu Fuss sein » ist häufig mit einer sozialen Integration verbunden und ist somit unverzichtbar für die körperliche, psychische und soziale Gesundheit. Mit zunehmendem Alter nimmt jedoch die « aktive » Mobilität ab und werden bis zu 50 % der über 65-jährigen Menschen mit Mobilitätseinschränkungen konfrontiert. Der Vortrag thematisiert diese Mobilitätseinschränkungen (altersbedingte Veränderungen, Erkrankungen, Einfluss gewisse Medikamente), und vor allem was man präventiv tun kann somit man noch im höheren Alter sicher bleibt beim Gehen.

Der Vortrag von Dr. T. Vanbellingen lässt sich hier als Podcast noch einmal mitverfolgen: 

Freitag, 1. November 2019, 14.15 h, Aula HG

Das Schweizer Gesundheitssystem - Diagnose und Therapievorschläge aus ökonomischer Sicht

Prof. Dr. Michael Gerfin, Volkswirtschaftliches Institut, Universität Bern

In den letzten Jahren hat es zahlreiche Vorschläge gegeben, wie das Schweizer Gesundheitssystem zu reformieren wäre. Die meisten Initiativen sind jedoch auf Ablehnung gestossen. Die relevanten Akteure vertreten völlig unterschiedliche Interessen und ziehen entsprechend alle in unterschiedliche Richtungen. Reformen sind aber unumgänglich. Die Kosten im Schweizer Gesundheitssystem steigen seit Jahren kontinuierlich, und es ist offensichtlich, dass die finanziellen Ressourcen, die das Gesundheitssystem in seiner heutigen Ausprägung benötigt, nicht unbegrenzt zur Verfügung stehen. Die Kostensteigerung ist nur das Symptom eines zentralen Widerspruchs, der an unserem System nagt: Das Gesundheitsverlangen ist unbegrenzt, die Ressourcen sind begrenzt. Der Vortrag beschreibt die dringenden Probleme und Vorschläge für ein nachhaltiges Gesundheitssystem.

Weiterführender link:

Dienstag, 5. November 2019, 16.15 h, ExWi

Theater in den "Goldenen Zwanziger Jahren"

PD Dr. Heidy Greco-Kaufmann, Schweizer Archiv der Darstellenden Künste / Institut für Theaterwissenschaft, Universität Bern

Nachdem die schlimmsten Folgen des Ersten Weltkriegs und das Kulturdiktat des Kaiserreichs überwunden waren, herrschte in Berlin Aufbruchsstimmung. Die kurze Spanne der fragilen Stabilität der Weimarer Republik entfesselte im Kreis der Intellektuellen und Kulturschaffenden eine Dynamik, die nach einer Neuordnung der gesellschaftlichen Verhältnisse und neuen künstlerischen Ausdrucksformen drängte. Der Lebensstil der Bohème der „Goldenen Zwanziger“ war extravagant und glamourös, kombiniert mit Gesellschaftskritik und politischem Engagement. Die Vorlesung vermittelt einen Überblick über die Vielfalt der Theaterformen in der „Theatermetropole“ Berlin, die neunundvierzig Theater, drei Opernhäuser, unzählige Kabaretts und Kleinkunstbühnen, drei grosse Revuetheater und drei Varietés beherbergte. Näher beleuchtet wird das Theaterschaffen wichtiger Akteure wie Max Reinhardt, Leopold Jessner, Erwin Piscator, Bertolt Brecht und andere. Dabei wird der Frage nachgegangen inwiefern sich der Zeitgeist im Theater spiegelte und inwiefern Theater das gesellschaftliche und politische Leben prägte. Zum Schluss werfen wir einen Blick auf die zeitgenössischen Theaterverhältnisse in der Schweiz.

Der Vortrag musste leider kurzfristig abgesagt werden, weil die Referentin aufgrund eines Zugausfalles nicht rechtzeitig in Bern sein konnte. 

Wir bitten um Nachsicht. Der Vortrag wird aber ins Programm 2020/21 aufgenommen.

