Seniorenuniversität (D)

Abstracts 2017/18

 

Freitag, 13. April 2018, 14.15 h, HG Aula

Knochenbrüche im Alter –
neue Herausforderungen und Lösungsansätze

PD Dr. Johannes Bastian, Orthopädische Chirurgie,
Inselspital Bern

Die Anzahl betagter Patientinnen und Patienten in der Orthopädie wie in der Traumatologie nimmt stetig zu und stellt die Chirurgen vor vielfältige neue Herausforderung, dies besonders im Hinblick auf die «Person der Fraktur» als auch auf die «Person der Patienten». So zeigen ich alterspezifische Verletzungsmuster die neue chirurgische Techniken erfordern und andererseits zeigen betagte Patienten selbst gegenüber jüngeren Patienten Besonderheiten auf welchen Chirurgen ebenfalls gerecht werden muss. Das Referat zeigt auf wie diese Herausforderungen in den Bereichen Forschung, klinische Dienstleistung und Lehre allgemein aber insbesondere am Standort Bern adressiert werden. Die Präsentation beinhaltet Fallbeispiele und Veranschaulichungsmaterial, zudem wird auch auf Präventionsmöglichkeiten eingegangen werden.
 

 

Freitag, 23. März 2018, 14.15 h, HG Aula

Italienische Migration in die Deutschschweiz einst
und heute

PD Dr. Silvia Natale und Dr. Etna Krakenberger, Institut für
italienische Sprache und Literatur, Universität Bern

Migrationsbiographien im Vergleich. Von italienischen Gastarbeitern und „Gehirnen auf der Flucht“ in der Deutschschweiz (neuer Titel).

Die italienische Sprachgeschichtsschreibung ist an zahlreichen Stellen mit der Migrationsgeschichte des Landes verknüpft. Interne Migrationsbewegungen in der Nachkriegszeit sind beispielsweise massgeblich an der Italianisierung der Halbinsel beteiligt (De Mauro 2015); externe Migrationsbewegungen erzeugen Sprachdynamiken, die in Sprachkontaktsituationen zur Ausbildung von neuen Varietäten führen (vgl. das italese in Prifti 2014).

Während sprachliche Implikationen der vergangenen italienischen Wanderungsbewegungen sowohl aus erwerbstheoretischer Sicht (Zanovello-Müller 1998) als auch aus soziolinguistischer Sicht (Vedovelli 2011) gut dokumentiert sind, gibt es kaum Studien, die sich mit der neuen italienischen Auswanderungswelle befassen. Träger dieser neuen Migration, die in engem Zusammenhang mit der aktuellen Wirtschaftskrise steht, sind immer häufiger sehr gut ausgebildete Fachkräfte (gerne als cervelli in fuga – „Gehirne auf der Flucht“ tituliert), die sich auf verschiedensten Gebieten im schweizerischen Arbeitsmarkt eingliedern (Pharmazeutik, Forschung, Wirtschaft etc.).  Im Vergleich zu ihren Vorgängern, die in den 60er und 70er Jahren die Schweiz als Auswanderungsland gewählt haben, verfügen die cervelli in fuga über ein differenzierteres soziokulturelles Niveau, das sich nicht nur im Bildungsgrad niederschlägt, sondern auch im Sprachrepertoire, über das sie bei der Ankunft in die Schweiz verfügen. Erste Ergebnisse zeigen, welche Rolle dieses Sprachrepertoire für die Bildung von sozialen Netzwerken in der Schweiz spielt bzw. welche Chancen und Hürden sich daraus ergeben (Bianco, Krakenberger und Natale 2017).

In unserem Vortrag werden wir aufgrund von Tiefeninterviews aufzeigen, welche Erfahrungen italienische MigrantInnen, die in den 60er und 70er Jahre in die Schweiz eingewandert sind, in Bezug auf ihre sprachliche Eingliederung bzw. Nicht-Eingliederung gemacht haben und werden diese mit den Erfahrungen der cervelli in fuga vergleichen.

 

Freitag, 16. März 2018, 14.15 h, HG Aula

Die rechtliche und politische Bewältigung von Flüchtlingskrisen
einst und heute

Prof. Dr. Alberto Achermann, Institut für öffentliches Recht,
Universität Bern

Ab dem Sommer 2015 beherrschte das Thema der «Flüchtlingskrise» während Monaten die Schlagzeilen. Der Begriff «Flüchtlingskrise» war zwar umstritten, da er eine aussergewöhnliche Situation im Sinne einer Notlage suggerierte. Indessen gab und gibt es gute Gründe, den Begriff so zu verwenden: Zu nennen sind u.a. die weltweit stark gestiegene Zahl von Flüchtlingen, die hohen Opferzahlen im Mittelmeer, die politischen Verwerfungen zwischen den EU-Staaten betreffend einer gerechteren Verteilung der Flüchtlinge und die politischen Diskussionen, welche durch die Flüchtlingsbewegungen in einigen Europäischen Staaten ausgelöst wurden und zum Erstarken von rechtspopulistischen Parteien beigetragen haben.

Es ist aber nicht die erste Flüchtlingskrise, die die Welt und Europa erleben, und jede der Krisen hatte ihre eigenen Ursachen, Abläufe und Lösungsansätze. Eine Beschäftigung mit dem Verlauf und der politischen Bewältigung dieser Krisen ist von hohem Interesse, da sich im Rückblick Handlungsmuster, Erfolge und Desaster erkennen lassen, die für den Umgang mit aktuellen und künftigen Krisen wertvolle Hinweise geben können.Der Vortrag möchte in einem Streifzug durch die Geschichte anhand einiger exemplarischer Fälle Antworten der betroffenen Staaten und der Staatengemeinschaft auf Flüchtlingskrisen schildern und nach den Lehren für das aktuelle Flüchtlingsrechtsregime fragen.

 

Freitag, 9. März 2018, 14.15 h, HG Aula

Jüdische Vorstellungen von Moses in Antike und
Mittelalter

Prof. Dr. René Bloch, Institut für Judaistik, Universität Bern

Im Judentum steht Moses seit je ausser Konkurrenz: Er ist Gesetzgeber, Prophet und Vorbild. Dabei ist das zugrundeliegende biblische Moses-Bild durchaus problematisch und geprägt von Ambivalenzen: Seine Herkunft ist im wahrsten Sinne zweideutig, seine Führungsqualitäten sind eingeschränkt und sein Tod kommt verfrüht. Der biblische Moses ist ein gleichsam moderner Charakter, der in früheren Zeiten von Juden immer wieder neu erfunden wurde. In dieser Vorlesung soll jüdischen (und teils auch nichtjüdischen) Vorstellungen von Moses in Antike und Mittelalter nachgegangen werden. Im Hintergrund soll dabei immer auch die Frage stehen, was diese Vorstellungen bezweckten. Am Anfang wird die Frage nach der ganz konkreten Vorstellung von Moses’ Aussehen stehen.    
 

