Abstracts 2014/15

Die Abstracts und weitere Informationen, die uns teilweise von den Referenten zur Verfügung gestellt worden sind, sind jeweils unter den Titeln der Vorträge gesammelt.

Die Behindertenrechtskonvention und ihre Folgen für die Schweiz

Christian Lohr, lic. rer.pol., Fachhochschuldozent und Nationalrat, u.a. Präsidiumsmitglied Pro Infirmis
Freitag, 29. Mai 2015, 14.15, HG Aula

Seit dem 15. Mai 2014 ist die UNO-Behindertenrechtskonvention in der Schweiz in Kraft. Welche inhaltlichen An-und Herausforderungen beinhaltet dieses Dokument, welches in den kommenden Jahren noch sehr viel Umsetzungsarbeit verlangt. Konkret geht es um die Stärkung der gesellschaftlichen Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigungen. Besonders gemeint sind die wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen sowie bürgerlichen und politischen Rechte, die heute nicht in allen Belangen sichergestellt sind. Bestehendes Schweizer Recht gilt es zu prüfen, Lücken zu schliessen. Gefordert sind Massnahmenpläne und entsprechende Prioritätenlisten auf verschiedensten Ebenen im föderalen System. Am Ziel der Inklusion müsste ganze Gesellschaft gemeinsam arbeiten.

Forschung für eine global nachhaltige Entwicklung: eine ethische Verpflichtung?

Hans Hurni, Dr. phil. nat., Dr. h.c., Prof. für Geographie und Nachhaltige Entwicklung, Universität Bern
Freitag, 22. Mai 2015, 14.15, HG Aula

Nachhaltige Entwicklung wurde 1987 durch die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung definiert. Der Begriff hat sich seither in der Politik der meisten Länder, auch in der Schweiz durchgesetzt. Verschiedene internationale Konventionen, zu Klima, Biodiversität und Wüstenbildung, aber auch UN-Konferenzen befassten sich seither mit dem Thema: Zweimal fanden letztere in Rio de Janeiro (1992 und 2012) und dazwischen in Johannesburg statt (2002). Sogenannte Sustainable Development Goals werden zurzeit für die UN Generalversammlung vom Herbst 2015 in vielen Ländern erarbeitet.

Was haben diese Initiativen bisher bewirkt? Geht es vor allem um die Entwicklungsländer, oder ist auch die Schweiz im Fokus? Was hat nachhaltige Entwicklung mit Bildung und Forschung an Schweizer Universitäten zu tun? Gibt es eine ethische Verpflichtung, Forschung zu nachhaltiger Entwicklung zu betreiben, und wenn ja, wie sieht diese aus?

Hans Hurni ist der erste Professor an der Universität Bern, der bei seiner Ernennung den zusätzlichen Aufgabenbereich ‚Nachhaltige Entwicklung‘ zugeteilt erhielt. Wie ist es dazu gekommen? Wie geht er damit um? Und was sind seine Erfahrungen im Bereich Nachhaltige Entwicklung, die er als Direktor des Nationalen Forschungsschwerpunkts NCCR North-South von 2001 bis 2013 machte?

Angeborene Herzfehler heute und vor 30 Jahren – eine medizinische Erfolgsgeschichte

Markus Schwerzmann, Dr. med., Prof. für Kardiologie, Inselspital Bern
Freitag, 15. Mai 2015, 14.15, HG Aula

Angeborene Herzfehler sind die häufigsten Geburtsfehler. Eines von 100 Kindern kommt mit einem Herzfehler zur Welt. Lag vor 50 Jahren die Wahrscheinlichkeit mit einem komplexen Herzfehler erwachsen zu werden bei 1 zu 5, so erreichen heute mehr als 9 von 10 Kindern das Erwachsenenalter. Angeborene Herzfehler sind in verschiedenen Hinsichten eine Erfolgsgeschichte der Medizin.

Ich möchte erklären was “angeborene Herzfehler” sind, wie sie sich bemerkbar machen, und wie es möglich geworden ist, dass heutzutage auch komplexe Herzfehler überlebt werden können. Dies ist auf Fortschritte in der Erkennung und Behandlung von Herzfehlern zurückzuführen. War die Chirurgie angeborener Herzfehler vor 50 Jahren noch ein Abenteuer, so ist sie heute Ausdruck einer medizinischen Höchstleistung.

Trotz aller Erfolge darf nicht vergessen werden, dass die Medizin auch weiterhin ihre Grenzen hat. Auch erfolgreiche operierte Herzen können nicht als “geheilte” Herzen betrachtet werden, sondern haben ihre Narben und Rest-Defekte, die im Erwachsenenleben zu neuen medizinischen Problemen führen können.

Zur Bedeutung der sicheren Bewegungsaktivität im Alter

Fernand Firmin, Dr. phil. hist., ehem. Inst. für Sportwissenschaft, phil. hum. Fakultät, Univ. Bern
Freitag, 8. Mai 2015, 14.15, HG Aula

Ich versuche im Vortrag einen Überblick über „sichere Bewegungsaktivitäten im Alter“ zu vermitteln. Ich gliedere den Vortrag in drei Teile.

Im ersten Teil betrachten wir die Phasen der menschlichen Bewegungsentwicklung. Parallel dazu zeige ich mögliche Veränderungen des Bewegungsverhaltens auf, die in der Lebensphase ALTER zu beachten sind.

Im zweiten Teil skizziere ich am Beispiel der Gangsicherheit die momentane Faktenlage im Bereich der Sturzprävention. Hier wird deutlich, welche Bedeutung der achtsamen Bewegungsaktivität für das persönliche Wohlbefinden zukommt.

Im abschliessenden dritten Teil stelle ich aktuelle Projekte zur Sturzprävention vor. Am Beispiel des evaluierten bfu-Programms „sicher stehen  - sicher gehen“   gebe ich Anregungen und Orientierungshilfen für ein persönliches Übungsprogramm, um auch im Alter kräftig und mobil zu bleiben. Nach der Pause gehe ich gerne und mit Interesse auf ihre persönlichen Fragen ein.

Das Abendland und die Menschenrechte

Markus Stephanians, Dr. phil. hist., Prof. für Philosophie, Inst. für Philosophie, phil. hist. Fakultät, Univ. Bern
Freitag, 1. Mai 2015, 14.15, HG Aula

Der Vortrag versucht in einem ersten Teil die philosophsichen Grundgedanken, auf denen der Menschenrechtsbegriff beruht, herauszuarbeiten und zu klären. ES soll gezeigt werden, dass Menschenrechte keine juridischen Rechte sind, die Menschen einer Autorität verdanken, sondern moralische Rechte, die alle Menschen aufgrund ihres bloßen Menschseins immer schon haben und die ihnen daher universal und unahänbig von sonstigen Eigenschaften zukommen. In einem zweiten, historisch und politisch orientierten Teil skizziere ich die wechselhafte politisch-historische Geschichte des Menschenrechtsgedankens, angefangen von seinem erstmaligen Auftritt auf der politischen Weltbühne in der Amerikanischen und Französischen Revolution, über seine fast vollständige Verdrängung im 19. Jahrhundert bis zu seiner machtvollen Wiederentdeckung und Reaffirmation in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948.

Der Kampf der Frauen um Eintritt in die Medizin (1850-1914)

Marcel H. Bickel, Dr. med., Prof. für Medizingeschichte, Inst. für Medizingeschichte, med. Fakultät, Univ. Bern
Freitag, 24. April 2015, 14.15, HG Aula

Durch die ganze Geschichte gab es Frauen als Heilerinnen in der Volksmedizin, jedoch bis Mitte des 19. Jahrhunderts keine Aerztinnen im heutigen Sinn. Die erste medizinische Ausbildungsstätte für Frauen wurde 1850 in Philadelphia gegründet. Die Schweiz und Frankreich folgten in den 1860er Jahren, Grossbritannien etwas später, Russland in den 1890er Jahren und Deutschland erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts.  Da sich in diesen Ländern das Medizinstudium den Frauen auf ganz unterschiedliche Weise öffnete, muss der Prozess vergleichend betrachtet werden. So geschah etwa die Schaffung von Studienmöglichkeiten für Frauen in den U.S.A. durch Idealisten, in der Schweiz und Frankreich durch liberales laissez-faire, in Grossbritannien durch den Einsatz starker Frauen, in Russland und Deutschland durch obrigkeitliche Erlaubnis. In allen Ländern wurde das Frauenstudium von einer heftigen konservativen Opposition bekämpft, die den mutigen Studentinnen viel Diskrimination und Schwierigkeiten entgegenstellte und die sich in den Gegenargumenten spiegelt.  Diese Auseinandersetzungen können nur verstanden werden im Blick auf die damalige unterprivilegierte, eingeengte und rechtlose Stellung der Frau und die aufkommende Bewegung zu ihrer Befreiung.

Die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative: Sozialwissenschaftliche Anmerkungen zur Quadratur des Kreises

Klaus Armingeon, Dr. rer. soc., Prof. für Politikwissenschaft, Inst. für Politikwiss. WiSo Fakultät, Univ. Bern
Freitag, 17. April 2015, 14.15, HG Aula

Inzwischen sind etwa 40 Prozent der Zeit verstrichen, die zur Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiatve zur Verfügung stehen. Der zuständige Mitarbeiter des Europäischen Auswärtigen Dienstes hat am 9. April 2015 nochmals bekräftigt, dass es in der Substanz keinen Verhandlungsspielraum gibt. Das Schweiz-Dossier wird von einem tüchtigen jungen Mitarbeiter der unteren Hierachiestufe betreut. Neben Wunschgedanken gibt es noch keinerlei absehbare, greifbare und erfolgversprechende Verhandlungsstrategie der Schweiz. Man verbleibt im Status der freundlichen konsultativen Gespräche. Im Vortrag möchte ich folgenden Fragen nachgehen:

  1. Welche Argumente gibt es, die erklären können, weshalb bislang die Verhandlungstrümpfe der Schweiz nicht stechen – von denen die Befürworter der Initiative ausgegangen sind?
  2. Welche Argumente gibt es, die erklären können, weshalb die Politiker und Politikerinnen in den EU-Mitgliedsländern  der Schweiz bislang nicht entgegengekommen ist?
  3. Welche Austrahlungseffekte hat die Schweizer Entscheidung auf die innenpolitischen Migrationsdebatten in ausgewählten EU-Ländern?
  4. Welche Strategien verfolgen Schweizer Politiker und Politikerinnen in der Kommunikation mit den Stimmbürgern und Stimmbürgern, um zu vermitteln, dass bislang die Verhandlungen mit der EU erfolgslos waren ohne dabei die  Annahme zu zerstören, die Schweiz könne souverän  eine Migrationspolitik auswählen und verfolgen?

Unter anderem möchte ich erste Ergebnisse einer Analyse von Medieninhalten in der Schweiz, Deutschland, Grossbritannien, Frankreich, Österreich  und Polen vorstellen.

Konstantinopel – Istanbul, Konfrontation und Begegnung zwischen Christentum und Islam 1453-2014

Martin George, Dr. theol., Prof. em. für ältere Kirchen- und Dogmengeschichte, theol. Fakultät, Univ. Bern
Freitag, 27. März 2015, 14.15 HG Aula

Byzanz – Neu-Rom - Konstantinopel – Istanbul. Die Stadt auf zwei Kontinenten und zwischen zwei Meeren auf sieben Hügeln am Bosporus gelegen hat im Gegensatz zum alten Rom nicht nur mehrere Namen getragen, sondern hier entstanden auch zwei gegensätzliche Kulturen: Am 11.5.330 wurde die Stadt des Kaisers Konstantin (Konstantinoúpolis) als neue christliche Hauptstadt des Römischen Imperiums eingeweiht; am 29.5.1453 eroberte Sultan Mehmet II. die Stadt und liess sie umbauen zur neuen islamischen Hauptstadt des Osmanischen Reiches. Seitdem bestimmte die Begegnung zwischen Christentum und Islam das Schicksal der Stadt, oft in Form der Konfrontation, aber auch im alltäglichen Nebeneinanderleben.

Die Vorlesung geht der wechselvollen Geschichte dieser Beziehungen von 1453 bis heute nach. Erläutert werden die byzantinischen christlichen Strukturen und Institutionen der Stadt vor deren Eroberung durch die Osmanen sowie ihre Zerstörung bzw. ihre Umwandlung und das Überleben einer kleinen christlichen Minderheit im Osmanischen Reich und in der Türkischen Republik. Illustriert wird dies durch Bilder derjenigen Kirchen Konstantinopels, welche in Moscheen verwandelt wurden und so steinerne Zeugnisse des Nacheinanders zweier antagonistischer Kulturen in einem Raum sind.

Der Krimkrieg 1853-1856

Carl Alexander Krethlow, PD Dr. phil. hist., Historisches Institut, phil. hist.Fakultät, Univ. Bern
Freitag, 20. März 2015, 14.15, HG Aula

Der Krimkrieg (1853-1856), der zwischen Russland einerseits und dem Osmanischen Reich, Frankreich, Grossbritannien und Sardinien-Piemont andererseits ausgetragen wurde, stellt in mehrfacher Hinsicht eine Zäsur im 19. Jahrhundert dar. Aus politischer Perspektive lockerte er das Vertragswerk des Wiener Kongresses (1815) massgeblich, indem er die ehemaligen Verbündeten England und Russland zu Gegnern machte sowie Russland von Österreich und Preussen entfremdete. Zudem führte der Krimkrieg dazu, dass Frankreich erneut eine Hegemonialstellung auf dem Kontinent erreichte. Aus militärischer Perspektive erwies sich der Krimkrieg als ein in die Zukunft weisender Konflikt, der Aspekte des industrialisierten Massenkrieges vorwegnahm. Darüber hinaus führte er im Sanitätswesen zu nachhaltigen Verbesserungen, insbesondere durch die Erfindungen des russischen Arztes Nikolai Ivanovic Pirogow (1810-1881). Dem Krimkrieg kam zudem in Westeuropa ein bisher nie dagewesenes Echo in der veröffentlichten Meinung zu. Aufgrund der Erfindungen von Fotographie und Telegrafie konnte die Presse mit geringem Zeitverzug eine interessierte Leserschaft erreichen. Der damit erzeugte Druck auf die Regierungen in England und Frankreich beeinflusste die politische Entscheidungsfindung unmittelbar. Die Folgen des Krieges trugen längerfristig zur Verschärfung der Spannungen im Balkan bei und zählen damit zu den Grundlagen für den Ausbruch des Ersten Weltkrieges.

Neue Krebsmedikamente: Fortschritt, aber zu welchem Zweck?

Martin Fey, Dr. med., Prof. für medizinische. Onkologie, Inselspital Bern
Freitag, 13 März 2015, 14.15, HG Aula

Krebskrankheiten werden in unserer Gesellschaft immer häufiger. Gründe dafür sind unsere Langlebigkeit, verbesserte Diagnostik und echte Zunahme von Krebserkrankungen, bspw. wegen Verschlechterung unserer Umweltbedingungen. Glücklicherweise haben sich auch die Behandlungsmöglichkeiten verbessert. Dies ergibt sich aus einem koordinierten Zusammenspiel verschiedener Partner, was das wichtige Schlagwort der „multidisziplinären Onkologie“ geprägt hat.

Krebs ist in vielen Fällen nicht eine lokalisierte Erkrankung, sondern eine Krankheit, die sich im gesamten menschlichen Organismus ausbreiten kann, namentlich über die Bildung von Ablegern (Metastasen). Aus diesem Grund genügen rein lokale Massnahmen (Chirurgie und Strahlentherapie) in vielen Fälle nicht für eine ideale Krankheitskontrolle oder gar Krebsheilung. Die medikamentöse Behandlung von Krebserkrankungen ist die Domäne der medizinischen Onkologen. Eingeleitet wurde dieses Konzept durch die klassischen „Chemotherapien“, die in vielen Fällen wirksam bis sehr wirksam sind, aber wegen ihrer Nebenwirkungen in der Bevölkerung nicht immer den besten Ruf geniessen.

