Seniorenuniversität (D)

2016/17

 

Freitag, 2. Juni 2017, 14.15, HG Aula       

Zur Prophylaxe von Tod, Schlaganfall und Blutungen
bei Patienten mit Vorhofflimmern

Steffen Gloekler, PD Dr. med.,
Schwarzwald-Baar Klinikum, Villingen-Schwenningen
und Universität Bern

Beim mit zunehmendem Alter sehr häufig vorkommenden Vorhofflimmern flimmert der Vorhof, d.h. eine reguläre Kontraktion mit Pumpfunktion dieser Vorkammer findet nicht mehr statt. Hierdurch staut sich das Blut und in den Lungenvenen staut sich das mit Sauerstoff angereichert Blut und die Hauptkammern werden durch die fehlende Vorhofaktivität nicht mehr optimal mit Blut gefüllt.

Dies führt nun einerseits zu Symptomen wie Atemlosigkeit, Müdigkeit und LeistungsIntoleranz und andererseits durch den Stau von Blut in einem Blindsack-artigen Fortsatz des Vorhofs, dem so genannten Vorhofohr, zu Blutgerinnseln. Wenn diese Blutgerinnsel embolisieren, d.h. aus dem Herzen gelöst werden, kann es durch die Verlegung einer Schlagader im Gehirn zu einem Schlaganfall kommen.
Zur Verhinderung dessen wird bei Vorhofflimmern das Blut deshalb mit so genannten Blutgerinnungshemmern "verdünnt“.
Die Blutgerinnungshemmung ermöglicht im besten Fall kein Entstehen von Blutgerinnseln und schützt somit wirkungsvoll vor Schlaganfällen. Die Kehrseite jedoch ist, dass sie lebenslang eingenommen werden muss und auch immer ein gewisses Risiko für schwere und lebensbedrohliche Blutungen beinhaltet.
Aus diesen Gründen wurde die Methode des Verschlusses des linken Vorhofohres entwickelt, Wodurch die Haupt-Quelle der Entstehung von Blutgerinnseln ausgeschaltet wird. Diese bietet gemäß der medizinischen Forschung der letzten fünf Jahre einen ebenbürtigen Schutz vor Schlaganfällen ohne jedoch lebenslang Blutgerinnung einnehmen und somit ein Blutungsrisiko in Kauf nehmen zu müssen. 
In der Vorlesung vom 2. Juni geht es im Wesentlichen um die wissenschaftliche Beleuchtung der drei Hauptprobleme von Patienten mit Vorhofflimmern und deren bestmoegliche Prophylaxe im individuellen Fall, nämlich dem Tod, dem Schlaganfall und Blutungen.
 

 

Freitag, 26. Mai 2017, 14.15, HG Aula       

Sehen und Gehirn. Erkrankungen des zentralen
Nervensystems, welche das Sehen beeinflussen

Mathias Abegg, PD Dr. med. et Dr. sc. nat.,
Klinik für Augenheilkunde, Inselspital, Bern

Eine Vielzahl anatomischer Strukturen ist am Sehvorgang beteiligt. Im „afferenten“ Teil geht die Sehinformation vom Auge zu der Sehrinde des Gehirns und wird von dort an die übergeordneten Sehareale weiterverteilt. Im „efferenten System“ geht der Signalweg in die umgekehrte Richtung, das heisst vom Gehirn zum Auge: Augenbewegungen sorgen dafür, dass die Sehachsen beider Augen jeweils auf das Objekt von Interesse zu liegen kommen. Die Verarbeitung von visueller Information und die Steuerung von Augenbewegungen geschieht in einem kontinuierlichen Prozess bei dem jeweils gleichzeitig viele Areale mit jeweils unterschiedlichen Funktionen beteiligt sind.

In dieser Vorlesung werde ich Ihnen einen groben Überblick über die Prinzipien der visuellen Verarbeitung und über die Steuerung von Augenbewegungen geben. Zudem zeige ich Ihnen einige exemplarische Erkrankungen im visuellen System, welche die faszinierende Funktionsweise des menschlichen Sehens unangenehm illustrieren.

 

 

Freitag, 19. Mai 2017, 14.15, HG Aula

Einkommens- und Vermögensungleichheit in der Schweiz   

Ben Jann, Dr. rer.soc., Prof. für Soziologie,
WiSo Fakul-tät, Universität Bern

Obwohl die Schweiz ohne Zweifel eines der reichsten Länder der Welt ist, sind soziale Ungleichheiten auch hierzulande von zentraler Bedeutung. Zumindest in kapitalistischen Gesellschaften ist dabei Geld – in Form von Einkommen und Vermögen – eine der wichtigsten Ungleichheitsdimensionen. Zwar mag Geld allein nicht glücklich machen, trotzdem hängt der individuell realisierbare Lebensstandard entscheidend vom Saldo auf dem Bankkonto ab. Dies gilt nicht nur für die Versorgung mit materiellen Gütern, sondern auch für viele weitere Aspekte der Lebenslage wie die Qualität der Wohnsituation, die Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben, die Gestaltung von Ferien und Freizeit sowie die physische und psychische Gesundheit.

Viele westliche Länder haben in den letzten Jahrzehnten – nach einer Phase der wirtschaftlichen Expansion und Demokratisierung des Wohlstands in der Nachkriegszeit – eine Wende zu zunehmender Einkommens- und Vermögensungleichheit durchgemacht. Ob dies auch für die Schweiz zutrifft, lässt sich aufgrund der im internationalen Vergleich überraschend dürftigen Datenlage gar nicht so einfach beantworten. Aus diesem Grund wurde an der Universität Bern und der Berner Fachhochschule vor einigen Jahren eine Forschungsinitiative zur Erschliessung neuer Datenquellen für die Untersuchung von Einkommens- und Vermögensungleichheit lanciert. In meinem Vortrag werde ich Ergebnisse aus diesem Forschungsprojekt präsentieren und auf verschiedene Aspekte wie die Entwicklung von Einkommens- und Vermögensungleichheit über die Zeit, die Veränderung regionaler Disparitäten im Zuge des Steuerwettbewerbs, oder die Verteilung von Erbschaften eingehen.

 

Freitag, 12. Mai 2017, 14.15, HG Aula

Internetbasierte Interventionen bei psychischen Problemen

Thomas Berger, Dr. phil. hist.,
Prof. für Psychologie,
phil. hum. Fakultät, Universität Bern

Die Entwicklung des Internets und dessen Präsenz in der heutigen Gesellschaft eröffnet auch der psychosozialen Versorgung neue Möglichkeiten. Einfacher als je zuvor können Menschen Gesundheitsinformationen finden und sich mit anderen Betroffenen austauschen. Gesundheitsfachleute wiederum können ihre Hilfe auf Distanz mit zeitlicher Flexibilität anbieten und damit Betroffene erreichen, die aufgrund geografischer Gegebenheiten, beschränkter Mobilität oder zeitlicher Einschränkung keine Unterstützung finden. Es gab und gibt zwar auch Skepsis und Bedenken; trotzdem hat der Einsatz internetbasierter Interventionen bei psychischen Problemen und Störungen in den letzten Jahren rapide zugenommen. Dieser Vortrag vermittelt zunächst einen Überblick über die verschiedenen Angebote und den momentanen Forschungstand. Dargestellt werden Besonderheiten dieses Beratungs- und Therapieformats, Vor- und Nachteile, sowie die Rolle der therapeutischen Beziehung. Zum Schluss wird auf Forschung zu Angeboten für ältere Menschen und aktuelle Trends eingegangen.

 

Freitag, 5. Mai 2017, 14.15, HG Aula

Herzerkrankungen bei Hund und Katze:
wie wird dies festgestellt?

Alan Kovacevic, Dr. med. vet. DECVIM-CA,
Kleintierklinik, Vetsuisse Fakultät, Universität Bern

Bedeutung des Herz-/Kreislaufsystems. Das Herz und das Kreislaufsystem dienen dem Transport des Blutes in die verschiedenen Körperteile und Organe. Im weitesten Sinn kann das Herzkreislaufsystem mit einer Bewässerungsanlage, bestehend aus einer elektromechanischen Pumpe und einem verzweigten, ausgeklügelten Röhrensystem (arterielles Netzwerk) verglichen werden, das Wasser und Nährstoffe zu den Pflanzen (Organen mit Kapillaren) pumpt/bringt und via ein Drainage-System (venöses Netzwerk) verbrauchtes Wasser sammelt und ins (geschlossene) System zurückbringt. Da die Organe kontinuierlich versorgt und entsorgt werden müssen (keine Speicher für die Blutgase vorhanden), muss die Zirkulation kontinuierlich eine Perfusion der Organe aufrechterhalten. Die Anpassungen der Zirkulation für regionale Verbrauchssteigerungen (körperliche Anstrengung) oder erhöhtem Abtransport bei erhöhtem Anfall von Abbauprodukten erfolgen durch regionale Anpassungen (Vasokonstriktion, Vasodilatation) des Strombettes und damit des regionalen Flusses oder Strömungsvolumens, sowie durch Erhöhung der Pumpleistung des Herzens. Bei Veränderungen und Erkrankung des Kreislaufsystems kann es dazu kommen, dass das Kreislaufsystem nicht in der Lage ist unter normalen Bedingungen den Bluttransport zu gewährleisten und es kann zu Kreislaufversagen kommen. Dieses festzustellen und entgegenzusteuern ist die Aufgabe des Kardiologen welcher dazu einige Mittel nutzen kann.

