Abstracts 2015/16

Die Abstracts und weitere Informationen, die uns teilweise von den Referenten zur Verfügung gestellt worden sind, sind jeweils unter den Titeln der Vorträge gesammelt.

Freitag, 3. Juni 2016, 14.15, HG Aula

Versuchungen widerstehen – Bremspedal im Gehirn

Daria Knoch, Dr. phil. hist., Prof. für Psychologie, phil. hum. Fakultät, Uni Bern

Sie sind auf Diät und erspähen im Schaufenster einer Bäckerei Ihr Lieblingsgebäck. Wie schaffen Sie es, dieser süssen Verlockung zu widerstehen? Wir sollten auch manchen Versuchungen widerstehen, wenn uns an einer stabilen Partnerschaft gelegen ist. Und wer stets ausspricht, was er denkt, stellt sich damit oft selbst ein Bein. Auch müssen wir unsere Impulse häufig zurückstellen, damit etwa ein kleiner Zwist unter Kollegen oder in der Familie nicht eskaliert. Oder wir müssen unsere egoistischen Bedürfnisse zurückstellen, um im Interesse der Gemeinschaft oder der Gruppe zu handeln. All diese Situationen haben eines gemeinsam: Wir wenden in ihnen Selbstkontrolle an, um soziale Normen zu befolgen. Im Vortrag wird erläutert, welche Rolle unser Gehirn darin spielt, und wie die Hirnforschung das „Bremspedal“ im Gehirn in Experimenten testet.

 

Freitag, 27. Mai 2016, 14.15 HG Aula  (Datum geändert gegenüber dem gedruckten Programm)

Einsicht in göttliche Geschichten. Best of Bible-Orient

Maturandinnen und Maturanden des Gymnasiums Neufeld zusammen mit Seniorinnen und Senioren
Leitung: Stefan Dick, Katja Janz, Florian Lippke

(s. auch Sonderveranstaltung Besuch im Bibel+Orient-Museum, Fribourg, 11.5.2016)

Die biblischen Schriften sind ein wertvolles Kulturdokument – aber sie sind nicht im Abendland entstanden. Die Wurzeln führen ins Morgenland, in den Orient. Aus diesem Grund ist die Bibel mit all ihren Überlieferungen ein orientalisches Buch, das wir in Europa wertschätzen. Darüber hinaus ist die Bibel nicht nur irgendein Buch, sondern gewisser Massen ein „best-of“ Alter Orient und Ägypten. Um die Bibel zu verstehen muss man die Welt der Bibel verstehen. Nur wer sich auf diesen Verstehensweg macht wird die tiefen biblischen Einsichten richtig deuten können. -- Das BIBEL+ORIENT Museum an der Universität Freiburg geht dieser Spur nach.

Bei diesem Beitrag kommen die Vortragenden aus der jungen Generation. In ihrem ersten öffentlichen Vortrag stellt die Gruppe ihre Einsichten vor. Im Museum vor Ort wurden Informationen gesammelt – diese wurden in Vortragsform gebracht – nun erfolgt die Präsentation. Die Vorbereitung erfolgte mit Unterstützung von Teilnehmenden der Seniorenuniversität; so wurden mehrere Perspektiven berücksichtigt.  Neben Einleitung und Zusammenfassung wird Florian Lippke, Kurator des BIBEL+ORIENT Museums, die Einsichten kurz kommentieren. Folgende Themenbereiche werden von den Schülerinnen und Schülern vorgestellt:

1. Ein Land in dem Milch und Honig fliesst! Müssen die Geschichtsbücher umgeschrieben werden?
2. Ein Leben nach dem Tod – schon tausend Jahre bevor das Christentum entstand?
3. Schlange, Sonnengott und Goldenes Kalb – woran glaubten die Israeliten?
4. Davidsstern, Kreuz und Halbmond – wie leben die Religionen in Europa zusammen?

Vorgestellt werden wichtige Exponate des BIBEL+ORIENT Museums: Das BIBEL+ORIENT Museum verknüpft die Texte der Bibel auf einzigartige Art und Weise mit der Umwelt, in der sie entstanden sind. Es gibt dort über 400 Objekte zu bestaunen. Sie sind Zeugnisse der kanaanäischen, der altorientalischen, der ägyptischen und der hellenistisch-römischen Kultur. Sie lassen Szenen aus dem Alltag lebhaft vor Augen treten: das Züchten von Kulturpflanzen, das Domestizieren von Tieren, das Hervorbringen von Handwerk und Schrift und vieles mehr. Die Natur- und Alltagsszenen bilden Brücken zum Verständnis einer reichhaltigen religiösen Welt: Göttinnen und Götter, Engel und Dämonen, Priester, Prophetinnen und Propheten und Menschen, die beten und feiern und ihren Alltag leben. Das BIBEL+ORIENT Museum stellt und beantwortet Fragen zur Geschichte und Gegenwart der drei monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam und ihrer orientalischen Wurzeln. Die Förderung des Lebens im Angesicht der Sterblichkeit, der Umgang mit Gewalt, das Einstehen für Gerechtigkeit und die Hoffnung auf ein Leben über den Tod hinaus sind allgemein menschliche Themen. Sie haben im Alten Orient ihren Ursprung und sind in Synagogen, Kirchen und Moscheen aufgegriffen und weiter überliefert worden. In vielen Facetten prägen sie unsere Mentalität und Kultur bis heute.    

 

 

 

Freitag, 20. Mai 2016, 14.15, HG Aula

Wer mit Hunden zu Bette geht, der steht mit Flöhen auf

Bruno Gottstein, Dr. phil. nat., Prof. für Parasitologie, Vetsuisse und Med. Fakultät, Uni Bern

Institut für Parasitologie (Departement für Infektionskrankheiten und Pathobiologie)
 

In vielen Familien lebt ein Haustier. Gerade Kinder gehen beim Kuscheln und Schmusen kaum auf Distanz. Unter gewissen Umständen kann das gefährlich sein, und Haltern ist oft nicht bewusst, dass ihr Liebling verschiedene Krankheiten übertragen kann.

Vier Beispiele (Parasiten) werden im Vortrag näher erläutert werden: Flöhe, Milben, Hundespulwurm und Fuchsbandwurm. Vor allem kleine Kinder, ältere und kranke Menschen sowie Schwangere sind risikomässig am meisten gefährdet, aber grundsätzlich ist das Risiko zum Glück gering, insbesondere wenn die Tiere angemessen versorgt und Hygieneregeln eingehalten werden.

Flöhe bei Hund und Katze loszuwerden, ist kein einfaches Unternehmen. Ein adulter Katzenfloh, obwohl er auch längere Zeit ohne Blutmahlzeit auskommen, saugt wenn möglich täglich, am liebsten alle paar Stunden. Obwohl Flöhe von blossem Auge sichtbar sind, liegt es nicht immer nahe, unruhiges Verhalten der Katze, vermehrtes Kratzen oder gar Hautveränderungen mit Flöhen in Zusammenhang zu bringen. Es sei betont, dass Flohbefall bei Hund und Katze nicht als Zeichen für mangelnde Sauberkeit oder gar vernachlässigte Pflege durch den Katzenhalter zu deuten ist. Ein kurzer Streifzug in der näheren oder weiteren Umgebung, und schon kann eine Katze oder ein Hund mit Flöhen anderer Katzen/Hunde befallen sein.

Grabmilben-Befall (Sarcoptes) ist z.Z. ein rel. grosses Problem bei der sehr dichten Fuchspopulation in der Schweiz. Vom Fuchs ausgehend können diese Milben auch den Hund infizieren, und vom Hund ausgehend können auch Menschen betroffen werden, v.a. solche, die einen engen Körperkontakt mit befallenen Hunden haben (Besitzer, Tierarzt etc.). Eine rechtzeitige Erfassung des Hautproblems und anschliessende Behandlung beim Hund verhindert eine Ausweitung des Problems auf den Menschen.

Bei Hunden in der Schweiz sind der Hundespulwurm Toxocara canis  sowie der gefährliche Fuchsbandwurm Echinococcus multilocularis die am häufig­sten nachgewiesenen zoonotischen Wurmparasiten. Die mit dem Hundekot ausgeschiedenen Spulwurm- und Bandwurmeier sind sehr resistent gegen Umwelteinflüsse. Auch gebräuchliche Desinfektionsmittel können ihnen nicht viel anhaben. In den Wurmeiern ent­wickeln bzw. befinden sich Larven, welche darauf warten, von einem neuen Wirt aufgenommen zu werden. Beim Spulwurm ist dies i.d.R. ein anderer Hund, beim Fuchsbandwurm eine Maus, aber akzidentell können sowohl Spul- als auch Fuchsbandwurmeier den Menschen infizieren. Daraus resultieren kann eine viszerale oder okuläre Toxokarose Spulwurmeier), oder eine alveoläre Echinokokkose (Fuchsbandwurmeier).

 

Freitag, 13. Mai 2016, 14.15, HG Aula

Zeitbanken und Lokalwährungen –
von der Kapitalismuskritik zum Instrument neoliberaler Sozialpolitik.
Über einige Paradoxien alternativer Formen des Austausches

Heinzpeter Znoj, Dr. phil. hist., Prof. für Sozialanthropologie, phil. hist. Fakultät, Uni Bern

Zeitbanken und Lokalwährungen sind Instrumente, die den Austausch von Gütern und Leistungen vermitteln, und dabei eine Alternative zum gewöhnlichen Geld und zu Guthaben und Krediten in der Landeswährung darstellen. Ihre Ziele sind es, den lokalen Austausch anzuregen, den Abfluss von Geld zu verhindern und über den Austausch das Gemeinschaftsgefühl und die Solidarität unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu stärken.

Aus sozialanthropologischer Sicht sind Zeitbanken und Lokalwährungen gerade deshalb interessant, weil sie keine ausschliesslich wirtschaftliche Zielsetzung haben und sich der kapitalistischen Logik der offiziellen Zahlungsmittel sogar verweigern: Alle Zeitbanken und Lokalwährungen verzichten auf die Verzinsung von Guthaben und Schulden. Solche Währungen können deshalb nicht als Kapital fungieren. Darin liegt ihr kapitalismuskritisches Potenzial. Gleichzeitig werden aber gerade Zeitbanken als Instrument propagiert, das die Sozialausgaben der Gemeinden reduzieren kann, also der neoliberalen Sparpolitik entgegenkommt.

Die Frage, ob Zeitbanken und Lokalwährungen also ein Schritt in Richtung einer postkapitalistischen Wirtschaft sind oder doch eher kompensatorisch zur Aufrechterhaltung unserer Wirtschaftsordnung beitragen, möchte ich in meinem Vortrag diskutieren. Denn es wäre ja irgendwie schon paradox, den Kapitalismus mit einer anderen Art von Geld überwinden zu können. Die Antwort, die ich vorschlagen werde lautet: es kommt darauf an, wie die Systeme organisiert sind.

 

>> Die Folien dieses Vortrages sind hier erhältlich:
Prof. U. Kieser: Das 10x1 der Altersfinanzierung. 10 typische Situationen. (PDF, 578KB)
 

Freitag, 6. Mai 2016, 14.15, HG Aula

Das 10 x 1 der Altersfinanzierung.
10 typische Situationen, in denen AHV oder Ergänzungsleistungen im Alter Geld zahlen

Ueli Kieser, Dr. iur., Prof. für Haftpflicht und Versicherungsrecht, rw. Fakultät, Uni Bern

1. Allgemeines zur Altersfinanzierung
Ein statistischer Blick zurück

Feststellung 1
Die Zahl der rentenbeziehenden Personen ist in den letzten Jahren sowohl in der AHV wie auch in der beruflichen Vorsorge deutlich und parallel angestiegen. Ebenfalls angestiegen sind die Ausgaben und die Einnahmen und zwar weitestgehend parallel.

Feststellung 2
Bisher ist es gelungen, bei der Altersfinanzierung Ausgaben und Einnahmen in einem guten Verhältnis zu behalten. Dies kann als Zeichen dafür interpretiert werden, dass die Gesetzgebung bislang in kluger Weise den massgebenden Entwicklungen angepasst werden konnte.

Feststellung 3
Die Ausgleichssysteme von AHV und beruflicher Vorsorge sind konstante Ausgleichssysteme. Sie blieben bisher über Jahrzehnte in einem Gleichgewicht.

Ein Blick in die Zukunft

Prognose 1
Die Zukunft wird erhebliche Veränderungen, vor allem im Bereich der Ausgaben, mit sich bringen. Diese Problematik geht wesentlich auf die Veränderungen des Altersrentnerquotienten zurück.

Prognose 2
In Zukunft werden gesetzliche Veränderungen notwendig sein. Die Vorlage „Altersvorsorge 2020“ hat deshalb einen ganz zentralen Stellenwert. Weil die Veränderungen insbesondere auf eine – letztlich wahrscheinlich vorübergehende – Veränderung des Altersrentnerquotienten zurückgehen, kann erwartet werden, dass nach einer (längeren) Übergangsphase wiederum ein Gleichgewicht zwischen Einnahmen und Ausgaben entstehen wird.

2. Ein Blick auf 10 konkrete Situationen

Situation 1
Die Versicherungsdauer hat einen massgebenden Einfluss auf die Berechnung der AHV-Rente.

Situation 2
Das bisher erzielte Einkommen (Alter 20 bis 64/65) steuert die Höhe der AHV-Rente direkt.

Situation 3
Bei der Pensionierung von beiden Ehepartnern bezahlt die AHV eine plafonierte Rente (150 %).

Situation 4
Beim Tod des Ehepartners wird die Plafonierung aufgehoben. Es wird eine einfache Altersrente mit Zuschlag wegen der Verwitwung bezahlt.

Situation 5
Die Berechnung der Rente der Pensionskasse geschieht unter Berücksichtigung des Umwandlungssatzes.

Situation 6
Die Herabsetzung von laufenden Renten ist äusserst umstritten. Gegenwärtig herrscht hier eine unklare Rechtslage.

Situation 7
Ergänzungsleistungen werden durch den Vergleich von Einnahmen und Ausgaben berechnet.

Situation 8
Wer früher (z.B. vor zehn Jahren) sein Haus den Kindern verschenkt hat, muss damit rechnen, dass die Ergänzungsleistungen diese Schenkung später nicht „akzeptieren“.

Situation 9
Ein Zusammenzug im Alter (ohne Verheiratung) ändert an den Ansprüchen gegenüber der AHV, der Pensionskasse und den Ergänzungsleistungen nichts.

Situation 10
Beim Eintritt in ein Alters- oder Pflegeheim ergibt sich insbesondere bei den Ergänzungsleistungen eine erhebliche Entwicklung.

 

Freitag, 29. April 2016, 14.15, HG Aula

Bluthochdruck im Alter

Andreas Schoenenberger, Dr. med., Prof. für Geriatrie, Inselspital Bern

 

 

Freitag, 22. April 2016, 14.15, HG Aula

Alles nur simuliert?
Die Methode der wissenschaftlichen Computer-Simulation auf dem Prüfstand

Claus Beisbart, Dr. phil. hist. et Dr. phil. nat., Prof. für Philosophie, phil. hist. Fakultät, Uni Bern

In den Klimawissenschaften versucht man heute genau vorherzusehen, wie sich das Klima, insbesondere die Temperatur, ändert. Doch wie kommt man eigentlich zu solchen Prognosen? Die Vorhersagen basieren wesentlich auf Computer-Simulationen. Dabei handelt es sich um eine Methode, die um die Mitte des 20. Jahrhunderts erstmals eingesetzt wurde und seitdem in den Natur- und Sozialwissenschaften an Bedeutung gewonnen hat. Heute werden Moleküle, ganze Gesellschaften, ja sogar Galaxien im Universum im Computer simuliert. Doch was sind Computer-Simulationen eigentlich? Wie funktionieren sie? Was können uns simulierte, virtuelle Welten über die Wirklichkeit lehren?  Wo stoßen Computer-Simulationen an Grenzen? Und wie verändern sie die Wissenschaft? Der Vortrag beantwortet diese Fragen, indem er Computer-Simulationen anhand von Beispielen aus wissenschaftsphilosphischer Perspektive untersucht.

Freitag, 15. April 2016, 14.15, HG Aula (Datum geändert gegenüber dem gedruckten Programm)

Wie der Euro Europa spaltet. Koalitionsbildung unter europäischen Regierungen
und Einstellungen der Bevölkerungen

Klaus Armingeon, Dr. rer. soc., Prof. für Politikwissenschaft, WiSo Fakultät, Uni Bern

Um ihre verloren gegangene Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen, bleibt den unter Zahlungsbilanzdefiziten leidenden Ländern des Euroraums nur die interne Abwertung: eine Politik zur Senkung des Lohn- und Preisniveaus. Wir argumentieren, dass diese Politik sowohl auf der Output- als auch auf der Input-Dimension einen Mangel an demokratischer Legitimation aufweist. Daher untersuchen wir die Entwicklung der Unterstützung des politischen Systems, sowohl auf der Ebene des Nationalstaats als auch der Europäischen Union. In einem empirischen Vergleich der 28 EU-Mitgliedsländer zwischen 2001 und 2013 zeigen wir anhand aggregierter Eurobarometerdaten, dass Europa im Bereich der politischen Legitimation auseinanderdriftet. Je stärker ein Land zur internen Abwertung gezwungen wird, desto mehr wendet sich seine Bevölkerung vom demokratischen politischen System auf der nationalen und supranationalen Ebene ab. (Dieser Vortrag beruht auf einer Analyse zusammen mit Kai Guthmann und David Weisstanner).

Freitag, 8. April 2016, 14.15, HG Aula (Datum geändert gegenüber dem gedruckten Programm)

Paradontales Risikomanagement: Warum muss ich wie oft zur Dentalhygienikerin?

Christoph Ramseier, PD Dr. med. dent., Klinik für Paradontologie, Zahnmed. Kliniken, Uni Bern

Traditionell werden wir jedes Jahr einmal zu einer Zahnarztkontrolle aufgeboten. Das Ziel dieser regelmässigen Kontrollen ist die Früherkennung aller Erkrankungen in der Mundhöhle, wie der Karies, der Parodontitis oder des selteneren Mundhöhlenkarzinoms. Werden demgegenüber Kontrollen ausgelassen und dadurch fortgeschrittene Erkankungen erst spät erkannt, muss je nach Ausmass aufwändig und meist auch kostspielig therapiert werden. Im Falle einer fortgeschrittenen Parodontitis wird unmittelbar nach Anschluss der Behandlung die parodontale Langzeitbetreuung, das sogenannte Recall bei der Dentalhygienikerin, organisiert. Entsprechend der vorhandenen Risikofaktoren wird das Recall in einem Abstand von 3, 4, 6 oder 12 Monaten angeboten. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass die regelmässige Einhaltung dieser Recall-Termine sowohl das neue Auftreten von Karies als auch das Parodontitisrisiko deutlich reduzieren kann. Akutelles Wissen sowie neuere Ergebnisse aus wissenschaftlichen Untersuchungen, die das Festlegen des Recall-Intervalls erklären können, werden in diesem Referat vorgestellt und diskutiert.

Freitag, 18. März 2016, 14.15, HG Aula  (Datum geändert gegenüber dem gedruckten Programm)

Über die Dunkelziffer nicht-natürlicher Todesfälle –
Ein selbstkritischer Blick in die Rechtsmedizin

Christian Jackowski, Dr. med., Prof. für Rechtsmedizin, med. Fakultät, Uni. Bern

Können wir davon ausgehen, dass es sicher erkannt werden wird, wenn wir Opfer eines Tötungsdelikts werden würden? Bei der Beantwortung derartiger Fragen hilft die Dunkelfeldforschung. Im Vortrag wird am Beispiel der Dunkelziffer für nicht-natürliche Todesfälle die Relevanz der postmortalen Untersuchungen (Leichenschau, Legalinspektion und Obduktion) erläutert. Dabei werden einzelne Aspekte der gesetzlichen Grundlagen kritisch hinterfragt und Einblicke in eine hochspezialisierte Arbeit ermöglicht, die sonst eher im verborgenen stattfindet.

Anstelle des ursprünglich vorgesehenen Vortrages:

Freitag, 11. März 2016, 14.15, HG Aula

Notfallmedizin bei uns und anderswo

Dr. med. Monika Brodmann Maeder, leitende Ärztin am Universitären Notfallzentrum des Inselspitals Bern.

Die Notfallmedizin in der Schweiz hat einen hohen Standard. Allein das Universitäre Notfallzentrum des Inselspitals Bern versorgt pro Jahr mehr als 40'000 Patienten. Im Jahre 2015 erreichte es die Rekordzahl von fast 45'000 Patienten. Dabei spiegelt sich die Entwicklung der Bevölkerung auch bei den Notfallversorgungen: Immer mehr Patienten im hohen Alter, mit komplexen medizinischen Problemen und chronischen Erkrankungen müssen möglichst adäquat versorgt werden, und PatientInnen mit Migrationshintergrund suchen oft die Notfallstationen auf. Vor allem die Tatsache, dass immer weniger Menschen in der Schweiz einen Hausarzt haben, bewirkt auch steigende Zahlen bei den sogenannten „Walk-ins“, Patienten mit leichten gesundheitlichen Problemen, die eigentlich von einem Hausarzt versorgt werden könnten. Auf der anderen Seite stellen vor allem die schwerkranken und schwerstverletzten Patienten eine Herausforderung dar.  Diese Aufgaben können nur in einem Team gemeistert werden, und dies will gelernt sein. Deshalb ist die Weiterbildung der ÄrztInnen und Pflegefachleute im Notfall besonders wichtig.

Situation Nepal: Nepal ist ein sich entwickelndes Land. Als es im April 2015 durch ein schweres Erdbeben erschüttert wurde, war eine neue Verfassung am Entstehen. Anhand einer persönlichen Erfahrung wird aufgezeigt, was in den Stunden und Tagen danach geschah und wie schwierig sich der Wiederaufbau gestaltet. Es werden aber vor allem zukunftsträchtige und hoffnungsvolle Initiativen aufgezeigt wie das Engagement des Spitals Lukla für Bewohner von sehr abgelegenen Tälern und der Aufbau der Berg- und Flugrettung im Himalaya. Alle diese Projekte werden mit Schweizer Hilfe weiterentwickelt.

 

Freitag, 4. März 2016, 14.15, HG Aula

Artenvielfalt und Gentechnik, ein Thema mit vielen Missverständnissen

Klaus Ammann, Dr. phil. nat., Prof. em. für Pflanzenwissenschaften und ehem. Direktor Botanischer Garten, phil. nat. Fakultät, Uni Bern

Diskussionen um Landwirtschaft sind wichtig, in unserer kleinteiligen Landwirtschaft und der wachsenden Siedlungsdichte geht das die ganze Bevölkerung an, nicht nur die Spezialisten. Unsere direkte Demokratie bringt eine fast einmalige Chance, diese Fragen zukunftsorientiert und gleichzeitigem Respekt zur Tradition anzugehen. Es reicht nicht, mit festgefahrenen Meinungen oberflächliche Slogans zu äussern, diese Angelegenheit ist zu wichtig, um in billige gegenseitige Polemik zu verfallen, Respekt vor verschiedenen Wissensarten ist deshalb unabdingbar.

Der Referent analysiert ausführlich die zahlreichen Gründe, weshalb diese Diskussion heute schief läuft.

Schlussfolgerungen:
Debatten leider oft einfach sture Gegenreden, wichtig wäre jedoch Zuhören, voneinander lernen, gute Austausch-Prozesse können oft monatelang dauern, mit mehreren wichtigen Voraussetzungen: Verschiedene Wissensarten berücksichtigen, schrittweises Vorgehen, sorgfältige Zusammensetzung der Diskussions-Gruppe, offene Schlussfolgerungen, Dialog ausbauen.
Für die Landwirtschaft würde das bedeuten, dass eine Kombination moderner Zucht und Bio-Landwirtschaft durchaus denkbar wäre, wie das einige Saatgut-Firmen wie Monsanto, Syngenta, Pioneer und DuPont bereits voraussehen. Das gilt auch für einige führende Kräfte von nationalen und internationalen Biolandwirtschafts-Organisationen.
Dies bedeutet auch auf internationaler Ebene, dass man den Goldenen Reis wegen Vitamin-A-Züchtung mit einfachster Gentechnik nach den bisher positiv verlaufenden Sicherheits-Überprüfungen endlich freigeben sollte, die Verzögerung hat bereits Millionen toter Kinder verursacht, klar ein humanitäres Verbrechen.

Für den erkrankten Referenten, Prof. M. Sallmann, mit dem ursprünglich vorgesehenen Thema "Die Bedeutung Berns für die Reformation" ist Dr. Hans Christoph von Tavel kurzfristig eingesprungen mit dem faszinierenden Vortrag

Der Berner Totentanz übersteht die Reformation.

 

 

Niklaus Manuel, Selbstdarstellung beim Malen von Nichtchristen im Totentanz, um 1520, Kopie von Albrecht Kauw im Bernischen Historischen Museum. -- Am 13. Oktober 2016 eröffnet das Bernische Historische Museum seine nächste grosse Wechselausstellung «Mit Niklaus Manuel durch die Zeit der Reformation».

Freitag, 18. Dezember 2015, 14.15, HG Aula

„…vollends erzpräzise, eindeutig, erzklar und radikalst“, Künstler sprechen über Kunst

Peter J. Schneemann, Dr. phil. hist,, Prof. für Kunstgeschichte der Moderne und Gegenwart, phil. hist. Fakultät, Uni Bern

Der multimediale kunsthistorische Vortrag thematisiert das Sprechen von Künstlerinnen und Künstlern in der Moderne und Gegenwart. Die Forderung zur Erklärung geht weit in die Geschichte der Moderne zurück und prägt  auch heute noch das Verhältnis zwischen Künstler und Publikum. Der Vortrag zeigt unseren Umgang mit dem künstlerischen Kommentar zu seiner eigenen Arbeit und reflektiert über die entstehenden Kontroversen.

Anhand von vielen Beispielen, unterhaltenden wie auch schockierenden, wird der Reiz demonstriert, der von diesen Dokumenten ausgeht.

 

Dienstag, 15. Dezember 2015, 16.15, ExWi

Haareis – eine zauberhafte winterliche Erscheinung in feuchten Wäldern

Christian Mätzler, Dr. phil. nat., Prof. em. für angewandte Physik, phil. nat. Fakultät, Uni Bern

Während der kalten Jahreszeit kann man in Wäldern unter Umständen eine selten schöne Eisform finden, die auf morschem Laubholz auf Grund eines biophysikalischen Rätsels wächst. Dieses Haareis entsteht an abgestorbenen Ästen und Baumstämmchen, am Waldboden und auch an noch stehendem Holz. Die Haare (etwa 0.01 mm dick, bis über 100 mm lang) wachsen quer zur Astachse an rindenfreien Stellen mit einer Geschwindigkeit von 5 - 10 mm pro Stunde, solange genügend Wasser aus dem Holz nachgeliefert wird. Dabei muss sich die Lufttemperatur leicht unter 0°C befinden, damit das austretende Wasser gefrieren kann. Zudem muss das Holz von einem Pilz durchwuchert sein, der die Haarform ermöglicht und stabilisiert.  In unseren Untersuchungen [1,2] stellten wir fest, dass die Spezies, Exidiopsis effusa (rosagetönte Wachskruste) in allen untersuchten Haareishölzern vorkommt. Dieser Pilz ermöglicht die spezielle Eisform. Wird er abgetötet, so gefriert das Wasser an der Astoberfläche zu einer unscheinbaren Eiskruste.

1) Christian Mätzler, Gerhart Wagner, Gisela Preuss, and Diana Hofmann, Enlightening the Mystery of Hair Ice, IAP Research Report No. 2013-01-MW, Institute of Applied Physics, University of Bern, Bern, Mar (2013).
2) Diana Hofmann, Gisela Preuss, and Christian Mätzler, "Evidence for biological shaping of hair ice", Biogeosciences, 12, 4261-4273 (2015), doi:10.5194/bg-12-4261-2015, www.biogeosciences.net/12/4261/2015/
Das Foto zeigt Haareis am 5. Jan 2015 im Wiliwald, Moosseedorf.

 

Freitag, 11. Dezember 2015, 17.15 HG AudiMax

Die Seniorenuniversität zu Besuch bei der Kinderuniversität: Mathematische Zaubereien

Peter Mürner (Siderato), Dr. phil. nat., Prof. em. für Mathematik, phil nat. Fakultät, Uni Bern

 

Dienstag, 8. Dezember 2015, 16.15, ExWi

„Lieb haben von ganzem Herzen…“ – Gefühle und Emotionen im Alten Testament

Andreas Wagner, Dr. theol., Prof. für Altes Testament, theol. Fakultät, Univ. Bern

Wenn ich doch nur wüsste, was Liebe ist - so ist die erste Ausgangsfrage des Vortrages. Ist Liebe in allen Zeiten, allen Völkern gleich? Oder hat das Alte Testament eine völlig andere Vorstellung von Liebe und ähnlichen Emotionen? In der Tat geht die neuere historische Emotionenforschung von einer Art "relativen Emotionstheorie“ aus! 
Häufig werden für die Erforschung von Emotionen in Gegenwartskulturen Menschen befragt - Was aber, wenn wir, wie im Falle des Alten Testaments, keine lebendigen Menschen mehr befragen können, sondern nur die überlieferten schriftlichen Texte aus der Kultur des Alten Israel haben? 
Gerne möchte ich am Beispiel von Liebe und anderen Emotionen des A.T. zeigen, was an der emotionalen Welt des A.T. interessant und vielleicht anders ist als in der heutigen Zeit und welche Bedeutung das für das Verständnis der Aussagen des A.T. hat.

 

 

Freitag, 4. Dezember 2015, 14.15, HG Aula

Als Notfall im Spital und plötzlich verwirrt. Das Delirium, ein häufiges Krankheitsbild im Alter

Thomas Münzer, PD Dr. med., Chefarzt Geriatrische Klinik St. Gallen

Wenn alte Menschen krank sind und notfallmässig ins Spital müssen, werden sie nicht selten verwirrt. Ursache für diesen Zustand ist oft ein Delirium. Betroffene Personen erleben eine innere Unruhe, Angstzustände, ja sogar zu Halluzinationen. Der Referent stellt dieses im Alter häufige Krankheitsbild vor, erklärt die Ursachen und spricht über aktuelle Behandlungsmöglichkeiten. Fragen aus dem Publikum werden gerne beantwortet.

 

 

Dienstag, 1. Dezember 2015, 16.15, ExWi

Von der Topogafie zu Geodaten

Ruedi Bösch, lic. phil. nat., Leiter Kompetenzzentrum Marketing, Kommunikation und Verkauf, Bundesamt für Landestopografie, Wabern-Bern

Ob im mobilen Telefon, dem Internet oder im Navigationsgerät des Autos – Geodaten sind heute omnipräsent. Die Landeskarte der Schweiz in gedruckter und digitaler Form ist heute bei der Datenherstellung nur noch eine, aber für das breite Publikum immer noch wichtige Anwendung. Bis eine Karte auf dem Bildschirm betrachtet werden kann oder bei einer Wanderung in den Bergen ihre guten Dienste leistet, durchläuft sie zahlreiche spannende Arbeitsschritte. Lithosteine und Kupferplatten haben längst dem Computer Platz gemacht. Geblieben sind die hohe Präzision und das unvergleichliche, weltweit bekannte Kartenbild.

 

 

Freitag, 27. November 2015, 14.15, HG Aula

Romeo und Julia: Romantik und Zynismus

Oliver Lubrich, Dr. phil. hist., Prof. für neuere deutsche Literatur und Komparatistik, phil. hist. Fakultät, Uni Bern

Die berühmteste Liebesgeschichte der Welt feiert die „wahre Liebe“ – und sie stellt sie zugleich subtil in Frage. Denn wenn in Romeo und Julia von Liebe die Rede ist, tauchen regelmäßig bestimmte Motive auf: Buch, Lesen, Reim, Auswendiglernen und Aufsagen. Fügt man sie als Metaphern zusammen, ergibt sich ein überraschend schlüssiges Bild: zu lieben heißt, Bücher lesen, sich ihren Inhalt einprägen und bei passender Gelegenheit aufsagen. Shakespeare macht seinen Zuschauern das Angebot, sein Stück aus zwei gegensätzlichen Perspektiven zu lesen: 1. Liebe ist ein Mysterium. Romeo und Julia lieben einander so intensiv, dass sie ohne den anderen nicht leben können. 2. Liebe ist eine kulturelle Vereinbarung, ein standardisiertes Verhalten, ein Code der Kommunikation. Aus heutiger Sicht gleicht Romeo and Juliet einer absurden Affäre zwischen Don Quijote und Madame Bovary.

Der Vortrag wird ergänzt durch Beispiele aus Film und Musik.

 

 

Dienstag, 24. November 2015, 16.15, ExWi

Berufsbildung und Hochschulbildung: Konkurrenz oder gegenseitige Ergänzung?

Karl Weber, Dr. phil. hist., Prof. em. für Weiterbildung, ehem. Leiter des Zentrums für Weiterbildung, Uni Bern

In den letzten 20 Jahren haben sich die Berufs-, Hochschul- und Weiterbildung in der Schweiz dynamisch verändert. Bestehende Bildungsangebote wurden überprüft, reformiert und neue wurden geschaffen. Dabei hat sich das Verhältnis zwischen den Bildungseinrichtungen dynamisiert und wurde teilweise neu bestimmt. Insgesamt ist damit im nachobligatorischen Bildungsbereich das Angebot vielfältiger geworden. Den Lernenden wurden neue Bildungswege geöffnet. Davon profitiert ein immer grösserer Anteil der jungen Bevölkerungsgruppen. Heute wird in der Öffentlichkeit, in der Politik, von Parteien und Verbänden sowie anderen Organisationen oft die Frage gestellt, wie sich in diesem Expansions- und Reformprozess Berufsbildung und Hochschulbildung aufeinander abstimmen. Ergänzen oder konkurrenzieren sich die beiden Bildungsbereiche? Ist ihr Kampf um Talente so intensiv, wie diese immer behaupten?

Diese Leitfrage wird in einer längerfristigen Perspektive geklärt. Dabei stehen die Angebotsentwicklung und die Integration der Ausgebildeten in den Arbeitsmarkt im Vordergrund. Zunächst wird ein Blick auf bildungspolitische Konjunkturen in den letzten Jahrzehnten geworfen. Dann wird gezeigt, wie sich das Angebot und die Nachfrage in der nachobligatorischen Bildung sowie die Position der Bildungsanbieter verändert haben. Drittens werfen wir einen Blick auf den längerfristigen Wandel der beruflichen Anforderungen in der Arbeitswelt. Viertens wird gefragt, ob sich heute zwischen Bildung und Beschäftigung Abstimmungsprobleme erkennen lassen und wie deren Bedeutung einzuschätzen ist. Abschliessend werden die Befunde mit Blick auf die Leitfrage der Vorlesung zusammengefasst.

 

 

Freitag, 20. November 2015, 14.15, HG Aula

Interreligiöse Begegnung in der Spätantike

Katharina Heyden, Dr. theol., Prof. für Historische Theologie, theol. Fakultät, Uni Bern

In der Spätantike (4.-6. Jh. n. Chr.) lebten im Römischen Reich Angehörige verschiedener Kult- und Religionsgemeinschaften auf engem Raum nebeneinander. Konnten sie gemeinsam an einem Ort Gottesdienste feiern? Aus welchen Anlässen entstanden gewaltsame Konflikte? Worüber wurden theologische Auseinandersetzungen geführt? Anhand konkreter Beispiele werde die wesentlichen Merkmale von Koexistenz, Konflikt und Dialog zwischen den Religionen in der Spätantike vorgestellt. Ausserdem wird den Spuren von Fremdenliebe und Fremdenangst in der christlichen Theologie dieser Zeit nachgegangen.

 

 

Dienstag, 17. November 2015, 16.15, ExWi

Antibiotikumresistenz. Gibt es einen Weg zurück?

Andreas Kronenberg, PD Dr. med., Institut für Infektionskrankheiten, med. Fakultät, Uni Bern

Die Einführung der ersten Antibiotika während des 2. Weltkrieges war eine der grössten und wichtigsten Errungenschaften der modernen Medizin. Im Gegensatz zu den meisten anderen Medikamenten entfalten sie ihre Wirkung nicht primär auf den Menschen, sondern auf die Bakterien. Diese versuchen mit verschiedenenResistenz-Mechanismen der tödlichen Wirkung der Antibiotika zu entgehen. Mit dem Einsatz von Antibiotika, sei das nun in der Human- oder Veterinärmedizin oder auch in der Agrikultur wird somit auch die Resistenzentwicklung der Bakterien gefördert.

Aktuell sterben in Europa jährlich ca. 25‘000 Personen an den Folgen einer Infektionen mit antibiotikaresistenten Erregern, und die Resistenzentwicklung nimmt weiter zu. Die WHO beurteilt die Antibiotikaresistenz als einer der drei grössten Bedrohungen der menschlichen Gesundheit. Viele Länder haben inzwischen nationale Programme zur Bekämpfung der zunehmenden Antibiotikaresistenz eingeführt, in der Schweiz wurde Ende letzten Jahres der Entwurf zur Strategie Antibiotikaresistenz (StAR) publiziert.

Anhand aktueller Daten werden exemplarisch einige Mechanismen zur Entstehung und v.a. der Verbreitung von Antibiotikaresistenzen aufgezeigt und daraus mögliche Angriffspunkte zur Eindämmung der Resistenzverbreitung abgeleitet. Denn die Eindämmung der Resistenzentwicklung ist im Moment unsere wichtigste Waffe, da die Industrie in den letzten Jahren kaum in die Entwicklung neuer Antibiotika investiert hat.

 

 

Freitag, 13. November 2015, 14.15, HG Aula

Direkte Demokratie in der Schweiz – Erfahrungen, Wirkungen, Herausforderungen

Adrian Vatter, Dr. rer. pol., Prof. für Politikwissenschaft, WiSo Fakultät, Uni Bern

Das Referat von Adrian Vatter geht anhand empirischer Fakten und aktueller Studien der Nutzung und den Wirkungen der direkten Demokratie für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in der Schweiz nach. Er befasst sich dabei mit den Stärken, aber auch den regelmässig geäusserten Kritikpunkten an der direkten Demokratie wie die Überforderung der Stimmbürgerschaft, die Käuflichkeit von Abstimmungen, der fehlende Minderheitenschutz, die Initiativenflut und die Blockade ökonomischer Reformen durch Initiativen und Referenden. Das Referat schliesst mit einem Fazit über Licht und Schatten und den zukünftigen Herausforderungen der direkten Demokratie in der Schweiz.

In der Reihe Politik und Gesellschaft in der Schweiz ist diesen Sommer der Band Wahlen und Wählerschaft, herausgegeben von Prof. Markus Freitag und Prof. Adrian Vatter, erschienen. Weitere Informationen dazu erhalten Sie hier. 

Dienstag, 10. November 2015, 16.15, ExWi

Genetische Erkrankungen beim Pferd

Vinzenz Gerber, Dr. med. vet., Prof. für Pferdemedizin, Vetsuisse Fakultät, Uni Bern

Muskelkrämpfe, Pferdeasthma und Hautallergien, Tumore, Gelenksmäuse, Leberfibrose und Kleinhirnatrophie -
Wie beim Menschen haben auch bei Pferden viele Krankheiten eine genetische Grundlage. Vereinfacht können wir Erbkrankheiten in monogen und polygen vererbte Erkrankungen unterteilen. Monogen vererbte Erkrankungen sind häufig sehr schwerwiegend für das Einzeltier. Sie enden nicht selten schon im Fohlenalter tödlich und kommen meist bei spezifischen Rassen vor. Für monogene Erbkrankheiten können wir heute mittels DNA-Tests diagnostizieren, was die Identifizierung von Trägertieren erlaubt und damit ihre Bekämpfung wesentlich vereinfacht. Für die Pferdezucht sind monogen vererbte Krankheiten aber insgesamt von geringerer Bedeutung, da sie relativ selten vorkommen. Dagegen wird für viele im Zusammenhang mit dem Einsatz in Freizeit und Sport bedeutungsvolle Pferdekrankheiten eine polygen vererbte Komponente vermutet. Ein Großteil dieser Erkrankungen – wie auch andere polygene Merkmale, z. B. Körpergrösse und Leistung im Sport - ist jedoch multifaktoriell und von Umwelteinflüssen abhängig . Wir nennen sie darum auch „komplexe Erbkrankheiten“ und entsprechend ungenügend ist unser Wissen über diese Art genetischer Krankheiten beim Pferd.

 

Freitag, 6. November 2015, 14.15, HG Aula

Kathetertherapie für die „Schaufensterkrankheit“. Arterielle Durchblutungsstörungen im Alter

Felix Mahler, Dr. med., Prof. em. für Angiologie, Spital Männedorf/ZH

Unter dem volkstümlichen Begriff der Schaufensterkrankheit versteht man die häufigste  Manifestation der peripher arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK), die zu einer mehr oder weniger eingeschränkten Gehstrecke – von Schaufenster zu Schaufenster - führt. Die Ursache der PAVK sind  Verengungen (Stenosen) oder Verschlüsse der Arterien, d.h. der blutzuführenden Gefässe.Die Versorgung der Extremitäten erfolgt dabei weitgehend durch Kollateralgefässe. Die PAVK hat je nach Schweregrad der Flusshindernisse resp. der Entwicklung der Kollateralen einen Durchblutungsmangel in den Extremitätenbei Anstrengungen oder sogar bei Ruhe zur Folge.

Die PAVK befällt zu 90% die unteren Extremitäten und ist zu 90% arteriosklerotisch bedingt. Die Häufigkeitder PAVK nimmt mit dem Alter zu und beträgt bei Personen über 55 Jahre ca. 6% und über 80 Jahre ca. 50%. Die wichtigsten sogenannten Risikofaktoren für die PAVK sind das Rauchen und die Zuckerkrankheit,gefolgt von Bluthochdruck und erhöhten Blutfetten.

Symptome der PAVK

Ein grosser Teil (60-80%) der an PAVK erkrankten Personen zeigt noch keine Symptome. Sie lassen sich nur durch klinische und apparative Untersuchungen (z.B. Knöchelarteriendrucke) diagnostizieren. Die typischen ersten Symptome bestehen in einer sogenannten Claudicatio intermittens, d.h. es treten beim Gehen anstrengungsabhängige Schmerzen meist in der Wadenmuskulatur auf(d.h. mehr beim Bergauf - oder Schnellgehen), die beim Stehenbleiben prompt wieder verschwinden. In der Stadt kommt man von Schaufenster zu Schaufenster und kann beim Stehenbleiben so tun, als interessiere einen die Ausstellung sehr.

Schmerzen beim Sitzen, beim Anlaufen oder beim Bergabgehen sind nicht typisch für eine PAVK. Erst bei  bei ausgedehnten Arterienverschlüssen treten schonbei Ruhe Schmerzen in den Füssen auf, besonders beim Liegen im Bett. In diesem Stadium sind die Beine bedroht. Es können nichtheilende Wunden oder Greisenbrand auftreten.Allerdings komm nur bei ca. 5 % aller Patienten mit Schaufensterkrankheit eine solche Verschlechterung vor.

Therapie der PAVK

Im Stadium der Schaufensterkrankheit mit mehr oder weniger langer schmerzfreier Gehstrecke ist primär ein sogenanntes Gehtraining zu empfehlen. Das bedeutet, dass man mehrmals bis zum Beginn der Schmerzen geht und diese beim Stehenbleiben wieder abflauenlässt. Dies wirdidealerweise täglich während ca. einer halben Stunde wiederholt. Natürlich müssen auch die Risikofaktoren behandelt werden.

Sind die Gehbeschwerden aber lästig und behindern den gewohnten Lebensstil, kann eine sogennante Kathetertherapie oder mit dem vollen Namen eine perkutane, transluminale Angioplastie (PTA) angeboten werden.Sie ist anwendbar bei Verengungen und/oder kurzen Verschlüssen der Arterien, die den Beinen Blut zuführen. Ausgedehnte Verschlüsse, insbesonders bei Bedrohung der Beine, können nach wie vor durch sogenannte Bypasschirurgie behandelt werden.

Was ist Kathetertherapie?

Die Angioplastie ist ein minimal invasives Verfahren, welches unter Röntgendurchleuchtung die Erweiterung von Stenosen oder Eröffnung von Verschlüssen durch  sogenannte arteriosklerotischen Plaques mittels eines Ballonkatheters ermöglicht. Durch eine Einführnadelwerden Führungsdrähte und Ballonkatheter  ( Abbildung !) in den Bereich der Verengung  eingeführt und  dort aufgedehnt. Dadurch wird die Gefässlichtung wieder eröffnett. Zum Offenhalten des Gefässes und Glättung der Innenwand kommen heute oft  auch Stents zum Einsatz. Dabei handelt es sich um scherengitterartige Gefässstützen aus verschiedenen  Metalllegierungen, die im Gefäss platziert werden.

Die Methode der PTA mit Ballonkatheternwurde 1974 in Zürich, also vor gut 40 Jahren, durch Dr. Andreas Grüntzig entwickelt, wobei der Referent bei der Einführung persönlich mitbeteiligt war. Während anfänglich nur isolierte Stenosen oder kurzeVerschlüsse der Oberschenkel (Femoralis-) und Beckenarterien mit gutem Resultat behandelt wurden, werden heute fast alle Flusshindernisse, von der Hauptschlagader (Aorta) bis zu den Fussarterien, angegangen. Dazu hat v.a. die Entwicklung besserer Instrumente und insbesondere der Stents beigetragen.

Nach der ursprünglichen Entwicklung seiner Methode an den verhältnismässig ungefährlichen und grösseren Beinarterien wurden die Ballone duch Grüntzig miniaturisiert und 1977–auch noch in Zürich - erstmalsan den Herzkranzgefässen eingesetzt. Dies leitete eine eigentliche Revolution der Herz – und Gefässtherapie ein. Seitherwurde die Kathetertherapie ständig verbessert und hat sich in fast allen Gefässgebieten des Körpers weltweit als Standardtherapie neben der Herz- und Gefässchirurgie durchgesetzt.

 

Dienstag, 3. November 2015, 16.15, ExWi

Boden – vom Mikrokosmos zur Landschaft

Peter F. Germann, Dr. phil. nat., Prof. em. für Bodenkunde, phil. nat. Fakultät, Uni Bern

Beitrag zum Internationalen Jahr des Bodens

Die meisten Böden entstehen aus der Verwitterung von Gestein unter der Mitwirkung von Lebewesen. Böden sind porös, wodurch sie Wasser und Luft speichern und leiten. Je nach Ausgansgestein variieren die inneren Oberflächen von einigen ha/m3 in Sandböden bis zudutzenden von km2/m3in tonigen Böden. An diesen Oberflächen werden Nährstoffe adsorbiert, die den Pflanzen und Mikroorganismen zur Verfügung stehen. In unseren Breiten reicht die Bodenbildung in Tiefen von 1 bis 2 m. Sie ist das Resultat von Verlagerungen und der Versauerung, welche geochemische Stufen der pH-Pufferung durchläuft. Dadurch bilden sich Horizonte, die einen Boden charakterisieren. In einer Landschaft wirken seitliche Kräfte auf den Boden. Der poröse Boden ist fragil und wird leicht durch Wasser- und Winderosion abgetragen. Andernorts sedimentiert das erodierte Material mit anschliessend erneuter Bodenbildung. Wechselwirkungen von regionalen Verlagerungen mit den lokalen geochemischen Prozessen sind sowohl am Bodenprofil als auch in der Landschaft erkennbar und können bis in die Zeit der letzten Gletschervorstösse zurückverfolgt werden. Seit der neolithischen Revolution werden Böden landwirtschaftlich mit zunehmender Intensität genutzt. Der Einsatz von Züchtungen, Maschinen und Chemikalien erhöhte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die agrarische Flächen- und vor allem die Arbeitsproduktivität in bisher nie dagewesenem Mass – mit deutlich erkennbaren Spuren.

 

Freitag, 30. Oktober 2015, 14.15, HG Aula

Verlust von Knochenmineral als Vorreiter von Gebrechlichkeit

Antrittsvorlesung an der medizinischen Fakultät
Albrecht Popp, PD Dr. med., Oberarzt I
Universitäts Poliklinik für Osteoporose, Inselspital Bern

Die Anfälligkeit für zum Teil schwere Knochenbrüche, Frakturen, ist in der zweiten Lebenshälfte, v.a. durch den Verlust an mineralisierten Knochen, d.h. Entwicklung einer Osteoporose (allgemeiner Knochenschwund), gekennzeichnet.Diesegeneralisierte Skeletterkrankung ist weitverbreitet, ist bis zur Fraktur asymptomatisch. Dann hat sie aber für die Betroffenen einschneidende Konsequenzen, bis hin zur abnehmender Selbständigkeit oder sogar vorzeitigen Sterblichkeit. Die Wirbelkörperfraktur stellt die häufigste Osteoporose bedingte Fraktur dar undhat hohe prognostische Bedeutung. Darüber hinaus führt sie allmählich zur schmerzhaften undstagmatisierenden Rundrückenbildung.

Neben einer Übersicht über den aktuellen Kenntnisstand zur Diagnostik inklusive dem Prinzip der Knochendichtemessung und auch zu Therapie der Erkrankung werden vom Vortragenden initialisierten und begleiteten Studien, welche an der Universitätspoliklinik für Osteoporose am Inselspital unter der Leitung von Herrn Prof. Dr. med. K. Lippuner durchgeführt wurden, gezeigt.Dabei steht die stete Verbesserung der Patientenbetreuung durch Weiterentwicklung bestehenderund auch innovativer Methoden im Vordergrund. Beispiele hierfür sind die Messung der Kortikalis, des den Rahmen bildenden kompakten Randknochens, mittels hochauflösender Computertomographie am Vorderarm oder am Schienbein, welche nur in Studien angewendet wird. Weiter sollen die Prinzipien der aktuellen Therapie-Möglichkeitender Osteoporose inklusive deren Nutzen-Risiko-Verhältnis kurz vorgestellt werden.

 

Dienstag, 27. Oktober 2015, 16.15, ExWi
Die Psychologie sozialer Verluste
Hansjörg Znoj, Dr. phil. hist., Prof. für Psychologie,
phil. hum. Fakultät, Uni Bern

Für den Umgang mit persönlichen Verlusten brauchen wir den Begriff "Trauer". Der Begriff wird auch gebraucht für den Verlust von Fähigkeiten oder Eigenschaften, beispielsweise bei der Einbusse eines Teils unserer Fähigkeiten oder wenn wir durch einen Unfall behindert werden. Aber sind das wirklich dieselben Prozesse? Eine Trauerreaktion wird nicht als Ausdruck einer Pathologie sondern als notwendige Form der Anpassung an ein Leben ohne die geliebte Person gesehen. Dem Trauerschmerz kommt kein „höherer“ Sinn zu, sondern ist ein Teil des Verletzungserlebens, den uns ein sozialer Verlust bescheren kann. Der Prozess des Verlusterlebens löst einen Prozess der Anpassung aus, der am besten unter dem Aspekt des Lernens verstanden werden kann. Damit wird auch besser verständlich, weshalb das Erleben positiver Emotionen im Trauerprozess so wichtig ist. Soziale Verluste sind deshalb so komplex, weil eine in der Realität nicht mehr existierende Person auf vielen Ebenen Inkonsistenzerlebnisse auslöst. Umso wichtiger ist es, dass der Verlust nicht als primäre Pflegeaufgabe betrachtet wird, sondern als ein Lebensereignis, das nicht per se ein Leiden verursacht, das einer wie auch immer gearteten medizinischen Behandlung bedarf – Stichwort «Medikalisierung» der Trauer. Gleichwohl gibt es Zustände in der Verarbeitung eines Verlustes, die der psychologischen Hilfe bedürfen. Es wird verdeutlicht, dass nicht das Trauern Gegenstand der Therapie ist, sondern die Anstrengungen des Individuums, diese Arbeit zu vermeiden oder sich der Anpassung an die neue Realität zu verweigern. Um diesen Lernprozess zu unterstützen braucht es Ressourcen und eine Umgebung, die den inneren Transformationsprozess unterstützt.

„Das weibliche Geschlecht auf Otahitee ist wohlgebildet, munter und unzüchtig“ –
Die Entdeckung der Südsee in der Literatur seit dem späten 18. Jahrhundert
Freitag, 23. Oktober 2015, 14.15, HG Aula
Anett Lütteken, PD Dr. phil., Institut für Germanistik,
phil. hist. Fakultät, Uni. Bern und Zentralbibliothek, Zürich

Der Braunschweiger Gelehrte und Schriftsteller Friedrich Wilhelm Zachariä (1726-1777) hat als einer der ersten Autoren deutscher Sprache überhaupt in seinem Versepos „Tayti oder Die glückliche Insel“ aus dem Jahr 1777 die Südsee zum Gegenstand und Schauplatz der Handlung gemacht. Historische Berichte und Eindrücke berühmter Reisender wie Bougainville bildeten dabei den Ausgangspunkt für unterhaltsame, aber zugleich auch sehr ernste Reflexionen über die typisch aufklärerische Fiktion vom ‚edlen Wilden‘, die Verhaltensweisen der Eingeborenen und die mit den Horizonterweiterungen aus seiner Sicht verknüpfte Relativierung Europas und seiner Kultur. Wofür sich Zachariä, aber auch verschiedene der ihm nachfolgenden Autoren bis hin zu Goethe der noch im Jahr 1828 bekannte: „Man sollte oft wünschen, auf einer der Südseeinseln als sogenannter Wilder geboren zu sein, um nur einmal das menschliche Dasein, ohne falschen Beigeschmack, durchaus rein zu genießen.“, wofür sich die Autoren der Zeit um 1800 im Hinblick auf die neu entdeckten exotischen Gefilde besonders interessierten, wird Gegenstand des Beitrags sein.