Freitag, 8. November 2019, 14.15 h, Aula HG

Warum tun wir nicht immer, was wir uns vorgenommen haben? Erkenntnisse und Strategien aus der Gesundheitspsychologie

Prof. Dr. Jennifer Inauen, Institut für Psychologie, Universität Bern

Wer kennt sie nicht? Die Neujahrsvorsätze, die man sich für Sylvester aufgespart hat und am Jahresende voller Optimismus fasst: Gesünder essen, sich mehr bewegen, pünktlicher sein etc. Doch häufig bereits in der zweiten Januarhälfte lässt die Begeisterung nach und die guten Vorsätze versanden.

In der Gesundheitspsychologie nennen wir dieses Phänomen die Intentions-Verhaltens-Lücke. In meinem Vortrag zeige ich auf, welche Gründe es gibt, dass wir unsere Vorsätze nicht immer in die Tat umsetzen, und welche Strategien angewendet werden können, um Vorsätze besser zu realisieren. Ich illustriere dies am Beispiel gesundheitsrelevanter Verhaltensweisen (Ernährung, Bewegung), bei denen die Umsetzung von Vorsätzen von zentraler Bedeutung ist, im Sinne der Krankheitsprävention. Resultate aus der aktuellen Interventionsforschung geben Hinweise, welche persönlichen und sozialen Strategien bei der Umsetzung von Vorsätzen nützlich sind, und welche Rolle dabei moderne Technologien spielen können.

Website der Referentin: https://www.gpv.psy.unibe.ch/ueber_uns/personen/jinauen/index_ger.html

Dienstag, 12. November 2019, 16.15 h, ExWi

Stress: Freund oder Feind?

PD Dr. phil. Leila Soravia, Universitäre Psychiatrische Dienste Bern

Der Vortrag widmet sich dem Thema Stress und dessen Einfluss auf unser psychisches und physisches Wohlbefinden. Die Grundlagen der physischen und psychischen Stressregulation werden aufgezeigt und die Bedeutung von Stress für verschiedene psychische Funktionen, wie Gedächtnis und Stimmungsregulation sowie dessen Zusammenhang mit psychischen Gesundheitsproblemen erläutert. In einem zweiten Teil wird der Frage nachgegangen wann Stress gesundheitsschädigend ist und es werden Möglichkeiten diskutiert wie wir selbst die psychische und physische Stressreaktion beeinflussen können.

Freitag, 15. November 2019, 14.15 h, Aula HG

Das Lebensende in unserer Gesellschaft: welchen Wert? Welche Wege?

Prof. Dr. Steffen Eychmüller, Universitäres Zentrum für Palliative Care, Inselspital Bern

In der ökonomisierten Gesellschaft besteht die Tendenz, dass der Wert des Lebens anhand von ökonomischen Faktoren/ Leistungsdaten bestimmt wird. Welche Auswirkungen kann dies auf den Wert des Lebensendes haben? Was kommt möglicherweise auf uns zu? Welche Qualität der Betreuung am Lebensende möchten wir selbst, und wieviel ist uns diese Qualität wert? Es ist klar, dass diese Qualität nicht von Fachpersonen bereitgestellt werden kann, sondern nur durch ein gemeinschaftliches gesellschaftliches Engagement. Konkrete Beispiele für  die Umsetzung werden diskutiert.

Dienstag, 19. November 2019, 16.15 h, ExWi

Theodor Storms Erzählwerk als Spiegel des medizinischen Fortschritts

Prof. Dr. Yahya Elsaghe, Institut für Germanistik, Universität Bern

Die Novellen Theodor Storms, der schon aus familiären Gründen vergleichsweise sehr gut über die Medizin seiner Zeit Bescheid wusste, reagieren in vielfacher Weise und mit nachgerade staunenswerter Unverzüglichkeit auf den wissenschaftlichen und zumal den infektiologischen Fortschritt, namentlich auf die sogenannte bakteriologische Revolution, die in Storms letzte Lebensjahre fiel. In eins damit kann man an seinem Spätwerk dabei zusehen, wie die morderne Krebsangst die uralten Infektonsängste überformt und verdrängt.