Anamnese. Eine Befragung zur Anamnese ermöglicht oft eine Feststellung ob es sich um Erkrankungen handelt welche der Herz-Kreislaufsystem oder den Respirationstrakt zu zuordnen sind. Es soll auch festgestellt werden welches Ausmass die Erkrankung hat, ob und welche Therapie schon eingeleitet wurde, wie die Reaktion auf diese Therapie war und ob- insbesondere bei Katzen wichtig- eine Therapie auch durchführbar ist. Abweichungen von der Norm können gezielt abgefragt werden um Details zu erkennen. Hier einige Vorschläge zur Gestaltung des Fragebogens.

Klinische Untersuchung. Die klinische Untersuchung soll systematisch durchgeführt werden. Das Ziel der klinischen Untersuchung ist, Abweichungen von der Norm festzustellen und diese korrekt zu deuten sowie Zusammenhänge und Relevanz dieser festzulegen. Es ist fair zu sagen, dass Qualität, Quantität und Nutzen der erhobenen Befunde mit der Erfahrung des Untersuchenden zunimmt. Oft können Befund der klinischen Untersuchung, nachträglich zu den Befunden von bildgebenden Untersuchungen oder Laborbefunden, bestätigt und richtig gedeutet werden. Die klinische Untersuchung soll als Baustein in der Diagnostik gesehen werden. Diskrepanzen und Abweichungen in den Befunden sollte man nachgehen und aufarbeiten.

Man darf feststellen, dass die Arbeit des Kleintierkardiologen im wesentliche der des Humankardiologen sehr ähnlich ist. Wir werden aber auch gelegentlich von unseren Patienten gebissen.

 

Freitag, 28. April 2017, 14.15, HG Aula

Dante in der Musik des 19. Jahrhunderts

Anselm Gerhard, Dr. phil. hist.,
Prof. für Musikwissenschaft,
phil. hist. Fakultät, Universität Bern

Für die meisten im 19. Jahrhundert war Dante zuallererst der Dichter des «Inferno» – so auch für Victor Hugo, durch den Franz Liszt auf den «Gründervater» der italienischen Literatur aufmerksam wurde. Auch in Italien orientieren sich die wenigen von Dantes Werk inspirierten Vertonungen zunächst fast ausschließlich an den bekanntesten Episoden aus dem ersten Teil der «Comedia divina». Nach 1850 ändern sich jedoch die Dinge: In Weimar versucht Liszt in seiner «Dante-Symphonie», auch das «Paradies» musikalisch abzubilden. In Florenz wird 1865 anlässlich der 500-Jahr-Feiern das Bild eines Propheten der italienischen Einheit zelebriert. Im Fokus bleibt jedoch auch in den Opern des «fin-de-siècle» die Vergegenwärtigung der Höllenqualen, ohne dass irgendeiner Dante-Komposition ein nachhaltiger Erfolg beschieden wäre.

 

Freitag, 7. April 2017, 14.15, HG Aula

Anstelle des vorgesehenen Vortrages von Prof. Ulrich Orth
Entwicklung des Selbstwertgefühls über die Lebensspanne
spricht

Frau Prof. em. Dr. phil. hist. Pasqualina Perrig-Chiello,
Institut für Psychologie, phil. hum. Fakultät,

Das Alter - (k)ein einsames Schicksal?

Soziale Beziehungen und enge Bindungen sind existentiell für Gesundheit und Wohlbefinden – ein Leben lang. Menschen in Partnerschaften sind körperlich und psychisch gesünder als Alleinstehende. Mit zunehmendem Alter häufen sich jedoch die Verluste geliebter Menschen. Aber auch chronisches Eingebundensein wie etwa Pflege des Partners sowie gesundheitliche Einschränkungen stellen Risikofaktoren für Vereinsamung dar. Allerdings gibt es grosse individuelle Unterschiede im Umgang mit Verlusten und hinsichtlich der Gestaltung sozialer Beziehungen im Alter. Was machen die einen besser als die anderen?

 

Freitag, 31. März 2017, 14.15 HG Aula

Fitness im Alter

Kurt Egger, Dr. phil. hist.,
Prof. em. für Sportwissenschaft,
phil. hum. Fakultät, Universität Bern

Der Begriff Fitness bezieht sich auf das körperliche und geistige Wohlbefinden. Entsprechend der hohen Bedeutung der Leistungs- und Belastungsfähigkeit im Alltag boomt die „Fitnesswelle“ bei der jüngeren und besonders auch bei der älteren Bevölkerung. Beim unüberblickbaren Angebot an Fitness-, Wellness-, Wellbeing- oder Anti-Aging Rezepten wird oft übersehen, dass Fitness nicht konsumiert werden kann, sondern aktiv erworben und im Lebensstil integriert werden muss.

Im Vortrag wird die Bedeutung von regelmässiger Bewegung für das Wohlbefinden im Erwachsenenalter thematisiert und mit praktischen Beispielen aufgezeigt, wie die verschiedenen Komponenten der körperlichen Leistungsfähigkeit in den Lebensalltag integriert werden können. Damit wird nicht nur der natürliche altersbedingte Rückgang der motorischen Fähigkeiten verlangsamt, sondern das physische und psychische Wohlbefinden gestärkt. Die Forschung  zeigt, dass die Depotwirkung von früheren Bewegungs- und Sportaktivitäten gering ist. Um fit zu bleiben, muss man sich – ganz besonders im fortgeschrittenen Alter - gesundheitswirksam bewegen. Dies bereichert den Alltag, hemmt altersbedingte Abbauprozesse und fördert das Wohlbefinden.

 

Freitag, 24. März 2017, 14.15, HG Aula

Die Bedeutung Berns für die Reformation (16. Jh.)

Martin Sallmann, Dr. theol.,
Prof. für historische Theologie,
theol. Fakultät, Universität Bern

Wer nach den bekannten Persönlichkeiten, Städten oder auch Schriften der Reformation fragt, dem werden Namen wie Martin Luther, Huldrych Zwingli oder Johannes Calvin, Städte wie Wittenberg, Zürich oder Genf sowie Schriften wie Luthers Katechismen, die Zürcher Bibelübersetzung oder Calvins Institutio genannt. Die Berner Reformation, ein Berner Reformator oder eine bekannte Berner Schrift werden kaum erwähnt. Trotzdem ist Bern nicht nur für die Schweizer Reformation, sondern weit darüber hinaus von tragender Bedeutung. Die Vorlesung versucht die eigene Signatur der Berner Reformation und damit deren prägende Rolle in Wort und Bild aufzuzeigen.

 

 

Prof. R. Langer spricht anstelle des verhinderten Prof. A. Lugli:

Freitag, 17. März 2017, 14.15, HG Aula

Autopsie im 21. Jahrhundert

Prof. Dr. Rupert Langer, Leitender Arzt, Institut für Pathologie, Universität Bern

In den letzten Jahrzehnten konnte ein dramatischer Rückgang der Rate von klinischen Autopsien beobachtet werden. Die Ursachen hierfür sind mannigfaltig, und reichen von gesellschaftlichen, politischen, ökonomischen Umständen auch an der bislang weitgehend fehlenden Weiterentwicklung dieser Disziplin innerhalb des Faches der Pathologie.

In der Vorlesung wird zunächst kurzer Überblick über die Geschichte der Autopsie, den Wert der Autopsie bzw. der postmortalen Diagnostik, auch anhand von illustrativen Fallbeispielen gegeben. Im Mittelpunkt steht allerdings die Vorstellung von Ansätzen, die im Institut für Pathologie der Universität Bern im letzten Jahr implementiert wurden, um auch dieses diagnostische Feld der Pathologie zeitgemäss in 21. Jahrhundert zu verankern, so dass durch eine erhoffte wiedergewonnene Akzeptanz der Auftrag der modernen Medizin an die Pathologie im Hinblick auf Qualitätssicherung und Ausbildung gewährleistet werden kann.

 

 

Freitag, 10. März 2017, 14.15, HG Aula 

Chronische entzündliche Darmerkrankungen

Pascal Juillerat, PD Dr. med.
Leitender Arzt Gastroenterologie
Klinik für viszerale Chirurgie und Medizin
Bauchzentrum, Inselspital, Bern

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind die  häufigsten chronisch entzündlichen Darmerkrankungen.Die Prävalenz in der Schweiz liegt bei ca. 1/500 Einwohner [1], d.h. zwischen 12'000 und 15‘000 Menschen sind von diesen Erkrankungen betroffen. Die Diagnose wird v.a. zwischen dem 15. und 34. Lebensjahr gestellt und somit beginnt für die meisten Patienten die Erkrankung während der Schulzeit oder der Berufsausbildung und besteht dann während ihres gesamten Lebens.

Deshalb sind auch die Aspekte der Betreuung dieser Patienten eine spezielle und spannende multidisziplinäre Herausforderung (Hausarzt, Gastroenterologe, Chirurgen, Psychiater, Ernährungsberatung, usw.).