 

Toleranz gegenüber Immigranten in der Schweiz und die Rolle der wachsenden Diversität. Gilt: je mehr, desto besser?
Dienstag, 20. Oktober 2015, 16.15, ExWi
Carolin Rapp, Dr. rer. soc., Assistentin Institut für Politikwissenschaft, WiSo Fakultät, Uni Bern
(s. auch Sonderveranstaltung am 4. November)

Das Klima gegenüber gewissen in- und ausländischen Bevölkerungsgruppen in der Schweiz hat sich in den letzten Jahren verschlechtert. Oftmals findet durch die Gesellschaft, die Medien und auch durch politische Parteien eine Stigmatisierung von ganzen Personengruppen aufgrund ihrer Herkunft oder ihrer Hautfarbe statt. Dabei soll die Vielfalt der Schweiz eigentlich als Reichtum wahrgenommen werden, den es unter Einhaltung der Rechte und Pflichten aller zu schützen gilt. Leider wird diese Vielfalt allzu oft als Nachteil oder gar als Gefahr für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft wahrgenommen. In diesem Zusammenhang wird der Ruf nach mehr gesellschaftlicher Toleranz immer lauter. Jedoch stellt sich die was konkret unter dieser Toleranz zu verstehen ist und welche gesellschaftlichen Strukturen diese fördern oder sogar zerstören? Der Vortrag soll grundlegenden Antworten auf diese Fragen im Schweizer Zusammenhang liefern. 

Klimaflüchtlinge und Katastrophenvertriebene: Probleme, Perspektiven und Lösungsansätze
Freitag, 16. Oktober 2015, 14.15, HG Aula
Walter Kälin, Dr. iur., Prof. für Staats- und Völkerrecht, rw. Fakultät, Uni Bern

Zwischen 2008 und 2014 mussten mehr als 180 Millionen Menschen vor Naturgewalten fliehen. Die Auswirkungen des Klimawandels lassen befürchten, dass diese Zahlen künftig zunehmen werden. Die meisten dieser Menschen bleiben als Binnenvertriebene in ihrem eigenen Land. V.a. in Afrika südlich der Sahara und in Zentralamerika und der Karibik kommt es aber immer  wieder auch zu grenzüberschreitenden Fluchtbewegungen.  V.a. im Pazifik riskiert  die Bevölkerung tiefliegender Inselstaaten mittel- und langfristig, ihr Land verlassen zu müssen.

Der Vortrag befasst sich mit folgenden Fragen:

Wo und warum müssen Menschen im Kontext von Naturgewalten und Klimawandel fliehen?
Wie gehen Staaten mit solchen Menschen um, wenn sie bei ihnen Zuflucht suchen?
Was lassen sich katastrophenbedingte Flucht und Vertreibung verhindern?
Was unternimmt die Staatengemeinschaft?

 

Wahrnehmung und Wirklichkeit: „Zum Sehen geboren, zum Schauen bestellt…“
Dienstag, 13. Oktober 2015, 16.15, ExWi
Bernd Kersten, Dr. phil. nat., Dozent Institut für Psychologie, phil. hum. Fakultät, Uni Bern

Dieser Bericht ist ein Diskussionsbeitrag eines Wahrnehmungspsychologen.

Die verschiedenen Beziehungen von Wahrnehmung und Wirklichkeit diskutiere ich im Rahmen des Drei-Welten-Modells von Sir Karl Popper. Wirklichkeiten beziehen sich danach auf die physische Welt, den Logos (geistige Gehalte) und die Psyche (Wahrnehmen und Erleben). Empirische Antworten zu dieser an sich philosophischen Frage werden (und können) von mir nur aus Sicht der Wahrnehmungspsychologie gegeben werden.

Danach ergibt sich: Die Physis kann nur ausschnittweise und mittels Wahrnehmung allein nicht zutreffend erfasst werden (vgl. Farben1, z.B. neulich den Blutmond). Daher entwickelten wir die Wissenschaft, welche die Vernunft des einzelnen Menschen erblassen lässt (nur Experimente und neue Beobachtungsinstrumente helfen bei der Wahrnehmung dieser Wirklichkeit). Die menschliche Logik ist hoffnungslos mit unserer Wahrnehmung verstrickt: Psychologen sprechen gar von kognitiven Täuschungen  (z.B. das natürliche Unverständnis der Mathematik wie etwa die Interpretation des Durchschnitts2; vgl. die allgegenwärtige Verwechslung von Korrelation mit Kausalität).  Einzig die Psyche, das subjektiv Wahre, vor allem  das Gute (z.B. das herzige Kind3) und das Schöne4 haben einen Bezug zu einer der Wirklichkeiten - unserer eigenen subjektiven Welt.  Ich diskutiere diese Wirklichkeitsverzerrungen im Rahmen sogenannter Vor-Urteile (eigentlich unbewusste Schlüsse nach Hermann von Helmholtz5). Sie sind (evolutionsbiologisch) sinnvoll für uns  - und in diesem Sinne vermutlich auch wahr. Ironischerweise spricht für mich sogar vieles dafür, dass die subjektive Wahrnehmung die engste Beziehung zu einer "Wirklichkeit"  aufweist.

§ Quelle: »J.W. Goethe (1832). Faust. Der Tragödie zweiter Teil«, 1825-1831, dort "Türmerlied".

 

 

 

Herzinsuffizienz (Herzschwäche): Eine Epidemie, die besonders Senioren betrifft
Freitag, 9. Oktober 2015, 14.15, HG Aula
Paul Mohacsi, Dr. med., Prof. für Kardiologie, Inselspital Bern

In der Schweiz leben zwischenzeitlich ca. eine Viertel Million Menschen mit einer Herzschwäche. Die letzten Erhebungen sind 15 Jahre alt, wobei damals ca. 200‘000 Menschen mit Herzschwäche geschätzt wurden. Die Häufigkeit (Anzahl der an Herzinsuffizienz erkrankten Individuen in der gesamten Population zu einem beliebigen Zeitpunkt) ist für die Gesamtbevölkerung ca. 2-3%, im Seniorenalter jedoch um die 5-15%. Gemäss Bundesamt für Statistik nimmt die Zahl der Senioren laufend zu und betrug im Jahre 2000 ca. 20% der Gesamtbevölkerung in der Schweiz. Bei den über 80-jährigen sind die Krankheitskosten für die Herzinsuffizienz höher als für PatientInnen mit einer Durchblutungsstörung des Herzmuskels (Angina pectoris, Herzinfarkt).
Die Herzinsuffizienz ist ein sogenanntes „Syndrom“, also ein Symptomenkomplex, welcher seine Ursache in einer zugrunde liegenden Herzerkrankung hat. Die Symptome sind Atemnot, eine Unmöglichkeit, flach zu liegen, Gewichtszunahme, resp. Gewichtsabnahme. Die häufigsten zugrunde liegenden Herzerkrankungen sind Durchblutungsstörungen des Herzmuskels (Angina pectoris, Herzinfarkt), eine eigentliche Herzmuskelschwäche, Herzklappenerkrankungen oder angeborene Herzerkrankungen. Eine ausgeprägte Herzschwäche führt zu einer schlechten Lebensqualität und zu einer hohen Sterblichkeit, die mit bösartigen Tumoren (Krebserkrankungen) verglichen werden muss.
Glücklicherweise kann man mit den heutigen Möglichkeiten der Medizin sehr viel dagegen tun. Wichtig ist eine rasche Abklärung der Herzschwäche mit klinischer Untersuchung, Herz-Ultraschall, EKG, Röntgenbild der Herz/Lungen und weitere Abklärungsmöglichkeiten, je nach Situation. Sobald man weiss, was die zugrundeliegende Erkrankung ist, kann man zielgerichtet behandeln.
Unabhängig davon, ist die medikamentöse Behandlung wichtig. Es gibt drei Arten von Medikamenten, die im Vortrag speziell erklärt werden. Weiter müssen die Lebensgewohnheiten angepasst werden, indem die Aufnahme der Gesamtflüssigkeit pro Tag auf 1,5l festgelegt, resp. empfohlen wird. Auch muss man den Salzkonsum beachten: der Amerikanische Lebensstil, zwischenzeitlich vielleicht auch der Schweizerische, führt zu zu viel Kochsalzkonsum pro Tag. Anstelle über 10g/Tag (wie in den USA) sollten pro Tag 5-7g Kochsalz genügen. Der Vortrag wird auch diesbezüglich Empfehlungen geben.

Gesamthaft können wir in der Schweiz gegen Herzschwäche recht viel machen, um eine spätere Herzschwäche zu verhindern, andererseits haben wir die Möglichkeit, wenn eine Herzschwäche bereits vorliegt, mittels Medikamenten und Anpassung der Lebensgewohnheiten recht viel dagegen zu machen. Vorausgehend muss jedoch eine seriöse Abklärung der Herzschwäche durchgeführt werden, da oft massgeschneidert die Ursache behandelt werden kann.
 

Staat und Religionsgemeinschaften im Kanton Bern – Herausforderungen für eine künftige Neuordnung ihres Verhältnisses
Dienstag, 6. Oktober 2015, 16.15, ExWi
Wolfgang Lienemann, Dr. theol., Prof. em. für Ethik, theol. Fakultät, Uni Bern

Der Grosse Rat des Kt. Bern hat in seiner Herbstsession entschieden, dass künftig die Pfarrerinnen und Pfarrer nicht mehr Angestellte des Staates, sondern der Kirche sein sollen. Die strukturellen und finanziellen Konsequenzen dieser Entscheidung müssen näher ausgearbeitet werden. Dazu soll in den kommenden Jahren das Kirchengesetz erneuert werden.

