Abstracts 2018/19

Die Abstracts und weitere Informationen, die uns von Referenten / Referentinnen zur Verfügung gestellt werden, sind jeweils unter den Titeln der Vorträge gesammelt. Die Folien sind ausschliesslich zur persönlichen Einsicht bestimmt.

Dienstag, 18.9.2018    16.15  ExWi

Warum der Mensch bewusst wurde. Die Sicht des Neurowissenschaftlers

Prof. em. Dr. Christian Hess

Das menschliche Bewusstsein wird manchmal als grosses Rätsel bezeichnet. Für die Neurowissenschaftler ist das Bewusstsein als Funktion des Gehirns ein faszinierendes Forschungsthema, welches viele ungelöste Fragen birgt. Der bekannte amerikanische Philosoph John Searle hat zwar einmal das Bewusstsein als «ganz normales biologisches Phänomen, im Sinne einer höherstufigen Eigenschaft komplexer biologischer Systeme» bezeichnet, und dabei betont, dass es sich um «keine immaterielle Entität» handle. Aber er hat eingeräumt, dass der «subjektiven Erlebnisperspektive [des Bewusstseins] nie durch eine naturwissenschaftliche Beschreibung beizukommen» sein werde. Das subjektive Erleben ist aber inzwischen auch Gegenstand naturwissenschaftlicher Forschung geworden. Klinischen Mediziner (v.a. Neurologen und Psychiater haben in ihrem beruflichen Alltag einen operationellen, gewissermassen «behaviouristischen» Zugang primär «von aussen», indem sie die Reaktionen, verbalen Äusserungen und das Verhalten ihrer Patienten beobachten. Die Neurologen zum Beispiel unterscheiden dann beim bewusstseins-gestörten Patienten  - stark didaktisch vereinfachend gesprochen - zwischen quantitativer (Koma-tiefe) und qualitativer Störung (z.B. delirant oder dement) und untersuchen mittels funktioneller (z.B. EEG) und anatomischer Untersuchungen (z.B. MRI) die entsprechenden Hirnstrukturen, um eine Diagnose zu stellen. Natürlich geht man legitimerweise davon aus, dass gesunde Menschen, die wach, aufmerksam und psychisch geordnet scheinen, zudem vernünftige Antworten geben, eine grundsätzlich ähnliche introspektive Erfahrung haben wie man sie selbst hat. Und subjektiv wird das Bewusstsein im Wesentlichen so erlebt:

  1. Man ist gewahr seiner selbst und seiner Umgebung
  2. Man empfindet Stimmungen und Gefühle
  3. Man ist fähig, begrifflich zu denken (konkret & abstrakt), kann sich erinnern und in die Zukunft planen; (& die Gedanken können verbal berichtet werden)
  4. Man initiiert Aktionen und führt sie aus

Ein weitere, interessante Eigenschaft der subjektive Perspektive ist die Tatsache, dass voll erhaltenes Bewusstsein nie inhaltsleer ist. Selbst während des Tagträumens denkt man immer etwas, auch wenn man gedanklich passiv locker dahingleitet. Das Bewusstsein bezieht sich eben immer auf einen Inhalt. Das Bewusstsein ist zudem einheitlich und unteilbar. Wenn man nämlich genau hinschaut, kann man nicht zwei verschiedene Dinge genau gleichzeitig denken oder zwei kognitiv anspruchsvolle Dinge gleichzeitig tun. Diejenigen, die das scheinbar können oder glauben zu können, verlassen sich auf ihr gut trainiertes Unterbewusstsein, das sie geschickt einsetzen können. „Parallel-Processing“ geht nur bei eingeübten rel. automatisierten Routinen. Und damit sind wir beim Paradoxon, dass sehr vieles, das wir dem Bewusstsein zuschreiben, eigentlich unterbewusst abläuft. Das betrifft Wahrnehmungen unserer Sinnessysteme gleichermassen wie Handlungen, deren Ursprung selbst dann im Unterbewussten liegt, wenn wir sie scheinbar selbst bewusst initiiert haben. Das Unterbewusstsein entlastet unser Bewusstsein, indem es was immer möglich selbst erledigt. Es arbeitet so hocheffizient, dass man sich fragen kann, für was man überhaupt ein Bewusstsein braucht.

Tatsächlich kann die Bedeutung des menschlichen Bewusstseins nicht unterschätzt werden. Neben dem aufrechten Gang, der vor Millionen Jahren die Hände zugunsten des Werkzeuggebrauchs und der Gestik befreit hatte, stellt das menschliche Bewusstsein der zweite evolutionsbiologisch entscheidende Schritt in der Menschwerdung dar. Die Entwicklung des spezifisch menschlichen begrifflichen Bewusstseins vor etwa 70'000 Jahren hat man auch als «kognitive Revolution» bezeichnet (Y. N. Harari, 2011). Parallel dazu hat sich die gesprochene Sprache mit Symbolcharakter entwickelt. Der Mensch konnte jetzt abstrakt denken, z.B. über Werte, Normen und übergeordnete Ideale. Und er konnte über seine Vorstellungen mit anderen Menschen reden. Die Bildung grosser, kohärenter Menschengruppen (Völker, Nationen) und menschlicher Kulturen war erst jetzt möglich. Ein ganz entscheidender Vorteil in der natürlichen Selektion der Evolution.

Eine Frage, die noch bleibt, betrifft das Tagträumen, das zeitlich einen ganz massgeblichen Teil (bis zu 50%!) unseres Bewusstseins in Anspruch nimmt und erst seit kurzem zum Forschungsgegenstand wurde. Worin liegt der biologische Sinn dieses ziellosen Dahin-Treibens der Gedanken? Neurophysiologisch wird im Gehirn ein sog. „Default mode network“ aktiviert, was introspektive Kognition erleichtert. Beim Tagträumen denken wir z.B. über persönliche Ereignisse und Erfahrungen nach, wir schmieden Pläne und wägen ab. Und es werden neue gedankliche Assoziationen ermöglicht, welche das Auftauchen neuer Ideen erleichtert. Entsprechend vermutet man, dass das Tagträumen unter anderem der Kreativität dienen könnte.

Freitag, 21.9.2018    14.15    Aula HG

Wie schwer ist das Universum?