Unser verbessertes Verständnis der molekularen Entstehung von Krebserkrankungen hat es nun mit sich gebracht, dass wir zunehmend gezielte („targeted“) Therapien gegen spezifische Krebserkrankungen anbieten können. Dabei werden im Wesentlichen Antikörper gegen Krebszellen eingesetzt oder aber kleine Moleküle, die wichtige Stoffwechselschritte präferentiell in den Krebszellen blockieren können. Diese Medikamente müssen über sauber geführte, kontrollierte klinische Studien erarbeitet werden, sodass ihre Wirkung, aber auch ihre Probleme bei Markteinführung bekannt sind. Dies hat denn auch seinen Preis; die zunehmenden Medikamentenkosten in der Onkologie erreichen nachgerade eine Schmerzgrenze, die für unsere Gesellschaft zum Problem wird. Ziel und Zweck dieses Vortrags ist, dem Publikum ein paar prinzipielle Gedanken nahe zu bringen und die Diskussion anzuregen, für wieviel Fortschritt unsere Gesellschaft welchen Preis in der Krebsmedizin zu zahlen bereit ist.

Alte Musik und die Erfindung der Badeente

Cristina Urchueguia, Dr. phil. hist., Prof. für Musikwissenschaft, phil. hist. Fakultät, Univ. Bern
Freitag, 6. März 2015, 14.15, HG Aula

Entwurfshandschriften der Renaissance sind ohnehin sehr selten, bei Musik sind sie eine Rarität. Daher ist eine heute leider verschollene Handschrift aus Katalonien, von der sich jedoch Fotos erhalten haben, eine Sensation. Sie überlieferte neben Musik allerhand verschiedene Textsorten - Tagebucheintragungen, Rezepte, in vier Sprachen - und Bilder. Darunter findet sich das geheimisvolles Bild einer Ente. Die Ente, in der Musikhandschrift fordert unser Denken über die Zeit heraus.

Resilienz über die Lebensspanne – an Widerständen wachsen statt zerbrechen

Pasqualina Perrig-Chiello, Dr. phil. hist., Prof. für Entwicklungspsychologie, phil. hum. Fakultät, Univ. Bern
Freitag, 27. Februar 2015, 14.15, HG Aula

Das Konzept der psychischen Resilienz fasziniert und hat Eingang gefunden in verschiedene Anwendungsbereiche, von der Krisenintervention über die Erziehungs- und Laufbahnberatung bis hin zu Coaching und Personalentwicklung. Mit Resilienz wird die psychische Widerstandfähigkeit gegenüber biologischen, psychischen und sozialen Risiken und  Problemen verstanden. Gemeint ist die Fähigkeit, auf die unterschiedlichsten Widerwärtigkeiten des Lebens flexibel zu reagieren und erfolgreich mit Schwierigkeiten umzugehen, ja, gar an ihnen zu wachsen.

Warum zerbrechen einige an schwierigen Lebensereignissen und andere scheinen an ihnen zu wachsen? Was kennzeichnet resiliente Menschen? Kann Resilienz erlernt und gefördert werden? Das Referat greift diese Fragen aus psychologischer Perspektive auf und regt weiterführende Diskussionen an.

Das Bundeshaus als Nationaldenkmal der Bundesstadt Bern

André Holenstein, Dr. phil. hist., Prof. für ältere Schweizer Geschichte, phil. hist. Fakultät, Univ. Bern
Freitag, 20. Februar 2015, 14.15, HG Aula

Bern ist nicht die Hauptstadt, sondern die Bundesstadt der Schweiz. Dies ist keine begriffliche Bagatelle. In dieser Differenz spiegeln sich vielmehr wesentliche Aspekte der Nationalgeschichte und der politischen Kultur der Schweiz wider. Wie sehr Bern davon geprägt ist, die Stadt des Bundes zu sein, zeigt sich nirgendwo so ausdrucksvoll wie am Bundeshaus, das von seiner Lage und Grösse her das Bild der Stadt dominiert. Das Bundeshaus in der Bundesstadt ist der Ort, wo der Bund in seiner Stadt zu Hause ist. Das sind mehr als Wortspielereien. Das Bundeshaus symbolisiert Vorstellungen, die zum Kern des staatlichen Selbstverständnisses und nationalen Geschichtsbilds der Schweiz zählen.

Das IKRK – seit 150 Jahren weltweit im Humanitären Einsatz

Jürg Kesselring, Prof. Dr. med., Chefarzt Neurologie und Neurorehabilitation, Kliniken Valens
Freitag, 19. Dezember 2013, 14.15, HG Aula

Das Internationale Komitee vom RotenKreuz IKRK wurde 1863 gegründet und ist die einzige Organisation, der in den Rechtstexten des Humanitären Völkerrechts die Überwachung der Einhaltung dieses Völkerrechts übertragen wird. Die Assemblée ist das oberste Organ des IKRK und besteht aus 17 Schweizer Staatsbürgerinnen und -bürgern. Der Referent ist seit 2011 Mitglied und eben wurde sein Mandat um 4 Jahre verlängert
Die Mission des IKRK ist der Schutz des Lebens und der Würde der Opfer von Kriegen und innerstaatlichen Konflikten.
Zu den Aufgaben des IKRK gehören:

  • Überwachung der Einhaltung der Genfer Konventionen
  • Pflege und Versorgung von Verwundeten
  • Überwachung der Behandlung von Kriegsgefangenen sowie deren Versorgung
  • Besuch von Kriegs- und politischen Gefangenen
  • Familienzusammenführung sowie die Suche nach vermissten Personen (Suchdienst)
  • Schutz und Versorgung der Zivilbevölkerung
  • Vermittlung zwischen Konfliktparteien

Das IKRK leitet und koordiniert die internationalen Hilfsaktivitäten der Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung bei bewaffneten Konflikten. Es kommt auch nach Naturkatastrophen bei der Hilfe für die Bevölkerung zum Einsatz, wenn es in der betroffenen Region bereits aufgrund seines Mandates im Einsatz steht.

Das Ringen um Frieden im Alten Testament

Walter Dietrich, Dr. theol., Dr. h.c., Prof. em. für Altes Testament, theol. Fakultät, Univ. Bern
Dienstag, 16. Dezember 2014, 16.15, ExWi

Im Alten Testament wird gerungen um den besten Weg zum Frieden im alten Israel. Hauptsächlich drei Institutionen – dem Militär, der Politik und der Religion – hat man zugetraut, sie könnten den Frieden sichern. Doch an allen dreien ist man im Laufe der Zeit auch irre­geworden, so dass schließlich die Möglichkeit eines gar nicht durch irgend­welche Macht gesicherten Friedens in den Blick kam.

Forschung in der Hausarztmedizin: Modelle und Herausforderungen

Peter Jüni, Dr. med., Prof.für klin. Epidemiologie, Inst. f. Sozial- und Präventivmedizin, med. Fakultät, Univ. Bern
ursprünglich vorgesehen: 5. Dezember 2014, verschoben auf Freitag, 12. Dezember 2014, 14.15, HG Aula

 

Wie ist der Mensch zur Sprache gekommen?

Ernst Waldemar Weber, pens. Sekundarlehrer, Sänger und Publizist, Muri/Bern
Mittwoch, 10. Dezember 2014, 14.15-16 Uhr, HG Raum 120

Ich vermute, dass die Hominisation durch die Kreation der Sprache ausgelöst wurde, dass sie von diesem Prozess geprägt war und im Zeitraum von 2,3 bis 0,1 Millionen Jahren vor heute abgelaufen ist. Gleichzeitig wurden drei weitere elementare Fähigkeiten entwickelt: Differenzierte Lautbildung durch den Mund, vom Ohr gesteuerte Imitationsfähigkeit und Symbolisierungsfähigkeit. Die Synchronisationsfähigkeit (die vierte der epochalen Errungenschaften aus dieser Zeit) war schon vorhanden; sie hatte sich aus der Zweibeinigkeit der Vormenschen ergeben und scheint den ganzen Prozess ausgelöst zu haben. Gestützt werden diese Vermutungen durch Funde:

1978 in Laetoli, nämlich die Fussspuren eines zweibeinigen Individuums, die vor 3,5 Millionen Jahren in Lava-Asche eingedrückt worden waren.