Das Ziel der Therapie dieser chronisch entzündlichen Darmerkrankungen besteht in der Verringerung der Entzündungsaktivität und klinischen Symptomatik sowie in der möglichst langfristigen Verbesserung der Lebensqualität der Patienten sowie darin, einen Verlust der Darmfunktion zu verhindern.

[1] Juillerat P, Pittet V, Bulliard JL, Guessous I, Antonino A, Mottet C, Felley C, Vader JP, Michetti P. Prevalence of Inflammatory Bowel Disease in the Canton of Vaud (Switzerland): A population-based cohort study, Journal of Crohn's and Colitis 2008; 2 (2):131–141.

 

Freitag, 3. März 2017, 14.15, HG Aula

Energiestrategie 2050 - ein Faktencheck

Michel Piot, Dr. phil. nat., Swisselectric, Bern

Im Mai 2011 hat der Bundesrat als Reaktion auf die Katastrophe von Fukushima die Energiestrategie 2050 lanciert, die einen Ausstieg aus der Kernenergie und einen substanziellen Rückgang des Energieverbrauchs zum Ziel hatte. Nach einer Aufspaltung der Vorlage in zwei Etappen, wurde über fünf Jahre später am 30. September 2016 das Erste Massnahmenpaket als erste Etappe durch das Parlament verabschiedet. Am 31. Januar 2017 hat die Energiekommission des Nationalrates (UREK-N) mit 24 zu 0 beschlossen, nicht auf das als zweite Etappe angekündigte Klima- und Energielenkungssystem einzutreten. Was also bleibt von der Energiestrategie 2050 übrig und was vermag das Erste Massnahmenpaket bezüglich einer ausreichenden, breit gefächerten, sicheren, wirtschaftlichen und umweltverträglichen Energieversorgung, so wie sie die Bundesverfassung fordert, zu leisten? Nebst der Beantwortung dieser Fragen wird gezeigt, dass sich in den vergangenen sechs Jahren die Rahmenbedingungen für die Schweizer Stromproduzenten massiv verschlechtert haben und deshalb unsere saubere und vergleichsweise kostengünstige Wasserkraft, die fast sechzig Prozent zu unserer Stromproduktion beiträgt, gefährdet ist. Die Schweiz tut gut daran, sich für den Erhalt der Wasserkraft einzusetzen, damit ihre Stromversorgung nicht in zunehmendem Ausmasse von Importen abhängig wird.

 

Sonderveranstaltung, nur für Angemeldete

Mittwoch, 1. März. 2017, 14-15 - ca.16 Uhr, HG Universität Zimmer 105
Das Zett Haus in Zürich und die Ausstellung XX. Century German Art in London 1938
Andreas A. Meier, lic. phil. hist., Kunsthistoriker Bern
(s. auch Vorlesung am 20. Dezember, 2016)
Maximal 40 Personen

Beim Wort ‚Asylunterkunft’ assozieren wir als erstes ein altes ausgedientes Schulhaus oder eine Militärbaracke. Nicht so 1933 und in den Folgejahren in Zürich. Eines der modernsten Geschäfts-Gebäude des modernen Bauens im Stadtzentrum, erbaut von Hubacher und Steiger, und in der Wirtschaftskrise noch nicht voll ausgemietet, wurde zur Anlaufstelle für die ersten Flüchtlinge aus Deutschland: das Zett-Haus an der Badenerstrasse. Hier trafen deutsche Sozialdemokraten, Kommunisten und Gewerkschafter, darunter auch Theaterleute, Schriftsteller und Künstler aufeinander. Einige von ihnen waren bereits kurze Zeit in Gefäng-nissen und Konzentrationslagern gewesen. Und jetzt wurden sie hier auf privater Basis beraten und an andere Adressen weiterempfohlen, einige von ihnen auch hier aufgenom-men. In dieser Situation aktiv zwei Schweizerinnen: Nelly Guggenbühl, die Sekretärin des Architekten Hubacher, die später den Emigranten Clément Moreau heiratete, und die umtriebige Kunstvermittlerin Irmgard Burchard, die ab 1936 für drei Jahre mit Richard Paul Lohse verheiratet war. Dieser hat 1982 einen ersten eindrücklichen Bericht über die damaligen Vorgänge im Zett-Haus verfasst.

Als 1937 die Nazis die Moderne aus den deutschen Museen konfisziert und in München als „Entartete Kunst“ an den Pranger stellten – wurde in diesem Gebäude eine Gegenausstel-lung initiiert: die „XXth Century German Art“-Ausstellung in den New Burlington Galleries in London im Sommer 1938. Treibende Kraft war Irmgard Burchard, zusammen mit dem Emig-ranten Oto Bihaly-Merin, der die englischsprachige Publikation „Modern German Art“ für den Penguin Verlag in London vorbereitete. Als englische Partner haben sie Herbert Read als Chairman des Organisationskomitees gewinnen können und die Galeristin Lady Norton. Weit über die Hälfte der Bilder stammten aus Kreisen von in die Schweiz emigrierten Sammlern wie Nell Walden, Thekla Hess und Künstlern wie Paul Klee, vereinigt mit Werken, die aus Paris und Bruxelles stammten und einem Anteil von Werken, die in London zusammenge-tragen wurden. Darunter befanden sich viele Hauptwerke von über 50 verfemten Künstlern.

Nach Ausstellungsende entschwand Irmgard Burchard fast gänzlich aus dem kunsthistori-schen Fokus. Die „honorary organizer“ war überarbeitet und krank und ging zur Kur nach Abano, lebte einige Monate in Rom und dann in der Nähe von Trieste. 1940 wurde sie aus Italien ausgewiesen. Als unmittelbar gefährdete Person bei einem Einmarsch der Deutschen in die Schweiz, entschloss sie sich mit anderen Flüchtlingen zur Emigration nach Brasilien. 1941 – 1947 lebte sie in Rio de Janeiro und begann hier zu malen. Der Kunsthändler und Publizist Wilhelm Uhde vermittelte ihr 1947 eine Ausstellung in der Galerie Jeanne Castel in Paris. Aber mit Kunst zu überleben war nach dem Krieg nicht einfach. 1952 heiratete sie den Mathematiker Jacques Boulos Simaika und lebte fortan in Kairo. In der Schweiz hat Irmgard Burchard zweimal – ohne grossen Erfolg – in der Kunstkammer zum Strauhof 1955 und 1961 und auch im Musée de l’Athénée in Genf 1962 ausgestellt.

Über die damalige Aktivistin wurde 2012 ein erster Aufsatz publiziert: „The Irmgard Burchard Tableaux: An Anti-Nazi-Dealership in 1930s Switzerland“ von Lucy Watling. Wer aber war Irmgard Burchard? Spuren führen in das Archiv der Stiftung Richard Paul Lohse in Zürich, ins schweizerische Bundesarchiv und in das Sonderarchiv Moskau. Diese Kriminal-geschichte ist noch nicht ausführlich beschrieben, aber sie endet mit dem frühen Tod der Künstlerin, die 1964 in Kairo, im Alter von 56 Jahren an einer Hirnblutung verstorben ist. Ein ägyptischer Feuilletonist rückte in einem Nachruf in der Zeitung Al Ahram ihr Leben in die Nähe der Tragik von Chaïm Soutine. Der Vortrag gibt erste zusammenhängende Einblicke in die Biographie dieser weitgehend unbekannt gebliebenen Aktivistin und Künstlerin, sowie in das Leben von Emigranten im Zürich der dreissiger Jahre.

 

Freitag, 24. Februar 2017, 14.15, HG Aula

Greif, Einhorn, Lindwurm. Fabelwesen als Wappenbilder

Berchtold Weber,
ehem. Lehrbeauftragter am Historischen Institut,
Ehrensenator, Universität Bern

Auch heute noch begegnen wir fast täglich einem Fabelwesen, sei es auf einer Schokoladepackung, sei es an einem Gebäude oder sei es auf einem Wappen. Es geht im Vortrag darum, die Arten der Fabelwesen systematisch zu ordnen und ihre Herkunft zu klären, sowie zu zeigen, in welcher Art sie zu Wappenbildern geworden sind und teilweise heute noch werden. Es sollen auch Spezialfälle aus der Wappenkunde nicht unerwähnt bleiben, so zum Beispiel, dass ein Löwe heraldisch sofort Leopard heisst, sobald er den Beschauer anblickt.

Es sei bei dieser Gelegenheit wieder einmal daran erinnert, dass das HISTORISCH-TOPOGRAPHISCHE LEXIKON DER STADT BERN, seinerzeit herausgegeben von Berchtold Weber, online verfügbar ist (DigiBern - Berner Kultur und Geschichte im Internet).