PD Dr. Urs Wenger

In diesem Vortrag wollen wir uns überlegen, wie man das Gewicht des Universums bestimmen kann. Dazu müssen wir in die Welt der Elementarteilchen eintauchen und das Geheimnis lüften, wie die Masse und damit das Gewicht der hauptsächlich aus Protonen und Neutronen bestehenden Materie rund um uns herum zustande kommt. Die dafür verantwortliche starke Wechselwirkungskraft lässt sich erstaunlicherweise mit nur einer handvoll Parametern beschreiben. Noch erstaunlicher ist die Tatsache, dass man die Masse, eben zum Beispiel eines Protons, aus nur diesen wenigen Parametern mithilfe numerischer Simulationen genau berechnen kann. Solche Rechnungen sind allerdings extrem aufwändig: man benötigt dafür die leistungfähigsten Supercomputer der Welt und muss diese mehrere Monate oder gar Jahre rechnen lassen…

Ein anderes, dunkles Geheimnis hütet das Universum aber weiterhin: die bekannte, berechenbare Materie macht nur einen ganz kleinen Teil der Gesamtmasse des Universums aus, der grösste Teil besteht aus sogenannter dunkler Materie und dunkler Energie. Was genau verbirgt sich hinter diesem dunklen Geheimnis und was wissen wir über diesen mysteriösen Teil des Universums?

Dienstag, 25. 9. 2018    16.15    ExWi

Seuchen, Aengste und die Medien

Prof. Dr. med.vet. FVH Christian Griot
Institut für Virologie und Immunologie, 3147 Mittelhäusern

Tierseuchen haben schon immer das Interesse der Öffentlichkeit geweckt. Seit dem Bekanntwerden der Bovinen Spongiformen Enzephalopathie (BSE), sind Krankheiten in einem grösseren Umfang in den Medien präsentiert worden. Spätestens mit dem Auftreten von SARS und der Influenza H5N1 (Vogelgrippe), hat sich die mediale Berichterstattung einem Wandel unterzogen. Gründe hierfür sind die mögliche Gefährdung der Menschen aufgrund des zoonotischen Potenzials der Erreger. Entscheidend in der objektiven Berichterstattung dürften auch „unabhängige“ Expertinnen und Experten sein, welche oft (aber nicht immer!) konträr Auskunft geben („Kampfzone“ Öffentlichkeit gegen Behörden). Anhand von konkreten Beispielen wird dieser mediale Diskurs zwischen Seuchen, Gefährdung und „Killervirus“ veranschaulicht.

Freitag 28.9.2018  14.15  HG Aula

Von Gesund-Brunnen, Diäten und Bade-Andachten:
Kur-Poesien des 18. Jahrhunderts

PD Dr. Anett Lütteken
Institut für Germanistik, Universität Bern

In zahlreichen Gelegenheitsdichtungen des 18. Jahrhunderts wird auf die als gesundheitsförderlich erachteten, aber natürlich stets auch aus gesellschaftlicher Perspektive bedeutsamen Wasser- und Brunnenkuren Bezug genommen. Schon damals erwartete man, durch einen Kuraufenthalt in Karlsbad, Pfäfers oder Pyrmont von mancherlei Erkrankungen geheilt zu werden, mindestens aber deren Folgen lindern zu können. Die Vorstellung, dass (die damalige Patienten nicht selten und aus guten Gründen verängstigende) ärztliche Heilkunst durch die Wirkung von Heilwasser ersetzt, ergänzt oder übertroffen werden kann, dürfte zudem in ganz besonderer Weise zur Erfolgsgeschichte der Kurbäder beigetragen haben. Kein Wunder also, dass sich berühmte Autoren, allen voran Johann Wolfgang von Goethe, immer wieder auch in ihren Poesien in der einen oder anderen Form mit ihren Kur-Erlebnissen auseinandersetzten. Hierüber wird im Vortrag ebenso zu sprechen sein wie über die Entstehung eines kollektiven Gesundheitsbewusstseins im Kontext wachsender medizinischer Erkenntnisse des 18. Jahrhunderts.

Dienstag, 2.10.2018  16.15  ExWi

Managementvergütung, Governance und Fairness

Prof. Dr. Markus Arnold, Institut für Unternehmensrechnung und Controlling, Universität Bern

Die Diskussion über „faire“ und „unfaire“ Managementvergütung wird in politischen Debatten und in den Massenmedien häufig lautstark geführt. Dabei bleibt jedoch häufig offen, was „Fairness“ in diesem Zusammenhang bedeutet und wie es sich überhaupt in Managementvergütung übersetzen kann. In diesem Vortrag sollen zunächst der Frage nachgegangen werden, wie und warum Fairness-Aspekte grundsätzlich auch in eine ökonomische Analyse von Managementvergütung einbezogen werden könnten und in welcher Beziehung „Fairness“ und Corporate Governance zueinanderstehen. Anschliessend soll aufgezeigt werden, wie wahlberechtigte Bürgerinnen und Bürger sowie Investment Professionals Vergütungsverträge für Manager einschätzen, dabei Fairnessargumente gewichten und was daraus für den Zusammenhang zwischen Managementvergütung, Governance und Fairness abgeleitet werden kann.

Freitag, 5.10.2018    14.15    Aula HG

Kardiologie 2018

Prof. Dr. Bernhard Meier, Universitätsklinik für Kardiologie, Universität Bern

Im Durchschnittsleben schlägt das Herz 3 Milliarden mal und pumpt 200 Millionen Liter Blut durch den Körper.

Wie der Name Kardiologie sagt, geht es um die Lehre des Herzens. Traditionsgemäss ist die Herzchirurgie nicht miteingeschlossen. Die Kardiologie befasst sich wie jedes medizinische Fach damit, Leiden zu entdecken, zu behandeln und zu vermeiden. Herzkrankheiten, vorab die koronare Herzkrankheit, sind mit Abstand unsere häufigsten Todesursachen. Sie sind bei Frauen häufiger als bei Männern, allerdings in weiter fortgeschrittenem Alter. Angesichts der zunehmenden Alterung der Bevölkerung nehmen Herzleiden in der Medizinplanung einen wichtigen Rang ein, nach orthopädischen Leiden den zweiten.

Man unterscheidet zwischen nichtinvasiver und die invasiver Kardiologie. Beide haben diagnostische und therapeutische Aufgaben und Methoden. Umrandet sind sie von Prävention und Rehabilitation.

Die diagnostischen Methoden der nichtinvasiven Kardiologie sind die körperliche Untersuchung, vorab das Stethoskop, das Elektrokardiogramm (zum Teil mit Belastung), das Echokardiogramm, die Magnetresonanz, sowie die nuklearkardiologischen Methoden und die Computertomographie (CT), welche beide strahlenlastig sind. Zur nichtinvasiven Therapie zählt man Medikamente und die Elektroschockbehandlung. Die invasiven Methoden unterscheiden zwischen Angiographie mit Druckmessungen (vor allem Koronarangiographie) und elektrophysiologischen Untersuchungen. Beide werden häufig mit therapeutischen Eingriffen kombiniert. Die Koronardilatation (Stenting) ist der häufigste Eingriff der sogenannten interventionellen Kardiologie, gefolgt von perkutanem Aortenklappenersatz, Wanddefektverschlüssen, Vorhofohrverschlüssen, Mitralklappeneingriffen und Septumreduktion. Ebenfalls häufig sind elektrophysiologische Eingriffe, hauptsächlich die Ablation des Vorhofflimmerns. Zu erwähnen sind ausserdem die Implantation von Schrittmachern oder Defibrillatoren.

Bei den bildgebenden Untersuchungen ist die Echokardiographie mit Abstand die häufigste. Sie gibt Auskunft über Funktion des Herzmuskels und der Herzklappen, Flüssigkeitsansammlungen im Herzbeutel (Perikarderguss), und angeborene Anomalien. Der Blutfluss kann Mithilfe der Dopplermethode quantifiziert und Druckverhältnisse können davon abgeleitet werden. Die Magnetresonanz kann diese Untersuchungen ebenfalls durchführen, hat eine deutlich bessere Auflösung und gibt zudem besser Auskunft über den Zustand des Herzmuskels. Sie braucht indes ein teureres Gerät. Beide Methoden sind völlig unschädlich. Die Herzkranzgefässe können mit der Magnetresonanz, nicht aber mit der Echokardiographie, grob untersucht werden. Die Nuklearkardiologie kann indirekt über Koronarprobleme Auskunft geben durch Nachweis mangelnder Durchblutung (vor allem nach Belastung). Ausserdem kann sie die Viabilität des Herzmuskels abklären. Das CT gibt detaillierte Auskunft über die Anatomie des Herzens, inklusive der grösseren Koronararterien. Diese Untersuchungen haben allerdings eine grosse Strahlenbelastung und erbringen im Prinzip keine Resultate, die nicht durch strahlenfreie Methoden erbracht werden können.

Die Herzkranzgefässe sind gleichsam die Achillesferse der Menschen. Sie sind lebenswichtig aber klein angelegt (höchstens 3mm Durchmesser). Entsprechend können Sie schon durch geringe Ablagerungen oder Blutgerinnselbildung verstopfen und zu Herzinfarkt oder gar Tod führen. Die genaue Abklärung kann nach wie vor nur invasiv durch die Koronarographie erfolgen. Diese ist mit Strahlenbelastung verbunden aber durch nichts anderes ersetzbar. Dabei wird eine etwa 2mm dicke Plastiksonde von der Leiste oder vom Arm her zum Herzen vorgeschoben. Unter Durchleuchtung wird iodhaltiges Kontrastmittel injiziert, welches strahlenundurchlässig ist und entsprechend ein detailliertes Schattenbild der Herzkrangefässe ermöglicht. Dank einer lokalen Betäubung an der Einstichstelle ist die Untersuchung für den Patienten schmerzlos, dauert nur etwa 10 Minuten und kann mit einer Koronardilatation (Stenting) kombiniert werden. Diese Behandlungsmethode wurde vor über 40 Jahren in der Schweiz entwickelt und stellt heute weltweit den wichtigsten medizinischen Eingriff dar. Bei fortgeschrittener koronarer Herzkrankheit kommt nach wie vor die Bypassoperation zum Zuge, in der Regel mit Verwendung der Herzlungenmaschine und immer mit Eröffnung des Brustraumes. Heute werden etwa 5 mal mehr Patienten kathetergestützt für Ihre koronare Herzkrankheit behandelt als chirurgisch.

Ursache der koronaren Herzkrankheit ist die Atherosklerose (im Volksmund Arteriosklerose). Sie ist einerseits genetisch bedingt, wird anderseits aber durch modifizierbare Faktoren wie Rauchen, Übergewicht, hohen Blutdruck, Diabetes und Bewegungsmangel verschlimmert. Sie kann deshalb nicht nur mit Medikamenten und ärztlichen Betreuung, sondern auch durch Selbstdisziplin vermieden oder verlangsamt werden.

Die häufigsten Herzlappenleiden sind die Verengung der Hauptausgangsklappe (Aortenstenose) und die Undichtheit der Haupteingangsklappe (Mitralinsuffizienz). Erstere kann heute gut ohne Operation behoben werden durch katheterbasierte Implantation einer neuen biologischen Herzklappe in die verengte. Die Behandlung der Mitralinsuffizienz ist noch vorwiegend chirurgisch. Es ist indes zu erwarten, dass innerhalb den nächsten 5 Jahre auch die Mitralklappe in der Regel nichtchirurgisch ersetzt werden wird. Das permeable Foramen Ovale (PFO) ist kein angeborener Herzfehler, da es bei allen Neugeborenen vorhanden ist. Hingegen verschliesst es sich danach bei bis zu einem Viertel der Bevölkerung nicht wie es sollte. Dies kann zu paradoxen Embolien führen, sobald mit zunehmendem Alter venöse Blutgerinnsel entstehen. Solche werden normalerweise durch den Lungenfilter aufgelöst und vom Betroffenen nicht bemerkt. Schlüpfen Sie durch das PFO, können sie kleine aber wichtige Gefässe im Gehirn, im Herzen oder im Auge verschliessen und dort Schaden anrichten im Sinne von Infarkten. Das PFO kann im harmlosesten und netto erfolgreichsten Eingriff der modernen Kardiologie (PFO Verschluss) mit Einbringen eines kleinen Verschlussschirmchens in 10 Minuten praktisch ohne Komplikationsrisiko verschlossen werden. Man nennt das eine mechanische Impfung. Mit einem analogen aber etwas komplexeren und risikoreicheren Eingriff kann das linke Vorhofohr verschlossen werden. Es ist verantwortlich für die meisten Hirnschläge oder Herzinfarkte, die durch Embolien beim Vorhofflimmern (häufigste Rhythmusstörung bei älteren Menschen) vorkommen. Dabei bilden sich kleine Gerinnselchen im linken Vorhofohr, welche von dort aus embolisieren können.