In Olduvai der erste Fund der Gattung homo habilis (KNM-ER 1470) der vor 2 Millionen Jahren in Ostafrika auftauchte. Dieser unterscheidet sich deutlich von seinen Vorgängern: sein Hirnvolumen ist stark gewachsen, von ihm stammen die ersten (auf Rechtshändigkeit hindeutende) Werkzeuge. An Abgüssen des Schädelraums sind im linken Frontallappen Andeutungen eines Windungsmusters zu finden. 2011 Fund eines 3,2 Millionen Jahre alten 4. Mittelfussknochens eines Australopithecus afarensis (AL 333-160). Aus der leicht gebogenen Form des Knochens schliessen die Forscher auf ein Längsgewölbe des Fusses, das als Stossdämpfer diente und das Abrollen erlaubte. 2003 wurde von geweiteten Nervenkanälen für die Atemmuskulatur (nervus phrenicus) bei 1,8 Millionen Jahre alten Skeletten von homo ergaster aus Kenia berichtet.

Belohnungssysteme haben die Entwicklung des Menschen zu einem Sozialwesen gesteuert, was die Frage aufwirft, ob es Strategien gab, ausgehend von einer höheren Instanz oder von der Selbst-Organisationskraft der neuen Gattung homo. Schliesslich weise ich darauf hin, dass sich auch das individuelle Bewusstsein – und damit die Denkfähigkeit – nur aufgrund der Sprachfähigkeit hat entwickeln können. Dank der Sprache ist der Mensch zum Menschen geworden.

Altersbestimmungen mit Radiokarbondatierungen in Klimaforschung und Archäologie

Sönke Szidat, PD Dr. phil. nat., Oeschger Zentrum, phil. nat. Fakultät, Univ. Bern
Dienstag, 9. Dezember 2014, 16.15, ExWi

Der überraschende Fund des Ötzi vor mehr als 20 Jahren hatte einen Einfluss auf die Archäologie und die Klimaforschung. Zum einen konnten wir etwas über Lebensweise und Ausrüstung der Menschen in der späten Jungsteinzeit lernen. Zum anderen wurde so offenbar, dass die hochalpine Umgebung der Fundstelle zu dieser Zeit eisfrei gewesen sein muss, was einen Hinweis auf das damalige Klima gibt. Für die Einordnung dieser Beobachtungen ist die Datierung von besonderer Bedeutung. Die Radiokarbonmethode ist die wichtigste Datierungstechnik für die letzten 50‘000 Jahre. Sie beruht darauf, dass das natürlich gebildete radioaktive Isotop 14C (Halbwertszeit 5‘730 Jahre) kontinuierlich in lebende Organismen eingebaut wird und nach deren Absterben nach physikalischen Gesetzmässigkeiten zerfällt. So konnte z.B. im Ötzi anhand des heute noch vorhandenen Anteils an 14C dessen Alter bestimmt werden. In der Vorlesung werde ich Prinzip und Messung der Radiokarbondatierungen erklären, sie mit anderen Datierungsmethoden in Beziehung setzen und anhand von Beispielen zeigen, welche Fragen aus der Archäologie und der Klimaforschung heute mit der Radiokarbondatierung untersucht werden.

Der Einfluss des abnehmbaren Zahnersatzes auf Ernährung und Lebensqualität

Martin Schimmel, Dr. med. dent., Prof. für Alterszahnmedizin, zahnmed. Kliniken (ZMK), Univ. Bern
ursprünglich vorgesehen: 12. Dezember 2014, verschoben auf Freitag, 5. Dezember 2014, 14.15, HG Aula

Zahnverlust und seine Folgen betreffen nicht nur die Funktionen des orofazialen Systems, sondern mindern auch die Lebensqualität der Patienten. Auch heute noch, trotz steigenden Bewusstseins der Bevölkerung für Mundgesundheit und für die Prophylaxe oraler Erkrankungen wie Karies und Parodontopathien, nimmt die prothetische Rehabilitation von „Lückengebissen“ einen grossen Stellenwert in der zahnärztlichen Praxis ein. Sie soll verloren gegangene orale Strukturen ersetzen, von den verbliebenen Geweben weiteren Schaden abwenden und so auch die individuelle Lebensqualität steigern. Bei Patienten mit reduziertem Zahnbestand muss der Zahnarzt unter Berücksichtigung der Vorstellungen des Patienten entscheiden, ob eine prothetische Versorgung indiziert ist. Unter bestimmten Voraussetzungen (funktionelle Beschwerdefreiheit, ausreichende Kaueffizienz, geringe ästhetische Einbussen) kann diese unterbleiben. Häufig ist jedoch die Indikation zur prothetischen Rehabilitation gegeben, um die Folgen des Zahnverlustes zu kompensieren und weitere Destruktionen im Sinne einer tertiären Prophylaxe zu verhindern. Mit zunehmendem Zahnverlust verringert sich die Fähigkeit, Nahrung zu zerkleinern – die Kaueffizienz nimmt ab. Die größte Einschränkung haben dabei konventionell versorgte Totalprothesenträger, welches sich oft negativ auf ihre Ernährung und Lebensqualität auswirkt. Die Kaueffizienz zahnloser Patienten kann durch die Versorgung mit implantatgestütztem/ – getragenem abnehmbaren oder festsitzenden Zahnersatz verbessert werden, ohne jedoch den Verlust der eigenen Zähne vollständig kompensieren zu können. So kann eine implantologische Versorgung beispielsweise nicht den Verlust der parodontalen Rezeptoren und den damit einhergehenden Verlust an Tastsensibilität und Feinsteuerung der Unterkieferbewegung beim Kauen ausgleichen. Die Kaufunktion ist ein komplexes Zusammenspiel von zahn‐ und prothesenbezogenen Faktoren einerseits und zentraler und peripherer Steuerung der Muskulatur und anderer oraler Gewebe andererseits. Bei unter‐ oder mangelernährten Senioren reicht die prothetische Versorgung als alleinige Therapie nicht aus um lang etablierte Ernährungsgewohnheiten zu durchbrechen; eine Ernährungsberatung sollte die zahnärztliche Therapie ergänzen.

Wie (künftige) Lehrer/innen unterrichten lernen

Tina Hascher, Dr. phil. hist., Prof. für Pädagogik, Inst. für Erziehungswissenschaft, phil. hum. Fakultät, Univ. Bern
Dienstag, 2. Dezember 2014, 16.15, ExWi

Der Berufspraxis wird in der Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern ein sehr hoher Stellenwert zugeschrieben. Vor allem in den Praktika, so die allgemeine Überzeugung, lernen die Studierenden die Kompetenzen, die sie für ihre spätere Berufstätigkeit brauchen. Ein Blick „hinter ihre Kulissen“, beispielsweise auf die Qualität von Lernprozessen und Lernergebnissen, mahnt allerdings zur Bescheidenheit, da die an sie gestellten Erwartungen weitaus weniger erfüllt werden als angenommen.

Im Vortrag wird zunächst eine Übersicht über die Forschung zum Lernen im Praktikum gegeben, danach ein Modell der Gelingensbedingungen des Lernens im Praktikum vorgestellt. Anschliessend werden ein Einblick in aktuelle Forschungsarbeiten zur Qualität des Lernens im Praktikum gegeben und Hinweise für die Gestaltung und Betreuung von Praktika abgeleitet.