 

Freitag, 23. Dezember 2016, 14.15 HG Aula
Konzert zum Jahresabschluss

 

Dienstag, 20. Dezember 2016, 16.15, ExWi     

Exilland Schweiz für bildende Künstler 1933-45
(s. auch Sonderveranstaltung am 1. März 2017)

Andreas A. Meier, lic. phil  hist., Kunsthistoriker, Bern

Neben einer ansehnlichen Literatur zum literarischen Exil in der Schweiz 1933-45 (mit 150 namentlich bekannten Emigranten) gibt es nichts Ähnliches für die ebenso zahlreichen bildenden Künstler. Zwar sind die Umstände der Re-Emigration Paul Klees in die Stadt seiner Jugend vertraut und auch jene weiterer Künstler wie Otto Nebel oder Fritz Wotruba. Die meisten bildenden Künstler lebten unver-netzt isoliert und konnten kaum ausstellen. Manche von ihnen waren nur für eine kurze Dauer hier, auf dem Weg in Länder, die sie als sicherer einschätzten als die Schweiz. Einige Künstler wurden in der Vorkriegszeit ausgewiesen, manche in den vierziger Jahren in Lagern interniert, aber es gab auch - ab Ende 1942 - nicht wenige Flüchtlinge, die über die grüne Grenze in die Schweiz gelangten und hier private Unterstützung erhielten. Der Vortrag befasst sich mit einigen dieser Emigrantenschicksale. Er gibt einen Überblick über die Anwesenheit von Künstlern in Bern, im Tessin und in Genf.

Besonders berührend ist die Geschichte von Anton Räderscheidt und seiner Frau, der Fotografin Ilse Salberg. Anfänglich waren beide getrennt in Lagern, bis ihnen über die Vermittlung von Georg Schmidt und Max Huggler 1943 eine Unterkunft im Hotel Bären in Münchenbuchsee angeboten wurde. Ilse Salberg war an Krebs erkrankt und Hermann Rupf unterstützte das Paar durch die Übernahme von Bildern. 1947 starb Ilse Salberg im Inselspital. Und Räderscheidt ging nach Paris zurück. In der Sammlung Rupf im Kunstmuseum Bern befindet sich als Zeugnis dieser Flüchtlings-Geschichte ein von Räderscheidt 1947 gemaltes Porträt des Berner Sammlers, Kritikers und Mäzens.

Der Vortrag befasst sich mit weiteren Schicksalswegen emigrierter Künstler. Hermann Hesse hat sich für entwurzelte Kunstschaffende eingesetzt. In seinem Umfeld in Montagnola verkehrten nicht nur Peter Weiss, sondern auch Gunter Böhmer und Hans Purrmann. Und in Genf kümmerten sich die beiden Galeristen Max Moos und William S. Kundig, sowie der Konservator des Musée d’art et d’histoire, Prof. Louis Gielly, um Künstler wie Chana Orloff, Georges Kars oder Elisabeth Epstein. Viele dieser Emigranten, vor allem aus Frankreich, wurden zum Teil noch vor Kriegsende wieder „repatriiert“. Andere erhielten Bleiberecht. So auch die als Jugendliche in die Schweiz geflohenen Dieter Roth, Hans Josephsohn und der mit seiner schweizerischen Mutter geflüchtete Daniel Spörri (aufgewachsen in Galati (RU) als Daniel Isaak Feinstein). Erst in der Schweiz wurden diese zu Künstlern und haben die jüngere schweizerische Kunstgeschichte mitgeformt.

Damit sind wir bei der Frage, was über das humanitäre Engagement hinaus, rückblickend für die Schweiz als Gewinn zu verbuchen ist? Bei einem anderen Geschichtsverlauf wäre es durchaus denkbar, dass das Zentrum Paul Klee heute in Düsseldorf stehen würde. Emigration hat nicht nur die künstlerische Entwicklung von Kunstschaffenden beeinflusst, sie hat in vielen Fällen auch das kultu-relle Umfeld in den Aufnahmeländern, besonders in den USA und in England, stark verändert. In der Schweiz sind noch viele Spuren aufzuarbeiten und weitere Exilgeschichten zu beschreiben.

 

 

 

Freitag, 16. Dezember 2016, 14.15, HG Aula

SARS, Vogelgrippe, Zika: what’s next?

Christian Griot, PD Dr. med. vet. FVH,
Direktor des Eidg. Instituts für Virologie und Immunologie, Mittelhäusern/Be

Tierseuchen gibt es wahrscheinlich so lange wie Tiere. Und so treten immer wieder neue Krankheiten auf. Influenza A H5N1 Virus (Vogelgrippe) war 1997 zum ersten Mal beim Menschen vorgefunden worden und kam im 2006 auch nach Europa, einschliesslich der Schweiz. Das Influenza A Virus ist auch jetzt wieder in Europa via Zugvögel angekommen. Die Entstehung von neuen Krankheiten, nicht nur beim Tier, der letzten 10 Jahre werden beleuchtet werden.

 

 

Dienstag, 13. Dezember 2016, 16.15, ExWi

Borreliose – eine von Zecken übertragene Infektion

Stefan Zimmerli, Dr. med.,
PD für Infektionskrankheiten, Inselspital Bern

2016 suchten 12'800 Personen ihren Arzt auf wegen einer möglichen Borreliose, mehr als je zuvor, ausser 2013. Die Borreliose ist eine durch die Spirochäte Borrelia burgdorferi verursachte bakterielle Infektion. Zecken, deren Biologie ausführlich besprochen wird, können bei der Blutmahlzeit die Bakterien auf Menschen übertragen. Dass dies häufig geschieht, belegen gesunden Blutspender, von denen gut 10% Antikörper im Blut und damit Zeichen einer durchgemachten Infektion aufweisen. Die meisten mögen sich aber nicht an Krankheitszeichen erinnern und wurden nie behandelt. Tatsächlich verlaufen etwa 90% der Infektionen unbemerkt. Erkennbare Zeichen einer Borrelieninfektion sind in 80-90% ein von der Zeckenstichstelle sich ausdehnender roter Ring (erythema migrans; Wanderröte), in etwa 6% eine schmerzhafte Gelenksschwellung und bei etwa 5% eine rotblaue Hautschwellung (lymphocytoma benignum) oft am Ohr oder an der Brust. Herzrhythmusstörungen, vorübergehende Lähmungen von Hirnnerven oder starke, nachts verstärkte Rückenschmerzen sind seltene Folgen einer Borrelieninfektion. Gemeinsam ist allen Krankheitszeichen, dass sie entweder von selbst oder nach einer kurzen Antibiotikabehandlung ausheilen. Die oft gefürchteten Spätfolgen einer Borreliose, die Hirnentzündung und umschriebene rotblaue Hautveränderungen an Händen und Füssen (acrodermatitis chronica atrophicans) sind ebenfalls selten und sprechen gut auf Antibiotika an; oft bleiben aber Spätschäden. Chronische Müdigkeit und Schwäche werden häufig als Ausdruck einer durchgemachten Borreliose angesehen; tatsächlich ist die Borreliose selten Ursache dieser Beschwerden, die Abgrenzung von anderen Krankheiten kann aber schwierig sein.

Eine Impfung gegen Borreliose ist in Entwicklung, aber noch nicht verfügbar. Einfache Schutzmassnahmen vor einer Infektion mit Borrelien kann jeder treffen. Misslingt die Prävention, ist die Therapie fast immer erfolgreich.

 

 

Freitag, 9. Dezember 2016, HG Aula       

Sucht im Alter. Gibt es das?

Thomas Münzer, PD Dr. med., Geriatrische Klinik St. Gallen

Sucht im Alter, gibt es das? Im Alter kann ein Glässchen nicht schaden. Grundsätzlich stimmt diese Aussage, aber besonders bei älteren Menschen gilt: die Dosis macht das Gift. Die gleiche Menge Alkohol über Jahre hin genossen wird immer gefährlicher. Hinzu kommen Faktoren, die den regelmässigen Konsum von alkoholischen Getränken begünstigen. Hier besteht die Gefahr der Gewöhnung der Abhängigkeit oder der Sucht. Obwohl man immer denkt nur junge Menschen hätten Suchtprobleme, werden diese im Alter meistens verharmlost. Das kann verheerende Auswirkungen haben. Im Vortrag werden die wichtigsten Substanzen, die mit Suchtproblemen im Alter in Verbindung gebracht werden und Lösungsansätze bei Suchterkrankungen vorgestellt. Wie immer besteht die Möglichkeit, Fragen zu stellen.
 

 

 

Dienstag, 6. Dezember 2016, 16.15, ExWi

„So spricht der Herr“ –
Hatten die Propheten des Alten Testaments einen besonderen Zugang zu Gott,
oder wie können sie im Namen Gottes sprechen?

Andreas Wagner, Dr. theol.,
Prof. für Altes Testament, theol. Fakultät, Univ. Bern

Ist das nicht eine Anmassung im Namen Gottes zu sprechen? Wie können die Propheten aus dem Alten Testament das behaupten? Wie können wir sicher sein, wie konnten die damaligen Zeitgenossen sicher sein, dass es sich um Gottes Wort und nicht um Menschenwort handelt? Das sind gewichtige Fragen, deren Antwort auch die Auslegung und Deutung der prophetischen Bücher des Alten Testaments bis heute bestimmt. Ausgehend von einer Untersuchung über die wichtigste prophetische Sprachform "So spricht der Herr" will ich diese Fragen erläutern und beantworten. Wir werden sehen, dass in der Prophetie vielleicht schon mehr Theologie steckt als wir zunächst ahnen...
 