Bei Vorhofflimmern, welches vom Patienten als störend empfunden wird, kann durch eine kathetergestützte Ablation mittels Radiofrequenz oder Kälte häufig wieder ein normaler regelmässiger Rhythmus erreicht werden, zumindest für mehrere Jahre. Seltener werden auch andere Störleitungen verödet. Andererseits werden fehlende Leitungsbündel durch Schrittmacher ersetzt. Bereits heute können solche Schrittmacher direkt in die Herzkammer eingesetzt werden, was Kabel überflüssig macht. Dies wird in den nächsten Jahren den traditionellen Schrittmacher im Schulterbereich mit Kabelverbindung zum Herzen ersetzen. Schrittmacher können mit sogenannten Defibrillationsfähigkeiten versehen sein. Das heisst sie erkennen lebensgefährliche Herzkammerrhythmusstörungen, insbesondere das Kammerflimmern, und beheben sie durch einen internen Elektroschock.

In der Kinderkardiologie und der Erwachsenenkardiologie, welche Patienten mit angeborenen Herzfehlern betreut, kommen ebenfalls zahlreiche nichtchirurgische Korrektionsmöglichkeiten mithilfe von Herzkathetern zur Anwendung. Die häufigste ist der Verschluss von Vorhofseptumdefekten.

Die diagnostische und therapeutische Tätigkeit der niedergelassenen Kardiologen, zum Teil auch der Grundversorger, bildet nach wie vor das Rückgrat der Kardiologie. Die pharmakologische Industrie hatte riesige Fortschritte gemacht in den letzten Jahrzehnten und bietet heute exzellente Medikamente an. Am häufigsten zur Anwendung gelangen Blutverdünnungsmittel (zum Beispiel Blutplättchenhemmer), Cholesterinsenker, Blutdrucksenker, Rhythmusregulatoren (zum Beispiel Betablocker) und Medikamente zur Behandlung der Herzschwäche (Herzinsuffizienz).

Dienstag, 9.10.2018    16.15    ExWi

Ökonomie des Klimawandels

Prof. Dr. Ralph Winkler, Departement Volkswirtschaft und OCCR, Universität Bern

Die Gefahren des anthropogenen Klimawandels sind real. Darüber hinaus gibt es über (fast) alle Ländergrenzen hinweg einen politischen Konsens, Massnahmen zu ergreifen, um die globale Erderwärmung auf unter 2°C gegenüber dem vorindustriellen Level zu stabilisieren. Die tatsächlich ergriffenen oder bereits geplanten Massnahmen reichen aber höchstwahrscheinlich nicht aus, um dieses Ziel zu erreichen.

In diesem Vortrag werden wir zuerst die physikalischen Grundlagen des Klimawandels erörtern, und uns dann der Frage widmen, warum internationale Kooperation im Bereich des Klimawandels so schwer zu erreichen ist. Wir beleuchten die Möglichkeiten des technologischen Fortschritts zur Reduktion von Treibhausgasen und diskutieren was sowohl jeder Einzelne als auch eine Schweizer Klimapolitik zur Lösung des anthropogenen Klimawandels beitragen kann.

Freitag, 12. Oktober 2018    14.15    Aula HG

Von Kandersteg über Bern nach New York und zurück

Alt Bundesrat Dr. h.c. Adolf Ogi

Dienstag, 16. Oktober 2018    16.15    ExWi

Ein Ortsnamenbuch des Kantons Bern für alle

Dr. Thomas Franz Schneider / Dr. Luzius Thöny,
Forschungsstelle für Namenskunde, Institut für Germanistik, Universität Bern
 
Das Referat vermittelt einen Einblick in die Arbeit der am Institut für Germanistik angesiedelten einzigen universitären Forschungsstelle für Namenkunde der Schweiz. Hier entsteht mit dem vom Schweizerischen Nationalfonds geförderten Projekt Ortsnamenbuch des Kantons Bern ein wissenschaftliches Nachschlagewerk zur Toponymie des Kantons mit seinem siedlungsgeschichtlich komplexen Untersuchungsgebiet zwischen Alpenkamm und Jurafuss. Orts- und Flurnamen (Toponyme) bezeichnen Objekte in der Landschaft: Grössere und kleinere Siedlungen, Felder und Wiesen, Wälder und Auen, Hügel und Berge, Gräben und Gewässer. Namen sind Wörter und damit Teil des Wortschatzes ebenso wie Werkzeuge der menschlichen Kommunikation. Die Erforschung der Ortsnamen ist in erster Linie eine sprachwissenschaftliche Disziplin, unter Berücksichtigung der lokalen Dialekte und der früheren wie heutigen sozialen Verhältnisse. Die Bedeutung der Namen als lebendiges Kulturgut geht weit über die inhaltliche Bedeutung der Wörter und Wortbestandteile, aus denen sie bestehen, hinaus. Um so wichtiger erscheinen Überlegungen dazu, auf welche Weise die Resultate der Erforschung der Namen der interessierten Bevölkerung wissenschaftlich korrekt und trotzdem leicht verständlich zugänglich gemacht werden können, quasi in einem Ortsnamenbuch für alle.

 

Freitag, 19. Oktober 2018, 14.15h, Aula HG

Erdbeben und Tsunamis: Theorien und Wahrnehmungen (17. – 19. Jhd)

SNF-Prof. Dr. Simona Boscani Leoni, Historisches Institut, Universität Bern

Mit dem Vortrag möchten ich das Publikum mit dem Thema Erdbeben, Tsunamis, deren Erforschung und Wahrnehmung in der Geschichte vertraut machen. Drei Themen werden vorgestellt:
1. Die Debatte des Ursprungs der Erde während des 17. Jahrhunderts und ihr Einfluss auf die Entwicklung der Erdbebenforschung;
2. Eine Analyse der wichtigsten Erdbebentheorien vom 18. Jahrhundert bis heute und die Interpretation von Tsunamis mit einem Blick auf Texte von verschiedenen Autoren, wie z.B. John Woodward, Alexander von Humboldt, Charles Lyell und Charles Darwin
3. Das Thema der Wahrnehmung von Naturkatastrophen in der Geschichte.

Dienstag, 23. Oktober 2018    16.15    ExWi

Prostata - kleine Drüse, grosses Problem

Prof. Dr. George Thalmann, Urologische Universitätsklinik, Inselspital Bern

Die Prostata – auch Vorsteherdrüse genannt- ist ein Organ, das sich beim Mann zwischen der Harnblase und der Beckenbodenmuskulatur befindet. Als eine der Geschlechtsdrüsen zählt sie zu den inneren männlichen Geschlechtsorganen und ist für die Fortpflanzung wichtig. V.a. im höheren Alter kann die Prostata Beschwerden und Probleme verursachen.

Die häufigsten und wichtigsten Veränderungen der Prostata sind: die Prostatitis (Prostataentzündung), die benigne Prostatahyperplasie (gutartige Prostatavergrösserung) und das Prostatakarzinom (Prostatakrebs).

Diese Probleme, der Umgang mit ihnen und mögliche Behandlungsstrategien – wenn nötig - werden in einfachen Worten erläutert und erklärt.

Freitag, 26. Oktober 2018    14.15 h     Aula HG

10 Jahre nach der grossen Finanzkrise

Prof. Dr. Aymo Brunetti, Departement Volkswirtschaft, Universität Bern

Wie weit haben wir das wirtschaftliche Jahrhundertereignis der Grossen Finanzkrise inzwischen überwunden? Können wir bereits wieder von einem Normalzustand sprechen? Der Vortrag erläutert - 10 Jahre nach ihrem Höhepunkt - die Essenz dieses globalen Schocks und seiner vielfältigen, weitreichenden Nachwirkungen. Dabei legt er einen Schwerpunkt auf die Wirtschaftsentwicklung, die ausserordentliche Geldpolitik und die nach wie vor ungelöste Situation im Euroraum. Der Vortrag basiert auf dem eben erschienenen Buch «Ausnahmezustand: Das turbulente Jahrzehnt nach der Grossen Finanzkrise», das einen einfachen Analyserahmen bietet, um das wirtschaftliche und wirtschaftspolitische Geschehen des letzten Jahrzehnts besser verstehen und einordnen zu können.

Dienstag, 30. Oktober 2018    16.15 h    ExWi

Ikonen - Fenster des Himmels

Prof. Dr. Paul Meinrad Strässle, Historisches Seminar, Universität Zürich

Im Zeitalter der völkerverbindenden Ökumene und des Dialogs wollen wir Abend-länder die Sprache der ostkirchlichen Symbolik besser verstehen. Und wir tun dies am besten mit Hilfe der Ikonen aus Byzanz und Russland. Wir werden uns des geheimnisvollen Wesens der als Kultbild verstandenen Ikone, ihrer Rolle und Bedeutung in der orthodoxen Glaubenswelt in Geschichte und Gegenwart bewusst. Wir entdecken die historischen, philosophischen und theologischen sowie symbolischen Hintergründe des als Liturgie und Handwerk verstandenen Ikonenmalens. Schliesslich vergleichen wir das Bildverständnis des Ostens mit demjenigen des Abendlandes. (Website des Referenten: siehe weiter unten)

 

Sonderveranstaltung (nur für Mitglieder Seniorenuniversität - Anmeldung erforderlich):

Donnerstag, 1. November 2018    13.50 - 16.00

Ikonen lesen und verstehen

Führung durch die Ikonensammlung des Museums Burghalde in Lenzburg

Prof. Dr. P. M. Strässle, Universität Zürich

Auf dem Hintergrund des im Vortrag (Teil 1) gewonnenen Bildverständnisses versuchen wir im Rahmen einer Spezialführung durch die einzigartige Ikonensammlung im Museum Burghalde (Teil 2) anhand ausgewählter russischer Ikonen des 16. bis 19. Jh.s gemeinsam die Strukturen und Elemente der einzelnen Kultbilder zu erkennen und zu verstehen. Dabei befassen wir uns mit Themen des Trägermaterials, der Anfertigungstechnik, der Maltechnik und der Farben, der Ausdrucksformen und Perspektiven, des Lichtes und der Bildtypen, ebenso der Darstellungs- und Gebrauchsformen. Im Anschluss an die Spezialführung haben Sie die Möglichkeit, individuell noch andere Ikonen zu betrachten und dabei auch wiederum Fragen zu stellen.

Treffpunkt: Eingang Museum Burghalde, Lenzburg. Kosten Fr. 8.-

Freitag, 2. November 2018    14.15    Aula HG

Die Taufe in ihrer Geschichte und in Gotthelfs „Schwarzer Spinne"

Prof. Dr. Martin Sallmann, Institut für Historische Theologie, Universität Bern

Die Taufe spielt in Jeremias Gotthelfs Novelle „Die schwarze Spinne“ eine zentrale Rolle: Das heitere Fest der Taufe an einem prächtigen Tag auf einem Emmentaler Bauernhof führt die Taufgesellschaft hinein in eine dunkle Geschichte aus der tiefen Vergangenheit, die von Tod und Teufel, Himmel und Hölle, Leben und Sterben handelt. Darin bewahrt die Taufe die neugeborenen Kinder vor der Preisgabe an den teuflischen grünen Jägersmann.

Im Christentum hat die Taufe bis in die Gegenwart eine wichtige Stellung: Sie ist der Zugang zur christlichen Gemeinschaft und markiert damit einen Übergang im Leben. In der langen und wechselvollen Geschichte nahm das Sakrament der Taufe unterschiedliche Formen an. Am Beispiel von Jeremias Gotthelfs Novelle geht die Vorlesung den Ursprüngen und der Praxis, unterschiedlichen Motiven und Vorstellungen sowie Bräuchen der Taufe nach. Neben Texten aus der „Schwarzen Spinne“ dienen auch Bilder aus der Geschichte der Taufe als Quellen.

Dienstag, 6. November.2018    16.15    ExWi

Pilgern in Geschichte und Gegenwart. Zwischen Selbstfindung und Seelenheil.

Dr. Detlef Lienau, Theologische Fakultät, Universität Basel
Studienleiter Mission 21, Basel

Der Vortrag bietet vielfältige Rerflexionen auf ein geschichtsträchtiges und aktuelles Phänomen. Was ist der religiöse Kern christlichen Pilgerns und wie hat sich die Praxis im Lauf der Geschichte verändert? Welche religionssoziologischen und psychologischen, theologischen und leibphilosophischen Erkenntnisse bietet aktuelle Pilgerforschung? Wie sieht heutige Pilgerpraxis aus und was macht es so attraktiv?