"Der Tod muss ein Wiener sein…" –
Ein Streifzug durch die Literatur aus und über Österreich

Anett Lütteken, PD Dr. phil. hist., Institut für Germanistik, phil. hist. Fakultät, Univ. Bern und Zentralbibliothek, Zürich
Freitag, 28. November 2014, 14.15, HG Aula

Den Wienern sagt man traditionell eine ganz besondere, nicht zuletzt auch konfessionell bedingte Affinität zum Tod nach. Auf welche Weise österreichische Autoren mit diesem vielfach kolportierten Klischee umgegangen sind und es dabei zugleich geformt und immer wieder fortgeschrieben haben, ist Gegenstand des Vortrags. Dass der literarische Umgang mit dem Tod und dem Sterben dabei keineswegs immer todernst sein muss, wird ebenso zu thematisieren sein wie ältere Traditionen und intertextuelle Bezugnahmen. Dementsprechend reicht das Spektrum der behandelten Autorinnen und Autoren von Ferdinand Raimund, Hugo von Hofmannsthal, Joseph Roth und Heimito von Doderer bis hin zu Friederike Mayröcker, Georg Kreisler und Thomas Bernhard.

Interreligiöser Dialog und Wahrheitsanspruch

Andreas Krebs, Dr. theol., Prof. für christkatholische Theologie, theol. Fakultät, Univ. Bern
Dienstag, 25. November 2014, 16.15, ExWi

Im praktischen Dialog zwischen den Religionen tendiert man oft dazu, die Frage nach der Wahrheit religiöser Überzeugungen zurückzustellen. Zurecht stehen Neugier, Offenheit, die Bereitschaft, eigene Vorstellungen zu hinterfragen, und das rückhaltlose Bemühen um gegenseitiges Verstehen im Vordergrund. Früher oder später aber kommt man an den Punkt, an dem Wahrheitsansprüche im Raum stehen, die sich nicht einfach auf einen Nenner bringen lassen. Wie geht man damit um? Welche Modelle bietet die Theologie an, diese Situation zu verstehen? Der Vortrag führt in die aktuelle Diskussion ein und beleuchtet sie kritisch mit Blick auf die Frage, was wir unter «Wahrheit» überhaupt verstehen sollen.

Das Auge im Alter

Justus G. Garweg, Dr. med., Prof. für Ophthalmologie, Lindenhofspital, Bern und Swiss Eye Institute, Luzern
Freitag, 21. November 2014, 14.15, HG Aula

Wenn man über Thema „Auge im Alter“ nachdenkt, kommt einem vermutlich als erstes die altersbedingte Makula-Degeneration in den Sinn. Diese hat das Alter bereits im Namen. Aber wo fängt Alter eigentlich an?
Mit Mitte bis Ende vierzig Jahren ist für die meisten Menschen das Lesen ohne Lesebrille bereits Erinnerung. Mit Mitte fünfzig haben schon viele darüber nachgedacht, ob das mit der Plastischen Chirurgie wirklich so abwegig ist, und mit Mitte sechzig haben einige Menschen einen Grauen Star, manche ihn bereits operieren lassen. Auf alle Fälle holt uns das Alter irgendwann ein, äusserlich erkennbar an Veränderungen der Lider, spürbar an vermehrter Ermüdbarkeit wegen eines Rückgangs der Tränen und täglich präsent mit schlechterem Sehen im Dunkeln und reduzierter Anpassungsfähigkeit der Augen an neue Lichtsituationen.

In der Vorlesung Auge und Alter wird zunächst das Auge und die Sehfunktion erklärt, bevor die häufigsten Krankheitsbilder, nämlich Lidveränderungen, Grauer und Grüner Star (Katarakt und Glaukom) sowie Veränderungen der Netzhaut infolge Alter, Diabetes, Gefässverschlüsse, Netzhautablösung vorgestellt und in ihrer Bedeutung für das Sehen erläutert werden. Eine Hilflosigkeit infolge Sehverlustes ist ebenso wenig wahrscheinlich wie eine Sehleistung, die so gut ist, dass sie das Autofahren bis ins vierte Lebensalter erlaubt.

Ziel der Veranstaltung ist es, Ihnen eine Übersicht über physiologische und die wichtigsten krankhaften Veränderungen der Augen im Alter und moderne Möglichkeiten und Grenzen zu deren Behandlung zu bieten.

Hochwasser in den Alpen: Gestern, heute und morgen!

Flavio Anselmetti, Dr. phil. nat., Prof. of Quaternary Geology and Paleoclimatology, phil. nat. Fakultät, Univ. Bern
Dienstag, 18. November 2014, 16.15, ExWi

Hochwasser in den Alpen können zerstörerische Ausmasse annehmen, so dass Auftreten, Intensität und Wiederkehrrate dieser Katastrophen von grosser Bedeutung in der heutigen Naturgefahrenanalyse sind. Der aktuelle Klimawandel betrifft auch den Wasserhaushalt und die Wetterlagen der Atmosphäre, so dass sich die Hochwassermuster in der Zukunft sicherlich verändern werden.

Um die zukünftigen Flutereignisse im Rahmen des Klimawandels zu verstehen, muss man zuerst die natürliche Variabilität dieser Ereignisse im Rahmen der natürlichen Klimaschwankungen der letzten 10'000 Jahre kennen. Dazu benötigt man einen Blick auf die geologischen Archive, die auch weit in die prähistorischen Epochen zurückreichen.Der Schlamm, der sich jedes Jahr am Boden der Seen ansammelt, zeichnet wie ein Geschichtsbuch kontinuierlich und hochaufgelöst solche Extremereignisse auf. So konnten mehrere tausend Alpine Hochwasser während den letzten 10'000 Jahren erkannt und datiert werden. Diese wertvolle Zeitreihe dokumentiert vergangene Ereignisse und dokumentiert wann Perioden von erhöhter und reduzierter Hochwasserhäufigkeit aufgetreten sind.

Diese Zeitreihe kann dann in den Zusammenhang mit den Klimaschwankungen gestellt werden. Es wird diskutiert werden, welche Klimabedingungen und Wetterlagen zu einer erhöhten Flutaktivität beitragen. Auf dieser Grundlage und zusammen mit Klimamodellenwird dannevaluiert, ob und wie sich diese Naturgefahr in der Zukunft verändern könnte.

Herzklappenerkrankung: neue therapeutische Ansätze für ein häufiges Leiden im Alter

Peter Martin Wenaweser, Dr. med., Prof. für invasive Kardiologie, Inselspital Bern
Freitag, 14. November 2014, 14.15, HG Aula

Herzklappenerkrankungen sind entweder angeborene Herzleiden oder treten vermehrt im höheren Alter auf. 5-7% der über 75 Jährigen leiden an einer Herzklappendysfunktion, welche mit Medikamenten nur symptomatisch behandelt werden kann. Bei schwerer Einengung oder Undichtigkeit einer Herzklappe ist ein Ersatz der Herzklappe notwendig. Die klinisch bedeutsamste Herzklappe ist die Aortenklappe, welche den Blutfluss aus dem linken Herzen in die Hauptschlagader steuert.

In den sechziger Jahren wurde erstmals eine künstliche Herzklappe chirurgisch im Menschen implantiert und stetig weiterentwickelt. Da das Risiko einer offenen Herzoperation im Alter ansteigt, wurde ein Transkatheterverfahren entwickelt, welches einen Herzklappenersatz ohne Brusteröffnung und Herzlungenmaschine am wachen Patienten ermöglicht. Seit 2002 und in der Schweiz seit 2007 wird das Verfahren regelmässig angewendet und stellt heutzutage für ausgewählte Patienten ein Standardverfahren für den Aortenklappenersatz dar.

Ein Verfahren zur Behandlung der Undichtigkeit der Mitralklappe- sie verhindert den Rückstrom des Blutes in die Lunge – ist in den letzten Jahren erprobt und etabliert worden. Ebenfalls über einen Leistenzugang wird ein Katheter ins Herz eingeführt und die undichten Segel der Klappe mittels eines Clips aneinander fixiert. Bei inoperablen Patienten bringt diese Therapie eine deutliche Reduktion der Atemnot und eine verbesserte körperliche Leistungsfähigkeit.

Nach der raschen Entwicklung der Behandlung der koronaren Herzkrankheit mittels Ballon und Stent, liegt heutzutage der Fokus auf der Entwicklung neuer Technologien zur Behandlung von Klappenerkrankungen, welche unbehandelt innert kurzer Zeit zum Tode führen können.

Wenn einer eine Reise tut –
notfallmedizinisches Wissen für Laien

Aristomenis Exadaktylos, Dr. med., Prof. für Notfallmedizin, Inselspital Bern
Freitag, 7. November 2014, 14.15, HG Aula

War bis in den fünfziger Jahren das Reisen noch ein Privileg der Reichen, so ist spätestens mit der Erfindung des billigen Fliegens, für Alle erschwinglich geworden. Vor allem auch Seniorinnen und Senioren erfreuen sich des Reisens nach nah und fern. Doch reisen kann auch gefährlich sein. Krankheiten, Gewalt, Naturkatastrophen können das Reiseerlebnis schnell trüben. Deshalb ist eine gute Reisevorbereitung wichtiger denn je. Mein Vortrag wird einige nützliche Tipps und Tricks für das Vermeiden von Risiken auf Reisen geben.

Schweizerisches Parlament – Politische Tribüne oder Entscheidungsorgan?

Christoph Lanz, Dr. iur., Lehrbeauftragter für Parlamentsrecht, rw. Fakultät, Univ. Bern, a. Generalsekretär der Bundesversammlung
Dienstag, 4. November 2014, 16.15, ExWi

Stimmt es, dass die Bundesversammlung eine politische Tribüne ist, auf der vor allem viel und lang gesprochen wird, wo aber keine wichtigen Entscheidungen fallen? Oder sind Nationalrat und Ständerat bedeutende Entscheidungsorgane, welche  die politische Wirklichkeit steuern?

Anhand der wesentlichen Kompetenzen und der Praxis der Bundesversammlung werden diese Thesen überprüft. Dabei wird auch auf das politische System der Schweiz eingegangen und die Rolle der Bundesversammlung mit ausländischen Parlamenten verglichen

Albert Einstein und der Erste Weltkrieg: Pazifismus und Relativitätstheorie

Tilman Sauer, PD  Dr. phil. nat., Inst. für  theoret. Physik, phil. nat. Fakultät und Inst. für Philosophie, phil.hist. Fakultät, Univ. Bern
Freitag, 31. Oktober 2014, 14.15, HG Aula

Die Jahre der politischen Katastrophe des Ersten Weltkriegs waren zugleich die Jahre von Einsteins grösstem wissenschaftlichem Erfolg. Kurz vor Ausbruch des Krieges verliess Einstein die Schweiz und ging nach Berlin, wo er im November 1915 die allgemeine Relativitätstheorie vollendete. Kurz nach Ende des Krieges bestätigte eine britische Sonnenfinsternisexpedition unter der Leitung Arthur Stanley Eddingtons eine Vorhersage von Einsteins neuer Theorie.  Einstein war einer der wenigen Intellektuellen, die dem Kriegsgeschehen von Anbeginn kritisch gegenüberstanden. Nach dem Ende des Krieges bemühte sich Einstein als „Reisender in Relativität“ um internationale Verständigung. In der Vorlesung werde ich die Entstehung und frühe Entwicklung der allgemeinen Relativitätstheorie vor dem Hintergrund der Zeitverhältnisse diskutieren und dabei auch auf die politischen Stellungnahmen der beteiligten Physiker eingehen. Die Darstellung stützt sich vor allem auf die in den letzten Jahren erschienenen Bände der Gesamtausgabe Einsteins sowie auf neuere wissenschaftshistorische Literatur.

Gopfridstutz! Härgottsgüegeli nomol!
Malediktische Beobachtungen zum Humor schweizerischen Fluchens

Ernest Hess-Lüttich, Dr. phil., Dr. h.c. mult., Prof. em. für angewandte Linguistik, phil. hist. Fakultät, Univ. Bern
Dienstag, 28. Oktober 2014, 16.15, ExWi

 

Die moderne Versorgung von Schwerverletzten: Vom Unfallplatz bis zur Operation

Beat Schnüriger, PD Dr. med., Head Coordination Polytrauma, Inselspital Bern
Freitag, 24. Oktober 2014, 14.15, HG Aula

 

Die Schweiz und der Erste Weltkrieg

Patrick Kury, PD Dr. phil. hist., Hist. Institut, phil. hist. Fakultät, Univ. Bern
Dienstag, 21. Oktober 2014, 16.15, ExWi

Obwohl die Schweiz während des Ersten Weltkriegs von unmittelbaren Kriegshandlungen verschont blieb, war der Grosse Krieg in der Schweiz auf vielfältige Art und Weise präsent. Kein anderes Ereignis veränderte die politische und soziale Kultur sowie das ökonomische Selbstverständnis der modernen Schweiz mehr als der Grosse Krieg. Trotz dieser herausragenden Bedeutung für die Geschichte der Schweiz im 20. Jahrhundert sind der Erste Weltkrieg und seine Wirkungen noch immer wenig erforscht. Die Vorlesung bietet einen Überblick über die Geschichte der Schweiz 1914 bis 1918 und diskutiert zentrale Aspekte der sich dauerhaft verändernden Schweiz.

Schweizer Schriftsteller in Nazi-Deutschland: Meinrad Inglin, Max Frisch (u.a.)

Oliver Lubrich, Dr. phil., Prof. für neuere deutsche Literatur und Komparatistik, Institut für Germanistik, phil. hist. Fakultät, Univ. Bern
Freitag, 17. Oktober 2014, 14.15, HG Aula

Zahlreiche internationale Autoren besuchten das ‘Dritte Reich’: als Touristen, Reporter, Sprachlehrer, Landstreicher, Gastwissenschaftler oder Diplomaten. Zum Beispiel Albert Camus, Georges Simenon, Jean Genet, Virginia Woolf, Karen Blixen oder Samuel Beckett. In verschiedenen Zeugnissen haben sie ihre Ein­drücke dokumentiert: in Briefen und Tagebüchern, Reiseberichten und Reportagen, Essays oder Erzählungen. Was zeichnet diese zeitgenös­sischen Aufzeich­nungen aus gegenüber späteren Erinnerungen? Was unterscheidet den fremden Blick der Besucher von den Aussagen einheimischer Zeitzeugen? Was erfahren Ausländer in einer Diktatur von deren Verbrechen? Welche Einsichten haben sie, aber auch welche Fehl­einschätzungen? Wo gibt es Anzeichen einer gewissen Faszination? Und wie ver­ändern sich die ‘teilnehmenden Beobachter’ im Verlauf ihres Aufenthalts? Im Mittelpunkt des Vortrags stehen die Erfahrungen von Schweizer Schriftstellern – v.a. Max Frisch und Meinrad Inglin sowie Annemarie Schwarzenbach. An ihren Zeugnissen läßt sich nachvollziehen, wie sich deutschsprachige Schweizer gegenüber der Diktatur im Nachbarland positionierten, wie sie eine transnationale deutsche Kultur gegen die Nazis verteidigten, aber auch bestimmten Elementen der faschistischen Selbstinszenierung unheimlich nahe kamen.

Migrationspolitik im Wandel

Eduard Gnesa, Dr. iur., Sonderbotschafter für int. Migrationszusammenarbeit, EDA, Bern
Dienstag, 14. Oktober 2014, 16.15, ExWi

Migration war schon immer ein vielfältiges und komplexes Thema.  Heute ist es durch die Globalisierung vielschichtiger geworden. Themen wie das Freizügigkeitsabkommen, Schengen & Dublin, Fachkräftemangel, Demographie sowie die Schicksale von Migrantinnen und Migranten, sind dazu gekommen. Diese Diskussion hat innen- und aussenpolitische Komponenten. Es ist wichtig zu realisieren, dass kein Staat die Migration im Alleingang steuern kann. In der Migrationspolitik ist die internationale Zusammenarbeit besonders wichtig.

Herr Eduard Gnesa wurde 2009 zum Sonderbotschafter für Internationale Migrationszusammenarbeit ernannt. In dieser Funktion intensiviert und optimiert er die schweizerische Migrationsaussenpolitik und unterstützt die Arbeit des interdepartementalen Ausschusses für internationale Migrationszusammenarbeit. Herr Gnesa hat im 2011 das Global Forum on Migration und Development und 2008 die Intergovernmental Consulations on Migration im Namen der Schweiz präsidiert.Bis 2009 war Herr Gnesa Direktor des Bundesamtes für Migration.