 

Freitag, 2. März 2018, 14.15 h, HG Aula

Freiwilligenarbeit als soziales Kapital der Schweiz.
Entwicklungen, Motive, Zukunftsmodelle

Prof. Dr. Markus Freitag, Institut für Politikwissenschaft,
Universität Bern

Das freiwillige Engagement ist ein Grundpfeiler des sozialen Miteinanders und des Zusammenlebens in der Schweiz. Von diesem sozialen Kapital können Einzelne wie ganze Gruppen, Gemeinden, Kantone oder Nationen profitieren und Erfolge in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft erzielen. Freilich mehren sich jüngst die Anzeichen, dass diese Säule der schweizerischen Zivilgesellschaft bröckelt und der soziale Kitt zunehmend poröser wird. Der Vortrag liefert Zahlen und Befunde zur Entwicklung des freiwilligen Engagements in der Schweiz, weist auf Erklärungen zum Verlauf hin und diskutiert mögliche Lösungsmodelle.

 

Freitag, 23. Februar 2018, 14.15 h, HG Aula

Notfallmedizin – akute Erkrankungen,
Veränderungen der Gesundheit im Alter

Dr. Ulrich Bürgi, Notfallzentrum Kantonsspital Aarau

 

Freitag, 22. Dezember 2017, 14.15 h, HG Aula

Konzert zum Jahresabschluss

Es spielt das Duo Gindrat-Lefebvre / Violine, Violoncello

 

J-S. BACH
15 Inventionen für Tasteninstrument, BVW 772-786
Nummer 1, 4, 7, 8, 9, 13, 15

P. VASKS
Castillo Interior

A. HONEGGER
Sonatine für Violine und Cello

J. HALVORSEN
Passacaglia

 

 

Dienstag, 19. Dezember 2017, 16.15 h, ExWi

König David - Fakten und Fiktionen

Prof. em. Dr. Walter Dietrich, Institut für Bibelwissenschaft,
Universität Bern

Der Vortrag enthält drei Teile:

1. Die biblische Geschichtsschreibung ist eine Historiographie sui generis. Sie orientiert sich nicht am Ideal historischer Objektivität, überliefert aber doch manches historisch Zuverlässige. Über David findet sich in der Bibel viel Fiktives (Psalmen, Chronik). Der Wirklichkeit am nächsten kommen die Samuelbücher – doch auch sie sind über die Jahrhunderte angewachsen, d.h. fiktional erweitert worden. David war weder ein Grosskönig noch ein kleiner Provinzfürst, sondern etwas dazwischen.

2. Die Samuelbücher überliefern einige düstere Geschichten von David, die kaum erfunden sein werden (weil man das Bild des Gründerkönigs kaum grundlos eingetrübt hätte); doch die Tradenten haben sie nachträglich aufgehellt. Dies betrifft etwa sein Verhältnis zu seinem Vorgänger und Rivalen König Saul, seine Beziehungen zu den Philistern, dem Landesfeind, oder seine Liaison mit Batscheba, einer Offiziersgattin, die seine Frau und später Königinmutter wurde.

3. David wurde von der Tradition zu einer Lichtgestalt überhöht – jedoch nicht ohne jeden Anhalt an der historischen Realität. Er hatte wohl wirklich eine künstlerische Seite (auch wenn er nicht die Psalmen gedichtet hat); er nutzte wohl wirklich nicht jede Gelegenheit zur gewalttätigen Durch-setzung seiner Ziele (auch wenn er kein Engel war); er setzte religionspolitische Marksteine (auch wenn er kein Heiliger war); er war tatsächlich ein „Messias“, d.h. ein Gesalbter (auch wenn der spätere Messianismus weit über seinen Horizont hinausgeht).

Am Schluss steht eine kurze Zusammenfassung.

 

Freitag, 15. Dezember 2017, 14.15 h, HG Aula

Archäologie aus dem Eis: das Schnidejoch in den
Berner Alpen

Prof. Dr. Albert Hafner, Institut für Archäologische
Wissenschaften, Universität Bern

Archäologische Forschungen in den Berner Alpen. Der Rückgang der Gletscher ist eine der augenfälligsten Veränderungen der globalen Klimaerwärmung. Von ihr betroffen sind auch archäologische Objekte, die über Jahrtausende hinweg im hochalpinen Eis überdauert haben und nun durch dessen Schmelze zum Vorschein kommen. Im Hitzesommer 2003 fand eine Wanderin auf einer Bergtour im Wildhorngebiet am Schnidejoch (2756 m ü. M.) in den westlichen Berner Alpen ein fremdartiges Objekt aus Birkenrinde, das sich als Haube Teil eines fast 5000 Jahre alten Bogenfutterals aus der Zeit um etwa 2800 bis 2600 v. Chr. herausstellte. Insgesamt rund 900 Objekte aus dem Zeitraum zwischen 4800 v.Chr. und 1000 n.Chr. bilden die wissenschaftliche Basis für die Rekonstruktion von 6000 Jahren alpiner Verkehrsgeschichte. 
 
 

 

Sonderveranstaltung (nur für Mitglieder der Seniorenuniversität)

Donnerstag, 14. Dezember 2017, 14.15–16.00 h, Universität, HG Raum 115

Gesundheitliche Vorausplanung – eine Bürgerpflicht?

(Seminar)
Prof. Dr. Steffen Eychmüller, Zentrum für Palliative Care,
Inselspital Bern

Viel wird über Patientenverfügungen und über den mutmasslichen Willen eines Patienten gesprochen, wenn eine Situation eintritt, in der die Patientin/ der Patient nicht mehr selbst entscheiden kann. Das Kinder- und Erwachsenenschutzrecht definiert hierfür den rechtlichen Rahmen. In der klinischen Praxis sind Patientenverfügungen immer noch eher selten, und wenn vorhanden häufig inhaltlich sehr ungenau. Woran liegt das?
Die Vorbereitung des Lebensendes ist ein gerne vermiedenes Thema – von den Betroffenen, aber auch von Fachpersonen. „Es ist noch nicht soweit“ ist eine häufige Aussage, aber auch, dass man gar nicht weiss, welche Inhalte in welcher Detaillierung dokumentiert werden sollen. Mit wem, wann, was bringt das – häufig bestehen mehr Fragen als Antworten.
Diese Sonderveranstaltung geht diesen Fragen anhand ganz praktischer Beispiele nach, und versucht, konkrete Antworten zu geben. Dabei geht es auch um Fragen wie „Vorausplanung, eine Bürgerpflicht?“, und um mögliche Sorgen und offene Fragen bezüglich möglicher unerwünschter Wirkungen einer Vorausplanung. In der Schweiz wird gegenwärtig ein Rahmenkonzept zur gesundheitlichen Vorausplanung abgeschlossen, welches im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit erstellt wurde. In der Veranstaltung werden die Vorschläge hierfür kritisch diskutiert.
 