 

Freitag, 2. Dezember 2016, 14.15, HG Aula

Mit kleinen „Schubsern“ zu mehr Nachhaltigkeit:
Verhaltensänderung durch unbewusste Handlungsanreize

Ulf Liebe, Dr. rer. soc., Prof. für Soziologie,
Lehrstuhl für nachhaltige Gesellschaftsentwicklung, WiSo Fakultät, Universität Bern

Wir alle müssen umdenken und unser Handeln neu ausrichten, um den Herausforderungen wie dem globalen Klimawandel zu begegnen. Dabei fehlt es den meisten Bürgerinnen und Bürgern nicht an Problembewusstsein, wie viele Befragungsstudien zeigen. Vielmehr setzt sich das Bewusstsein oftmals kaum bis gar nicht in entsprechendes Handeln um. Während eine ganz überwiegende Mehrheit der Bevölkerung zum Beispiel umweltschonende Produkte befürwortet, sind die tatsächlichen Marktanteile solcher Produkte gering. Der Vortrag stellt einige Verhaltensanreize zur Diskussion, die als kleine „Schubser“ ohne eine direkte Beeinflussung des Problembewusstseins und individueller Einstellungen, zu deutlich mehr nachhaltigem Handeln, zum Beispiel im Umweltbereich, führen können.

 

Dienstag, 29. November 2016, 16.15, ExWi

Pestizide im Wasser: warum die Schweiz eine Vorreiterrolle einnimmt

Karin Ingold, Dr. rer. pol.,
Prof. für  Policy Analyse, Institut für Politikwissenschaft,
WiSo Fakultät und Oeschger Zentrum, Universität Bern

Ich werde die ambivalente Vorreiterrolle der Schweiz aufzeigen, wenn es darum geht, die Oberflächengewässer vor Pestiziden und anderen Mikroschadstoffen zu schützen. Die Massnahmen in der Abwasserreinigung, welche die Schweiz seit Anfang dieses Jahres umsetzt, gelten als besonders fortschrittlich, vor allem für das benachbarte Ausland. Aber im Bereich des Pestizidverbrauchs und bei der Einführung von marktwirtschaftlichen Instrumenten zu dessen Regulierung hinkt die Schweiz ein wenig hinterher. Resultate aus einer Umfrage bei politischen Parteien, Konsumentenschützern, Landwirtschaftsverbänden, wissenschaftlichen Beratern und Bundesämtern haben gezeigt, weshalb das so ist. Ich werde zudem auf den politischen Verhandlungsprozess eingehen und aufzeigen, wie politische Kompromisse zustande kommen können und welche Massnahmen sinnvoll wären, um Konsumenten, Anwender und die Natur vor Pestizidrisiken zu schützen.

 

 

Freitag, 25. November 2016, 14.15, HG Aula

Kriminalität und ihre Verfolgung: Ein Faszinosum wissenschaftlich betrachtet

Karl-Ludwig Kunz, Dr. iur.,
Prof. em. für Strafrecht und Kriminologie, rww. Fakultät, Universität Bern

Eine Problematisierung der Alltagsbetrachtung verhilft uns zu einem neuen Verständnis von Kriminalität als Beobachtungsobjekt. Damit wird zugleich das statistische Bemühen um Zählen von Fällen in seiner Fragwürdigkeit erkannt. Gängige Klischees über Dunkelfeld, Aufklärungsquote, Kriminalstatistik und Ausländerkriminalität werden ausgeräumt. Daraus werden Antworten auf die Frage nach Nutzen und Notwendigkeit staatlichen Strafens hergeleitet.

 

 

Dienstag, 22. November 2016, 16.15, ExWi   

Klöster und monastisches Leben im Mittelalter –
Ein Überblick mit Beispielen aus dem heutigen Kt. Bern

Armand Baeriswyl, PD Dr. phil. hist.,
Institut für Archäologie, phil. hist. Fakultät Universität Bern
und Bereichsleiter archäologischer Dienst des Kanton Bern

In reformierten Gegenden ist die monastische Lebensform seit 500 Jahren verschwunden – und höchstens noch in Form von Zerrbildern von betrunkenen Mönchen und schwangeren Nonnen präsent. Im Vortrag soll in einem ersten Teil die Ideen und Formen monastischen Lebens im Mittelalter vorgestellt werden. In einem zweiten Teil wird es um eine Geschichte der verschiedenen Orden und Kongregationen bis zur Reformation gehen, während im dritten und umfangreichsten Teil die Klöster und ihre Architektur im Zentrum stehen. Im heutigen Kanton Bern gab es viele Klöster unterschiedlicher Orden; vorgestellt werden sollen ausgewählte Anlagen, die in den letzten Jahrzehnten vom Archäologischen Dienst des Kantons Bern erforscht worden sind, unter anderem Moutier-Grandval, Rüeggisberg, Thorberg und Interlaken.

 

 

Neues Thema aus aktuellem Anlass:

Freitag, 18. November 2016, 14.15, HG Aula

Brexit. Voraussetzungen, Prozess, Folgen

Klaus Armingeon, Dr. rer. soc.,
Prof. für Politikwissenschaft, WiSo Fakultät, Universität Bern

Am 23, Juni 2016 stimmten 52% der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der konsultativen Abstimmungen über den Austritt des Vereinigten Königsreiches aus der EU mit einem ‚Ja‘. In der Vorlesung wird auf folgende Punkte eingegangen: (1) Innenpolitische und innergesellschaftliche Gründe für den Brexit — oder was den Brexit mit der Masseneinwanderungsinitiative und der Wahl von Präsident Trump gemeinsam hat. (2) 'To Brexit or not to Brexit,  that is the question' — britische Souveränitskonzepte, Risiken und Probleme der Umsetzung der Meinung der Volkes. (3) Mit dem Rücken zur Wand und vielfach gefesselt: Weshalb die EU nicht ausreichende Konzessionen an Premierminister Cameron machen konnte und weshalb sie der Meinung ist, dass ihr ‚nein‘ auch ‚nein‘ bedeutet.

 

 

Dienstag, 15. November 2016, 16.15, ExWi

Aargauer Juden, Westjuden, Ostjuden, orientalische Juden:
Die Entstehung des Schweizer Judentums im 20. Jahrhundert

Daniel Gerson, Dr. phil. hist.,
Institut für Judaistik, theol. Fakultät, Universität Bern

Bis vor 150 Jahren war es den Juden nicht gestattet, sich überall in der Schweiz niederzulassen. Erst mit der rechtlichen Gleichstellung von 1866/74 konnte sich das Judentum frei entwickeln. Ausser den jüdischen Familien von Endingen und Lengnau, die seit dem Ende des 17. Jahrhundert im aargauischen Surbtal lebten, stammen die übrigen Schweizer Juden aus dem Ausland. Viele kamen im 19. Jahrhundert aus dem Elsass oder dem süddeutschen Raum. Um 1900 immigrierten Juden aus Osteuropa, die vor Verfolgung und Armut flohen. Ein kleiner Teil der Flüchtlinge während der Nazizeit durfte nach 1945 in der Schweiz bleiben. Schliesslich liessen sich nach 1950 Juden aus der Türkei und Nordafrika in der Romandie nieder.

Trotz dieser unterschiedlichen Herkunft finden sich jetzt Juden aus allen Gruppierungen in gemeinsamen Synagogengemeinden wieder. Entscheidender als die geographische Herkunft ist heute die religiöse Ausrichtung des einzelnen Gläubigen. So ist auch das zeitgenössische Schweizer Judentum in verschiedene Richtungen aufgefächert. Das religiöse Spektrum reicht von liberal bis streng-orthodox. Die komplexe Integrationsgeschichte und die Herausforderungen einer zu Beginn des 21. Jahrhunderts stark säkularisierten Gesellschaft für eine kleine aber sehr vielfältige Religionsgemeinschaft von ungefähr 18‘000 Personen werden in der Vorlesung dargestellt.

 

Freitag, 11. November 2016, 14.15, HG Aula

Evolution der Insekten
(s. auch Sonderveranstaltung vom 23. November)

Christian Kropf, Dr. phil. nat.,
Prof. für Ökologie und Evolution, phil. nat. Fakultät, Universität Bern
und Abteilungsleiter Naturhistorisches Museum Bern

Insekten umfassen mit ca. einer Million beschriebener Arten rund 2/3 aller Tierarten. Evolutionär entstanden sie aus einer noch nicht zweifelsfrei bestimmten Gruppe innerhalb der Krebse. Die Vorlesung zeichnet einige der Schlüsselereignisse in der Evolution der Insekten nach, die zu einem Verständnis des ungeheuren Erfolgs dieser Tiergruppe beitragen können. Dazu gehören die Ausbildung einer neuartigen Form von Fühlern, die Entwicklung spezialisierter Mundwerkzeuge, das Flugvermögen, ein komplexer Entwicklungsweg mit einer Larve, die andere ökologische Nischen nutzt als das flugfähige Insekt und die Entwicklung hochkomplexer Sozialstaaten. Beispielhaft werden dazu ausgewählte Phänomene aus der Biologie einiger Insektengruppen vorgestellt. Nicht zuletzt wird auf die Bedeutung der Insekten für den Menschen eingegangen.