Psychische Angststörungen im Alter.
Generalisierte Angststörung – Störungsbild und psychologische Behandlungsansätze

Christoph Flückiger, PD Dr. phil. hist., Institut für klinische Psychologie, phil. hum. Fakultät, Univ. Bern und Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsspital Zürich.
Freitag, 10. Oktober 2014, 14.15, HG Aula

Generalisierte Ängste und Depressionen gehören mitunter zu den häufigsten psychischen Störungen, die mit starkem individuellen Leiden und hohen sozioökonomischen Kosten einhergehen - auch im Alter. Kulturell eingebettete biopsychosoziale Belastungsfakoren tragen zur Entstehung, Aufrechterhaltung und Chronifizierung dieser häufigen Leiden bei. Moderne psychotherapeutische Interventionsprogramme können helfen, die individuellen Belastungsfaktoren besser zu ordnen, Vermeidungsverhalten zu durchbrechen und individuelles Wohlbefinden und psychosoziales Funktionieren zu fördern. Oftmals sind es kleine und feine Verhaltensänderungen im Alltag, die die subjektive Lebensqualität deutlich verbessern. Die Vorlesung bietet eine kritische Übersicht über aktuelle psychotherapeutische Behandlungsansätze und deren empirische Evidenz.

Gelöstes und Ungelöstes aus Kombinatorik und Zahlentheorie

Jürg Rätz, Dr. phil. nat., Prof. em. für Mathematik, phil. nat. Fakultät, Univ. Bern
Dienstag, 7. Oktober 2014, 16.15, ExWi

I) Aus der Zahlentheorie:
Welche natürlichen Zahlen n lassen sich als Summe zweier Primzahlen darstellen? Das Überraschende ist, dass die im Jahre 1742 aufgestellte Goldbachsche Vermutung, jedes gerade n grösser oder gleich 4 sei so darstellbar, bis heute unentschieden geblieben ist.

II) Aus der Geometrie:
Unter allen Dreiecken mit gleichem Umfang hat das gleichseitige, und es allein, den grössten Flächeninhalt. Dies kann mit einem überraschend einfachen und leistungsfähigen Beweis sichergestellt werden.

III) Aus der Analysis:
Die Addition der reellen Zahlen ist kommutativ. Überraschenderweise kann aber die Summe gewisser unendlicher Reihen reeller Zahlen durch Umordnen der Summanden verändert werden. Wie ist dieser scheinbare Widerspruch zu erklären?

Placebo – Selbstheilung durch Täuschung?

Konrad Streitberger, PD Dr. med., Klinik für Anästhesiologie und Schmerztherapie, Inselspital Bern
Freitag, 3. Oktober 2014, 14.15, HG Aula

Der Vortrag geht dem Mysterium Placebo mit der etwas provokanten Frage „Selbstheilung durch Täuschung?“ nach. "Das ist ja nur Placebo" ist eine häufige Aussage, die auch im Alltag verwendet wird für etwas, das eine Wirkung vortäuscht. Aber wer weiß schon, was sich wirklich hinter dem Begriff Placebo verbirgt? Welche Kraft kann ein Placebo in der Medizin entwickeln? Kann es sogar eine Selbstheilung bewirken? Um diesen Fragen nachzugehen, werde ich über die Geschichte und wissenschaftlichen Erforschung des Placebos erzählen. Sie können sich dann selbst Ihre eigene Meinung bilden, was Selbstheilung und Täuschung mit Placebo zu tun haben.

In der Medizin hat sich die Bedeutung von Placebo im Sinne eines Scheinmedikamentes ohne Wirkstoff etabliert. Eine genauere Beleuchtung von Placebo zeigt aber, dass es viel komplexer ist. Zunächst kann ein Placebo in zwei völlig verschiedenen Situationen eingesetzt werden. Nämlich erstens als Kontrolle in klinischen Studien zum Nachweis der Wirkung einer Therapie, am besten doppelblind. Das bedeutet, dass weder der Verabreichende noch der Empfänger weiß, ob ein Placebo oder ein Medikament gegeben wird. Aber zweitens wird Placebo auch direkt in therapeutischer Absicht eingesetzt. Wenn das getan wird mit dem Wissen, dass kein Wirkstoff vorhanden ist, kann man dieses als Täuschung bezeichnen. Aber die Sache ist noch etwas komplizierter: Placebos werden viel häufiger unabsichtlich oder unbewusst gegeben. Nämlich dann, wenn der Therapeut davon überzeugt ist, dass seine Therapie eine für die Krankheit spezifische Wirkung hat, dies aber nicht zutrifft. Nun wird es wirklich kompliziert: Denn das Wissen, ob eine Therapie eine spezifische Wirkung hat oder nicht, hängt vom Stand der Wissenschaft und von der Weltanschauung ab. Die Medizin von großen Ärzten der Weltgeschichte wie Hippokrates, Galen und Paracelsus war geprägt von deren Wissenstand und Weltanschauung. Erst von unserem heutigen Standpunkt aus sehen wir, wie viel damals möglicherweise Placebo-Medizin war. Wir wissen noch nicht einmal wie viel Placebo-Medizin wir heute machen. Denn die Wissenschaft bringt immer wieder neue Erkenntnisse hervor. Am spannendsten sind hierbei die aktuellen wissenschaftlichen Untersuchungen des Placebos selbst. Inzwischen wissen wir, dass Erwartungen und erlerntes Verhalten ausgeprägte physiologische Reaktionen z.B. zur Schmerzlinderung hervorrufen können, ohne dass eine schmerzhemmende Wirksubstanz gegeben wurde. Es geht sogar so weit, dass ein Placebo helfen kann, selbst wenn der Patient weiß dass er ein Placebo bekommt. Sie glauben das nicht? Dann lassen Sie sich von meinem Vortrag inspirieren!

Jubiläum der Seniorenuniversität Bern

Am Dienstag, 30. September 2014, 18.15, findet in der Aula des Hauptgebäudes der Festakt zum 30-jährigen Jubiläum der Seniorenuniversität Bern statt. Die Veranstaltung ist offen für die Mitglieder der Seniorenuniversität. Begleitpersonen sind willkommen. Das Programm umfasst die Grussbotschaft der Erziehungsdirektion und Universität, den Festvortrag von Prof. em. Dr. med. Christian Hess zum Thema Gehirn und Musik, eine Musikalische Umrahmung vom sika trio, und anschliessend einen Apéritif.

Zusammenarbeit zwischen Generationen in der Arbeitswelt –
Erkenntnisse eines Personalforschers

Norbert Thom, Dr. rer. pol., Dr. h.c. mult., Prof. h.c., Prof. em. für betriebswirtschaftliche Organisationslehre und Personalwesen, WiSo Fakultät, Universität Bern
Freitag, 26. September 2014, 14.15, HG Aula

Der Referent zeigt zunächst die demographische Entwicklung in der Schweiz auf. Die Unterschiede zwischen den Generationen der Veteranen, der Baby Boomer, der Generation X und der Generation Y werden anhand von Aussagen der Fachliteratur und eigener empirischer Forschung des Referenten erläutert. Es folgt sein Plädoyer für altersgrechte Weiterbildung, die Schaffung der Voraussetzungen für einen längeren und nützlichen Verbleib im Erwerbsleben und für das intergenerative Lernen und Kooperieren in der Arbeitswelt.

Prof.em. Dr. Norbert Thom gab zusammen mit seiner Ex-Doktorandin aus der Generation Y (Frau Dr. Elena Hubschmid) ein Interview zur behandelten Thematik im UniPress der Universität Bern im Frühjahr 2014.