 

Dienstag, 12. Dezember 2017, 16.15 h, ExWi

Das Auge als Spiegel der Seele – Blickrichtungsregistrierung
zur Erfassung von Wahrnehmungs- und Denkprozessen

Prof. em. Dr. Rudolf Groner, Institut für Psychologie,
Universität Bern, und SCIANS GmbH, Bern

Die Augen spielen als wichtiges Sinnesorgan des Menschen für die Informationsaufnahme und Orientierung eine zentrale Rolle. Im Vortrag wird in einem ersten Teil ihre Funktion bei der zwischenmenschlichen Interaktion beleuchtet: die Augen als intuitiv einleuchtende und scheinbar untrügliche Informationsquelle über den Charakter und die Gefühle unserer Mitmenschen wie auch als Hinweis auf ihre Aufmerksamkeitsrichtung, welche in sozialen Interaktionen eine wichtige Rolle spielen.

Im Hauptteil  des Vortrags wird das Auge als Wahrnehmungsinstrument kurz vorgestellt und gezeigt, wie durch Erfassung der Blickrichtung visuelle Aufmerksamkeitsprozesse und daraus resultierende kognitive Prozesse beim Betrachten von Bildern und beim Lesen in hoher zeitlicher Auflösung erfasst werden können.

Im letzten Teil des Vortrags werden neue Anwendungsbereiche der Blickrichtungs-registrierung vorgestellt. Besondere Bedeutung hat sie als Instrument zur Analyse des Nutzerverhaltens  und zur optimalen Gestaltung von Internet-Websites, Billet-Automaten und anderen elektronischen Geräten. Den Wünschen der Designer, möglichst viel Information in diese zu verpacken steht das Bedürfnis der Nutzenden gegenüber, die für sie relevante Information rasch und effizient zu finden. Dieser neue Ansatz stellt unter dem Stichwort „Usability“ und „User Experience“ die Bedürfnisse und das intuitive Verhalten der Nutzenden in den Vordergrund gegenüber den technischen Möglichkeiten, welche die Produzenten einsetzen möchten.  Gerade für viele Nutzende der älteren Generation ist eine konsequente Anwendung der User Experience bei der Gestaltung technischer Geräte des Alltags eine sinnvolle Forderung.

 

Freitag, 8. Dezember 2017, 14.15 h, HG Aula

Engel zwischen Himmel und Erde

Florian Lippke, Departement für Biblische Studien, Universität
Fribourg / Stefan Dick, Gymnasium Neufeld Bern, Gymnasiastinnen
und Gymnasiasten, Seniorinnen und Senioren der
Seniorenuniversität Bern

Manche Geschichten von Engeln, die zwischen Gott und den Menschen stehen, sind schon mehrere Tausende von Jahren alt.
Aber auch heute - gerade in der Advents- und Weihnachtszeit - begegnen uns die Begleiter und Beschützer auf Schritt und Tritt. Die Geschichte der Engel beginnt nicht mit dem Christentum. Denn die Vorgänger reichen bis in den Alten Orient und Ägypten zurück. Das BIBEL+ORIENT Museum hat sich zusammen mit dem Museum für Kunst und Geschichte in Freiburg auf die Spurensuche begeben - woher kommen Botenengel, Schutzengel, wer waren die sagenumwobenen Kerubim und Serafim? Lassen Sie sich überraschen und in eine fremde Welt entführen, die uns mitunter näher ist, als wir es vermuten.
Der Vortrag wird von Berner Gymi-Schülerinnen und -Schülern bestritten und vom Theologen Florian Lippke inhaltlich begleitet. Diese Kooperation des Kurators des BIBEL+ORIENT Museums mit Lehrpersonen und Schülerinnen und Schülern aus Bern hat schon fast ein wenig Tradition.

 

Dienstag, 5. Dezember 2017, 16.15 h, ExWi

Der Erfinder des Matriarchats: Johann Jakob Bachofen
und die Folgen

Prof. Dr. Yahya Elsaghe, Institut für Germanistik,
Universität Bern

Johann Jakob Bachofen – ein glorieux inconnu, einer, den fast jeder kennt und kaum einer liest. Mit seiner These vom Mutterrecht und noch ursprünglicheren Gesellschaftsformen war Bachofen der Erste, der es wagte, systematisch über eine geschichtliche Bedingtheit der Geschlechterrollen zu spekulieren und darüber, dass auch das Patriarchat eine vorübergehende Erscheinung sein könnte. Er half damit, die Krise der Männlichkeit zu bearbeiten, die sich vor hundert Jahren zuzuspitzen begann. Vor allem in der Zwischenkriegzeit wurden ungezählte Autoren und Autorinnen von seinem Denken geprägt, längst nicht nur Kommunisten und Feministinnen.

 

Freitag, 1. Dezember 2017, 14.15 h, HG Aula

Das älter werdende Gehirn. Verlust oder auch Gewinn

Prof. Dr. Stefan Klöppel, Universitätsklinik für Alterspsychiatrie,
Universität Bern

Zum gelungenen Alter gehört der richtige Umgang mit den Herausforderungen des Alters. Die Jahre nach der Pensionierung bieten vielen Menschen die Möglichkeit bei guter körperlicher und geistiger Verfassung lange zurückgestellten Interessen nachzugehen. Erst im hohen Alter (oft über 80 Jahre) steht eine zunehmende Verletzlichkeit im Vordergrund. Über das ganze Leben hinweg ist das Gehirn lernfähig, jedoch müssen die Veränderungen des Alters berücksichtigt werden.

Im Rahmen des Vortrags möchte ich einen Überblick über die altersabhängigen Veränderungen des Gehirns geben und zeigen, welche Anpassungen an das Alter für viele Menschen hilfreich sind. Die Fähigkeit, neues Wissen in vorhandene Raster zu integrieren und an das Alter angepasste Merkstrategien anzuwenden sind Chancen, die mit dem Alter schlechter werdende Merkfähigkeit zumindest teilweise zu kompensieren

 

Dienstag, 28. November 2017, 16.15 h, ExWi

Die Subsistenzkrise von 1916 bis 1918 in der Schweiz
und das «Gastspiel der Kleinen Eiszeit»

Prof. em. Dr. Christian Pfister, Historisches Institut,
Universität Bern

Bis 1916 waren die Zivilbevölkerungen in den meisten europäischen Staaten trotz kriegsbedingter Einschränkungen einigermassen über die Runden gekommen. Doch 1916/1917 brach ein Witterungsdebakel über West- und Mitteleuropa herein, das während der „Kleinen Eiszeit“ (1300 bis 1860) in ähnlicher Form wiederholt aufgetreten war und Hungersnöte nach sich gezogen hatte, letztmals 1816/17: Die Abfolge eines nass-kalten Sommers und eines eisig-kalten Frühjahrs. 1916 missrieten Getreide, Kartoffeln und die Heuernte. Im Frühjahr 1917 war das nährstoffarme Heu aufgebraucht, wodurch die Milchproduktion um 40% einbrach. Nicht zuletzt, weil die Schweiz kriegsbedingt von Lebens- und Futtermittelimporten weitgehend abgeschnitten war, stiegen die Lebensmittelpreise vom Frühjahr 1917 bis Kriegsende nahezu von Woche zu Woche, grösstenteils ohne „Teuerungszulagen“. Dazu mangelte es an Kohle. Der Vortrag schildert, wie die Behörden mit diesen Herausforderungen umgingen, welche Bedeutung ihnen für den Landesstreik vom November 1918 zuzuschreiben ist und welche Lehren die Verantwortlichen für die Bewältigung der Lebensmittel- und Energieversorgung im Zweiten Weltkrieg daraus zogen.

 

 

Freitag, 24. November 2017, 14.15 h, HG Aula

Probleme der EU, Probleme der Schweiz und Probleme
der Beziehungen zwischen Schweiz und EU

Prof. Dr. Klaus Armingeon, Institut für Politikwissenschaft,
Universität Bern

Die inneren Probleme sowohl der EU als auch der Schweiz machen es den Akteuren zunehmend schwer, ein flexibler Verhandlungspartner der Gegenseite zu sein. Dies ist das zentrale Argument des Vortrags, in dem diese Probleme und deren Entwicklungen geschildert werden. Die EU ist damit beschäftigt, zentrifugale Kräfte zu bändigen und das erreichte Integrationsniveau zu erhalten. Die Schweiz muss die uneingestandene, aber faktische Abhängigkeit von der EU mit den Ansprüchen der Bevölkerung und der Politiker an unbeschränkter Souveränität  balancieren. Während die EU immer weniger aufgrund der inneren Probleme Zugeständnisse anbieten kann, verlangen die inneren Probleme der Schweiz zunehmend gerade diese substanziellen Zugeständnisse.

 

Sonderveranstaltung
ausschliesslich für Mitglieder der Seniorenuniversität
Donnerstag, 23. November 2017, 14.15–16.00 h,
Universität, HG, Zimmer 115

Luthers Reformation und die Teufelsliteratur (Seminar)

Prof. Dr. Barbara Mahlmann, Universität Bern

 

Dienstag, 21. November 2017, 16.15 h, ExWi

Anthrax – eine Tierseuche als Zeuge von Migrationen,
globalem Handel und Traditionen

Prof. Dr. Joachim Frey, Institut für Veterinär-Bakteriologie,
Universität Bern

Grosse Seuchen durch Infektionserreger bei Mensch und Tier, wie Cholera, Pest und Anthrax, wurden schon vor Jahrhunderten beschrieben. Auf Grund schwerwiegenden Auswirkungen dieser Seuchen gehörten deren Erreger (Vibrio cholerae, Yersinia pestis und Bacillus anthracis) zu den ersten Bakterien, welche entdeckt, genauer untersucht und oft konserviert wurden.

Bakterien sind die kleinsten Lebewesen auf der Erde. Sie hatten sich während Jahrtausenden ihren Wirten angepasst und verändern sich genetisch nur noch wenig. Trotzdem erlauben neuste Genom-Sequenziermethoden kleinste genetische Veränderungen, sogenannte Mutationen oder molekular-genetische Marker, zu erfassen und dadurch sowohl den Ursprung wie auch die Ausbreitung der Erreger zu analysieren.

Bacillus anthracis ist der Erreger von Anthrax, einer weltweit verbreiteten, meist tödlich verlaufenden Infektionskrankheit von Wiederkäuern, welche auch Menschen infizieren kann. Dieses Bakterium durchläuft eine speziell langsame Evolution. Das Bakterium vermehrt sich nur während einer Infektion im Wirt (Rind, Schaf, Ziege oder Mensch). Für seine Replikation braucht das Bakterium Nährstoffe aus infizierten und meist getöteten Wirten . Dort vermehrt sich das Bakterium um 20 bis 40 Generationen. Danach verwandelt es sich in Sporen, welche in der Umwelt über 50 Jahre überleben.

Gesamtgenom-Analysen von neuen und historisch gesammelten Bacillus anthracis-Stämmen erlauben eine präzise molekulare Uhr des Krankheitserregers zu berechnen und das Alter der verschiedenen, weltweit vorkommenden Untergruppen von Bacillus anthracis zu bestimmen. Diese Untergruppen des Erregers stimmen gut mit den verschiedenen Rinderrassen überein, welche früher sehr strikt lokal gehalten wurden. Gemäss genetischen Daten ist der Krankheitserreger während dem Neolithikum vor ca. 17‘000 Jahren aus dem fernen Osten eingeschleppt worden und hat sich danach westwärts entlang der Alpenkette verbreitet. Migranten, welche vor ca. 400 Jahren von Westeuropa nach Nordamerika auswanderten, hatten den Krankheitserreger mit ihrer Fahrhabe an die Ostküste der USA verschleppt, von wo sich die Krankheit südwestwärts verbreitete. Die Bacillus anthracis-Stämme aus der Schweiz teilen sich in zwei genetische Gruppen auf. Die eine ist ausschliesslich im Osten aus Schweizer Braunvieh isoliert worden. Die andere Gruppe stammt aus Simmentaler Fleckvieh. Genetisch sind die beiden Gruppen seit mindestens 300 Jahren getrennt, was nur möglich war, weil aus politischen und traditionellen Gründen die Viehrassen strikt in den zwei früheren politischen Regionen der Schweiz nordöstlich der Reuss und südwestlich der Reuss gehalten und nicht ausgetauscht wurden.

Allerdings wurde Anthrax in der Schweiz nicht nur durch Rinder verbreitet. Stämme, welche in den 60er Jahren aus Anthrax erkrankten Menschen in der Region Schaffhausen isoliert wurden, zeigen ein klares genetisches Muster, welches aktuell in die Region Kaschmir passt. Die Infektionen ereigneten sich damals hauptsächlich bei Arbeitern einer Wollfabrik, welche offensichtlich schlecht dekontaminierte Kaschmir-Ziegenwolle importiert hatte. Zumindest konnten wir feststellen, dass die Rohwolle tatsächlich aus Kaschmir stammte und nicht aus anderen zentralasiatischen Regionen, aus welchen ebenfalls Rohwolle unter der Bezeichnung Kaschmir importiert wird.

 

Freitag, 17. November 2017, 14.15 h, HG Aula

Der Islam und die Frage der Gewalt

Prof. Dr. Reinhard Schulze, Institut für Islamwissenschaft,
Universität Bern

Lange war man im Westen davon überzeugt gewesen, dass zwischen Religion, Gesellschaft und Staat seit der Epoche der europäischen Aufklärung ein Einverständnis gefunden worden ist. Diese Sicherheit ist in den vergangenen Jahrzehnten ins Wanken geraten. Im Namen ‘des’ Islam werden Terroranschläge verübt und Kriege geführt. Von vielen Menschen wird ‘der’ Islam als eine Religion wahrgenommen, die nicht zwischen Religion und Zivilgesellschaft unterscheidet und den Friedenszustand gefährdet. Doch stimmen die Vorstellungen und Bilder, die wir uns vom Islam machen, überhaupt? Welche Informationen brauchen wir, um uns ein sachgerechtes Urteil über den Islam heute zu bilden?

 

Dienstag, 14. November 2017, 16.15 h, ExWi

Senioren als Schauspieler und Experten in der
Ausbildung von Medizinstudenten

Prof. Dr. Andreas Stuck, Geriatrische Universitätsklinik Bern,
Insel Gruppe AG

Die Medizin ist im Umbruch. Die Zunahme an älteren Menschen in den nächsten Jahren führt dazu, dass Ärzte vermehrt ältere Patienten betreuen werden. Damit dies in Zukunft gelingt, müssen die 200 angehenden Ärztinnen und Ärzte, welche an der Universität Bern jährlich das Medizinstudium abschliessen, auf diese neue Herausforderung vorbereitet werden.

Mit der Vermittlung von Wissen zur normalen Alterung, Krankheiten im Alter, Diagnosen, Therapien und Behandlungsverläufen ist es nicht getan. In spezifischen Lehrangeboten üben die Studierenden ergänzende Kompetenzen und Fertigkeiten. Damit dies möglichst realitätsnah erfolgen kann, spielen ältere Schauspielpatientinnen und -patienten eine zentrale Rolle. Im Rahmen einer spezifischen Einführung werden die Schauspielpatienten trainiert, Situationen einzustudieren, wie sie in der Praxis häufig vorkommen. Die Studierenden erhalten dann die Möglichkeit, ihre Fertigkeiten in diesen Situationen zu üben. Im Unterschied zu klassischen Rollenspielen sind die Schauspielpatienten auch trainiert, den Studierenden anschliessend fachlich abgestützte Rückmeldungen zu geben. Im Anschluss an diese Trainings erweitern die Studierenden ihr Wissen und ihre Fähigkeiten im Rahmen von Praktika in Spitäler und Hausarztpraxen.

Der Vortrag gibt exemplarisch einen Einblick in das Medizinstudium an der Universität Bern und zeigt auf, welche Aspekte in der Altersmedizin besonders wichtig sind.

 

Freitag, 10. November 2017, 14.15 h, HG Aula

Bestäubungsideologie, phantastische Welt von Lug,
Trug und Evolution bei Blütenpflanzen

Prof. em. Dr. Klaus Ammann,
ehem. Direktor Botanischer Garten, Bern

Biologie kann man eigentlich nur wirklich verstehen, wenn man z.B. bei den Blütenpflanzen die Bestäubungs-Biologie erfasst, da wird so klar wie selten, wie vielfältig und erfindungsreich die Blütenpflanzen ihre Bestäubung sichern. Es wird in diesem Vortrag um geradezu phantastische Geschichten gehen, die, wenn sie nicht genauestens studiert wären, fast unglaubhaft klingen.

Dadurch versteht man letztlich auch erst die Evolution in ihrer ganzen Vielfalt von Selektion und Eigenorganisation,  und auch in ihrer Lebensfreude. Es wird vor allem um die botanische Seite gehen, wie die Insekten angelockt werden, wie sie profitieren, aber auch wie sie oft ganz gemein betrogen werden. Das ganze komplizierte Bezugsnetz Pflanzen-Insekten wird beleuchtet mit vielen Beispielen. Diese unglaubliche Vielfalt gilt es zu erhalten, die heutige Landwirtschaft muss dringend mit neuen Konzepten wirksame Korrekturen setzen, damit die Insekten- und Blütenvielfalt nicht noch mehr abnehmen.

 

Dienstag, 7. November 2017, 16.15 h, ExWi

Die Opfer von Straftaten: helfen, aber wie?

Prof. em. Dr. Karl-Ludwig Kunz, Institut für Strafrecht
und Kriminologie, Universität Bern

Strafrecht kümmert sich traditionell ums Strafen, nicht um die Geschädigten. Neuerdings versucht man dies zu ändern. Der Vortrag zeichnet die Versuche dazu nach. Legitime Opferhilfe ist nötig, aber auch schwierig. Sie taugt nur als eine von mehreren Leitlinien der Kriminalpolitik. Der Erhalt rechtsstaatlicher Prinzipien des Strafverfahrens erzwingt Einschränkungen einer grundsätzlich opferfreundlichen Strafverfolgung.

 

 

 

Freitag, 3. November 2017, 14.15 h, HG Aula

Ukrainekonflikt. Wo stehen wir? Wie weiter?

Botschafter Toni Frisch, Koordinator der OSZE Arbeitsgruppe Humanitäres,
ehem. Direktor Schweiz. Humanitäre Hilfe, DEZA, Bern

Seit 2014 schwelt dieser Konflikt im Osten des Landes, in den grossen Verwaltungsbezirken Donetsk und Lugansk, dem sog. Donbas. Der Krieg in Syrien, die humanitären Katastrophen im Sudan und anderswo sowie die Flüchtlinge aus Afrika verdrängen die Ukraine aus den Schlagzeilen. Dies obwohl es über eine Mio. Flüchtlinge und etwa 1.3 Mio Interne Vertriebene im eigenen Land gibt. Aber, mit etwa 10’000 Toten und über 20’000 Verletzten sind die Zahlen zu klein um noch aufzuschrecken....  Die OSZE, Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, bemüht sich, den Konflikt gemeinsam mit den Konfliktparteien zu lösen. Auf höchstem politischem Niveau suchen auch die Vertreter des Normandie Formates, Deutschland, Frankreich, Russland und die Ukraine nach Lösungen. Aber die Verhandlungen zur Beilegung des Konfliktes, welche zumeist in Minsk stattfinden, sind zäh und jeder kleine Fortschritt muss erkämpft werden. Währenddessen gehen die Kämpfe im Osten zwischen der Ukraine und den von Russland unterstützten Kräften in Donetsk und Lugansk weiter. Der Waffenstillstand wird, wie die Monitoren der SMM, Special Monitoring Mission feststellen, jeden Tag hundertfach verletzt. Einmal mehr sind die Verletzlichsten am stärksten betroffen, Alte, Kranke, Kinder, alleinerziehende Frauen und solche, die im Konfliktgebiet leben. Die internationalen Hilfsorganisationen, die UNO, das Rote Kreuz versuchen die Not einigermassen zu lindern. Hochfliegende Träume, wie die Annäherung der Ukraine an die EU oder gar an die NATO wurden durchkreuzt, denn diese Idee gefällt nicht allen. Der Wind in den Verhandlungen ist in den letzten Monaten rauer und man ist fordernder geworden, der Verhandlungsspielraum wird zusehends kleiner. Wie lange soll das noch andauern? Schaffen wir es, dass sich die Parteien zumindest auf einen Waffenstillstand einigen, der dann auch eingehalten wird? Dass nicht weiter Zivilisten getötet und Kinder durch Minen oder Blindgänger verletzt werden.....

 

Dienstag, 31. Oktober 2017, 16.15 h, ExWi

Gedankenlesen über die Lebensspanne –
über Entstehung und Verfall einer sozialkognitiven
Fähigkeit im hohen Alter

PD Dr. David Buttelmann, Institut für Psychologie,
Universität Bern

Menschen handeln nicht aufgrund der Realität, sondern aufgrund dessen, wie sie die Realität wahrnehmen, also deren wahren oder falschen Überzeugungen. Somit kommt dem Verständnis der Überzeugungen anderer eine sehr bedeutende Rolle bei der erfolgreichen Kommunikation und Kooperation zu. Obwohl es eine grosse Menge Forschung zu diesem Thema gibt, ist die Debatte über die Natur des menschlichen Mechanismus, der die Überzeugungen anderer verfolgt, noch weitesgehend ungeklärt.

In meinem Vortrag schlage ich vor, dass Menschen schon früh in ihrer Entwicklung die Überzeugungen anderer nachverfolgen, und dass dieses Nachverfolgen ein automatischer Prozess ist. Ich werde zeigen, dass bereits Säuglinge die Überzeugungen anderer verfolgen und dieses Wissen in interaktiven Studien einsetzen. Ich werde weiter aufzeigen, dass der Mensch diese frühe Fähigkeit sogar mit seinen nächsten Verwandten, den Menschenaffen, zu teilen scheint. Ebenso werde ich erstmals Belege für das automatische Nachverfolgen von Überzeugungen bei Kindern mit Autismusspektrumstörung präsentieren. Der Hauptfokus meines Vortrages liegt jedoch auf erwachsenen Personen im höheren Alter. Diesen wurde bisher eine Verschlechterung dieser wichtigen sozial-kognitiven Fähigkeit bescheinigt. Ich werde zeigen, dass diese Befunde aufgabenbedingt sind, und ein Defizit im Verfolgen der Überzeugungen anderer im hohen Erwachsenenalter nicht vorliegt.

 

Freitag, 27. Oktober 2017, 14.15 h, HG Aula

Niereninsuffizienz – und jetzt?

Prof. Dr. Bruno Vogt, Universitätsklinik Nephrologie und
Hypertonie, Inselspital Bern

Eine Niereninsuffizienz liegt vor, wenn die Funktion der Nieren abgenommen hat. Die Nierenfunktion zu messen ist schwierig. Wir beschränken uns heute auf das Berechnen oder Messen  der sogenannten glomerulären Filtrationsrate der Nieren, oder GFR genannt. Dies gibt uns einen guten Hinweis wie die Funktion der Nieren ist. Wenn die Nierenfunktion vermindert ist, chronisch oder akut, sind weitere Abklärungen zur Suche der Ursache und zum Beginnen einer Therapie notwendig. Kann die Niereninsuffizienz nicht behandelt oder wenigstens stabilisiert werden, wird sie vorschreiten und es kann zum Versagend er Nierenfunktion führen.  Häufige Ursachen sind Infektionen und Entzündungen, auch Medikamentennebenwirkungen können die Nieren schädigen. Wenn bis zum endgültigen Nierenversagen kommt, kann die Nierenfunktion durch Dialysebehandlungen, oder wenn es die Möglichkeit gibt durch eine Nierentransplantation behandelt werden.

 

Dienstag, 24. Oktober 2017, 16.15 h, ExWi

Zivilreligion von Lincoln bis Trump. US-amerikanische
Präsidenten und ihre Rede von Gott

Prof. Dr. Angela Berlis, Professur für Geschichte des Altkatholizismus und Allgemeine Kirchengeschichte,
Institut für Christkatholische Theologie, Universität Bern

Dass amerikanische Präsidenten insbesondere seit Jimmy Carter sich öffentlich als gläubige Christen bezeichnen, wird in Europa oft eher mit einer gewissen Verwunderung wahrgenommen. Wie verhält sich ein solches individuelles Bekenntnis zur politischen Kultur einer Nation, die sich die Trennung von Kirche und Staat von Anbeginn auf die Fahnen geschrieben hat?
1967 beobachtete der amerikanische Soziologe Robert N. Bellah, dass Amerika sich mit Hilfe heiliger und säkularer Mythen legitimiere. Bellah untersuchte diese «Zivilreligion», durch die moderne Gesellschaften auf gemeinsame Überzeugungen, Symbole und Rituale zurückgreifen, ohne sich dabei auf eine einzige bestimmte Religion oder ein bestimmtes Gottesbild zu beziehen. Zivilreligion wird im öffentlichen, repräsentativen Raum sichtbar und hat die Funktion, die Nation zu einen. Der Vortrag untersucht die Antrittsreden amerikanischer Präsidenten bis in die jüngste Zeit auf ihren zivilreligiösen Aussagegehalt.