Im interkantonalen und internationalen Vergleich ist das eine sehr bescheidene „Reform“.Im Zentrum des Vortrages stehen folgende Fragen:
Wie hat sich in anderen demokratischen Rechtsstaaten in den letzten Jahrzehnten das Religionsverfassungsrecht entwickelt?
Welche Kriterien sind aus der Sicht einer evangelischen Kirche dafür maßgebend?
Was sind die entscheidenden religionsverfassungsrechtlichen Aufgaben eines säkularen Staates?  

 

Von Hand und Fuss, Flügel und Huf
Freitag, 2. Oktober 2015, 14.15, HG Aula
Michael Stoffel, Dr. med. vet., Prof. für Veterinäranatomie, Vetsuisse Fakultät, Uni Bern

Nur Kenner sind in der Lage, Vorder- und Hinterextremitäten von Katze, Rind oder Pferd distal des Wurzelgelenks zu unterscheiden: Tetrapoden – VierFÜSSER eben – besitzen vier täuschend ähnliche Füsse. Nicht so beim Menschen: Hand und Fuss haben sich auseinander entwickelt und sind unverwechselbar verschieden. Offenbar  hat  die Befreiung von „FUSSungsaufgaben“ der menschlichen Hand ganz neue Entfaltungsmöglichkeiten eröffnet. Bemerkenswerterweise steht dies in einem unerwarteten Kontrast zur stammesgeschichtlichen Differenzierung. Der Grundbauplan für die Gliedmassen der Landwirbeltiere geht zurück auf die vor 400 Millionen Jahren lebenden Quastenflosser. Bei vielen Tetrapoden erfolgte im Laufe der Phylogenese eine hochgradige Spezialisierung hinsichtlich besonderer Aufgaben wiedie Ausbildung von rückziehbaren Krallen bei den Katzen oder die Reduktion der Anzahl Finger in Kombination mit die Aufrichtung zur digitigraden beziehungsweise unguligraden Fortbewegung bei Zehengängern (Hunde und Katzen) und Zehenspitzengängern(Rinder und Pferde). Durch diese evolutionären Prozesse wurden die Gliedmassenspitzen für  besondere Aufgaben wie das Klettern oder die schnelle Fortbewegung in unterschiedlichem Gelände optimiert – Form folgt Funktion. Demgegenüber sucht man beim Menschen vergebens nach einer Fokussierung der Hand auf eine bevorzugte Aufgabe. Im Gegenteilwurden die Einsatzmöglichkeiten der Hand insbesonderedurch Zunahme der Bewegungsfreiheit des Daumens wesentlich erweitert. Der opponierbare Pollex erlaubt das Greifen und Bedienen unzähliger Werkzeuge und(Musik-)instrumente! So erstaunt es nicht, dass die menschliche Hand auch für völlig gegensätzliche Aufgaben eingesetzt werden kann: zum Streicheln und Heilen wie zum Schlagen und Würgen. Die Polyvalenz als herausragendes Merkmal erwächst aus der Beibehaltung und breiten Ausschöpfung des im Grundbauplan angelegten Potenzials im Verbund mit der Emanzipation des Daumens von den übrigen Fingern. Damit ist es gerade der Verzicht auf eine einseitige Spezialisierung mit der zwangsläufig damit einhergehenden Bevorzugung einer einzelnen Funktion, der die menschliche Hand zu diesem wundersamen „Organ“ werden lässt, welches ganz zentrale Aspekte des Menschseins berührt (!) – undausmacht.

Die Bedeutung des Wirtschaftsrechts in der heutigen Gesellschaft
Dienstag, 29. September 2015, 16.15, ExWi
Peter V. Kunz, Dr. iur., Prof. für Wirtschaftsrecht, rw. Fakultät, Uni Bern

Organspende und Transplantationen in der Schweiz. Was muss man wissen? Warum soll man sich entscheiden?
Freitag, 25. September 2015, 14.15, HG Aula
Franz. Immer, PD Dr. med., Swisstransplant, med. Fakultät, Uni Bern

Die Organspende und Transplantation in der Schweiz ist ein aktuelles politisches Thema, welches in den letzten Monaten vermehrt Eingang fand in die Presse. Über 14oo Menschen sind heute auf der Nationalen Warteliste für ein Organ, jede Woche sterben zwei Menschen, weil das lebensrettende Organ nicht rechtzeitig zugeteilt werden konnte. Menschliche Schicksale hinter Zahlen…

Viel zu oft versteckt man sich hinter dem Argument – das betrifft mich nicht oder noch nicht und will damit sagen, dass man sich nicht mit den wichtigen Fragen am Lebensende auseinandersetzen möchte. Sollen dann Ihre nächsten Angehörigen auf der Intensivstation stellvertretend für Sie entscheiden, wenn man zeitlebens nie über die Organspende gesprochen hat? Könnte nicht eine klare Aussage ob man spenden will oder nicht die Angehörigen, aber auch das Spitalpersonal entlastenin diesem schwierige Moment? Bin ich denn zu alt oder zu krank um Organe zu spenden, was bedeutet der Hirntod, wie läuft denn eine Organspende ab, wie werden dann die Organe den Menschen auf der Warteliste zugeteilt und was passiert mit meinem Körper nach der Organentnahme?

Dies sind alles Fragen und Unklarheiten auf die PD Dr. Franz Immer in seinem Referat eingehen wird und die gerne auch gemeinsam diskutiert werden können. Als Facharzt für Herzchirurgie und Direktor der Stiftung Swisstransplant nun seit gut 7 Jahren sind sein Team und er, zusammen mit den Spitälern verantwortlich für die gesetzeskonformen Abläufe der Organspende und der Organzuteilung. 

T. Meireis: Burnout als Schicksal? Zur Ethik der modernen Arbeitswelt
Dienstag, 22. September 2015, 16.15, ExWi
Torsten Meireis, Dr. theol., Prof. für Systematische Theologie, theol. Fakultät, Uni Bern

Führt der Slogan von der Selbstverwirklichung in der Arbeit im modernen Wirtschaftszusammenhang unmittelbar in einen albtraumhaften Kreislauf von verschleierter Herrschaft, Selbstausbeutung und Burnout?
In dem dystopischen Roman ‘The Circle’, meist als Schreckensszenario sozialer Medien gelesen, werden Mechanismen geschildert, die in der Arbeitswelt moderner Unternehmen bereits üblich sind und dazu führen, dass wir Dinge tun, die wir eigentlich gar nicht wollen.
Das Bild der Arbeit, das wir seit etwa zweihundert Jahren kultivieren, bietet jedoch nicht nur Anknüpfungspunkte für Ausbeutung und inneren Kolonisierung, sondern auch Ressourcen für eine kritische Aneignung der Arbeit."
 

Freitag, 18. September 2015, 14.15, HG Aula
Die Highlights der Rosetta Mission
Annette Jäckel, Dr. phil. nat., Post-doc bei Rosina/Rosetta,
physikal. Institut, Abteilung Weltraumforschung und
Planetologie, phil. nat. Fakultät, Uni Bern

Die Rosetta Mission und das ROSINA Instrument beschäftigen die Berner Weltraumforscher seit mehr als einem Jahrzehnt. Als Rosetta im Jahr 2004 ins Weltall startete, waren schon einige Jahre mit Planungs-, Bau- und Testphase des ROSINA Instrumentes vergangen. Es folgte eine 10-jährige Reise bis Rosetta den Kometen Churyumov-Gerasimenko im August 2014 erreichte, um ihn für die nächsten 1.5 Jahre zu umkreisen und wissenschaftliche Messungen durchzuführen. Was sind die Höhepunkte dieser Mission und welche ersten wissenschaftlichen Resultate haben wir bereits erhalten?

Dienstag, 15. September 2015, 16.15, ExWi
„Denn das Geschick der Menschen ist gleich dem Geschick des Viehs“.
Die Tierwelt im Alten Testament
Silvia Schroer, Dr. theol., Prof. für Altes Testament,
theol. Fakultät, Uni Bern

Nach beiden Schöpfungserzählungen erschafft Gott mit der Tierwelt einen Teil des bewohnbaren Kosmos, in den hinein dann Adam, der Erdling, gesetzt wird. Das Verhältnis zwischen Mensch und Tier wird nicht idealisiert. Von allem Anfang an spielen darin Bedrohung und Herrschaft, Mangelhaftigkeit (die Tiere vermögen die Einsamkeit des Erdlings nicht wirklich zu beenden) und sogar Feindschaft eine Rolle. Nach der gemeinsamen Rettung aus der Sintflut verlaufen die Entwicklungen nicht zugunsten der Tiere, denn den Menschen wird nun der Fleischgenuss zugestanden, und von da an (Gen 9,2) herrscht Furcht und Schrecken vor den Menschen im Tierreich. Paradiesischere Zustände sind vorstellbar. Wichtig aber ist die biblische Grundeinsicht: Tiere sind nicht Akzidentien der Schöpfung, sondern wesentlicher Teil des Kosmos.