 

Dienstag, 8. November 2016, 16.15, ExWi

Ein Jahr ohne Sommer. Die letzte grosse
Hungerkrise in der Schweiz 1816/17

Christian Pfister, Dr. phil. hist.,
Prof. em. für Klimageschichte, phil. hist. Fakultät,
jetzt Oeschger Zentrum, Universität Bern

Kein Vulkanausbruch der letzten 750 Jahre war so gewaltig wie jener des Tambora im April 1815. Er bescherte West und Mitteleuropa 1816 einen Sommer, in dem es alle Monate in die Täler schneite, worauf Nahrung unerschwinglich teuer wurde und die Staaten einander den Getreidehandel sperrten. Die ungarische Tiefebene stand sechs Monate unter Wasser und in Indien mutierte die Cholera von einer endemischen zu einer epidemischen Seuche, die sich - mit langfristigen Folgen - global verbreitete. Der Vortrag schildert die Ereignisse anhand von Schlüsselpersonen: Der St. Galler Pfarrer Peter Scheitlin schildert die kontrastierenden Auswirkungen der Teuerung in der Ost-und Westschweiz schildert. Der Walliser Ingenieur Ignaz Venetz nutzte die raschen Gletschervorstösse der folgenden Jahre für die Entwicklung seiner Eiszeittheorie, während Mary Shelley, die den "Sommer" 1816 am Genfersee verbrachte, durch das wochenlange melancholische Wetter zur Niederschrift ihrer unsterblichen Geistergeschichte „Frankenstein“ animiert wurde.

 

 

Freitag, 4. November 2016, 14.15, HG Aula

Tiefe Hirnstimulation („Hirnschrittmacher“) bei
Parkinson und anderen Bewegungsstörungen

Michael Schüpbach, Dr. med.,
PD für Neurologie, Inselspital Bern

Die Bewegungsstörungen sind ein grosses Teilgebiet der Neurologie und umfassen zahlreiche Krankheitsbilder. Bewegungsstörungen können einerseits Symptom einer Erkrankung sein, andererseits auch eine Diagnose an sich. Man unterscheidet hypokinetische Bewegungsstörungen („zu wenig Bewegung“), wie zum Beispiel den Morbus Parkinson, von hyperkinetischen Bewegungsstörungen („zu viel Bewegung“), wie zum Beispiel Tremor, Dystonie oder Chorea. Für die Planung und den geordneten Ablauf von Bewegungen sind gewisse Zentren im Gehirn von besonderer Bedeutung. Da sie in der Tiefe des Gehirns liegen („nahe der Basis“), nennt man sie Basalganglien. Erkrankungen der Basalganglien stören – unter anderem – die motorischen Funktionen, da die Information für die Bewegungsabläufe in den Basalganglien konvergieren. Gerade aber das räumliche Zusammenlaufen der Information für die Steuerung der Bewegungen in umschriebenen kleinen Kerngebieten macht sie einer gezielten Intervention zugänglich. Bei der Tiefen Hirnstimulation werden Elektroden ins Gehirn von Patienten implantiert in strategisch bedeutsame Zielgebiete, und durch Applikation von elektrischem Strom wird selektiv Einfluss genommen auf die Funktion in diesen Strukturen. In der praktischen Anwendung können mit dieser in den 1980er Jahren etablierten und seither recht verbreiteten Methode bestimmte neurologische Erkrankungen, insbesondere Bewegungsstörungen, behandelt werden. Die Tiefe Hirnstimulation wird heute erfolgreich angewandt bei Morbus Parkinson, Dystonie, und Tremor (Zittern), aber auch bei selteneren Erkrankungen wie dem Gilles de la Tourette-Syndrom und gewissen schweren psychiatrischen Störungen. Die Tiefe Hirnstimulation ist eine invasive (chirurgische) Therapie der Spitzenmedizin, die in der richtigen Indikation und sorgfältig und kompetent eingesetzt die Lebensqualität von vielen Patientinnen und Patienten verbessern kann.

 

Dienstag, 1. November 2016, 16.15, ExWi

Ethische Fragen von Flucht und Migration

Wolfgang Lienemann, Dr. theol.,
Prof. em. für Ethik, theol. Fakultät, Universität Bern

"Flüchtlingskrisen erfordern zuallererst, dass der Schutz von Flüchtlingen ermöglicht und gestärkt wird.“ (St. Luft) 
Ausgehend von den aktuellen Fakten und Fragen von Flucht und Migration geht es um eine zentrale politische, rechtliche und ethische Frage: Welches sind (mögliche oder weithin anerkannte) moralische Grundlagen für die rechtliche Gestaltung der Zuwanderung und des Aufenthaltes von Menschen aus Drittländern in den Mitgliedsländern der EU sowie derjenigen Staaten, die sich, wie die Schweiz, dem Schengen-Dublin-System angeschlossen haben? Die Frage setzt mithin zweierlei voraus: Erstens das Bestehen und die Möglichkeit der Weiterbildung eines nationalen und europäischen Asyl-, Zuwanderungs- und Aufenthaltsrechtes, zweitens die Möglichkeit und die Pflicht von Bürgerinnen und Bürgern, auf die Gestaltung dieses Rechtes aufgrund moralischer Erwägungen Einfluß zu nehmen.

 

 

Freitag, 28. Oktober 2016, 14.15, HG Aula 

Die Wichtigkeit einer fein regulierten Blutstillung:
Was,wenn sie zu schwach oder zu stark funktioniert?

Bernhard Lämmle, Prof. em. Dr. med.,
Prof. für Hämatologie, Inselspital Bern, heute Universität Mainz

Die Blutstillung ist ein lebenswichtiger physiologischer Vorgang, der uns vor dem Verbluten schützt, wenn kleinere oder grössere Blutgefässe (Arterien, Kapillaren, Venen) verletzt werden, z.B. bei einem Trauma oder auch einer banalen Schnittverletzung. Die Blutstillung (Hämostase) wird durch verschiedene Mechanismen, die sich gegenseitig unterstützen, gewährleistet. Die Kontraktion der verletzten Blutgefässe vermindert den Blutverlust, die Blutplättchen (Thrombozyten) lagern sich via den Von Willebrand Faktor and die verletzte Stelle an, verklumpen miteinander zu einem primären Hämostasepfropf und gewähren eine erste Blutstillung. Dieser Hämostasepfropf muss für eine sichere Blutstillung noch verstärkt werden durch die eigentliche Blutgerinnung, bei der das flüssige Blutplasma zu einem Gel transformiert wird. Diese Gel-Bildung beruht auf der Fibrinogen-/Fibrintransformation, die an der Stelle abläuft, wo ein primärer Hämostasepfropf aus Thrombozyten gebildet wurde. Alle Blutstillungsmechanismen müssen sehr genau reguliert werden, sie sollen nur die verletzten Gefässe abdichten, sich aber nicht in die gesunden, intakten Blutgefässe hinein fortsetzen, was zu Thrombosen und eventuell Embolien führen könnte.

Es werden mehrere Beispiele einer ungenügenden Blutstillung vorgestellt, die auf einer angeborenen oder im Laufe des Lebens erworbenen Störung beruhen. Dabei geht es darum, die Natur der Störung zu erkennen, allenfalls mit Laboruntersuchungen genauer zu definieren und geeignete therapeutische Massnahmen zu ergreifen.

 

Dienstag, 25. Oktober 2016, 16.15, ExWi

Syrien – 9000 Jahre Kulturgeschichte.
Eine archäologische Reise

Mirko Novak, Dr. phil. hist.,
Prof. für vorderorientalische Archäologie, phil. hist. Fakultät, Universität Bern

Syrien bestimmt seit einigen Jahren die Nachrichten. Neben Krieg und Flucht werden immer wieder die Zerstörung v.a. der Kulturgüter immer wieder erwähnt. Doch was sind diese Kulturgüter? Wie datieren sie und in welchen kulturgeschichtlichen Kontext gehören sie? Der Vortrag will einen Überblick über die 9000jährige Kulturgeschichte dieses Landes bieten, das Teil des „Fruchtbaren Halbmondes“ und des Kulturraums Mesopotamien war. Viele Völker wie Kanaanäer, Phönizier, Aramäer, Araber prägten die Geschichte, von neolithischen Monumentalbauten über die ältesten Städte hin zu Kalifenresidenzen, Moscheen und Kreuzfahrerburgen zeugen zahlreiche Monumente von der reichen Geschichte dieses Landes.

 

Freitag, 21. Oktober 2016, 14.15, HG Aula

Erforschung der Resistenz gegen Krebstherapie

Sven Rottenberg, Dr. med. vet.,
Prof. für Tierpathologie, Vetsuisse Fakultät, Universität Bern

In der Onkologie ist die Resistenz gegen die Krebstherapie ein zentrales klinisches Problem, welches wir noch nicht gelöst haben. Eine lokale Therapie (z.B. chirurgische Entfernung und Radiotherapie) von Tumoren ist häufig sehr wirkungsvoll. Für Patienten mit ausgesäten Tumoren muss allerdings eine systemische Therapie (z.B. Chemotherapie) angewendet werden. Hier sind die Chancen einer kompletten Heilung für viele Patientinnen und Patienten leider gering, auch wenn es neue Durchbrüche wie z.B. in der Immuntherapie gibt. Viele Patientinnen und Patienten mit deutlich erkennbaren Metastasen entwickeln früher oder später eine Resistenz gegen alle verfügbaren Mittel, und für diese Menschen ist die Krebstherapieresistenz die häufigste Todesursache. Die genauen Ursachen dieser „Panresistenz“ sind allerdings oft unklar, selbst für Medikamente welche bereits seit Jahrzehnten zum Einsatz kommen.