 

Freitag, 20. Oktober 2017, 14.15 h, HG Aula

Die wundersame Welt des Karsts

Dr. Urs Eichenberger, Schweizerisches Institut für
Speläologie und Karstforschung, La Chaux-de-Fonds

Der Begriff Karst ist nicht ein alltäglicher. Dahinter verbirgt sich eine Welt, die uns im Referat mit Beispielen aus der Natur, der Forschung  und der Praxis auf anschaulich Art näher gebracht wird. Zuerst wird auf die Rolle der Gesteinsarten und des Wassers eingegangen um danach die mannigfachen Formen der Landschaft und der faszinierenden Höhlenwelt  besser zu verstehen. Anhand von wenigen Beispielen wird der Nutzen der Karstforschung illustriert und gleichzeitig ein Licht auf die Bedürfnisse der modernen Gesellschaft geworfen, welche ohne eine gewisse Vorsicht nicht langfristig garantiert werden können. Die Ausführungen werden reich bebildert und die Ästhetik der Höhlenwelt  kommt nicht zu kurz. Kein Wunder dass zum Schutz der Karstphänomene im Moment auch in der UNESCO die Definition der Weltnaturwunder und –erbe im Karst neu überarbeitet wird.

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Dienstag, 17. Oktober 2017, 16.15 h, ExWi

Wurzelkaries – ein Problem ab 50?
Was kann man dagegen tun?

Prof. Dr. Adrian Lussi, Klinik für Zahnerhaltung, Universität Bern

Wurzelkaries kann bereits bei jungen Patienten auftreten, mit zunehmendem Alter ist sie bedeutend häufiger. Schrumpfungen des Zahnfleisches, die mit zunehmendem Alter mehr auftreten, verursachen eine Zunahme von freiliegenden Wurzeloberflächen und dementsprechend das Risiko zur Entstehung der Wurzelkaries. Eine weitere Schlüsselkomponente ist die Anlagerung der bakteriellen Plaque an den freiliegenden Zahnoberflächen. Karies an den Wurzeloberflächen stellt gegenwärtig ein verbreitetes Problem mit Auswirkungen auf die gesamte Gesundheit dar. Während Kronenkaries bei in den vergangenen 2 - 3 Jahrzehnten kontinuierlich gesunken ist, kann man eine deutliche Zunahme der Wurzelkaries erkennen. Aufgrund der charakteristischen Strukturen und der chemischen Zusammensetzung sind die freiliegenden Wurzeloberflächen gegenüber Säureangriffen anfälliger als die Schmelzoberflächen. Füllungen sind oft sehr schwierig zu legen. Demzufolge ist die Prophylaxe der Wurzelkaries besonders wichtig. Die Vorbeugung der Wurzelkaries hängt primär von einer guten Mundhygiene ab. - Diese und weitere Aspekte werden in diesem Vortrag beleuchtet.

 

 

Donnerstag, 12. Oktober 2017, 14.15–16.00 h, Universität, HG, Raum 115

Verhaltensprobleme beim Tier – es ist nicht nur
Erziehungssache (Seminar, Raum 115)

Frau Dr. Maya Braem Dubé, Vetsuisse, Universität Bern

Haustiere mit auffälligem Verhalten begegnet man im Alltag immer wieder - und nur allzu schnell wird dieses Verhalten einer ungenügenden Erziehung zugeschoben. In manchen Fällen ist dies tatsächlich der Fall und dementsprechend “einfach” anzugehen. Aber, wie bei Menschen, ist auch bei Tieren die Situation häufig etwas komplexer. Denn auch Tiere können an psychischen Erkrankungen leiden: Angststörungen, Impulsivitätsprobleme, Stereotypien, Zwangsverhalten, etc. Probleme, die sich nicht so einfach und nicht nur durch Erziehung lösen lassen, und teilweise auch eine psychopharmakologische Unterstützung benötigen.
Dieses Seminar gibt einen kurzen Einblick in die möglichen Hintergründe, weshalb Haustiere Verhaltensprobleme zeigen und eine Übersicht über mögliche Ansatzpunkte, um Tier und Mensch in solchen Situationen zu unterstützen.
 

 

Dienstag, 10. Oktober 2017, 16.15 h, ExWi

Förderung älterer Arbeitnehmer in Betrieben.
Integration statt Diskriminierung

Prof. em. Dr. Norbert Thom, Institut für Organisation und
Personal, Universität Bern

Ältere Arbeitnehmende werden innerhalb der Schweizer Erwerbsbevölkerung Anteile gewinnen. Gleichwohl erfahren sie in der Arbeitswelt nicht die ihr gebührende Wertschätzung. In den Betrieben werden ihnen oft keine weiteren Karriereperspektiven oder neuen Weiterbildungsmöglichkeiten angeboten. Der Verfasser fordert eine Abkehr vom «Defizitmodell des Alterns» und nennt konkrete Konzepte zur Verbesserung der Lage. Gute Chancen sieht er in neuen Arbeitszeit- und Karrieremodellen sowie in der altersgerechten Weiterbildung. Hochschulen sollen das entsprechende Weiterbildungsangebot ausbauen und dabei ihre Forschungskompetenz optimal nutzen.

 

Freitag, 6. Oktober 2017, 14.15 h, HG Aula

Wie und warum Zellen altern? Neue Einsichten
zu Alzheimer’s Disease

Prof. em. Dr. Robert Friis, Institut für Pharmakologie,
Universität Bern

Wir merken, dass die Mehrheit der Menschen in Europa länger lebt als früher und viele auch länger bei guter Gesundheit bleiben. Es sind nicht nur seltene Einzelfälle, die über 100 Jahre alt werden. Die wirkliche Lebenserwartung des Menschen kommt nun zum Vorschein, nachdem wir nach und nach natürliche Gefahren (wilde Tiere, Nahrungsmittel-Engpässe, Viren und Bakterien) unter Kontrolle bringen. Alterung für sich wird langsam zu einem respektablen Thema in der Biologie.

Wie und warum altern Zellen? Dafür gibt es viele Antworten. Ein Physiker wird von Entropie sprechen; es gibt kein perpetuum mobile. Als Biologe muss ich bescheiden auftreten und kann nur von biochemischen Interaktionen sprechen, die bisher nur eine Teilgeschichte erzählen. In den letzten Jahren hat man viel mehr über Zellregulierung gelernt. Einige der neuesten Erkenntnisse handeln von Zellabbau-Prozessen, d.h. wie Zellbestandteile abgebaut werden, so dass neue Teile gebaut werden können. Es ist offensichtlich, dass Abbau-Prozesse der strengsten Regulierung unterliegen müssen. Wenn sie ungenügend sind, füllt sich die Zelle mit Unrat; wenn sie überaktiv sind, wird die Zelle von innen ausgehöhlt.

