Abstracts 2012/13

Die Abstracts und weitere Informationen, die uns teilweise von den Referenten zur Verfügung gestellt worden sind, sind jeweils unter den Titeln der Vorträge gesammelt.

Fitness im Alter

Prof. em. Dr. Kurt Egger
Freitag, 31. Mai 2013, 14.15, HG Aula

Der Begriff Fitness bezieht sich auf das körperliche und geistige Wohlbefinden. Entsprechend der hohen Bedeutung der Leistungs- und Belastungsfähigkeit im Alltag boomt die „Fitnesswelle“ bei der jüngeren und besonders auch bei der älteren Bevölkerung. Beim unüberblickbaren Angebot an Fitness-, Wellness-, Wellbeing- oder Anti-AgingRezepten wird oft übersehen, dass Fitness nicht konsumiert werden kann, sondern aktiv erworben und im Lebensstil integriert werden muss.
Im Vortrag wird die Bedeutung von regelmässiger Bewegung für das Wohlbefinden im Erwachsenenalter thematisiert und mit praktischen Beispielen aufgezeigt, wie die verschiedenen Komponenten der körperlichen Leistungsfähigkeit in den Lebensalltag integriert werden können. Damit wird nicht nur der natürliche altersbedingte Rückgang der motorischen Fähigkeiten verlangsamt, sondern das physische und psychische Wohlbefinden gestärkt. Die Forschung  zeigt, dass die Depotwirkung von früheren Bewegungs- und Sportaktivitäten gering ist. Um fit zu bleiben, muss man sich – ganz besonders im fortgeschrittenen Alter - gesundheitswirksam bewegen. Diesbereichert den Alltag, hemmt altersbedingte Abbauprozesse und fördert das Wohlbefinden.
Kurt Egger, ehemals Professor am Institut für Sportwissenschaften der Universität Bern und dessen langjähriger Leiter (und soeben von einer vierwöchigen Velotour zurück!).

 

Kinneret – eine nichtbiblische Stadt im Land der Bibel

Dr. Stefan Münger
Freitag, 24. Mai 2013, 14.15, HG Aula

Schon lange schlägt die Region um den See Gennesaret die Menschen in ihren Bann. Zahlreiche Touristen und Pilger besuchen die Region in jedem Jahr, und seit Beginn der wissenschaftlichen Erforschung Palästinas haben unterschiedliche Expeditionen viele neue Erkenntnisse über die Kultur und Geschichte dieses für Judentum wie Christentum so bedeutsamen Landstrichs erbracht.
Der Vortrag beleuchtet die Vorgeschichte dieser bedeutenden Kulturlandschaft am Beispiel der antiken Stadt Kinneret, die in ägyptischen Quellen mehrfach, in der Bibel jedoch nur einmal (Josua 19:35) erwähnt wird.Die Ortslage wurde von 2003 bis 2008 im Rahmen des internationalen «Kinneret Regional Project» unter leitender Beteiligung der Universität Bern in einer ersten Phase untersucht. Die Publikation der Zwischenergebnisse ist derzeit in Vorbereitung.
Der Ruinenhügel von Kinneret (hebr.Tel Kinrot, arab. Tell el-‘Orēme) liegt am Nordwestufer des Sees Gennesaret. Die Fundstätteweist eine – freilich nicht kontinuierliche – Besiedlung von der Jungsteinzeit bis in die osmanische Zeit auf. Im Fokus der Berner Forschung lag bisher vor allem die Untersuchung der Siedlungsschichten der Frühen Eisenzeit (ca. 1100 bis 950 v.u.Z.). Während dieser Epochedominierte die Stadt Kinneret dieRegion um den See. Der Ort verfügte damals – im Gegensatz zu vielen anderen, zeitgenössischen Siedlungen in der Grossregion–über eine imposante Wehranlage, zentral geplante Straßenzüge und eine eindrückliche Wohnbebauung, die mehreren Tausend Einwohnern Platz bot. Zahlreiche Funde belegen intensive, transregionale Handels- und Kulturkontakte, die von Ägypten über Philistäa, Phönizien und Zypern bis nach Nordsyrien reichten.
Aufgrund des ungewöhnlich guten Erhaltungszustandes der überaus reichen materiellen Kultur ermöglicht die Untersuchung des antiken Kinneret einen einzigartigen Einblick in die sozio-kulturellen Strukturen eines urbanen Zentrums zur Zeit der ersten Könige Israels und Judas am Anfang des 1. Jahrtausends v.u.Z.

 

Von den Schriften zur (heiligen) Schrift

Gymnasiasten zusammen mit dipl. theol. Florian Lippke und Dr. Thomas Staubli
Freitag, 17. Mai 2013, 14.15, HG Aula

Das Alphabet und die Heiligen Schriften entstanden im Kulturraum des Vorderen Orients und besonders in den Gegenden an der Ostküste des Mittelmeeres. Das ist kein Zufall. Die Errungenschaft des Alphabets ermöglichte eine allmähliche Demokratisierung von Bildung und schriftlicher Kommunikation. Die Veranstaltung präsentiert nach einer kurzen Einführung in die Grundlagen fünf ausgewählte Einzelobjekte: Eine Keilschrifturkunde, ein ägyptisches Hieroglyphen-Relief, eine Weihestele mit phönizisch-punischer Schrift,  ein Militärdiplom in lateinischer Schrift und eine altsabäische Inschrift auf einem Votivtier aus Metall. Es handelt sich ausschliesslich um Originale, die in Fribourg besichtigt werden können. Die Einzelstudien werden von Schülern des Gymnasiums Neufeld vorgestellt und entschlüsselt. Sie präsentieren ihre Ergebnisse, die während eines Museumsbesuchs und in Gruppenarbeitsphasen entstanden sind. Die Ergebnisse werden gebündelt und in einem Ausblick zur Entstehung der Heiligen Schriften und der Kanonisierung kontextualisiert. Der umfangreiche Katalog zur Ausstellung wird am Veranstaltungstag mit einem Sonderrabatt offeriert.    
Das neue Projekt vom BIBEL+ORIENT Museum zum Thema "Von den Schriften zur (Heiligen) Schrift" findet noch bis zum 1. Dezember 2013 statt und handelt von der Entwicklung von antiken Schriften, über das Alphabet bis hin zu den heiligen Schriften. Das Projekt beinhaltet zwei Ausstellungen mit einzigartigen Originalen, eine im BIBEL+ORIENT Museum ab 29. Nov. 2012 und eine im Gutenberg Museum, ein Begleitbuch, eine didaktische Mappe sowie künstlerische Installationen.

Der Nachweis von Wirksamkeit und Unbedenklichkeit neuer Arzneimittel im Widerstreit zwischen wirtschaftlichen Zwängen, ethischen Konflikten und Patienteninteressen

Prof. em. Dr. med. Hartmut Porzig
Freitag, 10. Mai 2013, 14.15, HG Aula

Trotz unbestreitbarer Verdienste der pharmazeutischen Industrie besteht ein bedeutender Interessenkonflikt zwischen unserem Anspruch als Bürger und Steuerzahler auf wirksame, sichere und möglichst auch preiswerte Medikamente und der Tatsache, dass diese Medikamente von privaten, profitorientierten Unternehmen entwickelt und vermarktet werden. Ethische Konflikte entstehen dann, wenn der kommerzielle Erfolg eines Medikaments über seinen objektiven medizinischen Nutzen für die Allgemeinheit und für den einzelnen Patienten gestellt wird. Nicht selten lassen sich auch ärztliche Experten aus wirtschaftlichen Interessen in fragwürdige Vermarktungsstrategien einspannen. Als Konsequenz bleiben die öffentlich zugänglichen Informationen über neue Arzneimittel häufig einseitig positiv und unvollständig. Nachteilige Wirkungen werden oft zu spät erkannt und aggressive Vermarktung begünstigt eine übertriebene Ausweitung des Krankheitsbegriffs. Der Vortrag wird diese Probleme an Hand einiger markanter Beispiele aus den letzten Jahren illustrieren. Eine Fixierung auf teilweise nur imaginäre Vorteile neuer Medikamente verteuert das Gesundheitswesen, fördert Über-Medikalisierung und führt zur Vernachlässigung nicht-medikamentöser Therapien. Zunehmend wird erkannt, dass die bestehende staatliche Reglementierung der Arzneimittelprüfung solche Missstände nicht verhindert und sich die notwendige objektive Bewertung des Nutzens bereits zugelassener Medikamente nur über Industrie-unabhängige Institutionen erreichen lässt.

Extrem gewalttätige Gesellschaften: ein neuer Ansatz zur Erklärung von Massengewalt

Prof. Dr. Christian Gerlach
Freitag, 3. Mai 2013, 14.15, HG Aula

Der Vortrag stellt einen neuen Ansatz zur Untersuchung von Massengewalt vor, der sich von den vorherrschenden, stark auf staatliches Handeln konzentrierten Modellen absetzt. Anhand einer Fallstudie versucht die Präsentation zu zeigen, wie sich die Ergebnisse einer Analyse verändern können, wenn man die Wirkung gesellschaftlicher Kräfte bei der Erklärung von Massengewalt berücksichtigt. Am Ende stehen einige übergreifende Ergebnisse der Arbeit mit dem neuen Ansatz.