Zum besseren Verstehen der zugrunde liegenden molekularen Mechanismen und zur Entwicklung von Therapien welche diese Resistenz verhindern oder rückgängig machen können, unterstützt die veterinärmedizinische Grundlagenforschung die Humanmedizin. Insbesondere mit Hilfe von verschiedenen präklinischen Modellsystemen werden die Ursachen der Resistenz erforscht. Am Beispiel des familiär bedingten Brustkrebses und Eierstockkrebses werde ich hierzu die Forschung meiner Gruppe vorstellen und unseren Beitrag zur Entwicklung eines neuen Medikamentes (Lynparza®) aufzeigen.

In unserer Forschung interessieren wir uns insbesondere für Veränderungen der zellulären DNA Reparatur. Eine mangelhafte Reparatur von Fehlern in der DNA Sequenz führt zu Mutationen, welche die Krebsentstehung verursachen können. Das Fehlen einer funktionierenden DNA Reparatur ist somit ein typisches Merkmal welches Tumorzellen von normalen Zellen im Körper unterscheidet. Dieser Unterschied wird therapeutisch ausgenutzt. Mit unseren neuen Forschungsmethoden sehen nun, dass resistente Tumorzellen es doch schaffen DNA Schäden wieder zu reparieren und somit der Therapie entkommen. Aber mit dieser Anpassung an die Therapie entwickeln die Tumorzellen auch neue Schwächen. Diese probieren wir mit neuesten molekularbiologischen Techniken zu entblössen, um somit neue Ansätze für eine verbesserte Therapie zu schaffen.

 

 

Dienstag, 18. Oktober 2016, 16.15, ExWi      

Geothermie – Was die Natur uns lehrt.
Einblicke vom Hydrothermalfeld Grimsel

Marco Herwegh, Dr. phil. nat.,
Prof. für Geologie, phil. nat. Fakultät, Universität Bern

Nach den Tiefschlägen der Tiefengeothermieprojekte Basel, Triemli und St. Gallen befasst sich nun die Forschung mit der zentralen Frage: Wo finden wir in der Schweiz genügende Mengen heisser Tiefenwässer zur Erzeugung elektrischer Energie? Die grosse Schwierigkeit stellen die Prognosen der geologischen Zielgebiete auf 4-5 km Tiefe dar. Im Rahmen eines vom schweizerischen Nationalfonds finanzierten Forschungsprojektes untersucht unser Forscherteam (Uni Bern, Uni Lausanne, ETHZ) ein hydrothermales System, sprich eine Zone in welcher heisse Wässer zirkulieren, welches seit mehr als 3.5 Mio Jahren bis zum heutigen Tag aktiv ist. In Folge der Gebirgsbildung und Erosion, ist heute das ehemals tief in der Erdkruste liegende hydrothermale System im Grimselgebiet auf über 2000 m aufgeschlossen, womit die Fliessprozesse und deren räumliche und zeitliche Ausdehnung hier in einmaliger Art und Weise untersucht werden können. Der Vortrag präsentiert erste Resultate und zeigt, wie die geologische Vorgeschichte die Zirkulationspfade der heissen Tiefenwässer sehr stark kontrollieren kann. Die neuen Erkenntnisse dürften von grosser Bedeutung für die Interpretation der Fliesspfade vieler heisser Walliserquellen sein, aber auch Einblicke in im Untergrund verborgene Systeme des nordalpinen Vorlandes liefern.

 

 

Freitag, 14. Oktober 2016, 14.15 HG Aula

Gezielte Krebstherapie. Krebszelle und/
oder Geldbeutel als Zielscheibe?

Martin Fey, Dr. med.,
Prof. für medizinische Onkologie, Inselspital Bern

Anstelle eines Abstracts stellt uns der Referent Bilder aus seinem Vortrag zur Verfügung:

 

Dienstag,11. Oktober 2016, 16.15, ExWi

Theologie und Naturwissenschaften im Dialog

Andreas Losch, Dr. theol.,
Center for Space and Habitability, phil. nat. Fakultät, Universität Bern

Sind Naturwissenschaften und Theologie nicht unvereinbare Gegensätze? Behauptet die Bibel nicht noch, dass sich die Sonne um die Erde dreht und widersprechen sich nicht Evolution und Schöpfung? Das Gespräch zwischen Theologie und Naturwissenschaften hat heute weite Fortschritte gemacht. Der Vortrag stellt diese Entwicklung exemplarisch dar und präsentiert Alternativen zum Konfliktmodell, welches sich oft noch in den Köpfen befindet. Es gibt viele Möglichkeiten, wie die Theologie heute auf die Naturwissenschaften eingehen kann. Es ist ebenso denkbar, dass religiöse Vorstellungen auch im wissenschaftlichen Schaffen heute noch eine Rolle spielen. Der Vortrag zeigt auf, wie sich Theologie und Naturwissenschaften gegenseitig befruchten können. Bestes Beispiel ist das Projekt „Life beyond our planet?“ an der Universität Bern, in dem Naturwissenschaftler und Theologen zusammenarbeiten.

 

 

 

Freitag, 7. Oktober 2016, 14.15, HG Aula

Neue Erkenntnisse zur Koxarthrose –
Entstehung und entsprechend neue Gelenk-Operationen

Reinhold Ganz, Dr. med. et med. h.c.,
Prof. em. für orthopädische Chirurgie, Inselspital Bern

Die möglichst genaue Kenntnis der Blutversorgung eines Organes oder Knochens ist eine wesentliche Voraussetzung seiner erfolgreichen chirurgischen Behandlung. Im Fall von Hüfte und Becken hat ein verbessertes Verständnis in den letzten 30 Jahren zu einem Schub an Massnahmen zur Erhaltung des Hüftgelenkes geführt; die Berner Schule war daran federführend beteiligt. Die Akzeptanz für eine Renaissance Gelenk erhaltender Hüftchirurgie wurde erleichtert, nachdem die Erfolgsstory des künstlichen  Ersatzes der Hüfte zunehmend, und zum Teil erhebliche Kratzer bekommen hatte. Das betraf vor allem  den Ersatz bei jüngeren Patienten deren Probleme mit Zunahme der Sportbegeisterung  zahlenmässig anschwoll.

Der Beginn war allerdings steinig und die Bestandsaufnahme der Literatur über die Blutversorgung der Hüfte führte zunächst zu mehr Verwirrung als zu Einsichten. Hauptgrund dafür war  der Umstand dass anatomische Beschreibungen mehrheitlich von Anatomen stammten, denen die Bedürfnisse der Chirurgen weitgehend fremd waren. Erschwerend war auch das babylonische Begriffs-Wirrwarr. Zudem wurde häufig  der Text von älteren Veröffentlichungen kritiklos übernommen, und damit auch deren Fehler.

Schliesslich blieb nichts anderes übrig als eigene anatomische Studien durchzuführen, insbesondere über die Gefässversorgung der Hüfte und über den Verlauf dieser Gefässe im Verbund von Muskeln, Nerven und Knochen.

Erstes Projekt war eine Studie über die Blutversorgung des Beckens, insbesondere im Bereich der Hüftpfanne, mit der Zielvorstellung  eine unlimitierte und sichere Korrektur der sehr häufigen Pfannenfehlstellung bei der angeborenen Hüftgelenk-Verrenkung zu entwickeln. Die erste Patientin wurde vor 32 Jahren operiert; inzwischen wird die Technik weltweit als Berner Periacetabuläre Osteotomie angewandt und gilt als die Gelenk erhaltende Operation mit der besten  Kurz- und Langzeit-Prognose.

Nächstes Grossprojekt war eine Studie über  Blutversorgung, Verlauf der Blutgefässe und über Umgehungskreisläufe am Oberschenkelkopf. Es war viel aufwendiger und die Ausbeute an neuen Erkenntnissen und deren Tragweite viel grösser. Das Projekt begann als Doktorarbeit, hat inzwischen die bestehende Theorie der Arthrose-Entstehung im Hüftgelenk auf den Kopf gestellt und zu  weiteren, wesentlich effizienteren Operationsmethoden der Hüfterhaltung geführt. Das Projekt wird seit 20 Jahren regelmässig durch den Nationalfonds mit Forschungsgeldern unterstützt.

Im Vortrag wird auf die verschiedenen Aspekte mit Erklärungen und illustrativen Beispielen eingegangen.