Der Vortrag schlägt einen weiten geschichtlichen Bogen, fragt nach der Erschliessungskraft unterschiedlicher Perspektiven und stellt Ergebnisse eigener Feldforschung vor. Leibliche Erfahrung, individualisierte Religiosität und symbolisch-rituelle Formung sind wichtige Schneisen, um Zugang zu einem populären Feld heutiger Selbstfindung zu gewinnen.

Freitag, 9. November 2018    14.15 h     Aula HG

Führen und Kommunizieren in Notfallsituationen

Prof. Dr. Aristomenis Exadaktylos, Universitäres Notfallzentrum, Inselspital Bern

In schwierigen Situationen ist Führen und Kommunizieren nicht nur eine Frage des Anstandes oder des guten Geschmacks, sondern durchaus lebenswichtig. Richtiges Führen und Kommunizieren ist aber nicht jedem in die Wiege gelegt, kann aber gelernt werden, beziehungsweise man kann, wenn man sich an einige Richtlinien hält, klassische Fehler vermeiden. Der Vortrag soll Einblicke in Führungsmechanismen sowie Kommunikationsstrategien auf einer universitären Notfallstation geben und zeigen, wie wir darum bemüht sind, uns auf diesem Gebiet ständig zu verbessern. Weiterhin zeigt es, wie wir von anderen Gebieten und Fachrichtungen lernen können.

Dienstag, 13. November 2018    16.15 h    ExWi

Die Gottebenbildlichkeit im Alten Testament

Prof. Dr. Andreas Wagner, Institut für Altes Testament, Universität Bern

Die Vorstellung von der Gottebenbildlichkeit gehört zu den bekanntesten und interessantesten theologischen Konzepten des Alten Testaments. Ebenso gehört dieses eigentümliche Spiegelverhältnis zu den bis heute immer noch umstrittensten Themen des Alten Testaments.

Die Gottebenbildlichkeit wird vor allem entwickelt im grossen Text zum Thema „Schöpfung“ im 1. Buch Mose / Genesis 1,1-2,4a. Dieser Text, der den am weitest möglich zurückliegenden Gegenstand des Denkens, das In-die-Welt-kommen von Himmel und Erde, behandelt, gehört von der Entstehung her zu den jüngsten Texten des Alten Testaments. Wir werden die Gottebenbildichkeitskonzeption in und aus diesem Text zu verstehen versuchen, nach ihrer Beschaffenheit, ihrem Sinn und ihrer Bedeutung fragen. Das Konzept der Gottebenbildlichkeit zielt darauf, wie die Beziehung zwischen Gott, Mensch und Welt nach Auffassung von Gen 1,1-2,4a zu fassen ist.

Freitag, 16. November 2018    14.15 h    Aula HG

Die Schweiz - eine Willensnation?

Prof. Dr. André Holenstein, Historisches Institut, Universität Bern

Die Schweiz sieht sich gerne als Willensnation. Der Vortrag will zeigen, was die Idee der schweizerischen Willensnation meint und wie diese Eingang in die schweizerische Erinnerungstradition gefunden hat. Im Anschluss soll das Fragezeichen im Titel des Vortrags plausibel gemacht und gezeigt werden, wie stark diese Überzeugung in mehrfacher Hinsicht der Logik der Nationalideologie des 19. Jahrhunderts verpflichtet ist. Tatsächlich war die Schweiz weniger die Willensnation, als die sich sich gerne sieht, sondern vielmehr eine Nation wider Willen.

Dienstag, 20. November 2018   16.15 h   ExWi

«Herbstnebel», «Nieselregen» und «dieser schreckliche Walzer» im 4/4-Takt: Brahms aus der Perspektive Frankreichs

Prof. Dr. Anselm Gerhard, Institut für Musikwissenschaft, Universität Bern

Johannes Brahms und Frankreich - das scheint zunächst einmal ein Nicht-Verhältnis. Zum festen Bestandteil des französischen Musiklebens wurden die Werke des gebürtigen Hamburgers erst in den letzten vier Jahrzehnten. Schaut man genauer hin, zeigen sich freilich verblüffende Details: zahlreiche Aufführungen bereits zu Lebzeiten, die erklärte Schwäche des nunmehr Wiener Komponisten für Bizets "Carmen" und eine deutliche Präsenz in der (freilich nicht immer freundlichen) Pariser Musikkritik um 1900.

Freitag, 23. November 2018   14.15 h    Aula HG

Demenz: Herausforderungen und Aussichten 2020

Dr. phil. Stefanie Becker, Geschäftsleiterin Alzheimer Schweiz

In der Schweiz leben ungefähr 150'000 Menschen mit Demenz. Und ihre Zahl wird weiter steigen. Erkrankte Personen benötigen Unterstützung und in späteren Stadien der Erkrankung Pflege und Betreuung. Diese wird noch immer meist von Angehörigen geleistet. Ihre Betreuungsaufgaben werden noch zusätzlich durch Tabus und Vorurteile in der Gesellschaft erschwert und nicht wenige von ihnen geraten in Isolation und Überforderung.

Was genau ist nun Demenz und wie unterscheidet sie sich von Alzheimer? Was benötigen Erkrankte und Betroffenen im Verlauf der Erkrankung? Welche Unterstützungsangebote gibt es, was und wen kostet die Pflege und Betreuung der Erkrankten und vor allem: was tut die Politik?

Im Kontext dieser Fragen, wird die Nationale Demenzstrategie 2014-2019 des Bundes vorgestellt und kritisch beleuchtet sowie der Blick auch auf internationale Bemühungen gerichtet.

Dienstag, 27. November 2018   16.15 h    ExWi

Theodor Kochers Erbe – Kropfbehandlung gestern und heute

Dr. Reto Kaderli / Dr. Corina Kim Fuchs, Universitätsklinik für Viszeralchirurgie, Inselspital Bern

Die Schilddrüsenchirurgie hat am Inselspital Bern eine lange Tradition. Theodor Kocher wurde 1841 in Bern geboren und 1872 Direktor der chirurgischen Klinik der Universität Bern. Er war interessiert an allen Bereichen der Chirurgie und trug massgeblich zu ihrer Modernisierung bei. 1909 erhielt er als erster Schweizer Bürger und erster Chirurg den Nobelpreis in Anerkennung seiner Beiträge zur Funktionsweise und Chirurgie der Schilddrüse. Durch Einführung einer neuen, feinen und blutungsfreien Operationsweise konnte er Schädigungen der Stimmbandnerven reduzieren, Nebenschilddrüsen erhalten und die Sterblichkeit von ca. 40 auf 14% reduzieren.

Die Sterblichkeit bei Schilddrüseneingriffen ist heute nicht mehr im Fokus der Chirurgie, da sie zur Rarität wurde und in der Regel die Folge einer Kombination aus verschiedenen Erkrankungen ist. Dafür beschäftigt sich die Medizin mit der Früherkennung von Schilddrüsenkrebs und Optimierung der Langzeitbehandlung.

Freitag, 30. November 2018    14.15 h    Aula HG

Wasserkraft in der Schweiz - Zukunftsperspektiven?

Dr. Michael Piot, Universität Bern und Schweizerischer Wasserwirtschaftsverband, Baden

Die Wasserkraft übernimmt seit jeher eine dominierende Rolle in der Stromversorgung der Schweiz und steuert heute rund 60 Prozent zur Schweizer Produktion bei. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, wie es dazu gekommen ist.

Schwerpunktmässig widmen wir uns aber der Frage, welches die Zukunftsperspektiven der Schweizer Wasserkraft sind, die verstärkt den sich ändernden Ansprüchen der Wirtschaft, den Rahmenbedingungen der Umwelt und den heterogenen Vorstellungen der Gesellschaft ausgesetzt ist.

Dienstag, 4. Dezember 2018    16.15 h    ExWi

Orthodoxe, Liberale, Chassiden: religiöse Bewegungen im modernen Judentum

Dr. Daniel Gerson, Institut für Judaistik, Universität Bern

In der Neuzeit veränderte sich das Judentum in vielfacher Hinsicht und führte zu einer Vielfalt religiöser Strömungen, die auf die Herausforderungen des gesamtgesellschaftlichen Wandels sehr unterschiedlich reagierten.

Im 17.und 18. Jahrhundert erschütterten messianische Bewegungen das Judentum. Falsche Messiasse gründeten radikale Sekten. Die Sehnsucht nach einer Erneuerung der Religiosität führten um 1800 auch  in Osteuropa zur Bildung des Chassidismus, der einen emotionaleren Zugang zu Gott im Gebet anstrebte und der traditionellen Gelehrsamkeit weniger Bedeutung beimass.

Im 19. Jahrhundert wurden die meisten jüdischen Gemeinschaften in Europa durch einen umfassenden Transformationsprozess neu gestaltet. Aus einer als kollektiv verfassten, diskriminierten  Minderheit am Rande der ständischen Gesellschaft wurden in den meisten Nationen individuelle, jüdische  Staatsbürger. Die Möglichkeit, sich in die christlich geprägten Mehrheitsgesellschaften zu integrieren, veränderte sowohl Form als auch Inhalt des religiösen Lebens. In diesem Kontext entstanden die moderne Orthodoxie und das reformorientierte Judentum. Die sogenannte „Orthodoxie“ akzeptierte eine Übernahme äusserer Merkmale der bürgerlichen Gesellschaft, wie beispielsweise Zylinder und Frack als Kleidung im Gottesdienst. Doch  wurde das jüdische Religionsgesetz weiterhin umfassend für verbindlich angesehen. Die Reformer hingegen erklärten, dass die religionsgesetzlichen Vorschriften zumindest partiell an die Anforderungen einer modernen Gesellschaft angepasst werden sollten. Damit entstand in der Mitte des 19. Jahrhunderts eine bis heute fortdauernde Spaltung des Judentums. Mit der Gründung Israels 1948 verschärfte sich der Konflikt, da der jüdische Staat einer strengen Orthodoxie das Monopol der religiösen Deutungshoheit zuerkannte. Diese Situation steht im deutlichen Gegensatz zu einer zunehmend  diversifizierten, religiösen Landschaft in der Diaspora.

Sonderveranstaltung     

Anders als im gedruckten Programm angegeben, findet der Vortrag im Hauptgebäude, Raum 212 statt.

Donnerstag, 6. Dezember 2018, 14.15-16.00    HG    Raum 212

Die Schweizer Jahre von Alexander Solschenizyn (1974-76)

Dr. Lorenzo Amberg, Slawist, a. Botschafter, Genf

Autor von «Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch», «Im Ersten Kreis» und «Krebsstation», Nobelpreisträger für Literatur 1970, Kämpfer für die Wahrheit und Regimegegner Nr. 1 in der Sowjetunion, wird Alexander Solschenizyn (1918-2008) nach der Veröffentlichung des «Archipel GULAG» im Februar 1974 in Moskau verhaftet, seiner Staatsbürgerschaft beraubt und nach Deutschland ausgewiesen. Kurz darauf lässt er sich in Zürich nieder und verbringt dort die ersten beiden Jahre seines langen Exils. Der Aufenthalt an der Limmat, wo 57 Jahre zuvor Wladimir Uljanow die Revolution in Russland vorbereitete, führt zur Publikation des Buches «Lenin in Zürich». Wie erlebt der Emigrant diese «solide und gleichzeitig elegante» Stadt und die Schweiz, womit beschäftigt er sich? Wie wird er von den Behörden, der Presse und den Intellektuellen aufgenommen? Rückblick auf einen Abschnitt in Solschenizyns Leben und Werk und auf eine Episode des Asyllandes Schweiz im Kalten Krieg.

 

Freitag, 7. Dezember 2018,    14.15h    Aula HG

Gewinnerinnen und Gewinner des Förderpreises der Seniorenuniversität Bern 2018 berichten über ihre Forschung

Moderation: Prof. Dr. med. Andreas Stuck, Geriatrie, Inselspital Bern

Die Seniorenuniversität Bern hat ihre diesjährigen Förderpreise für herausragende Forschungsarbeiten an drei junge Forscherinnen der Universität Bern vergeben. Die drei Forscherinnen werden persönlich über ihre Arbeiten berichten und ausführen, wie die Forschungsarbeiten einen Beitrag zu wichtigen gesellschaftlichen Herausforderungen im Alter leisten können. Prof. Dr. med. Andreas Stuck, von der Geriatrischen Universitätsklinik Bern, wird die Beiträge moderieren. Die jungen Forscherinnen freuen sich, ihre Arbeiten vorstellen zu dürfen und sind gespannt auf Ihre Fragen.