Freitag, 22. November 2019, 14.15 h, Aula HG

Ernährung im Alter

Prof. Dr. Christine Peinelt, Institut für Biochemie und Molekulare Medizin, Universität Bern

Der Anteil der Menschen mit Übergewicht oder Adipositas hat über die letzten Jahre und Jahrzehnte weltweit und auch in der Schweiz massiv zugenommen. In meinem Vortrag werde ich die daraus entstehenden individuellen Risiken und Kosten für die Gesellschaft vorstellen. Es wird erklärt, was genau gesunde Ernährung gemäss der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung eigentlich ist. Ausserdem klären wir die Frage, wie gesunde Ernährung speziell im Alter aussieht. Zuletzt gehe ich darauf ein, auf welche Besonderheiten im Rahmen der Ernährung im Alter zu achten ist, um z.B. Mangelernährungen zu vermeiden.

Dienstag, 26. November 2019, 16.15 h, ExWi

Gletscher als Landschaftsformer

Prof. em. Dr. Christian Schlüchter, Institut für Geologie, Universität Bern

Im geologischen Alltag spielen hier bei uns in den Alpen und im Alpenvorland die durch die eiszeitlichen Gletschervorstösse geformten Landschaften und die entsprechenden Ablagerungen eine grosse Rolle. In der Baugeologie sind eiszeitliche Sedimente sowohl als Baugrund als auch als Bau(roh)stoff wichtig. Dabei spielt eine Ablagerung eine zentrale Rolle: die Grundmoräne. Im Vortrag wird deren Entstehung  an der Gletscherbasis hergeleitet. Es wird auch grundsätzlich gezeigt, was ein Gletscher ist und welche Randbedingungen ihn zu einem geologischen Faktor machen. Dabei muss auch gezeigt werden, wie verschiedene Gletschertypen unterschiedliches dynamisches Verhalten haben und welche Vorgänge am Gletscherrand für relativ stabile Moränenlandschaften verantwortlich sind. 

Freitag, 13. Dezember 2019, 14.15 h, Aula HG

Multiple Sklerose - ein Überblick von den Ursachen bis zur aktuellen Therapie

PD Dr. med. Christian Kamm, MS-Zentrum, Kantonsspital Luzern

Die Multiple Sklerose ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems und mit einem durchschnittlichen Erkrankungsalter von 30 Jahren, die am häufigsten zur Behinderung führende Erkrankung junger Erwachsener in industrialisierten Nationen. Unbehandelt führte die Multiple Sklerose üblicherweise über Jahre und Jahrzehnte zu einer fortschreitenden geistigen und körperlichen Behinderung. Vor gut 25 Jahren kamen jedoch die ersten Medikamente auf den Markt welche den Krankheitsverlauf der Multiplen Sklerose positiv beeinflussen konnten und innerhalb der letzten 10 Jahre kamen zahlreiche unterschiedlichste und zum Teil sehr potenter Präparate auf dem Markt mit denen die Krankheit meist sehr gut kontrollierbar ist. Auch die symptomatische Therapie der Multiplen Sklerose hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert.

Somit stellt die Multiple Sklerose heutzutage eine behandelbare Erkrankung dar, insbesondere wenn die Diagnose früh gestellt wird und früh im Krankheitsverlauf eine Therapie begonnen wird. In diesem Vortrag möchte ich einen überblick über das aktuelle Wissen der Multiplen Sklerose geben inklusive möglicher Ursachen, Krankheitsmechanismen, Diagnosestellung und die aktuellen Therapiemöglichkeiten.

Das Konzert zum Jahresabschluss findet Freitag, 20. Dezember 2019, 14.15 in der Aula des Hauptgebäudes statt. Es steht unter dem Titel An Clara - zum 200. Geburtstag von Clara Schumann.

Konzeptidee: Gamaliel von Tavel, Berlin
Einführung durch Dr. Irène Minder-Jeanneret, Musikwissenschaftlerin, Bern

Ausführende:
Friederike Harmsen, Mezzosopran
Sebastian Noack, Bariton
Ya-ou Xie, Klavier

Wollen Sie das vollständige Programm bitte dem Flyer entnehmen: