Seniorenuniversität

Abstracts 2019/20

Die Abstracts und weitere Informationen, die uns von Referenten / Referentinnen zur Verfügung gestellt werden, sind jeweils unter den Titeln der Vorträge gesammelt. Die Folien sind ausschliesslich zur persönlichen Einsicht bestimmt.

Dienstag, 17. September 2019, 16.15 ExWi

Die Alpen - eine Entdeckungsgeschichte von der Renaissance bis zum 19. Jahrhundert.

Prof. Dr. Simona Boscani Leoni, Historische Institut, Universität Bern

In meinem Vortrag werde ich die «Entdeckung» der Alpen in einer Langzeitperspektive (longue durée) analysieren. Wir werden sehen, wie zwei unterschiedlichen Phänomene, der Humanismus und die Entdeckung Amerikas, die Grundlagen geschaffen haben, um ein neues Interesse für diese wilden Territorien mitten in Europa zu wecken.  Zur Zeit der Renaissance fanden nämlich die ersten Bergbesteigungen statt, die oft von naturgeschichtlichem Interesse der Gelehrten motiviert waren. Seit dieser ersten Entdeckungsphase ist die Verflechtung der Alpen mit der «sich globalisierenden» Welt eine Konstante geblieben, die wir bis zum 19. Jahrhundert verfolgen werden. Denn wissenshistorisch gesehen, gehören auch die Alpen zu den «neuentdeckten, exotischen» Weltteilen, die durch die europäische Expansion der Frühen Neuzeit «kolonisiert» werden.

Freitag, 20. September 2019, 14.15h, Aula HG

Was Stalin und Churchill gemeinsam hatten:
über Hirnblutung und Hirnschlag

Dr. Julian Seiffge, Universitätsklinik für Neurologie, Inselspital, Bern

Stalin und Churchill haben als Politiker das 20. Jahrhundert geprägt. So unterschiedlich ihre politischen Absichten und Orientierungen auch waren: beiden gemeinsam war, dass sie zeit ihres Lebens an zerebrovaskulären Erkrankungen litten.
Hirnschlag und Hirnblutung sind heute Volkskrankheiten. Die Symptome können von der leichten «Streifung» bis zum schweren «Hirnschlag» führen. Der ischämische Hirnschlag («zu wenig Blut») und die Hirnblutung (Hämorrhagie - «zu viel Blut») sind oft eng miteinander verknüpft.
Die Diagnostik und Therapie hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Es stehen neue und hocheffektive Methoden der Vorbeugung und Akutbehandlung zur Verfügung.
Der Vortrag umfasst eine Einführung in die zerebrovaskulären Erkrankungen, die gesellschaftliche und historische Bedeutung bis hin zu den neuesten Forschungsergebnissen und Behandlungsmöglichkeiten für Patienten.

Dienstag, 24. September 2019, 16.15 h, ExWi

Prähistorische Menschen und ihre Umwelt: Fallbeispiele der letzten 45'000 Jahre aus Afrika und Südamerika.

Prof. Dr. Heinz Veit, Geografisches Institut, Universität Bern

In den vergangenen 10 Jahren sind die Verbindungen zwischen Archäologie und Geographie bzw. den Geowissenschaften insgesamt enger geworden. Die Reste prähistorischer Menschen und ihrer Werkzeuge liegen nun mal meist im Boden begraben, und es bedarf der Kenntnisse aus verschiedenen Fachrichtungen, um neben den archäologischen Funden auch mit Hilfe der Böden und Sedimente die Umweltverhältnisse und den Lebensraum der Menschen zu rekonstruieren. Diese neue Studien- und Forschungsrichtung ist die Geoarchäologie.

Meine Arbeitsgruppe am Geographischen Institut arbeitet seit ca. 10 Jahren in diesem Bereich. In Zusammenarbeit mit Archäologen versuchen wir die Mensch-Umweltbeziehungen aus lange zurückliegenden Zeiträumen zu rekonstruieren. Im Vortrag werde ich Beispiele aus Afrika und Südamerika zeigen.

Eine alte Diskussion ist die Frage, seit wann der Mensch die Hochgebirge der Erde besiedelt hat. Gemeinhin gelten diese unwirtlichen Lebensräume (Klima, Höhenkrankheit, verminderte Reproduktion etc.) als eher jung bewohnt. In letzter Zeit häufen sich aber Hinweise, dass dies nicht stimmt. Ich werde aus den Bale Mountains in Äthiopien unser jüngstes Projekt vorstellen, in dem wir Besiedlungsspuren seit mindestens 45.000 Jahren haben. In den südamerikanischen Anden erfolgte die Besiedlung nahezu zeitgleich mit dem Tiefland im Spätglazial vor ca. 12.000-13.000 Jahren. Im Tiefland konnten wir damit einen weiteren Mythos widerlegen der besagt, dass der tropische Regenwald ebenfalls erst spät vom Menschen erobert wurde und sich dort keine Hochkulturen bildeten. Der Homo sapiens gilt klassischerweise als Savannenbewohner, wegen der besseren Übersicht (Jagd) und des grösseren Nahrungsangebotes.

Als einfaches Fazit zeit sich damit, dass der Homo sapiens schon früh in alle möglichen Lebensräume vorgedrungen ist und sich den teils unwirtlichen Klima- und Umweltverhältnissen angepasst hat, sofern genügend Ressourcen (Nahrung, Wasser, Rohmaterial für Werkzeuge etc.) vorhanden waren.