 

 

 

 

Dienstag, 4. Oktober 2016, 16.15, ExWi   

Klima und Mensch. Eine 12'000-jährige Geschichte

Heinz Wanner, Prof. em.,  Dr. phil. nat.,
Geographisches Institut und Oeschger-Zentrum für Klimaforschung
Universität Bern     

Im ersten Teil des Vortrages wird die Dynamik des Klimasystems beschrieben. Im Vordergrund stehen wichtige Zirkulationsmechanismen in Atmosphäre und Ozean. Danach werden kurz die Methoden vorgestellt, mit denen das Klima in Zeiträumen von Jahrhunderten bis Jahrtausenden rekonstruiert oder simuliert wird. Wichtig sind dabei die sogenannten Klimaproxies sowie die Erdsystemmodelle. Unter Proxies verstehen wir indirekte Zeugen wie Eisbohrkerne, Baumringe, Stalagmiten in Höhlen, Sedimente, Korallen oder historische Dokumente wie zum Beispiel Wettertagebücher oder Gemälde. Im dritten Teil wird anhand des Klimaverlaufes der letzten 12‘000 Jahre gezeigt, welche Prozesse zu längerfristigen Klimaschwankungen mit zum Teil extremen Ausschlägen geführt haben. Im letzten Teil wird der Frage nachgegangen, wie weit verschiedene Gesellschaften der Erde durch extreme Klimaereignisse beeinflusst wurden. Dabei wird ebenfalls diskutiert, zu welchen Zeiten massive Migrationen stattgefunden haben.

Das Buch des Referenten zum Thema:
Heinz Wanner. Klima und Mensch – eine 12‘000-jährige Geschichte. Haupt Verlag Bern, 274 S.

 

 

Freitag, 30. September 2016, 14.15, HG Aula

Alexander von Humboldt – die Berner Ausgabe seiner sämtlichen Schriften

Oliver Lubrich, Dr. phil. hist.,
Prof. für neuere deutsche Literatur und Komparatistik,
phil. hist. Fakultät, Universität Bern      

Alexander von Humboldt (1769–1859) ist heute bekannt wegen seiner abenteuerlichen Expedition durch das spanische Amerika (1799–1804) und einer Reihe von Büchern, in denen er natur- und kulturwissenschaftliche Gegenstände literarisch-ästhetisch vermittelt: zum Beispiel Ansichten der Natur (1808), Vues des Cordillères (1810), Asie centrale (1843) und Kosmos (1845–1862). Darüber hinaus jedoch veröffentlichte er Hunderte von Artikeln, Aufsätzen und Essays in Zeitungen, Fachzeitschriften und Werken anderer Autoren, in zahlreichen Wissensgebieten, Sprachen und Ländern – von New York und Havanna bis nach St. Petersburg. Sie handeln von der ‘Besteigung des Chimborazo’, vom ‘Kampf der elektrischen Aale mit Pferden’, von ‘Mexikanischen Altertümern’, den ‘isothermen Linien’ oder der ‘nächtlichen Zunahme des Schalls’. Alexander von Humboldt war wahrscheinlich nicht nur der vielseitigste Forscher, sondern auch der internationalste Publizist seiner Zeit, der auf ebenso originelle wie aktuelle Weise verschiedene Formen des Wissens miteinander zu verbinden vermochte. Mehr als 90 Prozent dieser wichtigen Beiträge wurden nach seinem Tod nie nachgedruckt und sind heute selbst Fachleuten unbekannt. Zum 250. Geburtstag des international bedeutenden Naturwissenschaftlers, Anthropologen und Reiseschriftstellers im Jahr 2019 entsteht nun in Bern (gefördert vom SNF) eine Gesamtausgabe seiner Sämtlichen Schriften. Der Vortrag gibt eine Einführung, mit Bild- und Textbeispielen, in das Corpus und das Projekt dieser Berner Ausgabe, die in 14 Text- und Apparatbänden sowie online als digitale Edition mit computerphilologischen Analyse-Werkzeugen verwirklicht wird. Das Projekt wird bereits im Frühjahr 2018 begleitet von einer Ausstellung im Botanischen Garten ("Botanik in Bewegung") und einer Ringvorlesung am Collegium generale ("Wissenschaften zusammendenken").

Weitere Informationen finden sich auf der Website "Humboldt in Bern".

 

Dienstag, 27. September  2016, 16.15, ExWi

Alte Erziehung, neue Erziehung, keine Erziehung:
Die Schweiz im Spannungsfeld von Erziehungskonzept und Erziehungszerfall

Elmar Anhalt, Dr. phil. hist.,
Prof. für Erziehungswissenschaft, phil. hum. Fakultät, Universität Bern

Wer erinnert sich nicht an die „alte“ Erziehung, die doch so schlecht nicht war? Wer kann sich mit der „neuen“ Erziehung anfreunden, deren Mängel wir jeden Tag beobachten? Kann man heute überhaupt noch erziehen oder hat uns die rasante Veränderung der Gesellschaft diese Möglichkeit längst aus der Hand genommen? Es ist typisch für heutige Diskussionen, dass wir auf jede dieser Fragen zustimmende und ablehnende Antworten erhalten. Wir sehen uns herausgefordert, die überzeugenden Argumente zu erkennen und sie von den weniger überzeugenden zu trennen.Wie das aussehen könnte, möchten wir in unserer Veranstaltung demonstrieren. Wir werden zunächst die drei Auffassungen von Erziehung vorstellen und anschliessend mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern über die Vor- und Nachteile diskutieren.

 

Freitag, 23. September 2016, 14.15, HG Aula

Chronische venöse Insuffizienz –
„Von der Krampfader bis zum offenen Bein“

Ulrike Hügel, Dr. med., Klinik für Angiologie, Inselspital Bern

Das Krampfaderleiden (Varikosis) ist unter der erwachsenen Bevölkerung weit verbreitet. Ihre hohe Prävalenz veranschaulicht die Bonner Venenstudie in der von 3072 Teilnehmern im Alter zwischen 18 und 79 Jahren nur 9,6% keinerlei Venenveränderungen aufwiesen. Varizen waren bei 23,2% der Probanden nachweisbar. Eine chronisch venöse Insuffizienz (CVI) konnte bei  jeder fünften Frau und jedem sechsten Mann festgestellt werden. In aktuellen Studien in der erwachsenen Bevölkerung westlicher Industrienationen wird die Prävalenz der chronisch venösen Insuffizienz auf 6,5-19% geschätzt. Wesentliche Risikofaktoren sind eine familiäre Belastung, Alter, weibliches Geschlecht, Schwangerschaft und vorwiegend stehende Tätigkeiten.

Nahezu ein  Jahrhundert ruhte die Therapie der Varikosis auf den 3 Säulen Kompression, Sklerotherapie und klassische Operation. Der Wunsch, die Therapie der Varizenerkrankung weniger invasiv zu gestalten, sowie der rasante Aufschwung der endovaskulären Techniken in der arteriellen Gefässmedizin führte dazu, dass auch für die Varizenbehandlung endovaskuläre Verfahren wie die Radiofrequenz- und Laserablation entwickelt wurden.  Die letzte Innovation in den Therapien der Varikosis ist die Einführung eines Cyanoacrylatklebers, der über ein spezielles Kathetersystem in die Vene eingebracht wird und diese verschliesst.  Der Vorteil dieser Therapie besteht darin, dass es analog der Radiofrequenz-/Lasertherapie ambulant durchgeführt werden kann, aber im Gegensatz zu den erstgenannten Verfahren ohne Lokalanästhesie auskommt und keine postinterventionelle Kompressionstherapie erfordert.

 

Dienstag, 20. September 2016, 16.15, ExWi

Knackpunkte in der Alterszahnmedizin

Martin Schimmel, Dr. med. dent.,
Prof. für Geriatrische Zahnmedizin, zahnmedizinische Kliniken, Universität Bern

Die zahnärztliche Betreuung älterer und pflegebedürftiger Mitbürger ist für deren Lebensqualität und auch allgemeinmedizinisch von grosser Bedeutung. Diese Betreuung sollte vor allem eine prophylaktischen Charakter haben, um Infektionen zu vermeiden und Schmerzen zu verhindern; hierbei kommt der Sicherstellung einer adäquaten Mund- und Prothesenhygiene eine herausragende Rolle zu. Die Auswirkungen der hochprävalenten medikamentös induzierten Mundtrockenheit sollten ebenfalls gemildert werden. Auch zahnprothetische Massnahmen können indiziert sein, um die Ästhetik, das Sprachvermögen und die Kaufähigkeit zu erhalten. In der Palliativbetreuung sollte ebenfalls eine zahnärztliche Betreuung als Teil des Pflegekonzeptes integriert sein.

Es mehren sich zunehmend die Hinweise auf nicht unwesentliche Interaktionen von oralen Infektionen und allgemeinmedizinischen Erkrankungen. Bei Patienten mit Schluckstörungen, eine vielfach  anzutreffende Erkrankung im Alter, werden häufig orale Keime in das broncho-alveoläre System verschleppt. Dies kann zu lebensbedrohlichen Aspirationspneumonien führen. Patienten mit Erkrankungen des Zahnhalteapparates sind häufiger von Schlaganfällen und Herz-Kreislauferkrankungen betroffen; auch ein Zusammenhang mit Erkrankungen des diabetischen Formenkreises ist statistisch belegt.Die zahnärztliche Betreuung pflegebedürftiger Personen bedarf spezieller Konzepte, da es alters- und zielgruppenspezifische Barrieren zu überwinden gibt.  Diese Konzepte sollten das Ziel haben:

i.Eine infektionsfreie Mundhöhle zu etablieren.
ii.Die Mundgesundheitsbezogene Lebensqualität zu sichern.
iii.Orale Infektionen langfristig zu vermeiden.
iv.Die Kaufähigkeit mit Hilfe prothetischer Massnahmen zu erhalten oder zu verbessern.
v.Eine adäquate orale Ästhetik zu gewährleisten.