Die Schweizer Kantonswappen, 26 Überraschungen

Berchtold Weber, Ehrensenator der Universität Bern
Freitag, 26. April 14.15, Hauptgebäude Aula

Alle 26 Schweizer Kantonswappen haben eine ganz spezielle Geschichte ihrer Entstehung. Die fünf Ansätze, aus denen das Wappen eines Gemeinwesens entstehen kann, lassen sich je an mindestens einem Beispiel zeigen. Dass neben diesen Fragen auch eher Unbekanntes zum Vorschein kommt, ist bei unserem Referenten immer wieder möglich.

Spezialisierung in der Medizin. Ein 100jähriges Phänomen

Prof. Dr. Hubert Steinke
Freitag, 19. April 2013, 14.15,  HG Aula

Die Medizin beschwört seit der Antike die Einheit ihres Berufs. Während Jahrhunderten galt Hippokrates als Verkörperung dieses Ideals, indem er Medizin und Chirurgie, Theorie und Praxis, fachliches Wissen und ärztlich-ethisches Verhalten in sich vereinte. Abgesehen von der Abspaltung der Chirurgie im Spätmittelalter bildete das Fach sehr lange weitgehend eine Einheit. Die Spezialisierung nahm mit der modernen naturwissenschaftlichen Medizin im 19. Jahrhundert ihren Lauf. Vorerst fand diese vor allem auf der Ebene der Universitätsspitäler und der Ausbildung statt. Doch schon bald verlangten auch die Patienten nach Spezialisten. Vor gut 100 Jahren entflammte erstmals eine grössere Debatte um das "Spezialistentum", die seither nie ganz verstummt, sondern in Schüben immer wieder auf augeflammt ist. Auch die heutige Diskussion rund um die Volksinitiative "Ja zur Hausarztmedizin" steht in dieser Tradition und ist in vielen Bereichen ein Abbild der Debatte vor 100 Jahren.

Klimawandel im Alpenraum – seine Auswirkungen auf Natur und Gesellschaft

Prof. em. Dr. Heinz Wanner
Freitag, 12. April 2013, 14.15, Hauptgebäude Aula

Der Alpenraum ist Lebensraum und Transitzone zugleich. Vor zirka 4000 bis 5000 Jahren (jüngeres Neolithikum) haben die Menschen zunehmend von ihm Besitz genommen und in Sedimenten ihre Spuren hinterlassen. Im Vortrag wird zuerstdemonstriert, dass die von der Sonne angetriebene Wärme-Kraft-Maschine Erde dauernd einen Energieaustausch zwischen Aequator und Pol vollziehen muss, um wesentliche Teile ihrer Oberfläche für Mensch und Biosphäre bewohnbar zu machen. Dann wird gezeigt, dass langfristige Klimaschwankungen auf der Zeitskala von Jahrtausenden bis Jahrzehnten sowohl durch natürliche Schwankungen als auch durch Veränderungen oder Störungen des Energiegleichgewichtes der Erde aufgetreten sind. In vorindustrieller Zeit geschah dies durch Veränderungen der Erdbewegung oder der Leuchtstärke der Sonne, aber auch als Folge starker tropischer Vulkanausbrüche. In der Gegenwart ist der Einfluss durch Treibhausgasemissionen, Luftfremdstoffe und Oberflächenveränderungen immer bedeutender geworden. Die unterschiedliche Gewichtung dieser Schwankungsursachen führte zur Entstehung der Eiszeiten oder zu wärmeren Phasen während der alpinen Erstbesiedlung oder der Römerzeit. Heute erreichen die Gletscher in etwa gerade die Minimalstände dieser  Warmperioden. Die Passierbarkeit der Passübergänge (z.B. über das Schnidejoch oberhalb der Lenk) wurde durch diese Klimaschwankungen massiv beeinflusst. Abschliessend wird die Frage gestellt, welche Auswirkungen der Klimawandel in Zukunft im Alpenraum haben wird.

Gesunde Tiere – gesunde Menschen

Proff. em. Dres.med.vet. Ulrich Kihm und Peter Rüsch
Freitag, 22. März 2013, 14.15, Hauptgebäude Aula

Die Bedeutung einer integralen und intakten Tiergesundheit ist grundsätzlich und auch im Rahmen der öffentlichen Gesundheit unbestritten. Dies gilt sowohl für Nutztiere als auch für Heimtiere.
Gesunde Tiere sind nachhaltig, d.h. sie sind sozial, ökologisch und ökonomisch wirksam.
Ebenso unbestritten wie die Bedeutung einer integralen und intakten Tiergesundheit ist die Tatsache, dass diese in mancher Hinsicht Risiken ausgesetzt ist. Das Risiko zu erkranken, ist gross und darf nicht vernachlässigt werden.
Kranke, angeschlagene Tiere ergeben wenig Nachhaltigkeit, können zudem die Gesundheit des Menschen gefährden.
Aus diesen Gründen muss dem gesamten Bereich der Tiergesundheit eine zentrale Bedeutung zukommen. Es ist alles zu unternehmen, um die Tiergesundheit zu erhalten, zu fördern und wenn nötig wiederherzustellen. Nicht Arzneimittelmissbräuche, Qualzuchten oder Antibiotikaresistenzen sind in den Fokus zu stellen, sondern die Tiergesundheit.
Zur Erhaltung und Förderung der Tiergesundheit bei Nutztieren braucht es besondere und vermehrt andere als bisher ausgerichtete Massnahmen. Solche Massnahmen betreffen die Prävention nicht nur des Einzeltieres sondern des gesamten Bestandes und der gesamten Population, die Früherkennung von Erkrankungen, die nachvollziehbare Suche nach Schwachstellen und Ursachen sowie deren Eliminierung sowie die dazu nötigen Instrumente wie regelmässige Untersuchungen, kontinuierliche Datenerfassung und Offenlegung des Gesundheitszustandes. Vorsorgen ist nach wie vor besser als heilen.
Die Umsetzung – die grösste Herausforderung - der dazu nötigen Massnahmen muss gemeinsam und auf verschiedenen Ebenen erfolgen. Nur wenn alle beteiligten und betroffenen Personen, primär die Tierhalter und –besitzer, die Tiergesundheit und die dafür nötigen Massnahmen ins Zentrum stellen, kann das Ziel „gesunde“ Tiere erreicht werden.
Die verschiedenen Ebenen ergeben sich durch die gesetzlichen Grundlagen, z.B. die Tierseuchen-, Tierschutz-, die Lebensmittel-, die Heilmittel- oder die Medizinalberufegesetzgebung, die mentale Einstellung aller beteiligten und betroffenen Personen und das finanzielle bzw. wirtschaftliche Umfeld. Die mentale Überzeugung setzt ein entsprechendes Kommunikationskonzept voraus, die bestehenden Gesetzte und Verordnungen sind vollständig und verhältnismässig zu vollziehen und allfällige Mehrkosten zur Umsetzung der Strategie „Tierge-sundheit erhalten“ sind von allen beteiligten und betroffenen Personen gleichermassen zu finanzieren. In wie weit die Strategie durch staatliche Anreize angeschoben werden soll, ist zu überprüfen.
Die Bedeutung einer integralen und intakten Tiergesundheit hat aber auch globale Bedeutung. Vétérinaires sans Frontières Suisse (VSF-CH), eine gemeinnützige Organisation zur Bekämpfung von Armut und Hunger, nutzt diese Strategie. VSF-CH setzt sich für Menschen ein, deren Lebensunterhalt von der Nutztierhaltung abhängt. Durch den Aufbau von Aktivitäten in der Zucht und im Ackerbau, durch die Verbesserung der Tiergesundheit und durch die Wertschöpfungsketten leistet VSF-CH Hilfe zur Selbsthilfe. VSF-CH ist seit 1995 in Afrika operativ tätig. VSF-CH ist sowohl in der Humanitären Hilfe als auch in der Entwicklungszusammenarbeit tätig und verbindet Nothilfe mit dem Übergang zu nachhaltigen gesellschaftlichen Entwicklungsprozessen. Im Krisenfall trägt VSF-CH durch Nahrungsmittelabgabe direkt zum Überleben von Menschen bei. Gleichzeitig werden gesellschaftliche und staatliche Strukturen unterstützt und deren Kapazitäten erweitert. Damit wird die künftige Katastrophenvorsorge verbessert und die Voraussetzung für Entwicklung geschaffen.

Technik zur Förderung der Selbständigkeit im Alter – Perspektiven, Chancen und Möglichkeiten aus der Sicht eines Neurologen, eines Psychiaters und eines Ingenieurs

Proff. Dres. med. René Müri, Urs P. Mosimann und Prof. Dr. sc. Tobias Nef, Forschungsgruppe Gerontotechnologie und Rehabilitation, med. Fakultät, Universität Bern
Freitag, 15. März 2013, 14.15,  Hauptgebüde Aula

Die heutige Lebenserwartung ermöglicht älteren Menschen, bis ins hohe Alter aktiv am familiären und gesellschaftlichen Leben teilzuhaben und Senioren leisten einen immer wichtigeren Beitrag zum Wohl-er¬gehen der Gesellschaft. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko zu erkranken und der Bedarf an Betreu¬ung und Unterstützung nimmt zu.  Unverändert bleibt oft der Wunsch, so lange wie möglich autonom und mit guter Lebens¬qualität zu Hause leben zu können. In der Forschungsgruppe für Gerontechnologie und Rehabilitation suchen wir hierfür nach neuen Lösungen, um mit technischen Systemen die Autonomie zu fördern. Der Begriff Gerontechnologie setzt sich zusammen aus Gerontologie und Technologie und steht für Forschungsarbeiten am Schnittpunkt dieser beiden Disziplinen. Themen dieses Vortrages sind assistierende Technologien zur Förderung der Autonomie bei Demenzkranken, Einfluss von Alter auf die visuelle Wahrnehmung und die Zusammenhänge zwischen Kognition und Autofahren.

Amos-Prophetie im Alten Testament, ihre Nachwirkung und Bedeutung bis heute

Prof. Dr. Andreas Wagner
Freitag, 8. März 2013, 14.15  Hauptgebäude Aula

Wie kommt es eigentlich, dass „Werte“, die das menschliche Verhalten betreffen, Bestandteil der Religion werden? Seit wann ist das so? Wer hat die Forderung nach zwischenmenschlicher Solidarität erstmals so scharf eingefordert, dass das Mensch-Gottverhältnis daran hängt? – Solche Fragen klingen modern und sind doch mit Blick auf den alttestamentlichen Propheten Amos formuliert.
Amos steht als erster Prophet in einer Reihe von prophetischen Gestalten des Alten Israel, deren Überlieferungen gesammelt und in „Buchform“ im Alten Testament erhalten sind. Wir wollen uns einige Aussagen des Amos-Buches anschauen und fragen, warum Amos (wie auch andere Propheten) für das Alte Testament und die auf ihm basierenden Religionen so wichtig geworden und geblieben ist. Im  Zentrum werden dabei die Kapitel 7-8 und 1-2 aus dem Amos-Buch stehen, sie seien daher zur vorbereitenden Lektüre empfohlen.

Schneller, sicherer, schonender dank Hightech: Intervention und Chirurgie vereint – mit einem Hybrid-Operationssaal Behandlungsgrenzen überwinden

Prof. Dr. Jürg Schmidli
Freitag, 1. März 2013, 14.15, Hauptgebäude Aula

Ein neuer Hybrid-Operationssaal kombiniert die klassische OP-Einrichtung mit moderner diagnostischer Bildgebung. Der entscheidende technische Unterschied des Hybrids zu einem „normalen“ Operationssaal ist – neben einem speziellen, besonders flexiblen Tischsystem – die integrierte Hochleistungs-Angiografie-Anlage. Sie erlaubt eine detaillierte, dreidimensionale Darstellung des Herzens und der Gefässe. Diese präzise Bildgebung ist für minimal-invasive Eingriffe am Herz-Kreislaufsystem sehr hilfreich, beispielsweise für das Einsetzen künstlicher Herzklappen. Dadurch können einerseits auch betagte Patienten behandelt werden, bei denen eine Operation bisher zu riskant gewesen wäre. Anderseits führt der schonende Eingriff zu kürzeren Spitalaufenthalten und weniger Komplikationen nach der Operation.
Der Hybrid-OP ist eine Verbindung von kardiologischem Herzkatheterlabor und herzchirurgischem Operationssaal. Er ist mit einer beweglichen Röntgenanlage ausgestattet, so dass gleichzeitig diagnostiziert und operiert werden kann. Der Hybrid-OP eröffnet völlig neue Therapiemöglichkeiten: Künstliche Herzklappen können minimal-invasiv mithilfe eines Katheters implantiert werden, ohne den ganzen Brustkorb öffnen zu müssen. Der Katheter wird entweder über die Leiste oder über einen kleinen Schnitt im Brustkorb eingesetzt. Der Eingriff erfolgt ohne Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine. Gerade ältere Menschen oder Hochrisiko-Patienten, für die eine herkömmliche Operation nicht in Frage kommt, profitieren von dieser neuen schonenden Methode. Die Patienten erholen sich schneller als von herkömmlichen Eingriffen und der Krankenhausaufenthalt kann verkürzt werden.
Der Hybrid-OP erleichtert auch Eingriffe, die nicht am Herzen stattfinden: Etwa das Einsetzen von grossen Gefässstützen (Aortenstents), zum Beispiel bei Bauch- und Brustschlagader-Aneurysmen oder unfallbedingten Verletzungen der Hauptschlagadern. Von den neuen Verfahren profitieren insbesondere ältere Hochrisikopatienten. Diese Patienten wurden bislang in aller Regel wegen des hohen Risikos von einer Operation ausgeschlossen. Mit dem Hybrid-Operationssaal eröffnen sich neue Behandlungsperspektiven zum Wohle der Patienten.

Paul Klee. Der Mythos vom Orient

Michael Baumgartner, Dr. phil. hist.
Freitag, 22. Februar 2013, 14.15 HG Aula

Die knapp dreiwöchige Reise nach Tunesien, welche die drei Malerfreunde Paul Klee, August Macke und Louis Moilliet  im April 1914 unternahmen, ist zu einem kunsthistorischen Schlüsselereignis des 20. Jahrhunderts und zu einem Mythos der Moderne geworden. Ein Mythos, überstrahlt von der Aura des Fremden und Exotischen, vom Schein des Lichts und der Farben - ein Mythos, den Paul Klee selbst mit seinem berühmt gewordenen Tagebucheintrag begründet hat: «Die Farbe hat mich. Das ist der glücklichen Stunde Sinn: ich und die Farbe sind eins. Ich bin Maler.” Angesichts der Fülle der Farben und der Intensität des natürlichen Lichts der nordafrikanischen Landschaft gelangen Klee eine Reihe zarter Aquarelle von eindrücklicher Klarheit und Leuchtkraft. Im Rückblick bezeichnete er die Tunisreise als seinen eigentlichen »Durchbruch« zur Farbe, obwohl  er schon zuvor Aquarelle geschaffen hatte, die sich technisch, aber auch formal und hinsichtlich ihrer Farbpalette kaum von den in Nordafrika entstandenen Arbeiten unterschieden. In seinem Referat folgt Michael Baumgartner einerseits den Spuren des Künstlers in Tunesien und würdigt die künstlerische Bedeutung der dort entstandenen Arbeiten. Er beleuchtet aber ebenso die Nachwirkung der Reise selbst und untersucht, wie und unter welchen Voraussetzungen die Reise vom Künstler selbst zum künstlerischen Mythos stilisierte wurde.
 

Michael Baumgartner ist Leiter Sammlung, Ausstellungen, Forschung am Zentrum Paul Klee, Bern.

Der Dichterkönig David und die Dichter

Dienstag, 18. Dezember 2012, 16.15, ExWi
Prof. Dr. theol. Walter Dietrich

David ist berühmt geworden als Psalmdichter. Alle biblischen Psalmen (und noch viel mehr) wurden ihm zugeschrieben, aber wohl keiner stammt wirklich von ihm. Immerhin hat er zwei Totenklagelieder gedichtet. Im Mittelalter hat Peter Abaelard diese Klagen nachgedichtet. Auch die so kurze wie ergreifende Klage um seinen Sohn Abschalom fand in Kurt Oskar Buchner einen Nachdichter. In der Moderne wurden ihm im Oratorium "Le Roi David" von Arthur Honegger und André Morax sowie im Roman "Der König David Bericht" von Stefan Heym weitere Psalmen in den Mund gelegt. Insbesondere die Erzählung von seiner Musiktherapie an König Saul animierte dazu, ihn zur Leier auch Lieder singen zu lassen. Schliesslich haben Dichter wie Matthias Claudius, Rainer Maria Rilke, Frank Wedekind, Else Lasker-Schüler und Jehuda Amichai auf ihn Poeme verfasst. Von dieser Seite der Wirkungsgeschichte einer faszinierenden biblischen Gestalt will der Vortrag einiges ans Licht heben.

Die wichtigsten neurologischen Notfälle

Urs Fischer, PD Dr. med.
Freitag, 14. Dezember 2012, 14.15, HG Aula

Während den letzten beiden Jahrhunderten galt die Neurologie zwar als spannendes, aber vorwiegend diagnostisches Fach der Medizin mit sehr beschränkten therapeutischen Möglichkeiten. Dank den rasanten technischen Fortschritten der letzten Jahrzehnte, insbesondere im Bereich der cerebralen Bildgebung, hat sich allerdings die klinische Neurologie von einer kontemplativen Disziplin in ein Fachgebiet mit mannigfaltigen Therapiemöglichkeiten verwandelt. Die unverzügliche Diagnose von neurologischen Krankheiten ist dabei entscheidend, da neurologische Erkrankungen unbehandelt mit einer hohen Morbidität und Mortalität einhergehen. Zu den wichtigsten neurologischen Notfällen gehören neben den cerebrovaskulären Erkrankungen wie dem Hirnschlag, der Hirnblutung, der transitorisch-ischämischen Attacke und den Sinus- und Hirnvenenthrombosen, die ungewöhnlichen Kopfschmerzen, die epileptischen Anfällen, der Schwindel, die Synkopen, die akute Verwirrtheit und viele mehr. Durch eine notfallmässige Abklärung und Therapie kann Patienten mit diesen Krankheitsbildern ein potentiell schweres Schicksal erspart bleiben. Insbesondere die cerebrovaskulären Erkrankungen haben von den bahnbrechenden Fortschritten in Diagnostik und Therapie profitiert. Daher hat die Neurologie Einzug in die Notfallstationen gefunden. Allerdings sind die Symptome von neurologischen Erkrankungen in der Bevölkerung oft ungenügend bekannt und viele Patienten melden sich daher erst mit Verzögerung bei einem Arzt/einer Ärztin. Im Vortrag werden die Symptome von neurologischen Erkrankungen, die notfallmässig abgeklärt werden müssen, vorgestellt und die diagnostischen und therapeutischen Massnahmen in einer Notfallstation diskutiert.

PD Urs Fischer ist der Leiter Notfall Neurologie des Neuro- und Notfallzentrums am Inselspital. Er ist u.a. spezialisiert auf dem Gebiet der zerebrovaskulären Erkrankungen, insbesondere auf der Akuttherapie des Schlaganfalls.

 

Freizeitaktivitäten im Lebensraum der Alpentiere - Konflikte, Lösungen Ergebnisse aus dem Projekt "Tourismus und Wild"

Prof. em. Dr. Paul Ingold
Dienstag, 11. Dezember 2012, 16.15, ExWi

In den letzten Jahrzehnten hat die Vielfalt an Freizeitaktivitäten sehr stark zugenommen. Zu den traditionellen Aktivitäten wie Wandern, Tourenskifahren, Kanufahren, Klettern oder Segelfliegen kamen laufend neue hinzu, die sich rasch ausgebreitet haben wie das Mountainbiken, Snowboarden (Freeriden), Schneeschuhwandern und Hängegleiten (Fliegen mit Deltas und Gleitschirmen). Die Gebiete, in denen die Freizeitaktivitäten ausgeübt werden, sind gleichzeitig auch Lebensraum der Wildtiere. So kann es im Bergwald und in den Übergangsbereichen zum Offenen zu Begegnungen und damit zu Konflikten beispielsweise mit dem Auer- und Birkhuhn, in der alpinen Zone etwa mit dem Schneehuhn und dem Steinbock kommen. Im Projekt „Tourismus und Wild“ (1989-2003) untersuchten wir in verschiedenen Gebieten in den Schweizer Alpen, wie Murmeltiere, Gämsen, Steinböcke und Schneehühner auf die Freizeitaktivitäten reagieren, von welche Faktoren die Reaktionen abhängen und unter welchen Bedingungen weitergehende Folgen (Lebensraumverlust, Beeinträchtigung der Überlebensfähigkeit und der Fortpflanzung) auftreten können. Damit wollten wir auch Grundlagen für Schutzmassnahmen erarbeiten. Einerseits erfolgten die  Studien in Situationen, wie wir sie vorfanden, andererseits führten wir Feldexperimente durch.                                           
Die Ergebnisse zeigen, dass für die Reaktionen eine Reihe von Faktoren seitens der Freizeitaktivitäten (z. B.  die Position zu den Tieren, Mitführen eines Hundes) und der Tiere (z. B. Alter, Geschlecht) eine Rolle spielen. Inwieweit die Tiere mit dem Betrieb in einem Gebiet zurechtkommen oder Nachteile erleiden, hängt von verschiedensten Bedingungen ab wie der Häufigkeit und dem tageszeitlichen Auftreten bestimmter Freizeitaktivitäten, aber auch vom Anpassungsvermögen der Tiere. Aufgrund von spektakulären Fluchten können wir aufmerksam werden auf bestehende Probleme, doch manches geschieht auch im Verborgenen, so dass wir davon kaum etwas merken. Auf all diese Aspekte und auf die Frage nach dem Einflusspotenzial der verschiedenen Freizeitaktivitäten werden wir eingehen und dazu anhand von Beispielen auch zeigen, wie sich die Ergebnisse unserer Studien in der Praxis (Schutzmassnahmen) auswirken.

Prof. em. Dr. Paul Ingold war bis 2004 Leiter der Arbeitsgruppe Ethologie und Naturschutz des Zoologischen Instituts der Universität Bern. Er hat sich viele Jahre mit dem Thema «Freizeitaktivitäten – Wildtiere» beschäftigt und 2005 das bei Haupt, Bern erschienene Buch «Freizeitaktivitäten im Lebensraum der Alpentiere» herausgegeben. E-Mail: paul.ingold@gmx.ch

Die Idee für den Architekturentwurf – Was bestimmt das Aussehen eines Gebäudes?

Prof. em. Jörg Grütter
Freitag, 7. Dezember 2012, 14.15, HG Aula

Im Gegensatz zu früher ist die Funktion eines Gebäudes heute nicht mehr ablesbar So sehen zum Beispiel Museen heute ganz verschieden aus, trotz ihrer ähnlichen Nutzung. Warum sind sie formal so verschieden?  Was bestimmt ihr Aussehen? Wie werden Häuser entworfen?
Entwerfen ist eine individuelle, schwer fassbare schöpferische Tätigkeit, die kein linearer Prozess ist. Trotzdem gelten bestimmte Verhaltensweisen, Richtlinien, ja sogar Gesetze. Entwerfen heisst, die Wünsche des Auftragsgeber verstehen, kritisch reflektieren und in ein dreidimensionales Gebilde umsetzen.
Wie läuft dieser Prozess ab?  Was sind die wichtigsten Faktoren die es zu berücksichtigen gilt?  Die Situation muss analysiert werden, die Ergebnisse interpretiert werden, um daraus eine Idee zu entwickelt. Die Idee, mit einem hohen Abstraktionsgrad, wird dann im Entwurf schrittweise konkretisiert.
Anhand verschiedener Beispiele soll gezeigt werden, dass beim Entwerfen verschiedene Vorgehensweisen zu ganz verschiedenen Resultaten führen können.

Jörg Kurt Grütter studierte Architektur an der ETHZ und an der Kyoto University in Japan. Er lebte in Washington DC, Paris, Herlsinki und Kyoto. Auf ausgedehnten Reisen besuchte er alle fünf Kontinente. Er war Gatsprofessor an der europäischen Niederlassung der SCI-ARC (Southern California Institute of Architecture) in Vico Morcote, Tessin. Hetue führt er ein eigenes Architekturbüro in Bern und ist Professor an der Fachhochschule Bern. Er ist Verfasser verschiedener Publikationen zum Thema Wahrnehmung, darunter "Architektur und Wahrnehming", Niggli Verlag (2012).

Mesopotamien  -  Heimat der ersten Hochkultur. Ein archäologischer Überblick

Prof. Dr. Miroslav Novak
Dienstag, 4. Dezember 2012, 16.15, ExWi

Die alte Kulturlandschaft Mesopotamien, das „Land zwischen den Strömen“ Euphrat und Tigris, kann als die Heimat der ältesten Hochkultur der Menschheit gelten. Wichtige Etappen der Entwicklung der Menschheit wie die Sesshaftwerdung während der „Neolithischen Revolution“ im 10. Jahrtausend v. Chr. und die Entwicklung städtischer Gemeinwesen im 4. Jahrtausend spielten sich ebenso dort ab wie massgebliche Innovationen, sei es die Erfindung der Schrift oder diejenige von monumentaler Kunst und Architektur. Im Verlauf der Jahrtausende war das Land die Heimat vieler Völker, so der Sumerer, Akkader, Babylonier und Assyrer, deren kulturelle Hochleistungen und Reichsgründungen nachhaltigen Einfluss auf alle späteren Kulturen ausübten. Über die Tradition des Alten Testamentes und der griechisch-römischen Zivilisation wirken die Errungenschaften und das geistige Erbe Mesopotamiens bis heute fort.

Gedächtnisstörungen im Alter

Dr. med. Markus Bürge
Freitag, 30. November 2012, 14.15, HG Aula

Was verstehen wir unter „Gedächtnis“? Wie hat sich das Verständnis dafür (medizin-) historisch gewandelt? Diese Fragen werden einleitend kurz gestreift. Anschliessend werden Vorstellungen skizziert, wie sich die heutige Wissenschaft die Prozesse der Gedächtnisbildung erklärt und mit welchen Mitteln sie zu diesen Erkenntnissen kommt.
Das Hauptgewicht des Referates liegt aber auf krankheitsbedingten Störungen des Gedächtnisses. Es wird definiert, was man unter einer Demenz zu verstehen hat und welche unterschiedlichsten Hirnveränderungen eine solche verursachen können. Geeignete Abklärungen werden vorgestellt, insbesondere wird der Abklärungsgang in der ambulanten Gedächtnissprechstunde (Memory Clinic) skizziert.

Gelingende Lebensführung in der (Post-)Wachstumsgesellschaft

PD Dr. Dietmar J. Wetzel
Dienstag, 27. November 2012, 16.15, ExWi

In einem ersten Zugang wird der – ebenso umstrittene wie notwendige – Übergang von einer Wachstums- hin zu einer Postwachstumsgesellschaft problematisiert, um daran anschliessend über die Bedingungen einer gelingenden Lebensführung in der Gegenwartsgesellschaft zu reflektieren. In einem zweiten Teil werden Argumente für eine Verschränkung von Sozialphilosophie und kritischer Soziologie mobilisiert, die mir für eine Beschäftigung mit Fragen des guten Lebens/gelingender Lebensführung von zentraler Bedeutung zu sein scheint. Drittens stelle ich Konzepte und Komponenten einer gelingenden Lebensführung genauer vor, und zwar im Hinblick auf eine empirisch ausgerichtete Resonanzanalytik. Die dabei vertretene Grundintuition lautet: Resonanzerfahrungen in unterschiedlichen Sphären (Arbeit, Liebe, Religion, Natur und Ästhetik) tragen entscheidend zur gelingenden Lebensführung bei. In einem vierten Teil beschäftige ich mich im Sinne eines Fallbeispiels mit Freundschaft als Resonanzbeziehung, wobei dem die Überzeugung zugrundeliegt, dass Freundschaft ein wichtiger Aspekt gelingender Lebensführung darstellt, dies genauer in dreifacher Dimension: 1. Kognitive Resonanz: Freundschaften basieren auf Prozessen wechselseitiger Anerkennung. Gegenseitige Wertschätzung wird essentiell, was sich konkret in Gesprächen, gemeinsamen Unternehmungen etc. materialisiert. 2. Affektiv-interaktive Resonanz: In einer Freundschaft lassen wir uns vom gegenüber affizieren, d. h. es entstehen Gefühle, Stimmungen und Atmosphären, die über ein rein rationales (kognitiv gesteuertes) Miteinander hinausgehen. 3. Leibliche (Eigen-)Resonanz: Körperliche Ko-Präsenz führt zu einer Resonanz im Sinne eines „Wohl-Seins“. In der Gegenwart mit einem bedeutsamen Anderen gewinnt das Leben eine Wertigkeit, die Eigenresonanz im Sinne des Spürens ermöglicht. In einem kurzen Fazit werden nochmals die wichtigsten Erkenntnisse resümiert.

 

Die Sozialpsychologie des Glücks: Über echtes und synthetisches Glück, und wann Geld glücklich macht

PD Dr. Jörg Hupfeld-Heinemann
Freitag, 23. November 2012, 14.15, HG Aula

Aktuelle Medien-Nachricht (14.11.2012): „Der 170 Millionen Euro schwere Jackpot der europäischen Lotterie „Euro Millions“ ist geknackt. Der Gewinn entfällt auf einen in Frankreich abgegebenen Tippschein. Sollte der neue Glückspilz den Gewinn nicht mit einer grossen Tippgemeinschaft teilen müssen, gehört er nun zu den 250 reichsten Menschen des Landes.“
Millionen von Menschen träumen davon, ebenso wie dieser Lotteriegewinner einmal richtig viel Geld zu besitzen. Dabei ist nicht das Geld an sich so erstrebenswert. Nüchtern betrachtet ist es ja meist nur eine spezielle Form von bedrucktem Papier. Erstrebenswert erscheint vielmehr, dass Geld viele Möglichkeiten bietet, ein sorgenfreieres und glücklicheres Leben zu führen. Die meisten Menschen glauben, dass (mehr) Reichtum und Wohlstand sie zugleich glücklicher machen würde. Viele wissenschaftliche Untersuchungen zeigen allerdings, dass der Zusammenhang zwischen Reichtum und Glück recht komplex ist und dass die meisten Menschen ihr Geld nicht so ausgeben, dass es sie wirklich glücklicher macht.
In diesem Vortrag geht es darum, sich die Beziehungen zwischen Geld und Glück etwas näher anzuschauen. Warum genau macht Geld oft nicht glücklich und wann könnte es glücklicher machen? Aus einem besseren Verständnis darüber, wie Menschen wirklich „funktionieren“, lassen sich viele praktische Hinweise dafür ableiten, wie man tatsächlich Glück kaufen kann.

Globale Navigations Satelliten Systeme (GNSS) - Nutzen in Wissenschaft und Gesellschaft

Prof. Dr. Gerhard Beutler
Dienstag, 20. November, 16.15, ExWi

Zusammenfassung: Bis vor kurzem war das Globale Positionierungssystem (GPS) der USA mit seinen etwa 30 Satelliten das einzige GNSS. Seit etwa einem Jahr ist das russische GLONASS (Global'naya Nawigatsionnaya Sputnikowaya Sistema) mit etwa 24 Satelliten auch verfügbar und das europäische System Galileo ist im Aufbau begriffen (im Moment sind 4 Satelliten in ihren Umlaufbahnen).
Die GNSS sind heute weder aus der Gesellschaft noch aus der Wissenschaft wegzudenken. Fussgänger, Fahrräder, Autos, Flugzeuge und tief fliegende Erdsatelliten können die Systeme sinnvoll nutzen, um ihre Position mit billigen Geräten praktisch ohne Zeitverzug auf Meter genau und mit teureren Geräten auf Zentimeter genau zu bestimmen.
Im Vortrag werden die Prinzipien der Navigation mit Satelliten erklärt, die Systeme werden miteinander verglichen, eine Auswahl wichtiger Anwendungen wird geschildert. Wichtige Anwendungen sind: Die Verhinderung von Familienkrisen beim Auffinden von Adressen mit dem Auto in fremden Städten, die moderne Landesvermessung, der Einsatz von GNSS bei der Bestimmung der Lichtgeschwindigkeit, die Bestimmung der genauen Tageslänge und der Koordinaten des Rotationspols der Erde, die Verwendung von GNSS für die Wetterprognose, die Bestimmung der Zahl der freien Elektronen in der Erdatmosphäre, die Bestimmung des Gravitationsfeldes der Erde mit Hilfe von GNSS-Empfängern auf tief"fliegenden" Satelliten. In der kurzen für den Vortrag zur Verfügung stehenden Zeit können unmöglich alle Anwendungen geschildert werden. Eine kleine Auswahl, die dem Vortragenden besonders nahe stehen, wird im Vortrag behandelt, auf weitere Themen kann auf Wunsch der Zuhörer eingegangen werden.

 

Was uns Veränderungen der Mundschleimhaut über Erkrankungen des Körpers sagen

PD Dr. med. dent. Michael Bornstein
Freitag, 16. November 2012, 14.15, HG AudiMax

In diesem Referat soll anhand von Veränderungen der Mundschleimhaut aufgezeigt werden, dass orale Manifestationen erste Anzeichen von systemischen Erkrankungen von Diabetes mellitus bis hin zu Infektionserkrankungen wie der Syphilis sein können. Dabei wird auch die besondere Bedeutung des Zahnarztes als Spezialist für Erkrankungen der Mundhöhle aufgezeigt. Das Referat soll für ZuhörerInnen ohne besondere Fachkenntnisse eine Übersicht zu Diagnostik, Klassifikation und Therapie dieser Erkrankungen bieten.

Der Freiheitsentzug in der Schweiz: Ein Blick hinter Mauern und Gitter

Dr. jur. Benjamin F. Brägger
Dienstag, 13. November 2012, 16.15, ExWi

Der schweizerische Freiheitsentzug muss nach wie vor keinen Vergleich mit anderen Ländern scheuen. Die Insassen der schweizerischen Gefängnisse werden generell vorbildlich und auch menschlich behandelt. Zudem führen die Mehrheit der Kantone Programme, Pilotprojekte oder forensische Therapien durch, welche auf die Rückfallverminderung und auch die soziale Wiedereingliederung der Gefangenen fokussiert sind.
Die Überbelegung nimmt jedoch auch in schweizerischen Anstalten zu. Zudem sind die finanziellen Mittel für den Strafvollzug nicht immer den realen Bedürfnissen angepasst. Geeignete therapeutische Vollzugsplätze mit hohem Sicherheitsstandard, welche die immer grössere Zahl von Insassen im Massnahmenvollzug aufnehmen können, sind nur in sehr geringer Zahl vorhanden. Die sog. neue Kriminalpolitik stellt den gesetzlich verankerten Resozialisierungsauftrag in Frage und plädiert für mehr Härte und Abschreckung im Strafvollzug.
Die aktuellen Probleme des schweizerischen Freiheitsentzuges werden aufgeführt, mit der Mahnung, die heutigen Maximen der Menschlichkeit und der Wiedereingliederung weiter zu verfolgen.

Nachhaltige Entwicklung – eine Herausforderung für die Wissenschaften

Andreas Kläy, Ing. ETH
Freitag, 9. November 2012, 14.15, HG Aula

Die gesellschaftliche Leitidee „Nachhaltige Entwicklung“ wird als Reaktion auf die Einsicht, dass die praktizierten Lebens- und Wirtschaftsformen zu heute erkannten und für die Zukunft inakzeptable Probleme führen. Der Bedarf für nachhaltiges Wirtschaften wurde in der Forstwirtschaft schon viel früher erkannt. Mit der Industrialisierung und Globalisierung stösst  die Menschheit zunehmend an die Grenzen der natürlichen Ressourcen, was zu dieser neuen Leitidee auf internationaler Ebene führte. Nachhaltige Entwicklung betrifft ganz zentral die Wissenschaften, doch sind 20 Jahre nach Rio weder diese Einsicht noch die nötigen Maßnahmen zur Transformation der Hochschulen Richtung Nachhaltiger Entwicklung selbstverständlich. Vorboten einer einsetzenden Veränderung sind ebenso deutlich wie Hindernisse, auf welche die geforderte Transformation trifft, sei es in Form des wissenschaftstheoretischen und gesellschaftlichen Verständnisses, der Eigenwahrnehmung der Forschenden und Lehrenden als auch der institutionellen und organisatorischen Strukturen. Die Auseinandersetzung mit den diesen Hindernissen zugrunde liegenden Wertfragen eröffnet neue Perspektiven für die Transformation.

Chemie im Gehirn

Prof. Dr. phil. nat. Martin Lochner
Dienstag, 6. November 2012, 16.15, ExWi

Das Gehirn ist eines der komplexesten und am wenigsten verstandenen Organe im menschlichen Körper. Chemische Reaktionen und kleine Moleküle spielen auch im Gehirn eine wichtige Rolle und werden im Vortrag erläutert. Zur Einführung in das Thema wird zuerst der Aufbau des Nervensystems und seine wichtigsten Komponenten vorgestellt und anschliessend fokussiert der Vortrag auf die molekulare Ebene: Ionenkanäle, Rezeptoren und Neurotransmitter (Botenstoffe). Ausserdem werden Erkrankungen des Nervensystems kurz vorgestellt und die Wirkungsweise von einigen Medikamenten, Drogen und psychoaktiven Substanzen erklärt. Zum Schluss werden noch Bildgebungsverfahren vorgestellt, die in der Neurologie verwendet werden.

Venenerkrankungen und deren Behandlung

Prof. Dr. med. Iris Baumgartner
Freitag, 2. November 2012, 14.15, HG Aula

Die Schweiz im Schengenraum

Prof. Dr. jur. Marion Panizzon
Dienstag, 30. Oktober 2012, 16.15, ExWi

 Mit Unterzeichung des Schengen-Assoziierungsabkommens (SAA) vom 26. Oktober 2004 ist die Schweiz Teil des Schengenraums geworden. Mit fakultativem Referendum vom 5. Juni 2005 ist das SAA vom Volk gutgeheissen und am 1. März 2008 in Kraft getreten. Die Aufhebung der Grenzen hat einerseits Befürchtungen um einen Souveränitäts- und Sicherheitsverlust ausgelöst, andrerseits aber auch zum Sicherheitsgewinn durch internationale Kooperation im Bereich Visums (Schengener Durchführungsabkommen) und Grenzsicherung (Schengener Grenzkodex), als auch zu mehr Rechtstaatlichkeit bei Rückführungen geführt. Dieses Referat führt ein in die verfahrensrechtlichen und materiellrechtlichen Teilnahmebedingungen der Schweiz im Schengenraum. Verfahrensrechtlich wirkt sich die halbdirekte Demokratie negativ auf die Teilnahme der Schweiz an Schengen-Weiterentwicklungen aus, weil das fakultative Staatsvertragsreferendum gegen Übernahme des „fremden“ Rechts ergriffen werden kann. Doch die Ablehnung von EU Rechtsakten kann eine Kündigung des SAA durch die EU zur Folge haben. Beispielweise wurde die EU- Ausweisverordnung 2009 zur Abstimmung gebracht und genehmigt; das Szenario bei einer Abweisung durch den Volkswillen wäre eine Beendigung des SAA aufgrund fehlerhafter Umsetzung gewesen. Gegen die EU Rückführungsrichtlinie wurde kein Referendum ergriffen, obwohl die Schweiz damit die Ausschaffungshaftdauer von 24 auf 18 Monate verringern musste und die formlose Wegweisung durch die schriftliche Verfügung ersetzen musste. Die Übernahme der EU Rechtsakte erfolgt für die Schweiz nicht automatisch, sondern über einen Austausch von Notifikationen: während die EU die Schweiz über das Inkrafttreten einer Weiterentwicklungen informiert muss die Schweiz innert 30 Tagen über eine einseitige Erklärung die Gutheissung der Weiterentwicklung der EU notifizieren; ein Referendum gefährdet diese Umsetzungspflicht. Bis heute sind 112 solche Weiterentwicklungen übernommen worden. Die Übernahme des Schengen-Besitzstandes (acquis) und gewisser Weiterentwicklungen wirken sich materiellrechtlich für die Schweiz in vier Dimensionen aus, welche dieses Referat ausleuchtet: erstens sind die Personengrenzkontrollen an den Binnengrenzen 2008 und an den Aussengrenzen (Flughäfen) 2009 weggefallen. Zweitens verliert die Schweiz die Kompetenz darüber zu entscheiden welche Drittstaatsangehörige ein Visum für die Einreise in die Schweiz benötigen und welche von der Visumspflicht befreit sind. Drittens kann die Schweiz die Kosten von Rückführungen mit anderen Schengen-Staaten teilen kann (Beteiligung an FRONTEX Sonderflügen). Viertens bedeutet Schengen eine institutionelle Anbindung an die EU, weil die Schweiz anders als bei den übrigen bilateralen Verträgen in EU-Arbeitsgruppen vertreten ist. Die Schweiz profitiert durch die Teilnahme im Schengenraum vor allem von Kostensenkung und einem Gewinn an Rechtsstaatlichkeit bei Rückführungen, einem Sicherheitsgewinn durch Beteiligung am Schengen Informationssystem (SIS) und der Solidarität unter den Schengen-Staaten bei der Wiedereinführung von Visumspflichten gegenüber Drittstaaten (Fall Lybien).

 

Prävention von Rückenbeschwerden in der Arbeit

Prof. Dr. phil. hist. Achim Elfering
Freitag, 26. Oktober 2012, 14.15, HG Aula

Rückenschmerzen verursachen enormes individuelles Leid und volkswirtschaftlichen Schaden. Die Veranstaltung gibt einen Überblick über Arbeitsmerkmale, die das Risiko für die Rückenschmerzentstehung und Schmerzaufrechterhaltung erhöhen oder verringern. Die Vorlesung geht auch auf die Frage ein, wie der Mensch Rückenschmerzen vorbeugen kann. Die betriebliche Gesundheitsförderung setzt auf eine verbesserte Gestaltung der Arbeitstätigkeit und auf die Stärkung der Ressourcen der ArbeitnehmerInnen. Am Beispiel des stochastischen Resonanztrainings werden aktuelle Bemühungen der Berner Forschergruppe vorgestellt. Das stochastische Resonanztraining wird vor Ort demonstriert.

Integration im Hier & Jetzt der Schweiz: Interkulturelle Stolpersteine als Chancen

Verena Tobler Linder
Freitag, 25. Oktober 2013, 14.15, HG Aula

(s. auch Sonderveranstaltung am 20. 11.)
Bei der Integration von Menschen, die von den weltwirtschaftlichen Randregionen in unser Land einreisen, können sich besondere Schwierigkeiten ergeben: Schwierigkeiten, die sowohl die soziale Integration von Immigrierten aus den unterschiedlichsten Herkunftsländern behindern als auch die gesellschaftliche Integration der Schweiz gefährden.
Stolpersteine auf dem Weg zur Integration finden sich auf beiden Seiten: Nicht nur bei den Fremden, die sich integrieren sollen, sondern sogar bei jenen Einheimischen, welche den Integrationsprozess professionell begleiten. Zuerst werden die wichtigsten Stolpersteine auf Seiten der Professionellen illustriert, dann wird nach dem adäquaten Umgang damit gefragt. Am Beispiel der Solidarinstitutionen denken wir über die Ursachen der wichtigsten Kulturdifferenzen nach und erwägen die Konsequenzen, falls sie unbearbeitet bleiben. Denn sogar im offiziellen Integrationsdiskurs wird leider ausgeblendet, dass vielen Neulingen unsere modernen Solidareinrichtungen unbekannt sind. Dabei ist es eine Folge der ungleichen Weltwirtschaft, wenn Immigrierte fehlende oder schiefe Bilder von unseren modernen Solidarinstitutionen haben oder, einmal in der Schweiz, inadäquate Konzepte erst hier entwickeln. Trotz dieser Kulturdifferenzen gilt es allerdings stets, die transkulturellen Gemeinsamkeiten im Blick zu behalten: das, was alle Menschen und Kulturen miteinander teilen.
Auf dieser Grundlage können Stolpersteinen zu Chancen werden: zu einem gesellschaftlichen und persönlichen Lernprozess. Zum einen erlauben die Stolpersteine eine Selbsterkundung, die uns überraschende Blicke auf die gesellschaftliche Integration der Schweiz und ihre Zukunft eröffnet. Zum andern erschliessen sie uns eine interkulturelle und persönliche Vermittlungskunst, in der sowohl wissenschaftliche Erkenntnisse als auch Kunst und Witz ihren Platz haben. Und ausgerechnet wir „Alten“ können diese Lernprozesse informiert und verantwortlich mittragen.

Häufige Schmerzursachen des Schultergelenkes beim älteren Patienten?

PD Dr. med. Matthias A. Zumstein
Freitag, 19. Oktober 2012, 14.15, HG Aula

Verschiedene Arbeiten haben gezeigt, dass Schulterprobleme bei älteren Leuten in bis zu 30% auftreten1. Viele Patienten akzeptieren diese Probleme leider ohne einer aktiven Diagnostik oder Therapie nachzugehen. Das Schultergelenk ist sowohl statisch durch die knöchern-knorpelige Form und die Bänder, als auch dynamisch durch die Rotatorenmanschette aufgebaut. Unter den älteren Patienten treten vornehmlich Weichteilprobleme in der folgenden Reihenfolge auf2:
• Risse der Rotatorenmanschette
• Konflikte unter dem Schulterdach (subacromial) mit Entzündungen der Sehnenansätze und des Schleimbeutels (Tendinitis und Bursitis)4
• Bizepsprobleme5,6
Ebenfalls weisen ältere Patienten Arthrosen (Knorpelverschleisse) auf, welche in 2 Formen auftreten: Die zentrische Arthrose des Schultergelenkes7, welche mit intakten Weichteilen und Sehnen einhergeht und eher selten anzutreffen ist. Weiter gibt es die exzentrische Arthrose mit kombinierten Sehnendefekten8.
Aufgrund der enormen Fortschritte in der Diagnostik (Röntgen, CT, MRI), sowie Techniken, Implantate und Therapiemethoden, haben sich dem Schulterspezialisten neue etablierte Möglichkeiten eröffnet. Deshalb gibt es innovative Lösungsansätze, um die Probleme der 30% der älteren Patienten erfolgsversprechend zu behandeln. Dies wird im Detail entsprechend dem heutigen Stand des Wissens erläutert und diskutiert.

Die Opferung der Tochter in Literatur und Kunst

Prof. Dr. Angela Berlis
Dienstag, 16. Oktober 2012, 16.15, ExWi

Was verbindet Iphigenie mit der namenlosen Tochter Jephtahs im alttestamentlichen Richterbuch? Beide sind Töchter eines Vaters, der sein Kriegsglück beeinflussen will, beide werden zum Opfer und sollen sterben.
Aber wurde die Tochter tatsächlich geopfert – oder nicht? Schon der griechische Dichter Euripides schrieb zwei Versionen der Geschichte mit unterschiedlichem (guten und schlechten) Ausgang nieder. Die biblische Erzählung scheint hingegen auf ein eindeutiges Ende – die Opferung der Tochter – hinauszulaufen. Die jüdischen und die christlichen Deutungen des Textes jedoch erweisen sich als vielschichtiger, ebenso wie die bildliche und dichterische Interpretation des Stoffes im Laufe der Jahrhunderte.
Im Vortrag werden verschiedene Bilder und poetische Texte der Neuzeit besprochen, sowie die Geschichte von Jephtas Tochter, wie sie im 11. Kapitel des Richterbuchs (Verse 29-40) erzählt wird, und einige Deutungen in Judentum und Christentum.

Wirtschaftskrise ohne Ende?

Prof. Dr. Aymo Brunetti
Freitag, 12. Oktober 2012, 14.15, HG Aula

Seit fünf Jahren befindet sich die Weltwirtschaft permanent im Krisenmodus; und ein Ende scheint nach wie vor kaum absehbar. Angesichts der Abfolge von Schocks – von der US-Immobilienkrise zur globalen Bankenkrise, von der weltweiten Wirtschaftskrise zur Eurokrise – ist es kaum übertrieben von einem wirtschaftlichen Jahrhundertereignis zu sprechen. Der Vortrag erläutert einige wichtige Hintergründe dieser Ereignisse und legt dabei einen besonderen Fokus auf die zentrale Rolle der Banken bei der Entstehung dieser Krisenkaskade.

„mir hei e Verein u i schaffe mit“ Warum engagieren sich Menschen ehrenamtlich im Sportverein?

Prof. Dr. Siegfried Nagel
Dienstag, 9. Oktober 2012, 16.15, ExWi

Ehrenamtliche bilden die zentrale Ressource für die Arbeit der über 20‘000 Sportvereine in der Schweiz. Allerdings sind die Gewinnung von Mitgliedern für ein dauerhaftes freiwilliges Engagement und deren langfristige Bindung an ein Amt in vielen Sportvereinen nicht (mehr) selbstverständlich. Die aktuelle Schweizer Sportvereinsstudie zeigt, dass das Thema Ehrenamt für ca. 40% der Sportvereine ein zentrales Problemfeld darstellt (Lamprecht et al., 2012). Ausgehend von den Ergebnissen dieser Studie und den Daten des Freiwilligen-Monitors Schweiz wird die Frage untersucht, wie es Sportvereinen gelingen kann, ausreichend Ehrenamtliche für die Mitarbeit zu gewinnen und zu binden. Neben individuellen Motiven der Freiwilligenarbeit sind hierbei vor allem folgende beiden vereinsbezogenen Faktoren von hoher Relevanz: (1) die Zufriedenheit der Mitarbeitenden mit den Arbeitsbedingungen und Anreizstrukturen sowie (2) vereinsbezogene Handlungsorientierungen, wie die Verbundenheit mit dem Verein und das Interesse an der sozialen Gemeinschaft. Neben anderen individuellen und vereinsstrukturellen Einflussfaktoren werden vor allem diese beiden Aspekte auf der Grundlage des Projekts „Personale Ressourcen in Sportvereinen“ beleuchtet. Abschliessend werden Hinweise bezüglich der zielgerichteten Förderung der Ehrenamtlichkeit in Sportvereinen gegeben.

Die ethische Dimension in der hochspezialisierten Medizin

Prof. Dr. med. T. Carrel
Freitag, 5. Oktober 2012, 14.15, HG Aula

Neben intellektuellen und manuellen Fertigkeiten muss der heutige Mediziner immer komplexere Technologien beherrschen. Gerade die technologischen Errungenschaften werfen zunehmend auch moralethische und gesundheitsökonomische Fragen auf. Die moderne Herzchirurgie zum Beispiel umfasst zwei grosse Therapiefelder: Einerseits die Behandlung von angeborenen Herzfehlern beim Frühgeborenen bis zum jungen Erwachsenen und andererseits die operative Behandlung von erworbenen Erkrankungen des Herzens und der Hauptschlagader. Ziel ist hier, neue patientenschonende minimal invasive Verfahren anzubieten. In diesen Bereichen müssen wir uns zunehmend auch ethischen und ökonomischen Fragen stellen.
Das Gesundheitswesen der Schweiz ist Anfang 2012 einem grundlegenden Wandel unterworfen worden: Die Einführung des neuen Entgeltungssystems (Swiss-DRG) und die neue Spitalfinanzierung. Doch das Gesundheitswesen reagiert schwerfällig und langsam auf Richtungsänderungen. In der Schweiz stehen den 7,5 Millionen Einwohnern die hohe Zahl von 34 kardiologischen und 18 herzchirurgischen Kliniken zur Verfügung. Das ist dreimal, resp. viermal soviel pro Million Einwohner als in Deutschland oder in Holland. Grundsätzlich kann in jeder Stadt und in jedem Kanton ohne vorgängige Bedarfsanalyse eine Herzklinik eröffnet werden: dieser Luxus wirft einige ökonomische aber auch ethische Fragen auf, die mit einzelnen Beispielen angesprochen werden.
Selbstverständlich müssen Patienten auch in Zukunft einen raschen und unkomplizierten Zugang zum medizinischen Fortschritt haben: gerade wegen diesem unaufhaltsamen Fortschritt müssen die Mediziner letztendlich entscheiden, welche neue Therapien welchen Patienten angeboten werden? Das zunehmende Alter unserer Patienten stellt die moderne Herzchirurgie als Beispiel vor zahlreiche neue Herausforderungen. Innovative Lösungen, oftmals von der medizintechnischen Industrie entwickelt und entsprechend vermarktet, drängen massiv in den Markt: Was gestern noch Hochrisikopatienten mit ganz definierter Krankheitskonstellation vorbehalten war, soll plötzlich für alle möglichen Patienten oftmals ohne echte wissenschaftliche Begründung segensreich sein. Diese Innovationen fordern geradezu eine kritische Reflektion über die Sinnhaftigkeit des Machbaren. Ist alles Machbare auch sinnvoll und nicht zuletzt auch bezahlbar?
Eine Standortbestimmung ist dringend notwendig. Jede scheinbare „Innovation“ muss sich vor Einsatz am Patienten mit dem Bewährten messen lassen – auf Praktikabilität, Bezahlbarkeit und Zukunftsfähigkeit. Der moderne Mediziner muss sich also ethischen und gleichzeitig ökonomischen Fragen stellen. Ethik und Ökonomie sind dabei keine gegensätzlichen Begriffe. Erst eine sinnvolle Verteilung der begrenzten medizinischen Ressourcen, schafft also Gerechtigkeit und hält einer ethischen Begutachtung stand. Dieses Kunststück muss den Ärzten gelingen - auch dies ist künftig fester Bestandteil ärztlicher Kunst.

Ostasien in der Weltgeschichte

Prof. Dr. Rolf-Harald Wippich
Dienstag, 2. Oktober 2012, 16.15, ExWi

Die Veranstaltung versucht, die mit Ostasien lose umschriebene geographische und kulturelle Grossregion in ihrer Bedeutung für die Weltgeschichte zu fassen. Im engeren Sinne geht es um die Ländertrias China, Korea und Japan und deren direkte wie indirekte Beeinflussung der europäischen Entwicklung vom Ende des Altertums (Hunneneinfall unter Attila) über das Mittelalter (Mongoleninvasion und erste direkte europäische Kontakte mit Ostasien: Marco Polo) bis zum politisch-wirtschaftlichen (Wieder-)Aufstieg dieser Nationen nach dem Zweiten Weltkrieg und der Veränderung der globalen Mächtesituation in jüngster Zeit. Ein Schwerpunkt wird die Modernisierung der ostasiatischen Länder im 19. Jahrhundert sein, wobei exogene wie endogene Faktoren berücksichtigt werden.

Die Wiederkehr der Geister. Zur Popularität des Unheimlichen in der zeitgenössischen Literatur

Prof. Dr. Virginia Richter
Dienstag, 25. September 2012, 16.15, ExWi

Geister haben Konjunktur. Allein im vergangenen Jahr fanden, etwa in Strassburg, Nürnberg und dem Zentrum Paul Klee in Bern, mehrere Kunstausstellungen zu Gespenstern, Magie und dem Irrationalen statt. Auch in der zeitgenössischen Literatur geistert es, auf unterschiedlichste Weise: Während klassische Gespenstergeschichten wie Susan Hills Die Frau in Schwarz die Leser mit allen Mitteln der Kunst zum halb wohligen, halb schauerlichen Gruseln einladen, dienen Geister in den historischen Romanen von Sarah Waters als Reflexionsfiguren für Verfall, Vergänglichkeit und ökonomische Ängste. Nach einer historischen Einführung in die literarische Verarbeitung des Unheimlichen seit der Aufklärung diskutiert der Vortrag einige vor kurzem erschienene Romane und stellt die Frage, wofür wir, in einer weitgehend säkularisierten und entzauberten Welt, eigentlich noch Geister brauchen.

 

Die Aushöhlung der Demokratie in der europäischen Staatsschuldenkrise

Prof. Dr. Klaus Armingeon
Freitag, 21. September 2012, 14.15, Hauptgebäude Aula

Die Staatsschuldenkrise und die Krise der Euro-Zone werden häufig vor allem als seine wirtschaftliche Krise betrachtet. Dabei wird übersehen, dass die Krise auch in dreifacher Hinsicht die Demokratie in Europa aushöhlt: Sie verschiebt einen Kern der demokratischen Errungenschaften – die Entscheidung des nationalen Parlaments über das Budget – zunehmend weg vom Nationalstaat. Sie gibt Regierungschefs, der Europäischen Zentralbank und der Europäischen Kommission sozial- und wirtschaftspolitische Entscheidungskompetenzen ohne gleichzeitig die demokratische Kontrolle und Legitimität dieser Entscheidungsträger zu erhöhen. Sie unterminiert das Vertrauen der europäischen Völker in das demokratische System.

Entstehung und Philosophie des Nationalmythos Wilhelm Tell

Prof. em. Dr. Jörg Paul Müller
Dienstag, 18. September 2012, 16.15, ExWi

Dürfen wir stolz sein auf den Schweizer Nationalmythos Wilhelm Tell? Er ist hervorgegangen aus einer Jahrhunderte alten Sage, von der sich Wurzeln und Parallelen auch im Norden Europas (Dänemark, Schweden) finden.  Erste schriftliche Darstellungen entstanden  in der Schweiz seit dem Mittelalter. Die Gestalt des Helden Wilhelm Tell verdichtet sich vor der Entstehung des Bundesstates zur nationalen Integrationsfigur. Goethe hat Schiller auf den Stoff und seine dichterische Potenz aufmerksam gemacht. So ist schliesslich Friedrich Schillers letztes Schauspiel entstanden, das noch heute zu den meistgespielten Dramen im deutschsprachigen Raum gehört.
Hat Wilhelm Tell in der Schweizer Demokratie noch Bedeutung als nationale Orientierung und als ein Faktor der Integration? Oder ist der dramatische Höhepunkt des Mords an Gessler eine nicht mehr zeitgemässe Überhöhung der Gewalt, nahe einem Akt des Terrorismus?  Im Vortrag wird vertreten, dass ein Meuchelmord nicht mehr Wahrzeichen des demokratischen Widerstands sein kann, obwohl die Bedrohung durch angemasste und unmenschliche Macht auch heute eine Herausforderung bleibt. Tätiger Widerstandsgeist ist aber nicht vom einsamen Helden, sondern von jedem Bürger und jeder Bürgerin gefordert. Sie müssen  Machtmissbrauch, wo er Einzelne, bestimmte Gruppen oder das ganze Gemeinwesen betrifft, wachsam und solidarisch abwehren.
Sucht man im Schauspiel nach bleibenden Massstäben demokratischen Handelns, liegen sie am  ehesten im Stil des Verhandelns, des gegenseitigen  Informierens, in der geinsammen Reflexion etwa auf der Rütliwiese und in der gemeinsamen Sensibilität gegenüber den Entwürdigungen von Mitmenschen durch die Obrigkeit. Dafür finden sich in der Blendung Melchtals, im Befehl zum Apfelschuss oder in der Rücksichtslosigkeit gegenüber der Bittstellerin Armgard aufwühlende Beispiele. Heute würden wir sie als brutale Verletzungen der Menschenrechte verstehen und hoffentlich gemeinsam dagegen aufstehen.
Vom Referenten erscheint soeben im Verlag Stämpfli Bern die Schrift "Perspektiven der Demokratie - vom Nationalmythos Wilhelm Tell zur Weltsicht Immanuel Kants".

 

Fortschritte in der Rheumatologie

Prof. Dr. med. Michael Seitz   
Fraitag, 20. September 2013, , 14.15, HG Aula

Dank der grossen Fortschritte in der Immunologie, der Molekularbiologie und der Biotechnologie hat sich die Rheumatologie als eigenständiges Fachgebiet mit den Schwerpunkten Diagnostik und Therapie sowohl muskuloskelettaler Erkrankungen wie auch der systemisch entzündlichen Erkrankungen in den vergangenen 20 Jahren ganz enorm weiterentwickelt. Dieser Fortschritt hat heute nicht nur zur Verbesserung der Lebensqualität sondern auch zu verminderter Sterblichkeit von Patienten mit chronisch entzündlichen Erkrankungen des Bewegungsapparates und  der inneren Organe geführt.                                         
Dementsprechend wird in diesem Vortrag insbesondere auf die verbesserte Früherkennung der rheumatoiden Arthritis (früher chronische Polyarthritis genannt) anhand verbesserter Diagnosekriterien, sensitiver und spezifischer moderner Bildgebungsverfahren (z.B. Gelenk-Ultraschall und Magnetresonanztomographie) und Laboruntersuchungen (neue Autoantikörper) eingegangen wie auch die therapeutische ‚Revolution‘ bei den chronisch entzündlichen rheumatischen Erkrankungen durch die Entwicklung und Einführung der ‚Biologika‘ in den klinischen Alltag besprochen. Der Einsatz der vielfältigen konventionellen und auch der neuen Rheumamedikamente erlaubt heute eine sehr differenziert  ausgerichtete Therapie entsprechend dem individuellen Krankheitsverlauf, seinen wichtigen individuellen prognostischen Prädiktoren und möglichen Begleiterkrankungen. Mit der Einführung der Biologika, welche sehr gezielt bestimmte entzündliche Botenstoffe (Zytokine) oder besonders aktivierte Immunzellen (T-und B-Zellen) im Krankheitsgeschehen ausschalten, ist nicht nur die Therapie der entzündlich rheumatischen Erkrankungen revolutioniert worden, sondern die klinischen Effekte dieser Medikamente haben auch das Verständnis für die Entstehung dieser Erkrankungen entscheidend gefördert und der Entzündungsforschung wesentliche neue Impulse gegeben. Ähnliches gilt auch für die Gicht, eine altbekannte Stoffwechselerkrankung, welche mit akuten und auch chronischen Gelenk-und Weichteilentzündungen einhergeht. Erst vor wenigen Jahren gelang es mit der Entdeckung des sogenannten ‚Inflammasoms‘ die der Entzündung zugrundeliegenden molekularen Mechanismen bei dieser häufigen Wohlstandserkrankung aufzudecken und mit Interleukin-1 Antagonisten sehr wirksame und spezifisch angreifende Entzündungshemmer zu entwickeln. Dies hat ebenfalls eine ganz neue Entwicklung in der Entzündungs-forschung in Gang gesetzt, welche sich mit der sog. ‚Autoinflammation‘ beschäftigt und auch Entzündungsmechanismen bei selteneren z.T. genetisch vererbten Erkrankungen aufgedeckt und therapeutisch besser zugänglich gemacht hat. Unangenehme Folgen der chronischen Gicht, nämlich die Harnsäurekristall-ablagerungen in Gelenken und Weichteilen lassen sich darüberhinaus heutzutage mit sehr sensitiven Bildgebungstechniken wie der ‚Dual Energy Computertomo-graphie‘ (DECT) darstellen, wodurch auch eine objektive Überwachung des Therapieerfolges mit Auflösung der ‚Gichttophi‘ durch die Verwendung des rekombinanten Enzyms Uratoxidase/Rasburicase bei besonders schweren Gichterkrankungen erstmals möglich geworden ist.                                      
Mit zunehmendem Alter der Bevölkerung nehmen auch die sog. ‚Alterserkrankungen‘ wie die Osteoporose zu. Diese stellen uns in den nächsten Jahren vor zunehmende gesundheitsökonomische Herausforderungen. In diesem Zusammenhang ist die Entwicklung neuer spezifischer Medikamente zur Bekämpfung der Osteoporose und ihrer Folgen wie gehäufte Knochenfrakturen und dadurch bedingt erhöhte Morbidität und Gesundheitskosten von grosser Bedeutung. Die Knochenforschung hat im vergangenen Jahrzehnt mit der Entdeckung des RANKLiganden den wichtigsten Faktor für die Entstehung der knochenabbauenden Zellen (Osteoklasten) identifiziert und spezifische Hemmstoffe (Antikörper gegen RANKL) dagegen entwickelt, die seit kurzem sehr erfolgreich und nebenwirkungsarm bei Patienten eingesetzt werden. Schlussendlich kann damit die Entwicklung einer Osteoporose bei Risikopopu-lationen wie auch das Voranschreiten einer etablierten Erkrankung mit neuen Knochenfrakturen wirksam verhindert werden. Durch diese Entwicklung wurde ein ganz neues Forschungsgebiet in der Rheumatologie, die sog. ‚Osteoimmunologie‘ inauguriert, welche die spannende Untersuchung der vielfältigen Interaktionen von Immun-und Knochensystem zum Gegenstand hat.
Eine besondere Herausforderung und einen  neuen Quantensprung werden in den kommenden Jahren in der Rheumatologie wie auch sonst in der Medizin die Entwicklung und Validierung von klinischen, biologischen und pharmakogeno-mischen Merkmalen darstellen, welche eine massgeschneiderte, d.h. möglichst wirkungsvolle und nebenwirkungsarme Therapie für das betroffene Individuum ermöglichen sollen.

Siehe auch die Sonderveranstaltung von Donnerstag 26. September, 15-17, im Hauptgebäude: Vertiefungsseminar Rheumatologie, Mit Prof. Dr. Michael Seitz. Anmeldung erforderlich. Nur für Mitglieder der Seniorenuniversität.