Unser Wissen über Abbau-Prozesse hat auch ein besseres Licht auf einige schwer zu ertragende menschliche Krankheiten geworfen – unter ihnen  Alzheimer Demenz. Hier werden wir Alzheimer als Beispiel nehmen, um zu zeigen wie die extrem spezialisierten Nervenzellen über Jahrzehnte eines menschlichen Daseins immer auf Messerschneide leben.

 

Dienstag, 3. Oktober 2017, 16.15 h, ExWi

Was is(s)t der Mensch?
Einblicke in Tier-Mensch-Beziehungen

Prof. Dr. Ulf Liebe, Institut für Soziologie, Universität Bern

Die stetig zunehmende Auseinandersetzung mit dem Verhältnis zwischen Tier und Mensch findet, nicht nur, aber ganz überwiegend in den akademischen Studierstuben statt. Obwohl für philosophische, ethische bzw. normative Argumente zu diesem Thema die Meinung der Bevölkerung nicht zwingend relevant ist, scheint es jedoch naheliegend und wünschenswert zu erfahren, was die Bevölkerung über Tier-Mensch-Beziehungen denkt und inwieweit sich soziale Gruppen in ihren Einstellungen zu Tier-Mensch-Beziehungen unterscheiden. Hier setzt der Vortrag an und berichtet einige Ergebnisse einer allgemeinen Bevölkerungsbefragung zum Thema Tier-Mensch-Beziehungen, die 2015 in Deutschland durchgeführt wurde. Diese umfangreiche Befragung enthielt zahlreiche Unterthemen, von denen in diesem Vortrag einige vertieft werden, um sich einem Gesamtbild der Bevölkerungsmeinung zu Tier-Mensch-Beziehungen anzunähern.

 

Freitag, 29. September 2017, 14.15 h, HG Aula

Wetterrekonstruktion: von Lawinen und Vulkanen

Prof. Dr. Stefan Brönnimann, Geografisches Institut,
Universität Bern

Mit Baumringen, Sedimenten und Eisbohrkernen kann das Klima der Vergangenheit rekonstruiert werden. Aber oft ist es nicht das Klima, sondern das Wetter, das Auswirkungen auf unsere Gesellschaft hat. Extremereignisse haben besonders starke Auswirkungen, aber weil sie eben selten sind, brauchen wir zum besseren Studium dieser Ereiginsse lange Zeitreihen - wie bei der Klimarekonstruktion. Können wir also auch das Wetter rekonstruieren? Der Vortrag zeigt, wie durch die Kombination von historischen Messungen und Wettervorhersagemodelle das Wetter der Vergangenheit rekonstruiert werden kann. Der Vortrag beleuchtet die Vorgehensweise und zeigt dazu einige Beispiele, die uns von einem Vulkanausbruch 1815 bis zum Lawinenwinter 1816 führen. Wetterrekonstruktionen tragen damit zu einem besseren Verständnis von Extremereignissen im gegenwärtigen wie im zukünftigen Klima bei.  

 

 

 

Dienstag, 26. September 2017, 16.15 h, ExWi

Bienen und Blumen: Ist alles noch in Ordnung?

Prof. Dr. Peter Neumann, Institut für Bienengesundheit,
Universität Bern

Bienen spielen als Bestäuber eine entscheidende Rolle für die menschliche Ernährung und den Erhalt der natürlichen Artenvielfalt. Von daher sind die hohen Verluste an den von Imkern gehaltenen Honigbienenvölkern sowie der Rückgang vieler wilder Bienen besorgniserregend.

Dieses «Bienensterben» wird sehr kontrovers diskutiert. Verschiedene Ursachen kommen in Frage. Neben Krankheiten, wie zum Beispiel die Milbe Varroa destructor, können Ernährung und Pestizide eine Rolle spielen. Es erscheint deshalb notwendig, die zugrundeliegenden Faktoren zu verstehen, um geeignete Massnahmen für den Schutz der Bienen und anderer Insekten möglichst zeitnah ergreifen zu können.

In meinem Vortrag werde ich einen Überblick geben und konkrete Massnahmen vorschlagen.

 

 

Freitag, 22. September 2017, 14.15 h, HG Aula

Gebiert der Schlaf des demokratischen Souveräns
Ungeheuer? Über Demokratie und Populismus

Prof. Dr. Markus Stepanians, Institut für Philosophie,
Universität Bern

Der ‘schlafende’ Souverän im Titel meines Vortrags symbolisiert die (passive) Rolle des Souveräns in modernen Demokratien, und die ‚Ungeheuer’ sind eine Anspielung auf populistische Politiker wie Trump, Le Pen oder Erdogan. Weniger bildhaft formuliert lautet meine Hauptfrage: ’Stellt der Populismus eine ernstzunehmende Gefahr für moderne Demokratien dar?’ Um sie zu beantworten müssen wir uns zunächst über das Wesen moderner Demokratien als auch des zeitgenössischen Populismus verständigen. Dann werde ich die These zu begründen versuchen, dass der Populismus eine Pervertierung und Karikierung demokratischer Ideale darstellt, die in der Tat demokratiegefährdend ist.

 

 

Dienstag, 19. September 2017, 16.15 h, ExWi

Reform Altersvorsorge 2020 – Herausforderungen,
Massnahmen, Auswirkungen

Ludwig Gärtner, stellvertretender Direktor Bundesamt für
Sozialversicherungen, Bern

Der Abstimmungskampf zur Altersreform 2020, über die wir am 24. September 2017 abstimmen, ist im vollen Gang. Die Veränderungen im Bevölkerungsaufbau und bei der Lebenserwartung, der gesellschaftliche Wandel und die wirtschaftliche Entwicklung verlangen nach Anpassungen in der Altersvorsorge. Die vom Parlament verabschiedete Reform stellt ein Gesamtpaket dar, welches verschiedene, aufeinander abgestimmte Massnahmen umfasst. Sie sind in der öffentlichen Debatte teilweise stark umstritten. Im Referat werden die Herausforderungen für die Altersvorsorge, die Massnahmen der Reform in ihrem Zusammenspiel und die Auswirkungen aufgezeigt.

>> Vortragstext (PDF, 4.4 MB)

 

Nacht der Forschung 2017

Hier finden Sie den Vortrag (PDF, 81KB), den Frau Prof. Ruth Meyer Schweizer anlässlich der Nacht der Forschung  der Universität Bern gehalten hat.

 

Zu seinem Vortrag "Mit Botox gegen Depressionen?" an der Nacht der Forschung macht Prof. Dr. G. Hasler auf die folgenden Videos aufmerksam:

Mit Botox gegen Depressionen

Resilienz  -  der Wir-Faktor

 

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