Frau Dr. des. Werren Melanie Elisabeth, Institut für Systematische Theologie
Würde und Demenz. Frau Werren ist Dipl. Pflegefachfrau und Theologin. In ihrer Arbeit untersucht sie kritisch, wie die Würde von Menschen mit Demenz in der Alterspflege ernst genommen werden kann. Würde kann eine Worthülse sein, Würde kann aber auch die Grundlage für eine neue Pflegeethik sein.

Frau Mäder Nina Carol, Geriatrische Universitätsklinik, Inselspital Bern
Messung der körperlichen Aktivität bei älteren Patienten mit Sensoren. Die heute weit verbreiteten Sensoren (z.B. Schrittzähler) sind nicht geeignet zur Messung der Mobilität von gebrechlichen, älteren Patienten mit unsicherem und langsamem Gang. Frau Mäder hat an der Testung einer neuen Generation von Sensoren gearbeitet und interessante Resultate gefunden.

Frau Ziltener Valérie, Zahnmedizinische Kliniken
Messung der Kaueffizienz. Ein wichtiges Ziel der Zahngesundheit im Alter ist die Fähigkeit, weiterhin gut kauen zu können. Das Messen der «Kaueffizienz» ist jedoch gar nicht einfach. Frau Ziltener untersuchte ein neuartiges System mit einem zweifarbigen Kaugummi und konnte dabei aufzeigen, dass dies ein nützlicher Test ist, der sich auch in der Praxis eignet.

Die Gewinnerinnen / Gewinner des Förderpreises der Seniorenuniversität Bern wurden am Dies academicus der Universität Bern vom 1. Dezember 2018 geehrt.

Dienstag, 11. Dezember 2018    16.15h    ExWi

Gedächtnisentwicklung über die Lebensspanne: Prozesse und Interventionsmöglichkeiten

Dr. Barbara Studer, Institut für Psychologie, Universität Bern

Veränderungen der Funktionen und Strukturen des alternden Gehirns führen einerseits zu speziellen Stärken, so zum Beispiel dem Wissen und der Empathie, und andererseits zu einem Nachlass geistiger Fähigkeiten, wie zum Beispiel dem Gedächtnis und der Verarbeitungsgeschwindigkeit. Im Referat werden aktuelle Forschungsergebnisse gezeigt, welche zeigen, dass ein beachtlicher Teil altersbedingte Degeneration kompensiert werden kann. Ausschlaggebend ist die Lebensweise und -aktivitäten. Es werden Beispiele körperlicher, sozialer und intellektueller Aktivitäten präsentiert, mit welchen wir uns geistig fit halten können. Weiterhin werden wissenschaftlich bestätigte Massnahmen und Strategien aufgezeigt, mit welchen wir eine Erinnerung dauerhaft machen und den radikalen Filter- und Vergessensprozessen gezielt den Kampf ansagen können.

Freitag, 14. Dezember 2018    14.15h    Aula HG

Wenn der Schmerz nicht nachlässt

PD Dr. Konrad Streitberger und PD Dr. Niklaus Egloff
Anästhesiologie / Psychosomatik, Inselspital Bern

Schmerz ist das häufigste Symptom in Praxis und Spital. Schmerz ist ein Warnsignal, das dem Bewusstsein meldet, wenn eine körperliche Gefährdung vorliegt. Schmerz muss unangenehm sein, damit wir körperlich gefährdendes Verhalten vermeiden. Konventionelle Schmerzmedikamente helfen akuten Schmerz durch verschiedene Angreifstellen massgeblich zu vermindern. Hält ein Schmerz mehr als 3 Monate an, spricht man von „chronischem Schmerz“. Chronischer Schmerz wird oftmals zu einer eigenständigen Krankheitsproblematik. Im Rahmen des Vortrages werden Ursachen, Folgen und Abhilfemöglichkeiten bei chronischen Schmerzen aufgezeigt.

 

Dienstag, 18. Dezember 2018    16.15h    ExWi

‚Alter‘ auf der Tanzbühne - am Beispiel von Pina Bauschs Kontakthof

Prof. Dr. Christina Thurner, Institut für Theaterwissenschaft, Universität Bern

Professionelle Tänzer_innen sind in der Regel 18 bis 35 Jahre alt. Wer älter oder auch jünger ist, gehört – zumindest in unserem Kulturkreis – nicht mehr oder noch nicht auf die Bühne. Das Thema ‚Alter‘ im Tanz wird allerdings gerade in den letzten Jahren vermehrt diskutiert und problematisiert. Es gibt zunehmend Stücke und Projekte explizit mit Jugendlichen oder Tanzenden über 40; immer mehr Tänzer_innen bleiben länger in ihrem Beruf aktiv und treffen auf Choreograf_innen, die das spezifische Potenzial von reiferen Menschen mit erfahrenen Körpern einzusetzen wissen.

Im Vortrag soll ein besonderes Beispiel zu diesem Thema vertieft betrachtet werden. Im Jahr 2000 hat die berühmte Choreografin Pina Bausch ihr 1978 für das Wuppertaler Tanztheater geschaffenes Stück Kontakthof nochmals, mit Laien, auf die Bühne gebracht, und zwar als Kontakthof mit Damen und Herren ab 65. Damit nicht genug, 2008 gab es noch eine weitere Version mit Teenagern ab 14. Alle drei Bausch-Produktionen waren sehr erfolgreich und tourten international. Von beiden Adaptionen existiert zudem je ein Film, der den jeweiligen Erarbeitungsprozess dokumentiert. Der Vortrag möchte einerseits darlegen, wie die verschiedenen Versionen zusammenhängen, d.h. weshalb das Stück Kontakthof sich geradezu anbietet, von diversen Altersgruppen adaptiert und transformiert zu werden. Andererseits wird anhand der Dokumentarfilme deutlich gemacht, welche Probleme, aber vor allem welches Potenzial eine solche Übertragung für die beteiligten Menschen, für das Stück, für unsere Wahrnehmung von Tanz und überhaupt für das Thema ‚Alter‘ auf den Bühnen birgt.

 

Freitag, 21. Dezember 2018    14.15h    Aula HG

Konzert zum Jahresabschluss

Mathilde Bernard (Harfe), Aurora Pajón (Querflöte), Alejandra Martín (Bratsche)

Das Trio Tramontana präsentiert Werke von Debussy, Tchaikovsky, Gubaidulina, Bischoff und Moreno Buendía, u.a.