Rechnen mit ultra-kalten Atomen: vom Quantensimulator zum Quantencomputer

Uwe-Jens Wiese, Dr. phil. nat., Prof. für theoretische Physik, Albert Einstein Center for fundamental Physics, phil. nat. Fakultät, Univ. Bern
Dienstag, 23. September  2014, 16.15, ExWi

Atome folgen den Gesetzen der Quantenmechanik. Die Heisenbergsche Unschärferelation besagt, dass man Ort und Geschwindigkeit eines quantenmechanischen Teilchens prinzipiell nicht gleichzeitig beliebig genau  bestimmen kann. Es befindet sich nämlich in einem Zustand, in dem es sich  gleichzeitig an verschiedenen Orten aufhalten kann. Verschränkte  Quantenzustände vieler Teilchen lassen sich im allgemeinen nur sehr schwer berechnen, da sie Quanteninformation enthalten, die mit einem gewöhnlichen  Computer nur schwer zu verarbeiten ist. Im Gegensatz zu einem Computer, der  klassische Bits 0 oder 1 verarbeitet, arbeitet ein Quantencomputer mit  sogenannten Qubits, die sich in einem quantenmechanischen Überlagerungszustand von 0 und 1 befinden können. Quantencomputer könnten viele Probleme, wie die zur Verschlüsselung von Bankdaten benutzte Primzahlzerlegung, sehr viel effizienter lösen als klassische Computer. Zur Zeit sind leistungsstarke Quantencomputer noch Zukunftsmusik. Allerdings gibt es bereits leistungsstarke Quantensimulatoren, die zwar nicht als universeller Quantencomputer einsetzbar sind, uns aber ermöglichen, spezifische fundamentale Fragen der Quantenphysik besser zu verstehen. Quantensimulatoren arbeiten z.B. mit ultra-kalten Atomen, die ein Bose-Einstein Kondensat bilden. Auf diese Weise hofft man, z.B. dem  Verständnis der Supraleitung bei hohen Temperaturen oder des Inneren von  Neutronensternen auf die Spur zu kommen, und gleichzeitig Fortschritte zu  machen auf dem Weg zum Quantencomputer.

Plötzlicher Herz-Kreislaufstillstand: Warum das Training von Senioren
in den Wiederbelebungs Massnahmen (CPR) die zentrale Kampagne des
European Resuscitation Councils darstellt.

Robert Greif, Dr. med., Prof. für Anästhesiologie und Schmerztherapie, Inselspital Bern
Freitag, 19. September 2014, 14.15, HG Aula
(s. auch Sonderveranstaltung am 1.Oktober)

Jedes Jahr sterben in Europa 350'000 Menschen nach plötzlichem Herztod und nicht erfolgreichen Reanimationen (Herzlungen-Wiederbelebung). Das enspricht etwa 2 Jumbo-Jet abstürzen pro Tag ohne Überlebende. Auch heutzutage überleben im Schnitt auch nur 1 Person von 10 nach out-of hospital cardiac arrest (Herzstillstand ausserhalb des Krankenhauses). Forschung in dem Bereich haben aufgezeigt, das dies nicht am mangelndem Fortschritt der Behandlungsmassnahmen und Interventionen zum raschen Transport an die richtige Behandlungstelle liegt, sondern in den ersten Hilfemassnahmen durch Ersthelfer direkt am Ort des Geschehens. Diese basalen Massnahmen (BLS Basic Life Support) wurden vor über 50 Jahren entwickelt und intensive Schulungsprogramme der Bevölkerung in verschiedenen Regionen der Welt konnten beeidruckende Verbesserungen in der Anzahl der Ersthelfermassnahmen aufzeigen, die zu einer enormen Steigerung des Überlebens in den Regionen geführt haben.

Diese Veranstaltung soll nicht nur Hintergrundinformationen zu den Reanimationsmassnahmen liefern, sonder auch die Teilnehmer motivieren das zu erlernen und regelmässig zu üben. Die meisten Opfer eines so plötzlichen Herztodes sind im Alter von 62 - 67, und leider sind die wenigsten Menschen in der direkten Lebensumgebung in diesen lebensrettenden Massnahmen geschult. Wir betreiben grossen Schulungsaufwand aber erreichen viel jüngere Menschen und zunehmend auch Kinder und Jugendliche, aber die sind häufig nicht bei ihren Grosseltern in Falle eines Ereignisses. Somit werden wir auch praktischen Übungen dazu im INSELSPITAL anbieten, um (einer begrenzen Anzahl) auch das weiterzugeben, was sie hoffentlich nie brauchen, aber immer bestens vorbereitet sind.

Jedes Jahr sterben in Europa 350'000 Menschen nach plötzlichem Herztod und nicht erfolgreichen Reanimationen (Herzlungen-Wiederbelebung). Das enspricht etwa 2 Jumbo-Jet abstürzen pro Tag ohne Überlebende. Auch heutzutage überleben im Schnitt auch nur 1 Person von 10 nach out-of hospital cardiac arrest (Herzstillstand ausserhalb des Krankenhauses). Forschung in dem Bereich haben aufgezeigt, das dies nicht am mangelndem Fortschritt der Behandlungsmassnahmen und Interventionen zum raschen Transport an die richtige Behandlungstelle liegt, sondern in den ersten Hilfemassnahmen durch Ersthelfer direkt am Ort des Geschehens. Diese basalen Massnahmen (BLS Basic Life Support) wurden vor über 50 Jahren entwickelt und intensive Schulungsprogramme der Bevölkerung in verschiedenen Regionen der Welt konnten beeidruckende Verbesserungen in der Anzahl der Ersthelfermassnahmen aufzeigen, die zu einer enormen Steigerung des Überlebens in den Regionen geführt haben.

Diese Veranstaltung soll nicht nur Hintergrundinformationen zu den Reanimationsmassnahmen liefern, sonder auch die Teilnehmer motivieren das zu erlernen und regelmässig zu üben. Die meisten Opfer eines so plötzlichen Herztodes sind im Alter von 62 - 67, und leider sind die wenigsten Menschen in der direkten Lebensumgebung in diesen lebensrettenden Massnahmen geschult. Wir betreiben grossen Schulungsaufwand aber erreichen viel jüngere Menschen und zunehmend auch Kinder und Jugendliche, aber die sind häufig nicht bei ihren Grosseltern in Falle eines Ereignisses. Somit werden wir auch praktischen Übungen dazu im INSELSPITAL anbieten, um (einer begrenzen Anzahl) auch das weiterzugeben, was sie hoffentlich nie brauchen, aber immer bestens vorbereitet sind

Begleitende Sonderveranstaltung:
Mittwoch, 1. Oktober 2014, 14-16 Uhr, Polikliniken, Inselspital
Training für Senioren in Wiederbelebungsmassnahmen (CPR)
Treffpunkt: Eingang Hauptgebäude, um 14.00
Achtung: nur für Mitglieder der Seniorenuniversität, welche sich zu diesem Training eingeschrieben haben.

Schutzverantwortung und militärische Interventionen aus humanitären Gründen – neue Tendenzen der Friedensethik

Wolfgang Lienemann, Dr. theol., Prof. em. für Ethik, theol. Fakultät, Universität Bern
Dienstag, 16. September 2014, 16.15, ExWi

Schutzverantwortung (responsibility to protect – R2P) – ja, aber mit militärischen Mitteln? Mit welchen? Wann? Wozu? Durch wen? In den schwer wiegenden, aktuellen Krisen wird auf allen Seiten die „Schutzverantwortung“ als ein Recht in Anspruch genommen. Damit aber wird dieses an sich wichtige Prinzip diskreditiert und zu einem Vorwand für einseitige Interessenwahrnehmung und zur Legitimation der Anwendung militärischer Gewalt. In dem Vortrag sollen die Herkunft, die Zielsetzung, die Gefahren und die möglichen zukunftsweisenden Aspekte des Konzepts der Schutzverantwortung erörtert werden.

Erörtert werden sollen aktuell dringliche und bleibend wichtige Fragen der Bedrohung des Friedens, der Friedenssicherung und der Friedensethik. Es geht also nicht um die Geschichte der Friedensethik, so unerläßlich diese für eine umfassende Orientierung ist, sondern um zentrale Probleme und ethische Grundfragen heute. Ich beziehe mich hier vor allem auf normative Aspekte.